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  • Simon Reichel

    Der große Rechenfehler - Flug wirklich nicht schädlicher als Autofahrt

    Hallo zusammen! Ich bin leidenschaftlicher Wellenreiter und werde deswegen wie jedes Jahr im Juni mit Freunden nach Südfrankreich fahren. Nun hat mein guter Freund Leo mir gestern ein Rechenbeispiel vorgelegt, bei dem es mir schier die Sprache verschlagen hat.

    Der Vergleich: Ist es umweltschädlicher, in einer voll besetzten Boeing 747 von München nach Bordeaux zu fliegen oder zu zweit in einem Auto runter zu fahren?

    Vom Gefühl her hätte ich sofort die Autofahrt genommen, aber die Rechnung meines Freundes hat ergeben: Auf einen Passagier der Boeing entfallen pro Flug 55 Liter Kerosin, auf einen Autofahrer 55 Liter Benzin. Jetzt bin ich kein Experte in Erdöl-Derivaten und weiss nicht, wie viel schädlicher das Kerosin ist, aber trotzdem, das ist doch erschütternd, oder?

    Zur Rechnung meines Kumpels: Eine Boeing 747 hat laut Wikipedia 452 Sitzplätze und verbaucht durchschnittlich 13620 Liter Kerosin pro Stunde. Der Flug nach Bordeaux dauert 1,5 Stunden. Ergibt sogar nur 45 Liter pro Person pro Flug bei Vollbesetzung.

    Das Auto meines Freundes verbraucht 10 Liter pro 100 km, von München nach Bordeaux sind es rund 1310 Kilometer. Macht einen Gesamtverbrauch von 131 Litern Benzin und ca. 65 Litern pro Mann!! Auch bei drei Passagieren wäre man gerade mal auf dem Flugzeug Level von ca. 45 Liter.

    Jetzt bin ich aber nach wie vor davon überzeugt, dass die Autofahrt die bessere Wahl ist. Und jetz bräuchte ich ein paar schlagfeste Argumente, die ich meinen Kumpels beim nächsten Bier präsentieren kann. Und mit schlagfest mein ich schlagfest, weil mit Basisidealismus brauch ich denen nicht zu kommen. Kann mir wer helfen?

    Gefragt von
    Simon Reichel
    am 18.Mai 2012, 16:40 | 7 Antworten

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  • emmaradio

    Den entscheidenden Unterschied macht die Flughöhe. Dabei wird CO2 also in die sensiblen "Stockwerke" (große Höhe, d.h. überwiegend in der Troposphäre, 10-15 km) der Atmosphäre emittiert. Am Boden besteht immerhin die Chance, dass ein Teil des ausgestoßenen CO2 von Pflanzen/ Bäumen aufgenommen werden. Hinzu kommen ausserdem ja noch weitere Klimaverändernde Treibhausgase (z.B. Stickoxide) in großer Höhe.

    http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Auswirkungen_des_Luftverkehrs
    http://fluglaerm.de/hamburg/klima.htm

    Und etwas vertiefender auch "Klima und Luftverkehr" ab S. 181: http://www.dmg-ev.de/gesellschaft/publikationen/pdf/promet/pdf_gross/promet30_4.pdf

    Hier noch mal ein paar andere Vergleichsdaten zur Belastung der Atmosphäre am Beispiel Hamburger Flughafen: http://fluglaerm.de/hamburg/klima.htm

    Beantwortet von emmaradio am 18.Mai 2012, 22:45
    • Marshavan

      Grad eben in einer Bilderstrecke zur Klimakonferenz in Kopenhagen hier bei Utopia gefunden: "Nach...mehr

      Marshavan am 25.Mai 2012, 10:52
    • berniewa

      wobei ...: Beim Start (bis Erreichen der größeren Flughöhe) wird weitaus am meisten Treibstoff...mehr

      berniewa am 24.Mai 2012, 15:59
    Alle Kommentare(2) Antwort kommentieren
  • Robinson

    Klimaschädlichkeit der Transportbilanz ist eines.

    Wer mit dem Flugzeug reist, finanziert ein nicht nachhaltiges TransportSYSTEM: Fluggesellschaften, Flughäfen, nicht nachhaltige Berufe, man beteiligt sich direkt an dauerhafter Wohnbelastung der Anwohner, man unterstützt die Gewinnausrichtung von Aktien-Konzernen unter umweltfeindlicher Flächennutzung.

    Soll mir keiner erzählen, Flughäfen würden nach Stilllegung mehr Artenvielfalt ermöglichen als ohne Bebauung.

    Flughäfen sind gut für die Baubranche und das Image von Politikern, die sich bei der Industrie und Wirtschaft einschmeicheln wollen.

    Die Bahn hingegen ist ein zukunftsfähiges Flächentransportmittel. Wer unbedingt mit dem Auto anreisen muss, warum nicht bequem huckepack auf den Bahnschienen ?

    Fazit:
    Es geht nicht um eine nackte Treibstoff-Bilanz. Wer gerne fliegt, wird immer Gründe finden, die Hobby-Flieger lassen sich vielmehr vom Bahnfahren und Autofahren abschrecken, weil es lange dauert und "unbequem" ist. Jedenfalls nicht so bequem wie im Flugzeug.

    REISEN hingegen ist die Wegstrecke wahrnehmen, sehen, fühlen, schmecken. Halt machen, regionaltypische Gerichte verzehren, Städten und Menschen begegnen, wer so reist, nimmt mehr mit nach Hause als ein "Event" sportlicher Art oder dem Erleben von "Natur", solange sie noch schönt ist. Wer nachhaltig reist, schützt die so erlebenswerte Natur, fur sich und die Mitmenschen.

    Wer auf´s Flugzeug setzt, erhebt sich über die Natur, nutzt sie aus und kommt auf seine und gesamtgesellschaftliche Kosten. Umweltverträglich Reisen ist ein langfristiger Mehrgewinn statt kurzfristigem Zeitgewinn.

    Beantwortet von Robinson am 19.Mai 2012, 08:58
    • Simon Reichel

      Du schwingst da finde ich ein sehr zweischneidiges Schwert mit Dir herum. Ich könnte aus dem...mehr

      Simon Reichel am 19.Mai 2012, 13:18
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  • smartynie

    Meine Idee: Wie wäre die Bilanz bei einer Zugfahrt?

    Man könnte vielleicht auch einen Auto-Zug nutzen (soweit es diese Möglichkeit für diese Strecke gibt), wenn der Bahnhof am Ankunftsort zu weit vom eigentlichen Zielort enfernt ist-um von dort wieder sein Auto nutzen zu können.
    Oder es gibt die Möglichkeit öffentlicher Verkehrsmittel, bzw. eines Großraum-Taxis vor Ort: kommt natürlich auch auf die Gepäckmenge und -größe an (Surfbretter passen ja nun nicht in jeden Kofferraum ;-))

    Beantwortet von smartynie am 18.Mai 2012, 16:59
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  • berniewa

    Ergänzend zu bereits anderen Antworten von emmaradio etc.foglendes:

    Es kommt auch auf das Auto an. Besonders gut ist die Klimabilanz z.B. mit einem TWIKE ( http://www.twike.com ) oder einem SAM ( http://de.wikipedia.org/wiki/Sam_%28Elektroauto%29 )

    -- beide übrigens auch auf folgender Seite erwähnt (mit verschiedenen Ideen für bessere Verkehrskonzepte etc) http://www.utopia.de/blog/freedom-happiness-and-sensitivity-for-beauty-for-all-beings-in-solidarity-berniewa-s-utopia/traffic-energy-revolution

    Nicht zuletzt finde ich folgendes zu bedenken: Falls es sich bei Flugzeug und/oder Auto um solche mit Motoren handelt, die Erdöl-Derivate (Kerosin, Benzin etc) verbrennen, kommen neben dem Klimaaspekt noch andere Umwelt und Menschenrechtsfaktoren hinzu, vgl. dazu http://www.utopia.de/gruppen/buecher-filme-und-tv-415/diskussion/das-oel-zeitalter-dokumentarfilm-2-197487 (über einen Dokufilm und andere (kritische) Aspekte rund ums Erdöl )

    Da freilich leider der Strom für E-Mobile (wie oben Twike und Sam) in Frankreich einen hohen Atomstrom-Anteil hat, wäre bei einer Fahrt durch Frankreich vielleicht sogar ein Biogas oder Biodiesel Fahrzeug in verschiedener Hinsicht 'umweltfreundlicher', zumindest wenn Biogas oder Biodiesel sozial + ökologisch (z.B. aus europäischer Biolandwirtschaft) erzeugt sind (was leider zurzeit oft nicht der Fall ist). Analoges gilt für Biokerosin (das ebenfalls heute meist nicht aus Biolandbau stammt)
    -- n.b. Flächenkonkurrenz zu Nahrungserzeugung gibt es de facto zurzeit bei Biotreibstoff ebenfalls, wäre aber leicht zu vermeiden, wenn die Leute weitgehend auf vegane Lebensweise umsteigen (dann näml. genügend Fläche für beides)

    Beantwortet von berniewa am 24.Mai 2012, 15:35
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  • Hannilein

    Wenn man so "spitz" rechnet, sollte man das auch gleich ansetzen. Durchschnittsverbrauch je Flug-Stunde und je 100 Fahr-km sind 2 paar Schuh.

    Steht die Boeing 747 schon fest und ist ausgebucht? Zum Flughafen müsst Ihr auch erst mal kommen. Fahrt Ihr auch so weit oben über den Wolken?

    Für dieses Beispiel mag ja der 10 l-Ansatz gelten - für den grundsätzlichen Vergleich gelten heute doch hoffentlich eher nur 6,7, oder 8 l.

    Beantwortet von Hannilein am 24.Mai 2012, 15:28
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  • Uwe-Sievers

    Es gibt immer mehrere Lösungen!

    Wie wäre es damit?

    Die Hydroptère - das schnellste Segelboot der Welt
    http://www.youtube.com/watch?v=pWmFkRBjzw0

    Hydroptere - world sailing record - 51 knots
    http://www.youtube.com/watch?v=2boayPZ3GbE&feature=related

    http://www.hydroptere.com/
    Über das Wasser fliegen.

    Beantwortet von Uwe-Sievers am 19.Mai 2012, 10:06
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  • werner stickler

    Zwei Gedanken zur Auslastung:
    1. ist eine 747 immer voll besetzt? Besonders bei diesem Flug.
    2. was, wenn das Auto 4 Personen befördert, statt nur zwei und eventuell auch weniger verbraucht als 10l/100km.

    Und: wie sieht das Verhältnis Kerosin/Passagierkilometer bei anderen Flugzeugen aus?

    Beantwortet von werner stickler am 18.Mai 2012, 18:56
    • Marshavan

      Die Gedanken hatte ich auch. Zu 1.) Wenn die Boeing zu 80% ausgelastet ist, fallen pro Passagier...mehr

      Marshavan am 18.Mai 2012, 19:09
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