Vegetarier / Allgemeines
Nabu Bremen zum Thema Dreptefarm und Fleischkonsum
wir beglückwünschen Sie zu Ihrem hohen Engagement und einfachen Weltbild. Ihre Ausführungen im Forum zeigen uns, dass es richtig war, keinen Foto-Kurs mit Ihnen zu veranstalten.
Selbstverständlich haben Sie recht, dass der Fleischkonsum ein objektives Umweltproblem ist. Ob es ein ethisches Problem ist, kann in unserer freien Demokratie zum Glück jeder für sich entscheiden.
Selbstverständlich bietet die Dreptefarm auf Wunsch vegetarische Gerichte an. Allerdings zwingen wir die Menschen nicht, sich ausschließlich vegetarisch zu ernähren.
In einem Foto-Kurs geht es nicht primär um Ernährungsformen sondern um Techniken und Tricks rund um den Fotoapparat. Ihre vehemente und emotionale Maximalforderung, dass der Kurs nur bei Zwangsvegetarisierung aller Teilnehmer stattfinden könne, hat uns gezeigt, dass der offene und tolerante Geist, den der NABU vertritt, von Ihnen als Referenten zumindest in Sachen Ernährung nicht geteilt wird. Entsprechend lehnen wir die Zusammenarbeit ab.
Um Ihr Weltbild einen Schuss Realität zu verpassen, laden wir Sie herzlich ein, einmal für vier Wochen im Schullandheim Dreptefarm zu hospitieren. Dabei werden Sie leider erkennen müssen, dass der überwiegende Teil unserer Gäste schon mit frischem Essen, das man womöglich auch noch kauen muss, extreme Probleme hat. Es gibt bei uns nicht nur jede Menge Kinder, die wirklich nicht wissen, woher Milch und Kotteletts kommen, sondern denen es schlicht undenkbar erscheint, eine Woche ohne Hamburger und Pommes zu leben. Natürlich haben wir auch einen Anspruch an unsere Arbeit. Wenn wir die Gäste von einem extrem niedrigen Niveau und Bewusstsein abholen, sind zu große Schritte jedoch kontraproduktiv.
Eine abschließende Bemerkung als über Jahre erfahrener Kämpfer für die Natur: Mit Ihrem Verhalten und Ihrer Argumentationslinie werden Sie Ihrem eigenen Ziel, möglichst viele Menschen zum Fleischverzicht zu bewegen, kaum ein Stück weiterkommen. Aber es kann ja auch schön sein, im eigenen Saft zu schwimmen und die bösen, andersartigen Mitmenschen aus überlegener Warte zu verurteilen.
Mit freundlichen Grüßen
..... (den Namen habe ich entfernt - Stefan Schmidbauer)
Geschäftsführer
Naturschutzbund Deutschland (NABU)
Landesverband& Stadtverband Bremen e. V.
Meine Antwort möchte ich ebenfalls posten:
Hallo Herr ...,
zu einigen Ihrer Erwiderungen möchte ich kurz Stellung beziehen.
- Ihre vehemente und emotionale Maximalforderung, dass der Kurs nur bei Zwangsvegetarisierung aller Teilnehmer stattfinden könne, hat uns gezeigt, dass der offene und tolerante Geist, den der NABU vertritt, von Ihnen als Referenten zumindest in Sachen Ernährung nicht geteilt wird. Entsprechend lehnen wir die Zusammenarbeit ab.
Diese Forderung habe ich gar nicht aufgestellt, ich habe lediglich gefragt, ob man für den Kurs ein Vegetarisches Wochenende einlegen könnte. War nur eine Frage!
Eine Umsetzung könnte bestimmt auch einen Anreiz für Teilnehmer bieten: z.B. ... der Kurs bietet einen Einstieg in die Tier- und Naturfotografie, zudem liefert unsere Küche schöne Anregungen für vegetarische Gerichte, die Sie auch zu Hause, gut selbst herstellen können...
Nach Verneinung meiner Frage, habe ich gesagt, dass ich das Thema Fleischkonsum im Kurs ansprechen werde. Ich bin davon ausgegangen, das sich zu diesem Kurs Tierliebhaber anmelden und das diese auch offen für eine weitergehende Auseinandersetzung mit ihren bevorzugten Objekten, den Tieren, sind. Fotografie ist mehr, als nur oberflächliche Bildchen machen, es geht um Inhalte und auch um den Hintergrund des Fotografen, der Fotografin - Fotografie ist immer subjektiv und zeigt auch die Intention die hinter ihr steht.
- Um Ihr Weltbild einen Schuss Realität zu verpassen, laden wir Sie herzlich ein, einmal für vier Wochen im Schullandheim Dreptefarm zu hospitieren. Dabei werden Sie leider erkennen müssen, dass der überwiegende Teil unserer Gäste schon mit frischem Essen, das man womöglich auch noch kauen muss, extreme Probleme hat. Es gibt bei uns nicht nur jede Menge Kinder, die wirklich nicht wissen, woher Milch und Kotteletts kommen, sondern denen es schlicht undenkbar erscheint, eine Woche ohne Hamburger und Pommes zu leben. Natürlich haben wir auch einen Anspruch an unsere Arbeit. Wenn wir die Gäste von einem extrem niedrigen Niveau und Bewusstsein abholen, sind zu große Schritte jedoch kontraproduktiv.
Danke für Ihr Angebot, dafür fehlt mir leider die Zeit. Einen Blick auf Ihre Dreptefarm und eine Auseinandersetzung mit Ihnen fände ich allerdings sinnvoll, vielleicht finden wir ja mal einen Termin.
Die von Ihnen geschilderte Problematik trifft aber wohl kaum auf die Teilnehmer eines Fotokurses zu. Trotzdem gilt auch für Kinder/Gäste die sich auf einem "extrem niedrigen Niveau" befinden, dass man diesen aufzeigen könnte, dass sie sich auch mit wenig Fleisch lecker und gesünder ernähren können. Jeden Tag, nicht hinterfragt, Fleisch zu servieren, egal ob Bio- oder Massentierhaltung, ist für den Naturschutz mehr kontraproduktiv als eine etwaige Überforderung der Gäste.
- Eine abschließende Bemerkung als über Jahre erfahrener Kämpfer für die Natur: Mit Ihrem Verhalten und Ihrer Argumentationslinie werden Sie Ihrem eigenen Ziel, möglichst viele Menschen zum Fleischverzicht zu bewegen, kaum ein Stück weiterkommen. Aber es kann ja auch schön sein, im eigenen Saft zu schwimmen und die bösen, andersartigen Mitmenschen aus überlegener Warte zu verurteilen.
Sie kennen mich nicht, Sie kennen meine Ziele nicht und nichts liegt mir ferner als Ihr letzter Satz.
- wir beglückwünschen Sie zu Ihrem hohen Engagement und einfachen Weltbild.
Dieses Kompliment gebe ich gerne an Sie zurück.
Mit freundlichen Grüßen
Stefan Schmidbauer
Danke, dass du uns teilhaben lässt.
Ich bin wirklich erschrocken über die Reaktion von Seiten den des Nabu. Das lässt jegliches Feingefühl in der Kommunikation vermissen und was noch viel schlimmer ist, das Problembewusstsein bei diesem Thema scheint überhaupt nicht vorhanden sein.
Hat der Mann noch nie etwas von einem Veggieday gehört? Hier hat doch niemand von einer Woche ohne Fleisch gesprochen. Es ging gerade mal um ein Wochenende.
Wie heißt es so schön: "Wer will, findet wege, wer nicht will, findet ausreden!"
Unfassbar... mehr fällt mir dazu nicht ein! Danke Stefan, dass Du uns am weiteren Verlauf dieser Sache teilhaben lässt! Liebe Grüße, Gita
So wie du das hier beschrieben und auch erlebt hast, so geht es oft. Aus einem Gesagten oder Geschriebenen wird oft etwas herausgenommen oder zitiert, ohne den Gesamt-kontext zu verstehen. Wie in Deinem Fall aus einer Frage eben dann die o.beschriebene Forderung entstand, so muss ich leider es hier auf Utopia, aber auch anderstwo oft erleben, dass Zusammenhänge nicht richtig verstanden werden und dann kommt auch sowas heraus wie in Deinem Fall.
Stimme auch Dude zu, in einem Landschulheim sollte auch mehr über die Ernährung gesprochen werden und folglich auch erlebt werden, z.B. durch einen Veggie-Tag als Anfang. Wenn wo, wenn nicht dort kann man Verhalten verändern. Das aber erfordert natürlich das Bewusstsein und die Bereitschaft des Personals sich dafür einzusetzen.
Ich danke auch für die Mitteilung der Antwort, die sich etwas so liest, als sei da jemand erwischt worden (Stichwort "Ausreden". Das letzte Zitat von Dude triffts sehr gut, denk ich).
Der Nabu sollte doch froh sein, wenn sich Gruppenleiter_innen finden, die sich des Themas annehmen. Ich glaube auch nicht, dass du die Teilnehmenden überfordert hättest, oder sie nicht da abgeholt hättest wo sie stehen. Und ohne, dass Menschen sich fordern lassen, ändert sich nichts (im Positiven).
Die Angst ist vermutlich, dass die Leute nicht wiederkommen. Da wird die ethische Frage lieber nicht gestellt, und wenn der Geschäftsführer schreibt:
"Selbstverständlich haben Sie recht, dass der Fleischkonsum ein objektives Umweltproblem ist. Ob es ein ethisches Problem ist, kann in unserer freien Demokratie zum Glück jeder für sich entscheiden."
bin ich mir sicher, dass viele der Kinder und Jugendlichen und nicht wenige Erwachsene, wenn sie sich "die ethische Frage" ehrlich beantworten, auch stärker im Sinne des "Umweltproblems" verhalten würden.
@Dude: Danke noch für die Aufforderung, auch hinzuschreiben. Ich hatte zum einen wenig Zeit, zum anderen denke ich es gibt für mich effektivere Einsatzgebiete. Ich hatte bei einer telefon. Mitgliederwerbung und auch an anderer Stelle beim Nabu schon mal meine Standpunkte dargelegt. Bei ersterer wurde ich aufgefordert, trotzdem dem Nabu beizutreten, dort könne ich ja Einfluss ausüben ... was ich bei der überwiegenden Nabuklientel (wie ich sie einschätze) nicht glaube (ist vielleicht auch eine Ausrede, aber ich denke auch da: Für mich gibt es geeignetere Gruppen). Allein wenn ich an Berichte von der Demofahrt am 22.01. letzten Jahres denke, dass im Bus seitens des Nabu rumgeraunt wurde, als die vegane Gruppe vorgestellt wurde.
Warum ich mich hier überhaupt äußere ist, weil ich mich dem Nabu als Naturschützerin einerseits nahe fühle und durchaus überlegt hatte, ob ich trotzdem eintrete.
Eine Freundin, die Nabu-Mitglied ist und fast vegan lebt, die sich generell über den Fleischkonsum beim Nabu ("nur Vögel werden nicht gegessen") und besonders bei einer Sommerfeier in Spieka aufgeregt hat, dass dort gegrillt wurde und sie sich wie eine Aussetzige gefühlt hat, weil sie Gemüsebratlinge mitgebracht hatte, wird nachdem ich ihr von deinen, Stefans, Erfahrungen hier mit dem Nabu-Bremen berichtet habe nun auch austreten. Sie kann diese Doppelzüngigkeit nämlich auch nicht mehr ertragen (Webseitenempfehlungen im Vergleich zum Vorgelebten).
Eine Kommunikationsschulung scheint es beim NABU auch nicht zu geben. Das Schreiben des Herrn Geschäftsführers finde ich ziemlich peinlich - für den NABU.
Ich finde es prima, dass du in deiner Antwort sachlich geblieben bist, Stefan!
Wer sich bei einem fleischlosen Wochenende "zwangsvegetarisiert" fühlt, sollte vielleicht mal die aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zur Kenntnis nehmen. Diese wohl nicht gerade als vegane Guerillagruppe bekannte Gesellschaft empfiehlt Fleischverzehr 2-3mal die Woche. Bleiben 4-5 fleischfreie Tage.
Dass ein Umweltschutzverband, der Fleischkonsum immerhin als "objektives Umweltproblem" betrachtet, seinen Gästen täglich Fleisch vorsetzt - ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Traurig.
@wuerzsilie: Ich hoffe deine Freundin wird ihren Austritt gegnüber dem Nabu auch umfassend begründen. Die scheinen dort ja noch einige Denkanstöße zu brauchen.
Hier noch ein Denkanstoß von anderen:
@ Dude: Ich denke, das wird sie sich nicht nehmen lassen.
ohje... da gibt es noch viel zu tun.
Danke Dir ebenfalls, Stefan, dass Du dies hier veröffentlicht hast.
Zur Kündigung und den Reaktionen des Nabu:
http://www.utopia.de/gruppen/vegetarier-141/diskussion/nabu-bremen-setzt-auf-fleischkonsum-199759?page=4[/url]

