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zurück zur Frage „Ist Vegetarismus inkonsequent? Und erfordert Veganismus zu...“

elise

Hallo, Peggy,

für mich ist gute Ernährung die eine und sozialer Kontakt die andere Seite einer Medaille. Um die vielen Leute, mit denen ich mich treffe, nicht vor den Kopf zu stoßen und dauernd Essen ablehnen zu müssen, habe ich mich überhaupt nicht festgelegt. Zu Hause lebe ich überwiegend vollwertig und vegetarisch. Aber gerade weil ich auch viel reise, empfinde ich jede klare und ausschließliche Festlegung für mich selber als so problematisch, dass ich da eher großzügig entscheide.

Ein nettes Kompliment eines Freundes: (allgemein bin ich ja als "Öko" verschrien) "Weißt du, was ich an dir so sympathisch finde? Dass du auch manchmal ein Weißmehlbrötchen isst..." Würd ich mir nie kaufen, aber wenn sowas (ausschließlich) angeboten wird, lehne ich es nicht ab.

In diesem Sinne wünsche ich dir, dass du deinen ganz eigenen Weg findest, der sicherlich ab und zu einen Kompromiss erfordern wird... Hauptsache, du kannst vor dir selber bestehen.

Antwort von elise am 09.August 2012, 21:00 Auf die Frage „Ist Vegetarismus inkonsequent? Und erfordert Veganismus zu...“ von Peggy1210 am 07.August 2012, 16:02

Kommentare zu dieser Antwort (11)   Antwort abonnieren

  • Peggy1210

    Danke für diese schöne Antwort :) Ich kann mich da sehr gut deiner Sichtweise anschließen. V. a. das mit dem Vor-den-Kopf-stoßen geht mir ganz ähnlich. Ich verstehe mich sehr gut mit den Eltern meines Freundes und bin dort auch oft zu Besuch und zum Essen eingeladen. Und sie kochen auch sehr gut und lecker. Aber eben fast immer mit Fleisch. Ich möchte aber auch nicht auf eine "Extrawurst" bestehen und "rummäkeln". Da habe ich mich jetzt eine ganze Weile in der Zwickmühle gefühlt. Aber vielleicht gehören Kompromisse einfach zum Leben dazu. Es ist einfach nicht immer möglich, dass zu 100% konsequent durchzuziehen. Zu Hause werde ich mich weiter vegetarisch und vollwertig ernähren, aber wenn es mal nicht anders geht versuche ich mir keinen Stress zu machen und mich selbst zu verurteilen.

    Kommentiert von Peggy1210 am 09.August 2012, 21:44
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  • smartynie

    Tipp: Du musst ja nicht auf eine "Extrawurst" bestehen: zu einem "traditionellen" Essen gehören doch neben Fleisch meist Kartoffeln und Gemüse-wenn Du einfach sagst, Du möchtest das Essen eben ohne "Fleischbeilage"-wäre das eine Möglichkeit?

    Kommentiert von smartynie am 09.August 2012, 21:56
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  • Peggy1210

    Ich denke, dass das nicht unbedingt möglich ist. Ich würde mich dabei sehr unwohl fühlen, da ich denke, dass sie das nicht unbedingt verstehen würden und vielleicht sogar verletzt wären. Bis vor Kurzem hatte ich ja immer alles gegessen. Ich habe schon einmal versucht, das zu erklären - ging gründlich schief, da sie darüber eine komplett andere Auffasung haben, die sich vermutlich auch nicht ändern wird. Und in dieser Diskussion möchte ich das gute Verhältnis nicht aufs Spiel setzen.

    Kommentiert von Peggy1210 am 10.August 2012, 02:42
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  • smartynie

    Warum würdest Du Dich unwohl fühlen?

    Eigentlich verletzen diese Menschen doch Deine Gefühle.

    Kommentiert von smartynie am 10.August 2012, 18:26
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  • elise

    @smartynie
    So sehe ich das nicht, als Verletzung der Gefühle desjenigen, der vegetarisch leben will.

    Viele Menschen sind nur einfach irritiert, wenn man von der Mehrheitsmeinung abweicht, und die ist - man mag es beklagen oder nicht - immer noch, dass "Fleisch ein Stück Lebenskraft" sei und "man nicht darauf verzichten könne".

    Wenn nun die Eltern liebevoll einen saftigen Braten - etwas besonders Gutes ihrer Meinung nach - servieren und ich daran rummäkele bzw. zu verstehen gebe, dass ich den nicht essen möchte, werde ich vielleicht als "Spinner" angesehen, der "solche Pfötz oder solche Pflänz" oder wie auch immer das regional heißen mag, lieber lassen sollte, wenn er nicht gleich als Außenseiter abgestempelt werden will.

    Wenn ich also weder gesundheitliche Einschränkungen noch schwerwiegende Ekelgefühle habe, könnte ich hier, in so einem Fall, eher einen Kompromiss schließen.

    Am unverständlichsten finde ich persönlich Situationen, in denen Vegetarier oder Veganer während des Essens zu missionieren versuchen, indem sie über die letzte Fernsehsendung über Schlachthöfe breit referieren und allen Anwesenden gezielt den Appetit verderben. Das kann es ja wohl auch nicht sein.

    In meinem ganz privaten Bereich kann ich tun und lassen, was ich will, aber im Umgang mit anderen würde ich eher kompromissbereit sein.

    Kommentiert von elise am 10.August 2012, 20:23
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  • Peggy1210

    Ich sehe das so wie Elise. Denjenigen, die es ehrlich interessiert wie ich lebe und die nachfragen, weil sie mehr darüber erfahren wollen, denen berichte ich auch sehr gern über meine Erfahrungen. Aber anderen meine Auffassung aufschwatzen zu wollen würde mir nie in den Sinn kommen. Bevormundung bewirkt meistens nur das Gegenteil. Dann lieber durch ein gutes Essen überzeugen. Meine Großeltern essen oft und gerne Fleisch. Das muss man wohl auch unter dem Gesichtspunkt sehen, dass sie den Krieg und all seine Entbehrungen sowie die anschließende lebensmitteltechnisch nicht bessere DDR miterlebt haben und somit einfach eine andere Sichtweise haben. Ich habe nun schon ein paar Mal für sie vegetarisch und vegan gekocht und sie waren bisher von jedem Gericht begeistert. Oftmals liegt es einfach an der Unkenntnis. Jedenfalls ist es nunmal noch in der Gesellschaft verankert, dass ein guter Braten etc. etwas Besonderes ist. Und indem das abschlage tue ich mir keinen Gefallen.

    Kommentiert von Peggy1210 am 11.August 2012, 00:26
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  • Peggy1210

    Zumahl das Fleisch dann sowieso zubereitet ist. Da wären wir wieder bei dem Punkt, dass ich lieber Fleisch esse, als dass es weggeschmissen wird.

    Kommentiert von Peggy1210 am 11.August 2012, 00:27
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  • elise

    Meine Schwiegermutter konnte sich nach einem exzellenten Getreideauflauf auch nicht verkneifen zu bemerken: Ka ma ess (das ist angeblich das höchste Lob, zu dem Franken fähig sind) - aber e Wöschtle dazu wär a nit schlecht ...

    Kommentiert von elise am 11.August 2012, 00:42
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  • smartynie

    Die Idee von Elise, skeptische Menschen zum selbstzubereiteten vegetarischen Essen einzuladen, finde ich sehr gut: auf diese Art kann man Vorurteile abbauen.
    Allerdings ist auch die Antwort "e Wöschtle dazu wär a nit schlecht" ziemlich typisch: aber der erste Schritt ist getan, man darf sich nicht entmutigen lassen.

    Ich halte auch absolut nichts von "missionarischen Bemühungen": man kann niemanden zu einer Verhaltensänderung zwingen.

    Ich möchte noch einmal auf die Verletzung der Gefühle zurückkommen.
    Das Leben in unserer menschlichen Gesellschaft ist von Kompromissen geprägt: was ja nichts anderes heißt, als dass man aufeinander zugeht-und sich "in der Mitte" trifft-um eben eventuelle Verletzungen auf beiden Seiten möglichst niedrig zu halten.

    Wenn "eine Seite" alle Kompromisse (auch für die eigene Lebensweise) auf sich nimmt-sich dabei aber unwohl fühlt, die "andere Seite" dagegen auf ihrer Meinung beharrt, entsteht zwangsläufig eine verletzende Situation-und das auf der Seite des Kompromißbereiten (wobei in diesem Falle der Kompromiß nichts mehr mit meinem Umfeld zu tun hat, sondern nur noch eine Auseinandersetzung mit mir selbst ist).


    @Peggy:
    Zu Deiner Antwort "zumal das Fleisch dann sowieso zubereitet ist"..-das kann man endlos fortsetzen: "ein Tier wird sowieso geschlachtet, landet im Laden: warum soll ich dieses Fleisch dann nicht kaufen und zubereiten, wenn das Tier doch sowieso bereits tot ist!?"..

    Bei uns Verbrauchern beginnt die Kette: was wir nicht wollen, wird sich nicht mehr verkaufen lassen.

    Kommentiert von smartynie am 12.August 2012, 18:53
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  • Maria_L

    Eben um solche Grenzverletzungen zu vermeiden, finde ich es wichtig, sich selbst zu verinnerlichen, daß Essen eine sehr persönliche Angelegenheit ist.

    Ich darf niemandem aufdrängen, das zu essen, was ich für richtig halte.
    Ich brauche mir aber auch von niemandem etwas aufdrängen lassen, was ich nicht essen will und darf jederzeit ein freundliches "Nein danke, das mag ich nicht" sagen.

    Und obwohl Essen eine wichtige und persönliche Angelegenheit ist, versuche ich, mich nicht über Essen zu definieren.
    Weder kann es mich verletzen, wenn ich m a l was esse, was gegen meine sonstigen Einstellung verstößt, noch verletzt es mich, wenn jemandem nicht schmeckt, was ich gekocht habe oder gut und richtig finde.

    Kommentiert von Maria_L am 12.August 2012, 19:34
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  • mela

    Meine Großeltern gehören auch zu der Kategorie, für die ein Essen ohne Fleisch kein Essen ist. Als ich aufgehört habe, "normales" Fleisch zu essen, habe ich das natürlich auch bei Essenseinladungen von ihnen beibehalten. Sie waren zwar schon erstmal verwundert, aber ich glaube, nicht traurig oder beleidigt. Ich habe eben fleißig Beilagen gegessen (inkl. Soße übrigens) . Und meine Oma freut sich immer, wenn's mir schmeckt, ob es nun die Beilagen sind oder das Fleisch. Die Verwunderung ist übrigens aber doch geblieben. Immer wiedermal kommt eine Bemerkung a la " das isst du ja nicht". Ich glaube sie können's nicht wirklich verstehen oder nachvollziehen (andere Realität), aber akzeptieren und respektieren tun sie es doch. Und das ist doch toll. Ich wünsche das auch anderen, dass sie mit ihren "Sonderwünschen" respektiert werden. Dass man zB zu Schwiegereltern ein solches Vertrauensverhältnis haben kann, dass man seine Essenseinschärnkungen ohne Angst um eben das Verhältnis äußern kann. Ich jedenfalls würde mir Gedanken machen, wenn ich herausfinden müsste, dass jemand bei mir etwas gegessen hat, was er eigentlich nicht mag oder vermeiden will.

    Im Übrigen: Gerade bei kleinen Kindern sind Großeltern immer sehr sehr sehr tolerant, wenn die irgendetwas nicht mögen. Sie nehmen es den Kids überhaupt nicht übel oder persönlich, sondern es wird werden Extrawürste gekoht.

    Kommentiert von mela am 14.August 2012, 17:55
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