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Regional und saisonal

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Beiträge (34 )
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Y.Idjes schrieb am 24.06.2011 um 12:40
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Wenn es um räumliche Nähe geht, geht es meist auch um zeitliche Nähe... Regionalität und Saisonalität gehören für viele Menschen zusammen. Doch wie geht es euch? Was ist für euch noch regional? Eine Mandarine in der Weihnachtszeit? Oder nur die Tomate aus dem eigenen Garten im Sommer? Ich finde es immer schwer, da gut zu antworten, daher mag ich die Frage weitergeben. Abgesehen davon: Welches Gefühl geben euch Produkte aus der "Nähe"?
    Maria_L schrieb am 25.06.2011 um 11:57
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    Ich sehe das immer zweigleisig.

    Zum einen bedeutet regional tatsächlich, daß es bei mir in der Nähe produziert wird.

    Andererseits bedeutet z.B. der Begriff "regionale Spezialitäten" für mich auch bestimmte Pflanzensorten, Tierarten, Rezepte, Herstellungsverfahren, die für eine bestimmte Region typisch sind.

    Also im Zusammenhang mit regionaler Vielfalt.

    Diese regionale Vielfalt sollte -meiner Meinung nach- erhalten bleiben.
    Und weil diese Produkte oft in anderen Regionen leichter zu vermarkten sind, als vor der eigenen Haustüre, genieße ich die auch von Zeit zu Zeit ohne schlechtes Gewissen, auch wenn sie nicht bei mir in unmittelbarer Nähe produziert werden.

    Dagmara schrieb am 25.06.2011 um 13:38
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    Theoretisch würden wohl die meisten von uns regional-saisonal einkaufen, doch in der Praxis sieht es anders aus. Oh lecker, Erdbeeren, Spargel & Co. Sobald sie in der Auslage sind, werden sie gekauft. Wer kennt auch schon regionale-saisolnale Produkte? Wann, welches Gemüse, Obst gerade Saison hat? Wer achtet darauf? Wir können ja alles kaufen, das ganze Jahr durch. Unsere Eltern, Großeltern hatten das Gemüse und die Früchte noch im eigenen Garten. Exotische gab es selten, so wie Orangen, Bananen. Heute ist das alles normal. Wer kennt schon die vielen verschiedenen Apfel-und Birnensorten usw.? Hauptsache sie sehen tadellos aus, haben keine Druckstellen oder Schorf und sind schön rund. Ich versuche möglichst regional-saisonal einzukaufen, weil ich in dem hier gewachsenen Gemüse und Obst Heimat schmecke, also auch Nähe. Und weil sie energetisch - ich meine nicht den Quatsch mit CO2 & Co. - besser drauf sind. Hier gewachsenes Gemüse & Obst sind an die hiesigen Gegebenenheiten adaptiert und man unterstützt die regionale Landwirtschaft. Dies begreife ich sowieso als einzige wirkliche Chance für Ernährung in allen Ländern auf der Erde. Nicht globalisierte Landwirtschaftkonzepte, sondern Regionalwirtschaft mit jeweils möglichst schon lange adaptierten Sorten, die sich auch klimatischen und sonstige Änderungen anpassen. Denn so funktioniert die Natur, durch Anpassung. Der Mensch glaubt hier eingreifen zu können und zu müssen. Dies halte ich für eins der größten Überschätzungen überhaupt. Was für mich zudem sehr fraglich ist, dass Biomärkte wie konventionelle mehr oder weniger das gesamte Angebot führen. Es ginge nicht anders, meinte meine Biomarkt-Betreiberin. Unsere Kunden wünschten dies, aber alles in Bio. Welcher Dogmatismus und falsch verstandene und gelebte Bio-Welt. Dieses Bewusstsein wird auch die Bio-Welt schleichend unterwandern und von dem Grundgedanken "Mit der Natur, für die Natur" wegführen. Mich würde es nicht wundern, wenn die Skandale in der Bio-Branche zulegten. Hauptsache Bio-Siegel, dann bin ich ein Gutmensch und verhalte mich ökokorrekt. Deshalb abschließend: Regionalität + Saisonalität sind für mich naturliebenden Menschen wichtig und richtig. Zu einem Bauern fahren, radeln, wandern zu können, fühlt sich für mich gut an. So wie in die Natur zu gehen, Wildkräuter zu suchen und daraus leckere Speisen zu bereiten.

    Y.Idjes schrieb am 25.06.2011 um 13:39
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    Das heißt für Dich, auch wenn Produkte längere Wege hinter sich haben, können sie noch regionale Produkte sein, wenn bestimmte Herstellungsverfahren gepflegt werden, also regionaltypisch sind?

    Was ich außerdem interessant finde: Was macht für Dich die unmittelbare Nähe aus? Ich habe da immer so meine Probleme, das irgendwie für mich einzugrenzen... ja, ich habe z.B. ein gutes Gefühl, wenn ich Äpfel aus der Nähe kaufe, aber den Kaffee zum Frühstück will ich nicht missen, auch wenn er wirklich weit herkommt - da fällt mir auf: ist Kaffee zum Frühstück nicht mittlerweile auch regionaltypisch für, sagen wir mal, Europa?

    Maria_L schrieb am 25.06.2011 um 13:50
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    "ist Kaffee zum Frühstück nicht mittlerweile auch regionaltypisch für, sagen wir mal, Europa"

    Wohl schon. ;-)
    Gestern -bei meiner Freundin zu Besuch- habe ich keinen Kaffee getrunken morgens und im Laufe des Tages festgestellt, daß ich wohl eine ausgewachsene Kaffee-Sucht habe, die sich in Kopfweh gezeigt hat.

    Das verschwand sofort, als ich Mittags eine Tasse Capuchino reingekippt habe, wie ein Alki mit Flattermann seinen Wodka.

    Ich sehe das alles eher pragmatisch.
    Dinge, die auch in meiner Region wachsen und ganz normale Grundnahrungsmittel sind, kaufe ich in der Region.
    Unmittelbare Nähe ist dabei immer relativ.
    Ich wäge dann ja auch noch ab, ist es wichtiger, daß es aus der unmittelbaren Nähe ist oder daß es Bio ist?

    Und ich bin natürlich auch ständig mit meinem Gewissen am Verhandeln:
    Dafür, daß ich so viel eigenes Gemüse im Garten ziehe, "darf" ich mir auch mal was von weiter weg leisten, weil ich es lecker finde...u.s.w.

    Ich wollte nicht den Begriff regional und regionaltypisch komplett gleich setzen sondern nur erwähnen, daß ich auch wichtig finde, besondere regionaltypische Spezialitäten zu fördern, auch wenn sie nicht aus meiner unmittelbaren Nähe kommen.
    Es gibt ja spezielle Regionen (z.B. in tourismusarmen Gegenden der Alpen), wo die Leute aufgeben müssen mit der Bewirtschaftung und in die Städte ziehen, wenn sie nicht mit solchen Produkten ein Auskommen erwirtschaften können.

    Y.Idjes schrieb am 25.06.2011 um 13:55
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    Danke auch Dir Dagmara. Was Du schreibst, betrifft ja auch schon die weiteren Fragen... ich finde die Idee, sich regional und saisonal bewusst zu versorgen - überhaupt sich Gedanken darüber zu machen, wo Lebensmittel herkommen und was es mit Ihnen auf sich hat - sehr gut. Aber wie schon gesagt, stelle ich bei mir fest, dass ich irgendwie nicht mehr "konsequent" bin, also beispielsweise auf Kaffee oder Tee nicht verzichten wollte; gleichzeitig kann ich auch gar nicht konsequent sein, weil ich überhaupt noch keine Prinzipien für mich festgelegt habe, z.B.: Produkte, die "hier" wachsen, kaufe ich zwar regional, verzichte aber nicht auf die anderen... ich mache das immer noch so aus dem Bauch raus.. Hast Du für Dich "Regeln" gefunden, oder wie hält's Du das?

    Y.Idjes schrieb am 25.06.2011 um 14:04
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    Hihi, ja, mir könnte das mit dem Kaffee genauso gehen...und mit dem Verhandeln, das kommt mir auch bekannt vor, wobei ich sehr schnell den Überblick verliere, wie weit mein "Distanzkonto" gefüllt ist, bzw. überzogen;)

    Dagmara schrieb am 25.06.2011 um 14:04
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    ist Kaffee zum Frühstück nicht mittlerweile auch regionaltypisch für, sagen wir mal, Europa?

    Wohl nicht.... Das erklärt sich schon aus dem Produkt. Selbstverständlich ist Kaffee kein regionales Produkt!

    "Ich wäge dann ja auch noch ab, ist es wichtiger, daß es aus der unmittelbaren Nähe ist oder daß es Bio ist? Ich genieße regionale Produkte, die im übrigen nach meinem Empfinden gleichzeitig regionaltypisch sind, lieber als saisonal-untypische Produkte aus der Ferne. Schon allein weil die meisten nicht schmecken, wenn man sie vorort im Urlaub schon erleben durfte, wie z.b. Bananen in Afrika z.b., Orangensaft aus wirklich reifen Orangen, selbst Avokados. Wie wässrig schmecken jene aus unserem Angebot im Vergleich zu denen aus Südfrankreich am Mittelmeer. Auch die knallroten Tomaten frisch vom Feld in Süditalien. Süß, saftig, lecker! Doch wie köstlich ist unser Spargel zu richtigen Zeit und wie unköstlich der grüne zur Unzeit. Regional, von kleinen Bauern, die im Anbau achtsam arbeiten, sind mir wichtiger als jeder Bio-Siegel, fast jeder zumindest. Ich mache da schon Unterschiede zwischen Demeter, Naturland, Bioland - und EU-Biosiegel. Aber letzte Instanz ist der Geschmack. Hierbei erlebe ich den regional-saisonalen Anbau als sehr förderlich. Vor allem, wenn es sich um alte Sorten handelt.

    Dagmara schrieb am 25.06.2011 um 14:10
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    Regeln, lieber Y.Idyes sind u.a. der Gegner von Genuss. Ich geniesse und kaufe ein nach meinem Gefühl. Dabei ist mir Dogmatismus zuwider. Somit kaufe ich auch Orangen, wenn ich welche finde, die gut riechen. Denn ich gehöre zu den Käufern, die Obst & Gemüse nicht nur nach ihrem Aussehen und Preis auswählen.

    Dagmara schrieb am 25.06.2011 um 14:16
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    Noch ein Tipp, Ergänzung, die Slow-Foodies, siehe http://www.slow-food.de engagieren sich schon lange nach meinem Dafürhalten auf gute Weise für regionale-saisonale Produkte. Nicht alle sind bio-zertifiziert, aus Kostengründen oder weil sie Freigeister sind, aber alle sind sie um ihre Produkte sehr bemüht. Deshalb schmeckt das Zeug ausnahmslos lecker, was ich von den Produkten im Biosupermarkt nicht immer sagen kann. Geschmacklich gibt's häufig keinen Unterschied zu den konventionellen.

    Y.Idjes schrieb am 25.06.2011 um 14:17
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    Okay, stimmt natürlich, dass Kaffee hier nicht wächst - deswegen meinte ich halt auch eher "regionaltypisch", weil er, obwohl die Pflanze selbst nicht kultivierbar ist, ja doch irgendwie zum Alltag gehört.

    Und klar, wenn es um Geschmack geht, dann ist frisch vom Feld oder Baum natürlich immer besser, und das geht bei Bananen, Orangen natürlich nur, wenn man auch dort ist. Wenn Geschmack für Dich letzte Instanz ist, dann spielt Verzicht für Dich wahrscheinlich auch keine Rolle, weil es dann ja kein Verzicht ist, oder?


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