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Strukturen für Kooperation

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Beiträge (8 )
 
inaktiver User 1038 schrieb am 05.09.2010 um 10:25
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Die momentan vorherrschenden Gesellschaftssysteme scheinen mir entweder autoritär zu sein oder konkurrenzorientiert, d.h. auf Optimierung der Hierarchie und Konkurrenz ausgelegt. Die Argumentation dabei ist meist, das

a) liege in der Natur des Menschen
b) sei die effizienteste Organisationsform

Das stimmt nicht (nur?), denn
A) die komplexe Zivilisation gäbe es nicht ohne Kooperation, die für Arbeitsteilung und Spezialisierung benötigt wird.
B) alle Konzerne streben mehr Effizienz durch mehr Größe an: die vielfach redundanten Teile der Firmen werden dann immer eingespart, im Endeffekt entsteht auch hier eine einzige, starre hierarische Struktur.

Ein dynamisches System integrierter (kommunizierender) differenzierter Teile überlebt (oder gar: ist harmonisch?), wenn es zwischen den Extremen der Starre und des Chaos den Mittelweg der maximalen Komplexität einschlägt. Die gesellschaftliche Organisation ist also systemtheoretisch (nicht ethisch) besser, wenn die Teile gut kommunizieren, um den optimalen Weg zwischen Starre und Chaos zu finden?

Ein wichtiger Bestandteil der Rahmenbedingungen für diese auf Hierarchie und Konkurrenz ausgelegte Organisation scheint mir "das Geheimnis" zu sein, d.h. die Intransparenz. Intransparenz entsteht in komplexen Gesellschaftssystemen von selbst durch Arbeitsteilung und Spezialisierung, aber sie ist auch in den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verankert, z.B. durch "Kontogeheimnis", "Betriebsgeheimnis", "Geheime Protokolle", usw. Wenn Information nicht ungehindert fliessen kann, kann sich das System nicht sozial und ökologisch optimieren.

Wenn man Robert Axelrod in "Die Evolution der Kooperation" glauben will, dann bräuchte ein kooperatives System (das nicht wehrlos sein muss, die optimale Strategie ist angeblich die Strategie "tit for tat mit Anfangsvertrauen", und diese Strategie ist öffentlich, nicht geheim) nicht zu fürchten, von autoritären oder egoistischen Strukturen unterwandert zu werden, da die Strategie der Kooperation diesen Strategieen evolutionär überlegen sei.

Wenn ich mir allerdings die Realität ansehe (Konzerne finanzieren Klimaleugner, Seilschaften versuchen Märkte zu dominieren, Diktaturen und Dynastien metzeln Tausende nieder, strukturelle Gewalt der Globalisierung (zehntausende Tote pro Tag), strukturelle Gewalt gegenüber Frauen, Kindern, Minderheiten, usw usw usw), dann zweifle ich ein wenig, ob das sich (von selbst) durchzusetzen könnte, aber auch das geht nach Axelrod. Andererseits sehe ich, dass die obengenannten Mißbräuche von Macht (systemtheoretisch: fehlenden Informationsflüsse zur gleichmäßigen Verteilung der Spannungen und Kräfte im System) oft mit "dem Geheimnis", d.h. mit Intransparenz zusammenhängen.

Als einen möglichen Hebel für strukturelle Änderungen kann ich mir komplette Transparenz vorstellen: alle Bankkonten und Transaktionen aller Firmen sind öffentlich, alle Lieferantenbeziehungen und Firmenunterlagen werden öffentlich, Patente werden abgeschafft: dann müssen die Firmen einen gemeinsamen Forschungspool schaffen und das Erforschte dann jeder in Produkte einbringen, das tun sie aus Kostengründen ja jetzt schon teilweise, usw. Das öffentlich zugängliche Wissen und seine praktische Verfügbarkeit würde explodieren und konkurrierenden Unternehmen zur Verfügung stehen, und gleichzeitig viel mehr Kooperation von den Firmen fordern? Soviel Transparenz bräuchte dann natürlich auch wieder Organisationen, die das auswerten und zusammengefaßt kommunizieren (Green Rating auf Basis wirklicher harter Fakten). Das wäre eine andere, strukturell deutlich kooperativere Welt? ... ein wenig Utopie muss sein ... "

Meinungen dazu?
    inaktiver User 1038 schrieb am 30.11.2010 um 11:10
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    A propos Wikileaks: "... Seit heute ist die Offenlegung von vertraulichem Material auch die Horrorvision jedes Firmenchefs. Im Dienstleistungszeitalter steckt in den Datenbanken der Unternehmen so ziemlich alles, was den Wert einer Firma ausmacht: Kundendaten, vertrauliche E-Mails, Vertragsdetails, Preis- und Rabatttabellen und nicht zuletzt Designerstudien und technische Details der Produkte von morgen. ..."

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/datensicherheit-auch-deutsche-firmen-fuerchten-wikileaks;2702244

    Natürlich sind diese Enthüllungen (bzw. illegalen Veröffentlichungen, je nach Sichtweise) nicht die oben erwähnte strukturelle Transparenz mit eingebautem Zwang/Möglichkeit zu deutlich mehr Kooperation, aber für mich mal wieder ein Anlaß über die Macht der Intransparenz nachzudenken ... .

    inaktiver User 1038 schrieb am 24.08.2011 um 13:47
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    Siehe auch die Diskussion zu Kooperation und Konfrontation (Strategie für Nachhaltigkeit):
    http://www.utopia.de/blog/lucigreen/konfrontation-oder-kooperation-wie-vorgehen-beim-welt

    Dort mein Beitrag zu strukturellen Problemen:
    http://www.utopia.de/blog/lucigreen/konfrontation-oder-kooperation-wie-vorgehen-beim-welt#comment-525753

    Zur Transparenz eine interessante Frage an IKEA:
    http://www.utopia.de/gutefragen/fragen/ist-transparenz-in-der-produktion-und-beschaffung-ein

    lukita schrieb am 24.08.2011 um 14:01
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    Wir sind Revolution. Betrachtungen über die Kunst des Wandels in der oya 09/2011.
    http://www.oya-online.de/article/read/422-Wir_sind_Revolution.html

    Beuys wird in diesem Artikel zitiert mit den Worten: »Wenn nicht die Revolution zuerst im Menschen geschieht, scheitert jede äußere Revolution.«

    topist schrieb am 24.08.2011 um 17:05
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    Nunja, wo sollen Revolutionen sonst entstehen? Geht ja nur im Menschen. Interessanter sind doch wohl die dafür notwendigen Voraussetzungen

    [image]

    topist schrieb am 24.08.2011 um 17:15
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    "...im Endeffekt entsteht auch hier eine einzige, starre hierarische Struktur."

    Was das Finanzkapital dann allerdings im Zuallertletzteffekt verhindert.

    topist schrieb am 24.08.2011 um 17:49
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    Ja, "Transparenz" könnte für die nächsten (postbürgerlichen) gesellschaftlichen Umbrüche eine so zentrale Bedeutung erlangen, wie sie etwa die (privateigentümliche) "Freiheit" oder "Gleichheit" für die Etablierung bürgerlicher Produktionsregime hatte.

    Woher und wohin genau fließt das Geld? Etwa das, was mittels Wohnungsmieten oder Spielotheken abgeschöpft wird? Flussdiagramme ins Internet! Auch: welche Preise begünstigen unter welchen Umständen welches Käuferverhalten? Im Strichcode sollte eingegeben sein, wie weit der gegebene Preis vom entsprechendem Optimum entfernt ist, auf das sich die Menschen einigen würden, wären sie in der Lage, Steuern und Abgaben auf ein effektives Nachhaltigkeitsmanagement hin auszurichten.

    In der Tat dürfte auch die unter privateigentümlichen Konkurrenzbedingungen notwendige Geheimniskrämerei inzwischen mehr gesellschaftlichen Reichtum verhindern bzw. vernichten als über Höchstleistungen gewonnen wird, zu denen private Gewinnaussichten motivieren.

    Die Rechtfertigungsbeziehungen müssen sich ändern. Die der menschlichen Art gerechte Haltung ist der aufrechte Gang, und der Grad an Möglichkeit, für das eigene Tun hinterher auch selbst gerade stehen zu können, Gradmesser gewonnener Möglichkeiten zur Mitmenschlichkeit.

    lukita schrieb am 06.12.2011 um 23:54
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    Von den Bedingungen menschlicher Kooperation in der oya vom 06.12.2011

    Zitat-Anfang

    Unter den Affen sind wir Menschen die kooperativsten. Das meint der Entwicklungspsychologe Michael Tomasello, Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig, in einem jetzt in der Süddeutschen Zeitung erschienenen Interview.

    Die menschliche Neigung zur Kooperation brauche aber bestimmte Voraussetzungen, ansonsten käme der ebenfalls veranlagte Egoismus bei uns durch.

    So verhielten sich Menschen dann besonders sozial, wenn »Nutzen und Lasten, Rechte und Pflichten« in der Gesellschaft fair verteilt seien.

    Zitat-Ende

    Weiterlesen:
    http://www.oya-online.de/blog/91-Von_den_Bedingungen_menschlicher_Kooperation/view.html


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