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Politik & Gesellschaft / Internationale Politik

Grass u.n.d Israel sollten sich (gegenseitig) um Entschuldigung bitten

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Beiträge (23 )
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berniewa schrieb am 13.04.2012 um 22:36
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... wobei der erstgenannte damit beginnen sollte, finde ich. Weshalb? Nun, ich denke im Moment folgendes:

G. Grass spricht bekanntlich in seinem neueren nun vieldiskutierten Gedicht davon,
dass "der Verursacher" (Singular/Einzahl!) zu diesem und jenem aufzufordern sei u.s.w.
Damit ist offenbar Israel gemeint.

Zwar wird auch der Iran kritisiert, trotztdem ist dies eine unglaubliche
Einseitigkeit und Verzerrung der Tatsachen.

Es ist ein bisschen, als hätte jmd. Ende der 1930er Jahre
die USA (und nicht etwa Deutschland)
einseitig als den potenziellen " Verursacher" eines Weltkrieges bezeichnet.

Wohlgemerkt: Die USA damals waren alles andere als
eine perfekte Demokratie (noch weniger, als heute)
insbesondere weil einige Südstaaten sogar noch
rassistische Apartheidstaaten waren.

Aber dass Deutschland noch viel weniger demokratisch war,
sollte unter vernünftigen und gebildeten Menschen heute klar sein.

Auch Israel ist von einer perfekten Demorkatie weit entfernt
(v.a. hat die Mehrheit immer wieder den Fehler gemacht,
als Reaktion der Bombenanschläge und Rakten von Hamas, Hisbollah etc.
immer wieder 'rechte' Parteimehrheiten zu wählen (oder durch Nichtwählen zuzuassen)
was die Gewaltspirale dann noch weiter angetrieben hat
(in letzten Dekade v.a. die Siedlungsbaupolitik Netanjahus u.s.w.)

Allerdings sind praktisch alle arabisch- persisch- und türkischsprachigen Staaten
noch viel weniger demokratisch!
Und genau dies mit fast konsequenter Regelmäßigkeit zu verschweigen
oder zu beschönigen, ist das Indiz für eine einseitige und
mithin unverhältnismäßige Israelkritik.

Und mit zweierlei Maß zu messen ist immer ein Indiz für Vorurteile
- in diesem Fall für anti-jüdische.

Ich finde:
Herr Grass sollte sich bei der Welt für sein schlecht geschriebenes Gedicht entschuldigen
oder seinen Nobelpreis zurückgeben.

Die Israelische Regierung sollte sich freilich für die schlechte Begründung ihres überzogenen
Einreiseverbotes ebenfalls entschudligen und es zurücknehmen
(da bin ich unter anderem der Ansicht des ehem. Botschafters Avi Primor )
    Dude schrieb am 15.04.2012 um 00:39
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    Dem Vergleich zu dem Ausschnitt
    "zudem ist zu hoffen, es mögen sich viele vom Schweigen befreien, den Verursacher der erkennbaren Gefahr zum Verzicht auf Gewalt auffordern und gleichfalls darauf bestehen, daß eine unbehinderte und permanente Kontrolle des israelischen atomaren Potentials und der iranischen Atomanlagen durch eine internationale Instanz von den Regierungen beider Länder zugelassen wird. "
    kann ich nicht folgen. Schließlich dreht es sich hier um die theoretische atomare Bewaffnung Irans und den von Israel deshalb erwägten Erstschlags. Also nicht direkt um einen Krieg.
    Stellvertreterkriege zwischen Iran und Israel/USA wurden und werden zu Hauf geführt. Die Frage welche Seite angefangen hat, lässt sich bei den vielen verschiedenen damit verwobenen Konflikten nicht lösen. Man kann nur sagen, dass beide Seiten nicht aufhören. Das wäre aus meiner Sicht also auch kein Argument.

    Ich sehe nichts wofür sich Grass entschuldigen müsste. Das was er schreibt wurde schon von vielen anderen geschrieben. Es gibt hunderte gleichwertige Aussagen zu Israel, die alle genauso richtig sind.

    Der Beste Artikel, den ich bisher zu der ganzen Diskussion gelesen habe, ist folgender:
    http://www.taz.de/!91171/

    mela schrieb am 15.04.2012 um 13:49
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    @dude
    Danke für den Linktipp

    Ich bin froh über diesen Tabubruch durch Günter Grass - vielleicht kommt so mal Bewegung in die hierzulande extrem verkappte (Nicht-)Diskussion über Israel (bzw genauer gesagt die Politik der israelischen Regierung gegenüber Nachbarstaaten und Palästinensern).
    Natürlich ist sein Gedicht nicht ausgewogen, es ist eben seine Meinung, dass ein Erstschlag eine Eskalation verursachen würde. Aber er schläg ja auch vor, dass beide Länder ihre Atomprogramme überwaschen lassen sollen - damit sagt er doch gerade, dass beide Länder am Konflikt einen Anteil haben.
    Hätte er aber Iran als den alleinigen Verursacher dargestellt, wären bestimmt sehr viele die nun die Unausgewogenheit kritisieren, einverstanden gewesen. So ist er nun ein Antisemit und dass zeigt genau, wie es um die Diskussionskultur hierzulande zu diesem Thema bestellt ist.

    Zwar wird Israel (bzw genauer gesagt die Politik der israelischen Regierung gegenüber Nachbarstaaten und Palästinensern) von den dt Medien durchaus auch mal kritisiert. Nur es wird eben nicht offen darüber diskutiert, wie sich Deutschland dazu stellen sollte. Und die Tatsache, dass Deutschland (bzw unsere Politik) sich demonstrativ hinter Israel stellt, frustriert eben viele.
    Dadurch bildet sich eine israelkritische Haltung, die ebenso unausgewogen sein kann - einfach aufgrund der Ungerechtigkeit, die viele empfinden, vor allem wenn es um das Schicksal der Menschen in den besetzten Gebieten geht. Zumindest geht es mir so.

    Chrissy schrieb am 15.04.2012 um 16:04
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    Ich sehe auch nichts, wofür sich Grass entschuldigen müsste.

    Da wagt es jemand, mal eine sachte ( und sachliche) Kritik an der Politik Israels zu äußern, und schon wird er beschimpft und als Antisemit verteufelt.

    Und das mit dem Nobelpreis zurückgeben ist ja nun völlig daneben ! Bloß weil Grass ein angeblich "schlechtes Gedicht" geschrieben hat ?
    Da sollte doch erst einmal Herr Obama seinen Friedensnobelpreis zurückgeben - das wäre doch mal eine berechtigte Forderung !

    Ich jedenfalls bin Herrn Grass dankbar dafür, dass er dieses Gedicht geschrieben hat.
    Er hat endlich mal ausgesprochen, dass es in unserem Land unmöglich ist, auch nur den Hauch einer Kritik an israelischer Politik zu äußern, ohne dass man sofort wüst beschimpft und als "Antisemit" verdammt wird.
    Ich spreche aus meiner 40-jährigen Erfahrung als leidenschaftliche Pazifistin und Antifaschistin .

    Gegen Krieg, Ausbeutung und Unterdrückung

    berniewa schrieb am 06.05.2012 um 12:47
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    @ Chrissy: "(...) jemand, mal eine sachte ( und sachliche) Kritik an der Politik Israels (...)" Das halte ich in gleich mehrfacher Hinischt für falsch.
    denn
    1. ist sie nicht sachte und auch nicht sachlich, sondern eine einseitige und übertriebene Zuweisung einer potentiellen Hauptschuld an einem eventuellen "Weltkrieg", bei gleichzeitiger relativer Verharmlosung der Schuldanteile z.B. der faschistischen Regime im Iran, Syrien, Saudi-Arabien ... (die allesamt schon immer massiv israelfeindlich waren bis hin zu ständigen Drohungen die der Androhung von Völkermord nahekommen, z.B seitens des Iran) Immerhin spricht Grass in seinem Gedicht in der Einzahl (Singular) vom angeblichen Verursacher / Aggressor u.s.w. Allein das ist schon oberpeinlich undifferenziert für jemand, der immerhin als Literaturnobelpreisträger wissen sollte, wie Worte wohlbedacht zu wählen sind

    2. "(...) mal (...)": ist insofern auch falsch, weil israelkritische Äußerungen weltweit, auch deutschlandweit am laufenden Band produziert werden (viele sogar "produziert" im Sinne gezielt anti-israelischer Propaganda, z.B. ebenfalls im Iran, und auf Umwegen dann auch weltweit gestreut, über Medien verschiedener Art ...)


    "(...) beschimpft und als Antisemit verteufelt. (...)" Von wem? Von mir jedenfalls nicht und ich kenne auch niemand auf den das zutrifft (obwohl es auch solche geben mag), kenne aber enige, denen das unberechtigterweise vorgeworfen wird

    ... - ist übrigens sonst eigentlich ein altes, tatsachenverdrehendes Muster von Rassisten und ähnlichen Leuten, das auch bei vielen Israelkritikern bemerkenswert häufig ist: "(...) Man darf ja nie was sagen und wenn, dann wird man gleich (...)" so ungefähr läuft das Muster - das sollte doch mal zu denken geben, finde ich (auch Dir Chrissy, gerade weil du ja sicher nicht zu diesen Leuten gehören willst)

    Chrissy schrieb am 06.05.2012 um 20:54
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    @ Bernie :

    also bitte, lass das !

    Für den letzten Absatz deines Beitrages erwarte ich von Dir eine Entschuldigung !
    Ich kämpfe wirklich seit über 40 Jahren gegen Nazis, Neonazis, Rassisten, Hakenkreuzschmierereien ,
    und finde deshalb solche unüberlegten Anspielungen von Dir unerträglich.

    Dude schrieb am 07.05.2012 um 11:27
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    @ Bernie: Dein letzter Absatz entbehrt jeder Grundlage. Wenn es um die Beurteilung deiner Texte durch andere geht, willst du Differenzierung sehen, bei den Texten der Anderen wendest du genau das Gegenteil an.

    Ich fände es angemessen, wenn du den Absatz löschen und dich bei allen, die du damit hier ansprechen wolltest, entschuldigen würdest.

    berniewa schrieb am 08.05.2012 um 13:13
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    Bitte lest doch erstmal einfach genau, was dasteht,

    Es impliziert eindeutig, dass ich Chrissy nicht zu diesen Leute zähle.

    Ich stelle nur ein paralleles Muster einer bestimmten unverhältnismäßigen Argumentation fest. Und das deutet meines Erachtens eben leider auf eine nicht ganz vorurteilslose Sichtweise, die in verschiedenen Gruppen bzw vorhanden ist, bzw bei Personen, die ansonsten durchaus sehr verschieden sind.

    Das zu sagen ist doch wohl noch erlaubt, oder? Es hat außerdem nichts zu tun damit, das Engagement von jemanden infrage zu stellen. Auch engagierte Menschen können sich doch mal in einem Punkt irren.

    Soweit es missverständlich oder beleidigend gewirkt hat, bitte ich um Entschuldigung.


    [/i]Übrigens habe ich meine Meinung in einem Punkt geändert: Ich finde zurzeit eigtl nicht mehr unbedingt, dass sich der israelische Minister bei Grass entschuldigen sollte.[i]

    Dude schrieb am 08.05.2012 um 13:29
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    Für mich impliziert es nicht eindeutig, dass du Chrissy nicht zu diesen Leuten zählst.

    Ich frage mich gerade, wer hier die nicht vorurteilslose Sichtweise vertritt, wenn du in deinem Text Chrissys Worte damit abzutun versuchst, indem du sie mit braunem Gedankengut in Verbindung bringst. Eine echte inhaltliche Auseinandersetzung sind solchen "billigen" und niveaulosen Bemerkungen jedenfalls nicht.

    Und das Leute, die so etwas sagen, wie Grass gleich als Antisemit bezeichnet werden stimmt doch. Ich sehe da eher auf der Seite der Leute, die mit so etwas wie Antisemit um sich schmeißen eine Masche, um sich nicht mit dem Inhalt auseinander setzen zu müssen.

    Und wie soll denn deiner Meinung nach sonst auf diesen unhaltbaren Vorwurf des Antisemits reagiert werden? Der wurde nun mal mehrfach geäußert, wenn auch nicht von dir.

    Wenn jemand andere Kritisiert, heißt das doch nicht, dass er ihnen Böses will. Ich sehe das in diesem Fall sogar gegenteilig. Grass will allen Beteiligten helfen, friedlich miteinander zu leben.

    Christoph Burtscher schrieb am 08.05.2012 um 13:36
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    ein Vergleich bleibt ein Vergleich, berniewa. Und ich finde es sehr bedenklich, eine andere Userin zunächst mit Rassisten zu vergleichen und danach zu schreiben: "Es impliziert eindeutig, dass ich Chrissy nicht zu diesen Leute zähle."

    Ein Vergleich impliziert immer eine gewisse Gemeinsamkeit. Wenn man nicht möchte, dass die Diskussion ins Unsachliche abgeleitet, dann sollte man auch auf entsprechende Vergleiche verzichten.

    Bei der Kommunikation im Internet können schnell Missverständnisse und Fehlinterpretationen aufkommen. Daher ist es umso wichtiger, sich zu überlegen, wie man seine Aussagen formuliert.

    mela schrieb am 08.05.2012 um 14:33
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    @Bernie
    Du schreibst in deinem ersten Beitrag viel über Demokratie. Ich finde, dieses Thema sollte man losgelöst betrachten von einem potentiellen Konflikt zwischen Israel und Iran.
    Länder sind erstmal souverän, Wir können niemandem die Demokratie aufzwingen.
    Also: Die Tatsache, dass Israel demokratischer ist als viele andere Staaten im Nahen Osten, heißt noch nicht, dass Israel weniger aggresiv ist oder gar im Recht ist.

    Zu beurteilen, wer denn nun der wahre Verursacher des langen Nahostkonfliktes ist, ist sehr schwer. Vor allem gibt es vermutlich nicht DEN Verursacher. Und ganz sicher spielen auch europäische Staaten hier eine unrühmliche Rolle.

    Ich finde es aber trotzdem legitim, der Meinung zu sein, Israel würde mit einem Bombenangriff einen schlimmen Krieg verursachen. Ein Angriff ist nunmal eine ganz andere Eskalationsstufe als verbale Provokationen.
    Man muss den gesamten Nahostkonflikt auch mal aus Sicht des Iran betrachten. Uns steht erstmal kulturell und geschichtlich sicher Israel näher, daher betrachten wir das ganze in der Regel aus der Sicht Israels.


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