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Unternehmer und Selbständige bei Utopia / Vorstellungsrunde

Wildwechsel-Nordost.de will das tier-, natur- und klimagerechteste Fleisch im Handel anbieten

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Beiträge (7 )
 
Diggla schrieb am 18.07.2013 um 15:30
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Hallo Utopisten,

seit Jahren esse ich zwar wenig Fleisch und habe mich dennoch an meinem verbleibenden Restkonsum gestört, da mich als Forstwissenschaftler ein eklatanter Wiederspruch stört:

Die Jäger um Berlin klagen über den Verfall des Wildbretpreises und ich stelle eine rasante Ausweitung der hochpreisigen Fleischprodukte (meist nicht regional und oft nur mit schwachem EU-Bio-Zertifikat) in den Bioläden fest.

Meine Idee war also erstmal ganz simpel: "Vermarkte Wildfleisch aus Brandenburg in Berlin - schone nebenbei das Klima, fördere Artenvielfalt im Wald und substituiere Fleisch aus Zuchtbetrieben mit hohem Flächen- und Ressourcenverbrauch mit Fleisch von freilebenden Tieren, die vor ihrem Tod keinen Schlachthof von innen kennenlernen müssen".

Nun, ich muss euch als Unternehmer und Selbständigen nichts davon erzählen, dass zwischen Idee und deren beginnender Umsetzung Oktober 2012 für einen Fleischhandelsunkundigen Laien wie mich Welten voller Verordnungsfluten, Hygienebestimmungen und Logistikalpträumen zu durchwaten waren und sind, aber seither gibt es Wildwechsel-Nordost

In diesem Sommer möchte ich nun auch mit meiner neuen Produktpalette an den Start kommen: Grillfleisch und Würste vom freilebenden Wild. Dabei beziehe ich das Wild bisher nur von zwei Betrieben, da sie mir die Erlegung mit bleifreier Munition gewährleisten können - verarbeiten tut sie ein Ökohof Schaubetrieb in Brandenburg.

Ich freue mich auf Diskussionen mit euch

Diggla

    WernerMax schrieb am 18.07.2013 um 17:32
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    Hey, schade, dass es so etwas bei uns nicht gibt!
    Viel Erfolg!

    Maria_L schrieb am 18.07.2013 um 17:45
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    Wow... alle Achtung. Da hast Du Dir ja noch ein größeres Paar Stiefel angezogen, als wir mit unserem Bio-Handel mit Bergkäse.
    Logistikalpträume kenne ich zu Genüge...
    Zwar ist der Bergkäse nicht ganz so strenges Frische-Produkt wie das Fleisch, dafür ist er zu behandeln, wie ein lebender Organismus und braucht seine Pflege.
    Wir haben das inzwischen so gelöst, daß wir nur noch direkt ab Käserei an die Kunden (Naturkostläden) verkaufen.
    Keine Lagerhaltung mehr.

    Ja, ich schließe mich WernerMax an, ich wäre sicher dankbarer Kunde.

    Bei uns in der Region käme allerdings noch das Problem dazu, daß z.b. Wildschweine noch zu sehr Tschernobyl-Belastet sind...dürfen nicht verkauft werden.

    Gibts Möglichkeiten, das Fleisch auch in den Biomärkten zu plazieren?
    Wie siehts da mit der Zertifizierung aus?
    Bleifreie Munition ist vermutlich mal ein guter Anfang.
    Aber keiner kann ja das Wild davon abhalten, vom konventionellen Mais zu knabbern.

    Würde mich interessieren, mehr zu lesen.

    Diggla schrieb am 19.07.2013 um 09:24
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    @WernerMax - danke, ich tue mein Bestes

    @Maria: Ja, kann ich mir gut vorstellen, dass es auch mit Käsehandel Hindernisse ohne Ende gibt, aber die Auflösung der Lagerhaltung ist natürlich ein guter Schritt - aber heißt dass, das ihr auch nur auf Vorbestellung produziert?

    Was Biomärkte angeht: inzwischen handelt die BioCompany schon saisonal mit Wildfleisch, welches aber oft/ausschließlich aus Gehegehaltung (da sonst nicht zertifizierbar) stammt. Dies widerspricht meinem Anspruch und meiner Nieschenplatzierung, weil ja auch hier wieder mehr oder weniger Fläche für den Anbau von Futtermittel verbraucht wird.
    Zertifizierung finde ich mittlerweile in den meisten Bereichen eine unwirksame Geldverschwendung, dennoch sind immerhin die Wälder aus denen das Wild stammt FSC-zertifiziert, außerdem mit dem neune Vearbeiter alle weiteren Inhaltsstoffe (bei der Wurst- und Marinadeherstellung) bio zertifiziert.

    Viele Grüße

    Maria_L schrieb am 19.07.2013 um 12:40
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    @Diggla, Wir produzieren gar nicht.
    Wir sind Software-Entwickler mit Fabel für Bio-Bergprodukte und Slow Food.

    Wir haben einen Online-Shop entwickelt, der auf die Bedürfnisse der Frischelieferung an Händler zugeschnitten ist.
    D.h. die Händler bestellen einmal - auch für mehrere Wochen - und kriegen dann in der gewünschten Woche frisch geliefert.

    Da wir auch mal Schweizer Käse im Angebot hatten, haben wir eine Weile das Lager betrieben, weil sich da wegen dem Zoll nur große Mengen rentieren.

    Als der Euro die Krise gekriegt hat, haben wir den Handel mit der Schweiz leider einstellen müssen.
    Wenn man die Zeit zur Pflege des Käses auch noch mitrechnet, dann war der Stundenlohn schnell bei 50Cent oder drunter...das hält der größte Idealismus nicht aus.

    Wir haben hierum und andersrum alles ausprobiert.
    Jetzt machen wir das eben so mit der Direktlieferung.
    Das ist die einzige Möglichkeit, bei der man nicht drauf zahlt.

    Nachteil: Wir haben selbst unseren guten Käse nur noch selten im Haus.
    Nur wenn unser Ökokistler ein paar Wochen unseren Käse in der Tour hat.
    Dann kaufen wir ihn in der Tüte zurück...;-)

    Diggla schrieb am 19.07.2013 um 14:53
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    @Maria, ihr hattet aber vor der Direktlieferung wohl einen treuen und großen Kundenstamm, oder??

    Maria_L schrieb am 19.07.2013 um 15:50
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    Treuer Kundenstamm ja, groß...eher nein.
    Das ist ein absolutes Nischengeschäft (bio+handwerkliche Produkte) und der Begriff Großhandel eher lustig für das, was wir machen.

    Allerdings gibt es Kunden (Ökokisten), die dann auch über mehrere Wochen mal wirklich Masse machen .


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