Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.

Politik & Gesellschaft / Bundespolitik

Ökologie und Linkspartei-Krise

Thema abonnieren
Beiträge (6 )
 
berniewa schrieb am 02.06.2012 um 21:49
Bedenklichen Inhalt melden
(meine derzeitige persönliche meinung)

wären da nicht ein paar so kluge köpfe wie sahra wagenknecht oder gregor gysi, dann wäre die linkspartei so ziemlich entbehrlich, zumal weil bündnis90grüne mittlerweile von ihren vorübergehenden fdp-annährungen in manchen fragen (ca 95 bis ca 2005) wieder abgerückt sind und (wieder) stärker 'linke' positionen haben (obwohl sie nach meiner meinung noch 'linker' sein dürften, z.b. in sachen besteuerung hoher persönlicher privater kapitalvermögen - schon allein weil extreme vermögensunterschiede zugleich extreme machtunterschiede sind, und solche undemokratisch (nach einem anspruchsvollen verständnis von demokratie zumindest))


umgekehrt halten immer noch sehr viele anhängerinnen und anhänger der linkspartei ökologie für eine art von luxusthema, als wäre nicht kontaminierte luft, wasser und boden, ungesunde wohnverältnisse, giftige nahrungsmittel (pestizidrückstände etc) allesamt auch soziale, humanitäre fragen, ja fundamentale menschenrechtsfragen, und als würde nicht z.b. der klimawandel die armut von millionen menschen weltweit drastisch zu verschärfen beitragen, bis hin zu hungersnöten wegen desertifikation u.s.w. (die heute nicht zuletzt auch sehr durch den klimawandel mitverursacht ist).
    Maria_L schrieb am 02.06.2012 um 22:13
    Bedenklichen Inhalt melden

    Mal eine andere Frage:
    Was haben die Linken eigentlich beim Kernthema, wo ich mir etwas von ihnen erwarten würde (soziale Gerechtigkeit, mehr Demokratie) schon viel bewegt in den Jahren, wo sie richtig mitmischen?

    Mir wäre es persönlich lieber, die Grünen würden ihre Bemühungen in den Bereichen aufstocken, dann wären die Linken in der Tat entbehrlich.

    Wegen mir bräuchte es nicht ganz so viele Parteien.

    Scharfenorth schrieb am 03.06.2012 um 00:31
    Bedenklichen Inhalt melden

    Aber ich bitte Euch. Habt Ihr nicht richtig aufgepasst?
    1) vertritt die Linke als einzige Partei den meiner Meinung nach richtigen Standpunkt, was ESM Rettungsschim, Fiskalpakt, Sozialticket, Mindestlohn etc. angeht. Sie allein an Gysi und Wagenknecht festzumachen, ist einfach zu kurz gegriffen. Auch die derzeitige Krise sollte uns nicht zu platten Schlüssen hinreißen
    2) die Grünen kann man nicht linker machen. Sie umfassen nun mal das gesamte Spektrum von (halb)links bis zu den (Erz)Konservativen. Das kann durch kein Dekret geändert werden.
    Die Grünen haben viel umgesetzt und sind heute - jenseits der alten Kampflinie - in der Mehrzahl Opportunisten. Sie mutierten teilweise zu Steigbügelhaltern von Merkel und Co, weil sie sich kampflos deren Vorgaben (Atomkonsens, Fiskalpakt, ESM) anschließen statt Alternativen zu entwickeln http://www.stoerfall-zukunft.de/blog/400-spd-und-gruene-im-schlepptau-von-merkel.

    roy.ly schrieb am 04.06.2012 um 19:39
    Bedenklichen Inhalt melden

    unser parteien-system:

    > http://de.wikipedia.org/wiki/Parteiensystem

    ist eben keine räte-republik:

    > http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%A4terepublik

    wär mal ne interessante erfahrung, eine räte-republik zu erleben.

    vielleicht kannst du mal mit freunden oder in deinem verein oder in deiner firma, deiner gemeinschaft, familie, gemeinde,...) ausprobieren, wie sowas funktioniert.

    ;)

    Scharfenorth schrieb am 04.06.2012 um 19:51
    Bedenklichen Inhalt melden

    Die Diskussion ist kompliziert. Die Linken haben schon mal, ganz erfolgreich in Meck Pom mit regiert. Gysi hat die Brocken in Berlin leider geschmissen.
    Wie wär's denn mit der ausgegrenzten Jutta?
    Inhaltlich steht Jutta Ditfurth für eine ökologisch-sozialistische Grundposition, wie sie sie beispielsweise 1996 in ihrem Buch Entspannt in die Barbarei ausgedrückt hat:

    „Es gibt eine lange Tradition von Linken, auch wenn sie nicht die Mehrheitslinie bildeten und bilden, die begriffen haben, dass die soziale nicht von der ökologischen Frage zu trennen ist, weil die Wurzel der Ausbeutung des Menschen und der Natur dieselbe ist: die kapitalistische Produktionsweise mit ihrer Profitlogik und ihrem Verwertungszwang.“

    – Jutta Ditfurth[18]

    Ditfurth gilt als scharfe Kritikerin des später dominanten Realo-Flügels der Grünen um Joschka Fischer, sie führte ein eigenes Archiv über die Grünen und kritisiert eine Aufweichung und Entstellung der ursprünglichen Ziele der Grünen bis zur Unkenntlichkeit (etwa Friedenspolitik, Anti-AKW-Bewegung) seit 1985. Ihre Abrechnung mit Joschka Fischer und den Grünen veröffentlichte sie 1999 als Fortsetzungsserie im Boulevardmagazin Neue Revue.[19] Statt an einem grundlegenden Wandel in der Gesellschaft seien die Grünen in den 1990er Jahren eher an Machtpositionen und Verteilung von staatlicher Förderung an Freunde (Nepotismus) interessiert gewesen. Zudem habe eine Gruppe aus dem Frankfurter Sponti-Milieu um Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit sowie um die damalige Redaktion der Zeitschrift Pflasterstrand viele der ursprünglichen Grünen aus der Partei vertrieben. Sie nutzte eine Artikelreihe in der Neuen Revue für ihre „Abrechnung mit Junker Joschka“, von dem (nach ihrer Darstellung) auch der Begriff Fundi (Fundamentalismus) für parteiinterne Kritiker seines Kurses – wie sie – stammte.[19]

    Ebenso kritisiert sie die Grünen-Generation um Oswald Metzger, Matthias Berninger oder Cem Özdemir, die ihrer Meinung nach nichts mehr mit den ursprünglichen Zielen der Grünen zu tun haben. Diese „pragmatischen Jungpolitiker“ hätten auch in der FDP oder CDU Parteikarrieren machen können, so Ditfurth. Oswald Metzger ist im April 2008 tatsächlich zur CDU übergetreten, Matthias Berninger 2007 zu einem Süßwarenkonzern gewechselt.

    Schöne Grüße!

    www.stoerfall-zukunft.de

    berniewa schrieb am 05.07.2012 um 13:39
    Bedenklichen Inhalt melden

    @ Maria_L Ich finde eigtl nicht, dass 5 oder sogar 6 Parteien in einem Parlament zu viele sind. Es kommt v.a. darauf an, wie sie sich zueinander verhalten, z.B. ob sie irrationale Aversionen pflegen oder offen und vernünftig diskutieren und auch Kompromisse zu finden bereit sind (was nicht bedeutet, dass sie dabei ihre Ideale etc als solche aufgeben müssen)

    Überhaupt ist eine Vielfalt auch insofern erstmal grundsätzlich besser, als damit die Chance höher ist, dass ein Programm dabei ist (und/oder Personen), das (die) den je eigenen Einstellungen nahe kommen.

    Es müssen ja immer quasi ganze "Pakete" gewählt werden (ganze Parteiprogramme), so dass dann mit der Wahl einer Partei immer etwas dabei ist, was eine/r eigtl gar nicht unterstützen will, es aber eben mitnehmen muss, weil die Alternativen noch weniger den eigenen Einstellungen entsprechen.

    Aufweichen ließe sich das theoretisch freilich auch dadurch, dass jede Partei nicht nur 1 sondern evtl 2 Programme zur Wahl stellt, und die Wählerinnen / Wähler auf den Stimmzetteln Präferenzen angeben können, z.B. Zahlen von 1 bis 5 verteilen dürfen (jede einmal)

    Auch Koalitions-Präferenzen zu wählen wäre möglich, aber alles noch komplizierter als das bisherige Wahlsystem und daher zumindest für Bundesebene oder gar EU Ebene sicher bis auf Weiteres nicht real


Beitrag schreiben