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Waschbär-Versand: öko aber unsozial?!

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Jessica schrieb am 30.11.2008 um 13:03
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Hallo alle da draussen,

erst einmal wünsche ich allen einen schönen ersten Advent 2008. Ich werde ihn damit verbringen, den Adventsmarkt eines Umweltbildungszentrums zu besuchen und möchte aber, bevor meine Begleitung startklar ist, noch kurz von etwas berichten.

Es geht um den vielleicht einigen hier bekannten Waschbär-Versand. Ich hatte dort vor ein paar Wochen erstmals eine kleine Bestellung (Warenwert ca. 20 Euro) aufgegeben. Dazu muss man wissen, dass ich in einem Hamburger Stadtteil wohne, der als "sozialer Brennpunkt" bezeichnet wird (ehrlich gesagt hatte ich noch nie so nette Nachbarn im Haus, soviel also zu Vorurteilen etc. meinerseits).

Nunja, jedenfalls bekam ich ein paar Tage nach Absendung meiner Bestellung anstelle meiner bestellten Artikel einen Brief von Waschbär. Dort stand zusammengefasst drin, dass ja in meiner Gegend des öfteren Pakete verschwunden seien und sie mich deshalb nur per Nachnahme beliefern wollen.

Ehrlich gesagt war ich stinksauer! Bisher hat kein Versandhandel, egal ob groß oder klein, öko oder nicht, so eine unverschämte, vorurteilsbehaftete Sanktion verhangen, nur weil ich eben nicht in einem Luxus-Wohngebiet oder dergleichen wohne. Und ich habe bisher auch jedes Paket erhalten. Mich hat das ganze besonders enttäuscht, weil ich einen "Öko-Versand" auch immer mit sozialen Aspekten (vor allem Gleichbehandlung etc.) verbinde und dieser Brief mich dahingehend bitter enttäuscht hat. Es geht also doch sehr offensichtlich um den eigenen Profit und die eigene Absicherung. Klar, ganz blauäugig bin ich nicht, und es ist auch "nur ein Unternehmen". Aber das gerade aus dieser Ecke so etwas kommt, hat mich echt geschockt!

Deshalb wollte ich das hier loswerden und auch mal in die Runde fragen, ob das gängige Praxis bei Waschbär ist?!

Liebe Grüße,
Jessica

    inaktiver User 22969 schrieb am 30.11.2008 um 15:22
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    .. das in Deiner Wohngegend öfter schon Päckchen verschwunden seien, und deshalb nur per Nachnahme geliefert wird--- finde ich komisch. Das läßt sich auch per Paketsendung lösen, dann muß man ja unterschreiben.-- War die Bestellsumme vielleicht zu gering? 20 Euro, inklusive Porto, das ist bei vielen Versendern zu wenig. Wenn es Dich wirklich ärgert, würde ich dort anrufen/schreiben... und den Sachverhalt aufklären. Es ist ja auch möglich, daß da irgendjemand nicht "aufgepaßt" hat?

    Jessica schrieb am 30.11.2008 um 16:40
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    Hallo ihr beiden,

    danke für eure Antworten.

    @Michail: Wenn jemand in dieser Form benachteiligt wird, nur weil er in einer bestimmten Gegend lebt, dann finde ich das alles andere als ethisch korrekt. Natürlich kann ich dir teilweise zustimmen, was die AGB angeht, klar, die nimmt man an, wenn man seine Bestellung unterschreibt. Vielleicht hätten sie die Begründung auch einfach anders formulieren sollen. Aber SO machte mich das einfach nur sauer!

    @Follygirl: Genau das ist es, diese Argumentation ist erstens diskriminierend und zweitens noch nicht einmal logisch nachvollziehbar!

    Liebe Grüße,
    Jessica

    ernst schütz schrieb am 16.01.2009 um 16:24
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    Liebe Jessica,
    liebe Utopisten!

    Es tut mir sehr leid, dass Sie sich über unseren Brief geärgert haben. Ich hoffe, dass ich jedoch mit meinen Ausführungen unten einiges erklären kann und Sie mir die Chance geben, Sie nicht als Kundin zu verlieren und auch die anderen Utopisten über die Hintergründe zu informieren.

    Sie fragen sich sicherlich, wieso wir Briefe mit diesem Inhalt verschicken. Bitte lassen Sie mich versichern, dass es nichts mit Vorurteilen in irgendeiner Art zu tun hat. Ganz im Gegenteil: Im Unternehmen Waschbär sind Menschen von mehr als 21 Nationen beschäftigt, unser Frauen-Anteil (übrigens auch in den Führungspositionen) liegt bei fast 50 % und wir achten auf respektvollen Umgang innerhalb des ganzen Unternehmens. Das spiegelt sich auch in dem Verhältnis zu unseren Lieferanten und selbstverständlich finden Sie es auch in der Auswahl der Produkte wieder, die wir in unserem Sortiment führen. Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und Innovation sind die Eckpfeiler.

    Damit das Unternehmen mit diesen Zielsetzungen bestehen kann, muss es wirtschaftlich arbeiten. Wirtschaftlich arbeiten bedeutet für mich in diesem Zusammenhang nicht, Profitmaximierung unter allen Umständen, sondern es bedeutet, das Unternehmen auf stabile Füße zu stellen, um ein Fortbestehen zu sichern.

    Ein Aspekt, der das Fortbestehen beeinträchtigen kann, sind leider Zahlungsausfälle von Kunden. Dabei gibt es Unterschiede: Zahlungsausfälle oder verspätete Zahlungseingänge können passieren, hierfür finden wir mit den Kunden zusammen immer eine Lösung. In einigen Fällen jedoch steckt auch eine betrügerische Absicht dahinter. Leider trifft dies auch Waschbär und Bestellungen in unserem Versandhandel mit der bewussten Absicht betrügerisch zu handeln, passieren immer häufiger. Aus diesem Grunde bin ich als Geschäftsführer von Waschbär verpflichtet, mich diesem Problem zu stellen und Verantwortung für die Firma und die Mitarbeiter zu übernehmen.

    Das führt dazu, dass wir unter anderem neue Kunden, die in Wohngebieten wohnen, in denen bereits des öfteren Pakete nicht angekommen sind, per Nachnahme bedienen. Leider erhebt die Post für diesen Service eine Gebühr von 2,- ?, die zu Lasten des Kunden gehen. Aus diesem Grunde überlegen wir zur Zeit auch, als Zahlungsart Vorauskasse anzubieten. Dies bedeutet jedoch auch, dass der Kunde für etwas im voraus bezahlt, was er später vielleicht zurückgeben möchte. Zu einer abschließenden Lösung sind wir hier noch nicht gekommen.

    Dank Ihres Anstoßes werden wir aber auf jeden Fall die Formulierung in unserem Schreiben überdenken und überarbeiten.

    Ich hoffe, es ist mir gelungen, den Sachverhalt darzulegen. Ich würde mich sehr über weitere Beiträge und eine Diskussion freuen!

    Es grüßt Sie alle herzlich aus Freiburg

    Ernst Schütz
    Geschäftsführer

    inaktiver User 22969 schrieb am 16.01.2009 um 19:12
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    Das ist eine doch etwas eigenartige Behauptung. Ich muß jedesmal für meine Pakete unterschreiben... wie soll es da gehen, daß sie nicht ankommen? Somit ist doch jederzeit der Beweis da, daß das Paket angenommen wurde.
    Oder reden Sie vielleicht von Päckchen?? Um das dann zu lösen, eben nur Pakete versenden.
    Die Argumente mit den besonderen Stadtvierteln, die so nicht mehr beliefert werden finde ich noch abstruser..
    Na, da bin ich eigentlich froh, daß ich woanders BestellKunde bin.
    Die liefern ohne solche Zicken und es gibt keine fadenscheinigen Erklärungversuche.
    (Den Katalog kann ich also wegwerfen, da reizt mich nichts mehr zum Bestellen...)

    Tobaso schrieb am 16.01.2009 um 20:14
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    Also ich finde es prima, dass Ernst hier auf diese Weise Stellung genommen hat und ich finde seine Erklärung sowohl nachvollziehbar als auch ehrlich, transparent und vom Willen geprägt gute Lösungen zu finden. Offen gesagt sehe ich wenig Grund die harten Bandagen auszupacken und gleich den Katalog wegzuwerfen. Da würde ich eher woanders anfangen ... ;-)

    Entpannte Waschbärengrüße
    Tobaso

    inaktiver User 22969 schrieb am 16.01.2009 um 20:38
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    ... ist das richtig, es ist ja sehr nett sich hier öffentlich zu äußern.
    Bleibt immer noch die Anfangsfrage, wie können Pakete nicht ankommen? Da man ja dafür unterschreibt???
    Gut, der Katalog ist schon weg, ist nicht so ganz mein Stil,sorry!
    Es bleibt aber dabei, wenn ich hätte etwas bestellen wollen, würde ich es mir sehr gut überlegen...

    annii schrieb am 23.10.2009 um 22:32
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    Also hier muss ich etwas dazu sagen, ich habe selbst einmal in solch einem Wohngebiet gewohnt, was ich leider selbst rausfinden musste. Meine Pakete sind verschwunden und wurden jedes mal angenommen von lt. Versandhaus bzw. Post einem Nachbarn. Jedes mal jemand anderes und jedes mal eine entweder unleserliche Unterschrift oder Namen die es gar nicht bei uns in der Nähe gibt. Also hat zwar nichts mit besagtem Waschbär zu tun, aber Pakete können sehr wohl verschwinden trotz Unterschrift. Jetzt wohne ich zum Glück woanders und bekomme meine Pakete immer.

    Irgendwie finde ich es sehr schade dass hier so geschrieben wird, schließlich sollte man sich überlegen dass kein Versand freiwillig auf Kunden oder Bestellungen verzichtet und somit nicht aus purem Spaß so handelt. Aber vielleicht muss man erst selbst nach seinen Paketen suchen um dass zu wissen.

    berniewa schrieb am 24.10.2009 um 22:28
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    Zu Follygirls Beitrag oben am 16.01.2009 um 19:12:
    Ich kannte mal jmd. der in einem "Problemviertel" gewohnt hat und ein großes Versandhaus wollte ihn nicht einmal als Kunde aktzeptieren (die haben das so hingedreht dass sie sich immer wieder rausgeredet haben, sie hätten die Bestellung gar nicht erhalten u.s.w. bis klar war, was der Hintergrund war). Ich glaube, das war der Ottoversand, wenn ich micht recht erinnere (90% sicher). Und was annii erzählt, ist auch sehr realistisch, leider. gilt sogar fürs Versenden. Hab ich selber auch schon erlebt.

    Aber obwohl ich einerseits den Waschbärversand verstehe (vgl. die Antwort oben von ernst schütz am 16.01.), finde ich solche Voraus-Diskriminierung sehr fragwürdig.

    Tinkerbella schrieb am 28.01.2010 um 11:06
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    Ich kann den seltsamen Waschbär-Umgang mit Kunden nur bestätigen. Ich hatte Anfang der Woche etwas bestellt und wollte per Bankeinzug zahlen. Ich bekam eine Mail mit der Auskunft, es ginge nur per Nachnahme. Einen speziellen Grund nannte man mir auch auf telefonischer Nachfrage nicht. Ich habe so einen Kundenservice noch nirgends erlebt und ihnen das auch geschrieben und meine Bestellung stornieren lassen. Anscheinend sind sie auf neue Kunden wirklich nicht angewiesen.

    Maria_L schrieb am 29.01.2010 um 07:44
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    Waschbär steht nicht alleine da mit solchen Methoden.

    Es gibt ja für Shop-Betreiber Programme, bzw. Services, die im Hintergrund laufen und wenn ein Kunde seinen Account anlegt, dann werden die Daten abgeglichen auf PLZ bis hin zu Schufa-Auskünften.

    Der Kunde wird dann eingeordnet als Riskio-Kunde oder unproblematisch.
    Je nachdem wie hoch das Risiko, werden im nur gewisse Zahlungsarten angezeigt.

    Also wenn das Risiko hoch ist, dann kann er eben nur per Vorkasse oder Nachnahme zahlen.

    Da bekommt der Kunde gar nichts von mit, er denkt eben -bei oberflächlicher Betrachtung- dieser Internet-Shop funktioniert nur mit Vorkasse oder Nachnahme.

    Wenn man die Studien liest, wie hoch die Zahlungsausfälle im Onlinehandel sind, dann kann man diese Strategie zur Risiko-Verminderung verstehen.

    Peinlich finde ich das Schreiben, wo als Grund angegeben wird, daß schon Pakete verschwunden sind. So als wäre die Maßnahme rein im Sinne des Kunden.
    Es geht natürlich in erster Linie darum, Zahlungsausfälle zu vermeiden.


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