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Veganer /-innen / Ernährung: Nährstoffe etc.

Eine Geschmacks-und Moralfrage?

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Beiträge (21 )
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Polarnacht schrieb am 30.03.2012 um 09:27
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Vor einer Weile habe ich meine Ernährung umgestellt, aß kein Fleisch mehr und kaum noch Milchprodukte. Weil es mich interessierte, habe ich in der Zwischenzeit wieder einiges probiert und merkte, das meiste schmeckt mir überhaupt nicht mehr, es ekelte und widerte mich an (Fleisch, Käse...).
Liegt das an meiner Einstellung keine Tiere mehr quälen zu wollen? Muss ich nun Angst haben, dass ich irgendwannaus moralischen Gründen zum Frutarier werde und am Ende vielleicht gar nichts mehr esse? Diese Fragen beschäftigen mich zur Zeit und machen mich mürbe. Vielleicht habt ihr diese "Bedenken" auch erlebt und könnt mir Rat geben.

Hoffentlich kommt heute endlich Peace-Food, dann kann ich mich nochmal hintergründig belesen, dass vegan leben die richtige Wahl für mich ist. :)

Morgendliche Grüße von einer Nachdenklichen
    pipeline schrieb am 30.03.2012 um 10:20
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    Hallo! Das kenne ich auch! Als ich vor vielen Jahren Vegetarierin wurde, habe ich übers Tiere töten nachgedacht und oft wurde mir in der Zeit kurz vor der Umstellung mitten während dem Essen schlecht, sodass ich das Fleisch nicht und auch nichts anderes mehr essen konnte. Aber auch Süßigkeiten, die ich als Kind mochte, mag ich heute allein deshalb nicht mehr, weil sie mir viel zu süß und geschmacksintensiv sind. Inzwischen bin ich Veganerin und trinke Getreidemilch, die mir früher nicht geschmeckt hätte. Ich denke, Geschmack und Einstellung gehen da Hand in Hand. Viele Grüße...

    Bada schrieb am 30.03.2012 um 10:37
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    Liebe Polarnacht,
    mache dir keine Sorgen darüber. Das ist normal.Während der Umstellungsphase ist es ganz besonders stark. Fleisch und Wurst riechen dann dermassen widerlich und ekelig, jedenfalls bei mir und einigen anderen war das so.
    Das schwächt sich ab mit der Zeit, es riecht dann "leichter" schlecht .

    gerfi schrieb am 30.03.2012 um 11:02
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    Das ist schon interessant, ich habe Fleisch und Milchprodukte nicht mehr gegessen, seit ich vegan lebe. Daher weiss ich nicht, ob mir schlecht werden würde. Was ich feststelle ist, dass mir der Duft von Gebratenem eigentlich immer noch gut in der Nase liegt. Das liegt aber eher an den Gewürzen.

    Was ich aber auch feststellte ist, dass meine Geschmacksnerven sich auf Soja/Dinkel/Reis-Milch-Produkte gut eingestellt haben, was ja am Anfang etwas gewöhnungbedürftig war.

    Meiner Frau geht es ähnlich wie Dir, bzgl. des Ekels. Aber keine Angst, das vegane Essen ist so vielseitig und schmackhaft, da brauchst Du Dir keine Gedanken zu machen.

    So ganz verstehe ich nicht, wieso Du glaubst aus moralischen Gründen zum Frutarier zu werden oder letztlich nichts mehr essen zu wollen. Die vegane Ernährung ist so vielseitig, das Angebot wird auch für Nichtgern-Köche immer umfangreicher, da kann eigentlich nichts geschehen, wenn man sich vollwertig ernährt. Das kann auch die klassische Küche sein, neben Gemüse auch Kartoffel, Nudel,Reis und dann halt ab und zu Tofu/Soja/Seitan- Varianten.
    Und dabei muss ich bei all dem sehr aufpassen, dass ich nicht zunehme (bin eh ein guter Futterverwerter)

    Mein veganes Leben hat allerdings auch bewirkt, dass mein Gefühl für die Nutztiere sich potenziert hat und dass es darüber zu berichten, zu lesen, zu diskutieren einem nicht leichter macht, eher schwerer. Da hilft oft auch ein tierfreies Essen nicht.

    Aber das Positive Gefühl in einem drin überwiegt dann doch wieder und vorallem, dass man spürt, man ist nicht allein, es geht stetig voran.

    inaktiver User 21793 schrieb am 30.03.2012 um 11:23
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    Seit ich vegan lebe, habe ich nie mehr tierliche Produkte gegessen und mittlerweile sind Fleisch, Käse, Milch, Eier und Co so weit von mir entfernt, dass ich nicht mal im Traum daran denken würde, sie zu essen. Ich hatte in all den Jahren niemals das Bedürfnis, eine Ausnahme zu machen (selbst wenn mir das Zeug 1000x unter die Nase gehalten wurde). Den Geruch und Anblick von rohem Fleisch kann ich nur schwer ertragen und vermeide auch, mich damit zu konfrontieren. Dass das Weglassen von Milchprodukten ein Verzicht sein soll, kann ich nicht nachvollziehen. Ich weiß, wie sie schmecken und auch, welches Tierleid dahinter steckt. Und ich weiß inzwischen auch, dass es unendlich viele pflanzliche Alternativen gibt, die mir um Welten besser schmecken und die ich noch nicht annähernd alle entdeckt und ausprobiert habe. Mein Leben mit veganer Ernährung ist so spannend und bunt geworden. Mein Geschmack hat sich extrem geändert und ich bin froh darüber, dass für mich industrieller Kram niemals mit einem puren Apfel mithalten kann.

    Ich sehe mich mit meinem gelebten Veganismus noch lange nicht am Ende und habe z.B. absolut keine Angst davor, Frutarierin zu werden. Im Gegenteil: eine weitere neue Welt, die es zu entdecken gibt, aus der ich bereits viel in meinen Alltag integriert habe und wer weiß, was kommt. :-)

    Deine Überlegungen, dass Du moralisch immer weiter denkst, kann ich schon verstehen. Erst der Schritt zum Veganismus hat in mir eine Komplettdrehung bewirkt. Jedenfalls habe ich in meinen vegetarischen Zeiten nicht annähernd so viel über die Kombi: bio+fair+tierfreundlich nachgedacht - heute für mich ein untrennbares Trio. Was ich an mir erfahren habe: wenn man einmal die Augen richtig aufgemacht hat, kann und will man sie nicht mehr schließen.

    Liebe Grüße, Gita

    andi-am-rhein schrieb am 30.03.2012 um 12:28
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    Auch ich bin noch nicht allzu lange vegan, gerade mal ein paar Monate. Wie Gita käme es mir gar nicht in den Sinn, ein tierliches Lebensmittel noch einmal bewusst anzurühren. Ich weiß, wie sie schmecken. Alle. Und sehr viele schmecken sehr gut und riechen gut. Aber der ethische Ballast ist dermaßen groß...
    Es gibt ja diesen berühmten Matrix-Vergleich mit der roten und grünen Pille - nach dem Schlucken der roten gibt es tatsächlich kein Zurück mehr. Ich kenne auch keinen Ex-Veganer.
    Aber mal zu deiner "Befürchtung", Frutarier zu werden - sei mal ganz unbesorgt. Je mehr man sich mit natürlicher menschlicher Ernährung beschäftigt, desto mehr kommt man zu der Erkenntnis, dass Frutarier sein gar nicht mal SOOO extrem und SOOO verkehrt ist. Es ist nur in Deutschland ein Minderheitenthema (weil ökonomisch natürlich total uninteressant).
    Aber im englischspr. Bereich findet man z.B. tolle Persönlichkeiten wie bei YouTube User wie Durianrider, Freelee, Realrawresults oder theliferegenerator. Oder: superkrasses Positiv-Beispiel, Michael Arnstein (heißt bei Youtube "thefruitarian").
    Ich bin kein Frutarier oder Rohköstler. Ich arbeite dran. Aber ich fest überzeugt, dass das die dem Menschen angemessenste, weil seiner Biologie am ehesten entsprechende Ernährungsweise ist. Es mag verschroben sein, aus Gewissensgründen Frutarier zu werden (ich habe kein Erbarmen mit Wurzelgemüse :-) aber aus gesundheitlichen Überlegungen ist es m.E. eher die richtige, als die falsche Richtung.

    LG
    Andi

    eliasunbekannt schrieb am 30.03.2012 um 19:37
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    Naja, es gibt sie. Menschen, die nur noch Obst essen, oder auch ohne Essen auskommen. Aber das hat dann eine stark spirituelle Dimension. Vielleicht sieht so auch die Zukunft der Menschheit im 3. Jahrtausend aus.
    Genau, wie uns der Großteil der Gesellschaft fragt, wie das gehen soll, werden diese Menschen von uns gefragt. Das können wir uns meistens auch wieder nicht vorstellen. Naja. Im Moment "brauche" ich Essen. Mal sehen, was die Zukunft bringt. Du kannst mal unter "Lichtnahrung" suchen. Der Film "Am Anfang war das Licht" ist bestimmt ein guter Einstieg in das Thema. Ich fand die Internetseite schon sehr aufschlussreich.

    http://www.amanfangwardaslicht.at/

    Ein Freund von mir hat mir von einer Studie erzählt, die aufzeigt, was man beim Rasen mähen riecht. Das Gras schüttet Stresshormone aus. Tiere reagieren manchmal darauf.
    Aber eins nach dem anderen. Es ist schon anstrengend Genug darauf zu warten, dass die Gesellschaft uns akzeptiert, nur weil wir keine tierischen Produkte konsumieren.

    Polarnacht schrieb am 30.03.2012 um 20:55
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    Erstmal danke für die vielen, ausführlichen Antworten!

    Wie soll ich das beschreiben, es waren einige Gründe und wahrscheinlich auch tiefergehende Ursachen, warum ich auf die Idee gekommen bin nochmal zu probieren. Vielleicht waren es meine Neugierde und mein Forschergeist, um zu wissen, wie es sich anfühlt (ich bin ein kleiner Psychologiefreak) und um dann irgendwie freudig und ein bisschen verstört festzustellen, dass Fleisch und Milchprodukte mir nicht mehr schmecken.
    Ich habe mich dann auch innerlich geschämt, dass ich ein schlechtes Vorbild bin (für meinen Freund, der gerne und viel Fleisch isst) und natürlich wegen den Tieren. Mir war auch nicht direkt schlecht, es war eher ein gewaltiges Unwohlsein. Aber ich kenne mich gut und weiß, es waren auch Unsicherheit, Angst, eben mein ganzes "altes", depressives Ich, das da wieder zum Vorschein kam und den Erwartungen "der Anderen" gerecht werden wollte, vor allem meinem Freund.
    Doch damit ist Schluss! Heute habe ich zum letzten Mal gesündigt (vegetarische Pizza mit Basilikum, Tomate und doppelt Käse - war auch irgendwie gar nicht so toll) und meinem Freund meinen entgültigen Entschluss zu einer veganen Lebensweise mitgeteilt. Ich würde mich riesig freuen, wenn er die zwei Wochen, wo er frei hat mitmachen würde, aber ich glaube, das kann ich vergessen und da muss ich wohl durch.

    Wobei manches ganz leicht ist. Reismilch mochte ich beispielsweise vorher schon, ich habe eher Probleme mit Sojamilch, aber ich kann ja auch noch Hafer- und Dinkelmilch testen.
    Außerdem habe ich heute ein tolles Kochbuch in der Bibliothek ausgeliehen. Vegetarisch erschien mir einfach nicht mehr richtig, darum ein veganes Kochbuch, auch um Rezepte greifbar zu haben und nicht erst ewig im Netz zu suchen. Es war mir schon allein deshalb sympathisch, weil die Autorinnen beschreiben, was man machen kann, damit man keine Vitaminzusätze und andere Chemie nehmen muss (denn ich werde froh sein, wenn ich die Antidepressiva endlich los bin. Ich habe es schon fast geschafft, bin bei der niedrigsten Dosis). Vegan & vollwertig genießen heißt es. Rezensionen findet ihr bei http://www.peta.de/web/veganundvollwertig.3969.html und https://vebu.de/lifestyle/rezensionen/kochbuecher/880-vegan-a-vollwertig-geniessen . Ich hoffe, mit dem Kochbuch, das ich wirklich gut gelungen finde - ich habe es schon einmal komplett durchgelesen, kann es kaum erwarten einkaufen zu gehen und dann loszukochen - und dem Klimakochbuch (da sind auch 'ne Menge veganer rezepte drin) sowie Peace-Food kriege ich das hin. Morgen kann ich es endlich bei der Post holen, weil ich heute gerade nicht da war, als sie die Bücher (noch ein Buch zum Green Living) liefern wollten.

    Sollte ich dennoch Probleme haben, kann ich euch liebe Veganer ja erneut um Rat fragen.

    Ich weiß nicht, ob ich irgendwann noch einen Schritt weiter gehe. Den Film Am Anfang war das Licht wollte ich schauen, aber dann ist er irgendwie untergegangen. Mich interessiert einfach soviel, jetzt wo meine Lebensgeister wiedererwacht sind, bin ich nur am Lesen, Schauen, Recherchieren, mich selbst wieder entdecken. Ich sag Bescheid, wenn ich denn irgendwann Frutarier werden sollte, scheinbar gibt es da unterdessen auch mehr als gedacht. Karen Duve hat während ihrer Recherche weniger Frutarier im Netz gefunden. Die scheinen sich wie die Veganer zu größeren Bewegungen zu entwickeln, das finde ich doch mal richtig klasse für unseren blauen Planeten und es gibt mir Mut! :)

    Abendliche Grüße,
    Julia

    Polarnacht schrieb am 31.03.2012 um 13:09
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    Kurzes Update: Ich habe heute Peace-Food in der Post geholt und werde es heute sicher noch zu Ende lesen, denn je mehr ich erfahre, desto bestärkter bin ich, dass die vegane Lebensweise nicht nur Tieren und Umwelt, sondern vor allem auch MIR gut tut. Also sollte meine Freund oder wer-auch-immer dumme Kommentare ablassen, werde ich ihm kommentarlos das Buch zum Lesen in die Hand drücken - mit einem Lächeln.

    Sonnige Grüße, Julia

    pipeline schrieb am 31.03.2012 um 13:21
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    Hi, zum Thema Literatur hab ich auch neulich noch was entdeckt (in der Bahnhofsbuchhandlung, ich war baff!): "Vegan kochen - so klappt die Umstellung" von Celine Steen und Joni marie Newman. Es sind 200 vielfältige, tolle Rezepte drin, aber vor allem: Es gibt Kapitel zum Tema: Wie ersetze ich Milchprodukte, Eier, Fleisch & Fisch, Honig/Gelatine, und auch Gluten, Soja, raffinierte Zucker und Fette. Ich kenn ja zu jedem Alternativen, aber jeweils nicht so viele. Neben vielen tollen Rezepten bietet das Buch also auch einen Grundkurs in "wie ersetze ich was". Echt praktisch, versetzt Dich in die Lage, jedes auch nicht-vegane Rezept zu kochen - natürlich vegan.

    Polarnacht schrieb am 31.03.2012 um 13:48
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    So Handhaben es auch die Autorinnen von Vegan & vollwertig genießen. Es ist wahnsinnig spannend, was man alles selbst machen kann, wenn man die "tote", ungesunde Industrieware satt hat.

    Auch bei den Kochbuchrezensionen vom VEBU ist für jeden was dabei: https://vebu.de/lifestyle/rezensionen/kochbuecher Da habe ich schon wieder einiges an interessanter literatur entdeckt, in die ich mal reinschauen werde.


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