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  • PatrickB

    Christentum und die Selbstverständlichkeit für Nachhaltigkeit

    Ich bin evangelisch und Christ. Letzten Herbst hatte ich meinen Lebenswandel. Von heute auf morgen habe ich für mich beschlossen auf Fleisch zu verzichten, das Auto öfters stehen zu lassen, regionale und saisonale Bio-Produkte und ökologisch und sozial hergestellte Kleidung zu beziehen usw.

    Das bleibt natürlich nicht lange unbemerkt. Auch nicht in meinem Freundeskreis.
    Ich glaub es war an Silvester wo man mich das letzte mal fragte, warum ich denn das alles mache. (Meistens fragen sie warum ich Bio kaufe).

    Klar, ich kann jetzt denen die ganzen Argumente runterpredigen die für Bio-Lebensmittel, öko-Kleidung usw. sprechen, aber ich möchte meine Freunde eher über die Glaubensschiene von meinem "neuen" Lebenstil überzeugen. (Da sie ja auch Christen sind)

    Warum ich gerade jetzt darüber so viel nachdenke, kam auch wegen der "Wie sensibilisiert ihr eure Mitmenschen?" Frage hier auf Utopia.

    Ich suche mir also gerade Parallelen zwischen dem Christentum und der Nachhaltigkeit, den Bioprodukten, dem fairen Handel etc.

    Konkretes Beispiel:
    Die Bibel spricht von Nächstenliebe, Gott heißt Sklaverei/Ausbeutung nicht gut usw.
    Dann ist es für mich als Christ (Jetzt im nachhinein, wo mir das durch den Lebenswandel erst bewusst wurde) doch nur selbstverständlich z. B. Schokolade von GEPA zu kaufen und nicht welche wo die Kakaobohnen von Kindern/Kindersklaven geerntet wurden.

    Nächstes Beispiel:
    Gott ist gegen Gewalt/Waffen
    Auch hier ist es doch eigentlich selbstverständlich die Banken zu meiden, die in die Waffen- und Atomindustrie investieren.

    Noch eins:
    Gott ist der Schöpfer der Erde
    Also bin ich als Christ doch eigentlich gegen Pestiziden in Gemüse, in Baumwolle... Gegen lange Transportwege die CO2 produzieren, gegen Abholzung des Regenwaldes weil das alles der Umwelt, der Natur ... der Schöpfung Gottes schadet.


    Mein Lebenswandel war damals unabhängig von meinem Glauben. Ich machte es aus anderen Gründen. Aber so langsam merke ich "hey, vieles davon geht auch mit dem Glauben einher." "Gott würde Kinderarbeit nie für gut heißen, aber du hast früher ohne drüber nachzudenken Schokolade gekauft die durch Kinderarbeit hergestellt wurde."

    Ich muss dazu sagen ich bin was die Bibel angeht, tatsächlich nicht so bewandert und hab sie auch nur in Auszügen gelesen.

    Um auf den Punkt zu kommen, vieles was für mich jetzt "normal und selbstverständlich" ist (Wie der Kauf von öko und sozial korrekter Kleidung), wäre anders, also wie ich vorher gelebt/gehandhabt habe, gar nicht mehr mit meinem Glauben zu Gott vereinbar.

    Wenn ich doch Gott die Natur verdanke und sie im selben Moment aber durch mein Konsumverhalten und Lebensstil kaputt mache (Sei es der Bezug von Atomstrom, Obst aus Übersee, Kauf von Produkten mit Palmöl), kann das doch nur gegen seinen Willen sein.

    Ich hoffe man versteht worauf ich hinaus will.

    Sieht Gott das nicht so eng? Sollten alle Christen dann Öko's und Vegetarier sein? Sehe ich das alles falsch? Habe ich den falschen Denkansatz?

    Welche Argumente kann ich bringen um meine Freunde durch den Glauben zum nachdenken zu bringen, ob ihr Verhalten/Lebensstil so richtig ist und um sie so wiederum für mehr Nachhaltigkeit, sozialem Verhalten zu begeistern?
    Kann man das überhaupt, über den Glauben?

    Gefragt von
    PatrickB
    am 17.Januar, 17:38 | 11 Antworten

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  • gerfi

    Ich finde es nicht schlecht, aus der Christenlehre Anregungen für soziales und nachhaltiges Leben zu finden, bzw. über diesen Weg darüber nachzudenken, was man undwie man sich verändern möchte/muss. Wichtig ist, der Weg wird beschritten und die Erkenntnis dazu vorhanden ist.
    Achtung vor der Schöpfung, das ist auch immer Verantwortung, für sich und für andere und schliesst auch Tiere mitein.

    Beantwortet von gerfi am 18.Januar, 09:07
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  • mela

    Hallo PatrickB
    ich finde die Argumentation über den Glauben ist vollkommen stringent. Ökologisch und sozial orientierter Konsum steht für mich im Einklang mit der christlichen Lehre, so wie ich sie kenne und verstehe.
    Ich möchte mal denjenigen sehen, der da echte Widersprüche entdeckt (sehen wir vielleicht mal von fairen Kondomen ab, aber davon steht glaub ich nix in der Bibel ;-)
    Für Menschen, die bereits gläubig sind, kann der Zugang zu diesem etwas anderen Lebensstil über den Glauben einfacher sein, als über die reine Vernunft (allein über Vernunft gehts eh nicht).
    Die Argumentation wäre aus meiner Sicht, okay, ich glaube an Gott und versuche, seinen Willen zu erfüllen und sein Werk zu respektieren. Und zwar auch im echten Leben. Nicht nur Sonntags in der Kirche oder im persönlichen Gebet, sondern eben auch im Alltag. Und dazu gehört natürlich der rücksichtsvolle Umgang mit allen Mitmenschen, egal wie weit sie weg wohnen und aus welchen Verhältnissen (oder Glaubensrichtungen) sie kommen. Und vor allem, egal wie abstrakt bzw. komplex der Zusammenhang zwischen meinem Handeln und deren Wohlergehen ist.
    Ich denke diese Komplexität ist für viele Menschen das Problem: Einem Bettler Geld zu geben ist eben direkter (im Sinne von weniger anonym), als eine Hose zu kaufen, die irgendwo weit weg unter fairen Bedingungen produziert wurde. Letztere Maßnahme ist zwar anonymer, hilft m.E. aber effektiver, da sie -neben dem Ermöglichen eines würdevollen Auskommens für die Produzenten- hilft, ein alternatives System aufzubauen und zeigt, dass es auch anders geht.

    Beantwortet von mela am 18.Januar, 10:40
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  • Robinson

    "Sollten alle Christen dann Öko's und Vegetarier sein?"

    Greife mir der Kürze wegen nur diesen einzigen Aspekt heraus, ich glaube ja. Christen sollten aus dem Schöpfungsgedanken heraus alle Dinge dieser Welt hinterfragen, in der Gegenwart ist die Ökologie dieses Planeten dramatisch bedroht, deshalb ökologisch zu konsumieren müsste eine Konsequenz sein. Die meines Wissens nirgends GEGEN Glaubensgrundsätze spricht. Höchstens in Oberbayern, wo sich Kirchenrecht mit politisch schwarzen Traditionen und Essgewohnheiten mischen. Was aufzudröseln wäre. ;-)

    Vegetarisch zu leben ist - bezogen auf die Gegenwart, der Verfügbarkeit von hochwertigen, preisgünstig beziehbaren Proteinen und aufgrund der medizinisch nur in Ausnahmefällen angeratenen Fleischkonsums - kein Märtyrertum im biblischen Sinne resp. eine Sonderkost für Pilgerreisen. Fleischlos zu leben ist in unserer Gesellschaft
    - machbar, geschmacklich wie bzgl. Zeitaufwand
    - bezahlbar, falls man ehrlich rechnet
    - vertretbar, in ökologischer Hinsicht der Gesamtwirkung des fleischlosen Ernährungsstils.

    Ich war 4 Jahre bereits Vegetarier, bis bei mir der Schöpfungsgedanke hinzu kam. Und meine Entscheidung bestätigt hat. Trotzdem verwahre ich mich davor, aus den o.g. Bedingungen heraus Postulate zu entwerfen, für andere Kulturen, andere Marktverhältnisse, andere Gesundheitssituationen, Selbstversorgerhöfe usw. Die (entfremdete) Massentierhaltung mit extremer Überproduktion und tierverachtenden Zuständen ist eine Geburt der Wohlstandsgesellschaften. Fleischkonsum in armen Entwicklungsländern lässt sich m.W. nicht pauschal bewerten, wir kennen zwar die Umweltbilanzen für die Produktion von 1 kg Fleisch, sollten uns aber meiner Meinung hüten, für alle Christen Verhaltensregeln zu formulieren. Für Deutschland hingegen ist die Sache ziemlich eindeutig.

    Das biblische Sinnbild schlechthin: die Arche Noah, wurde etwa ein zweites Paar einer Art mitgenommen für das Schlachten unterwegs ? Noah hat auf seine Überzeugung vertraut und ein damals wie heute waghalsiges Konzept gestartet, ohne erkennbare, externe Bestätigung von außen bzw. Dritten. Eine Deutung in Richtung "Sündenfall" sehe ich nicht vordergründig, hingegen eine Deutung im Sinne der Mitverantwortung für die Schöpfung, nicht theoretisch sondern mit sehr konkreter Arbeit verbunden.

    Beantwortet von Robinson am 18.Januar, 12:52
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  • schuffel

    ich war jahrelang in evangelikalen (leute,die die bibel 1:1 ins heutige leben übernehmen) gruppen.und es fiel mir auf dass sie völlig "unkörperlich" waren keine aufforderung zu gesunder ernährung , zum sport , kein wort über umweltthemen...ich war damals ganz anders drauf.aber allgemein hat mich dieser "Jenseitsfatalismus" schockiert , den ja schon die erste apostelgeneration inne hatte. ( petrusbriefe ) häufig wurde damit argumentiert wir lebten ja sowieso in " der endzeit".solche gedanken wie patricks lagen denen völlig fern , die haben nur auf die wiederkunft christi gewartet damit die "neue zeit " kommen würde (Offenbarung 21).
    auf mich wirkte das oft wie flucht und ich fand es sehr rücksichtslos und radikal einer erde gegenüber , die doch allen gehört , dachte ich...ich bin vor zwei jahren da weggegangen.
    super,patrick.ich finds gut daß mal jemand von der seite auf das thema kommt !

    Beantwortet von schuffel am 18.Januar, 18:56
    • Maria_L

      Finde ich gut, daß Du da weg gegangen bist. Für mich klingt das schrecklich. Die negieren ja...mehr

      Maria_L am 18.Januar, 19:12
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  • PatrickB

    Kann man das von Christen verlangen? Kann Gott das verlangen?

    Viele Christen sagen sie leben nach dem Willen Gottes bzw. dem was Ihnen die Bibel lehrt. Doch lehrt sie uns nicht auch indirekt den nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen die uns von Gott gegeben sind? Den liebevollen sozial fairen Umgang mit Menschen, auch denen gegenüber die am anderen Ende der Welt sitzen und unsere Kleidung herstellen und denen wir den Kaffee am Frühstücktisch beim Bibel lesen verdanken?

    Beantwortet von PatrickB am 17.Januar, 18:05
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  • greenwave

    Nun, was die Bibel sagt ist ja das eine. Was die jeweiligen Kirchen-Fürsten darin lesen, ist wiederrum das andere.

    So verbiebtet die Kirche doch eigentlich das Stehlen. Doch Achtung, abhängig von der Zeit ist es auch wieder erlaubt:

    "Der Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings hat nach dem zweiten Weltkrieg verkündet, dass das Herunterwerfen von Kohlen von fahrenden Güterzügen zum Überleben kein Diebstahl darstellt. Hätte Frings das nicht von der Kanzel verkündet und jemand wäre durch eigenes Überlegen auf das selbe Resultat gekommen, wäre das plötzlich Diebstahl gewesen?" (Quelle: http://www.rhetorik-seminar.ch/pohm-letter-archive/poehmletter37/)

    Also, meiner Meinung nach können die Menschen innerhalb der großen Kirchen nicht besser beurteilen was richtig oder falsch ist, als jeder andere auch. Und eine absolute Wahrheit, die immer gilt, ist auch noch nicht erfunden.

    Wenn Du also nach jemandem oder nach etwas suchst, das Dir definitiv sagt, was richtig oder falsch ist, gibt es nur einen Rat: benutze Deinen Verstand, Dein Gewissen und Dein Herz. Damit dürftest Du eine gute Richtschnur haben.

    Beantwortet von greenwave am 17.Januar, 19:22
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  • Karinsche1

    Hallo Patrick,

    tatsächlich haben wir uns mit dem Thema Naturschutz etc. in unserem Konfirmantenunterricht beschäftigt und einen Gottesdienst zum Thema gestaltet. Das ist aber jetzt schon ewig her. Soweit ich mich erinnere haben wir uns aber hauptsächlich auf die Schöpfungsgeschichte bezogen und die Verantwortung jedes Einzelnen für die Schöpfung herausgearbeitet. Aber zum Beispiel das Erntedankfest ist auch eine gute Gelegenheit sich mit dem Thema Wertschätzung von Lebensmitteln zu beschäftigen.

    Ich denke, viele Menschen sind nicht sehr gut informiert (ich zähle mich in manchen Bereichen dazu) oder beschäftigen sich mit anderen Themen. Deshalb finde ich es wichtig über den Glaubensansatz hinaus Fakten im Freundeskreis zu diskutieren und zum Beispiel Ungerechtigkeiten auf zu decken. Dann können andere Menschen sich über die Auswirkungen ihrer Handlungen bewußt werden und entscheiden...

    Beantwortet von Karinsche1 am 17.Januar, 19:41
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  • Maria_L

    Ich bin mir nicht sicher, ob die christl. Kirchen unbedingt in Sachen Umweltschutz oder Einhaltung der Menschenrechte als Vorreiter gelten können.
    Eigentlich sollte Glaube die Achtung vor der Schöpfung mit sich bringen...da gebe ich Dir recht.
    Die Praxis sieht leider meistens anders aus.

    Beantwortet von Maria_L am 17.Januar, 19:45
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  • MarionL

    Eine Religion, die als Gegengewicht zu Konsum, Gier und Egoismus wirklich den Weg zum "Guten" in den Vordergrund stellt und uns alternative Werte anbietet, könnte viele erreichen. Ich weiß, dass einzelne Christen, wie du, diesen Themen ernsthaft diskutieren und würde mich freuen, wenn Religion sich für Themen der Gerechtigkeit sowie Umwelt- und Tierschutz einsetzt. Denn ich habe bei dem Begriff "Christ" teilweise nur die Vorstellung des ´Haxe futternden Bayern, der sich um nichts schert - so wie seine Parteien mit demC´. Anderseits sehe ich dann Bilder der Massentierhaltung und denke dazu: Das sind doch "Gottes Geschöpfe" und hatte mich auch schon oft gefragt warum die Kirchen hier nicht Position beziehen oder weshalb nicht alle Christen Vegetarier sind.

    Beantwortet von MarionL am 18.Januar, 14:10
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  • berniewa

    Wie sensibilisiert Ihr Euere Mitmenschen - oder so ähnlich, dazu gab es erst neulich eine Frage, auch hier unter der Rubrik " Gute Fragten "!

    Im wesentlichen halte ich alle Antworten dort auch für Christen Christinnen also auch für Dich lesenswert, Daher dieser Hinweis, falls du die Frage und die Antworten dort nicht schon gelesen hast (sonst vielleicht auch nochmal lesen; evtl sind ja auch neue dazugekommen)

    Ansonsten halte ich z.b. die Bibel für sehr unzureichend, um daraus eindeutige ethische Schlüsse zu ziehen, das gilt auch für ökologische Fragen.

    Sogar das "Liebesgebot" ist ja sehr abstrakt und in der Geschichte waren damit sogar Ketzerverfolgunten etc für vereinbar gehalten worden ...

    Davon abgesehen ganz grundsätzlich / allgemein: Mich überzeugt zwar keine einzige der bisherigen Religionen so recht ... auch nicht das Christentum, aber ich finde in vielen so manches bedenkenswertes Element, auch in Teilen des Christentums, vgl z.B. dazu http://www.utopia.de/blog/freedom-happiness-and-sensitivity-for-beauty-for-all-beings-in-solidarity-berniewa-s-utopia/er-stuerzt-die-herrscher-vom-thron-und-erhebt-die

    Beantwortet von berniewa am 18.Januar, 14:19
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