Mobilität & Verkehr / Öffis
ÖPNV zum Nulltarif
Ich suche alles zum Thema "ÖPNV zum Nulltarif" zwecks Dokumentation bei http://schlaubus.wordpress.com/.
Ich bin der festen Überzeugung, dass Mobilität in Zukunft ein für viele Menschen unbezahlbarar Kostenfaktor wird. Beispiele aus anderen Ländern zeigen, dass Nulltarifsysteme (NTS) sogar zu einer neuen Blüte einer Kommune führen können. Klingt utopisch? Abwarten!
Ich freue mich über jede Anregung.
LG
Claus
Das ist keine Utopie, leider glauben unsere Lobbygesponserten Politiker, egal ob kommunal oder auf Landesebene sie würden damit der heimischen Wirtschaft schaden. Die Situation in Deutschland ist eben nicht Wegen der tollen Führungskräfte im Europäischen Vergleich noch etwas besser, sondern trotz diesen unfähigen arroganten BWLlern und Juristen, welche noch nie mit dem realen Leben zu tun hatten, Dank des Fleißes und der Zuverlässigkeit deutscher Arbeitnehmer/Innen.
Das Bewundernswerte z.B. am Beispiel Hasselt in Belgien (ich war mehrfach zu Gesprächen dort) in diesem Zusammenhang war ja, dass die alten "Fachkräfte" (strengst katholisch/konservativ verwurzelt) von den WählerInnen geradezu aus dem Rathaus gefegt wurden, weil die BürgerInnen erkannt haben, dass eine Kosten-Nutzen-Rechnung ausnahmsweise auch mal für sie aufgeht.
Jeder weitere Versuch in den letzten 15 Jahren das NTS in Hasselt wieder zu kippen, wurde bei den Wahlen übelst abgestraft. Gerade sowas macht mich sehr neugierig - aufbrechen von Strukturen mit ganz neuen Ansätzen.
LG
Claus
Ist ja nett, dass alles kostenlos sein soll, aber wer soll das finanzieren? Wie werden diese Mehrkosten aufgefangen?
Das einzige, was die Kommunen zu einer neuen Blüte bringen kann, ist die Wertschöpfung innerhalb der Kommune durch z.B. Energieerzeugung (Bürger-Solaranlagen oder Bürger-Windkraftanlagen). Energie als Rohstoff, den man dann nicht mehr einkaufen muss, sondern noch was daran verdient.
"Ist ja nett, dass alles kostenlos sein soll, aber wer soll das finanzieren?"
Die Frage ist, wer soll das finanzieren, wenn es keinen Nahverkehr mehr gibt?
Hier zu Lande dünnt selbiger total aus.
Das ist ein Teufelskreis:
Der Preis für eine Monatskarte ist heute in Euro so hoch wie zu Zeiten der Umstellung in DM.
Parallel wurde mindestens 1/4 der Verbindungen getrichen, der ÖPNV wird also immer unattraktiver und weniger frequentiert und rentiert sich in der Folge gar nicht mehr...
Ich denke, es gibt Mittel und Wege der Rückfinanzierung, kenne mich aber zu wenig damit aus.
OpenSource Software finanziert sich ja auch häufig über andere Kanäle zurück.
Ich finde das Thema jedenfalls sehr spannend.
Wer das finanzieren soll?
Nun, es ist einfacher, als man denkt: bis heute kostet das Nulltarifsystem (NTS) Hasselt nur 1% des Haushaltes, pro Einwohner etwa € 18 pro Jahr. Wie kann das sein? Seit der Einführung des NTS haben in Hasselt ca. 10.000 Menschen ihr Auto abgeschafft. Damit blieb eine riesige Kaufkraft in der Stadt, die Leute pendelten nicht mehr für jede Anschaffung nach ausserhalb, denn in die Stadt fahren war ja nun umsonst. Durch die steigende Nachfrage entwickelte sich Hasselt zur viertgrößten Einkaufsstadt Belgiens.
Hinzu kam: weil weniger Autos auf den Straßen unterwegs waren, konnten viele Innenstadtstraßen in Fußgängerzonen umgewandelt werden - Straßenbau- und Erhaltungskosten fielen weg, die Lebensqualität stieg, Restaurants, Kneipen und Kulturorte kamen zurück in die Stadt. Hasselt wurde zur Touristenattraktion und zur Universitätszweigstelle. Circa 2.000 Arbeitsplätze sind neu entstanden. Das alles beschert der Stadt hohe (Gewerbe-)Steuereinnahmen, womit wiederum Ausbau und Unterhalt des Busnetzes finanziert wurde bzw. wird. Von ehemals 2 Linien und 13 Bussen auf heute 14 Linien mit 100 Bussen, Taktzeit 5 Minuten, niemand hat es weiter als 5 Minuten bis zur nächsten Haltestelle.
LG
Claus
Das klingt jetzt leider ein bisschen arrogant, wenn ich behaupte, das sag ich schon seit einer Ewigkeit, aber vor lauter Ewigkeit hatte ich es auch schon fast wieder vergessen ... ja, echt ein super-spannendes Thema, das hier endlich aufs Tableau kommt und wir deren Umsetzung hoffentlich noch erleben dürfen.
Auch die Zahl von 18,-€ pro Kopf aus Hasselt zeigt, dass das System alles andere als abwegig ist und, wie auch schon von vielen anderen vor mir festgestellt, lediglich von diesen alten verkalkten Politik-Verwaltern verhindert wird!
Ich möchte in meinen Thesen sogar noch weiter gehen und behaupte, dass man auch den ÖPFernverkehr eigentlich über eine generelle Mobilitäts-Infrastruktur-Erstellungs-und-Erhaltungsabgabe (schöner Begriff, oder?) super-prima in die bisherige Kfz-Steuer für jedermann integrieren müsste und auch könnte. Und prompt wäre deutlich weniger Individual-Fernverkehr auf den Straßen unterwegs ... wenn wir denn nur nicht dieses bekloppte Auto-Lobby-Land wären ... wo alles, was der Automobilindustrie nur ein wenig Nachdenken abverlangen würde, schon im Vorfeld von Papi- und Mami-Politik vermeintlich schützend von selbiger ferngehalten würde.
Hallo Hirnretter/causa-design
ich finde die Idee auch sehr interessant,
aber die Zahl mit 1% des Stadtbudgets ist nicht ganz ehrlich, denn einen ca 2/3 der Kosten des ÖPNV-Verkehrs in Hasselt trägt die Provinz bzw. der Staat, siehe in dieser Diplomarbeit
http://www.schwarzfahren.de/pdf/2010_maudet_nulltarifsystem-im-oepnv
Dort steht auch, beispielhaft für mehrere deutsche Städte der Verlust des ÖPNV je Einwohner, da stehen Zahlen zwischen 40 und 140 Euro je Jahr. Also weit entfernt von den 18 Euro, wobei man natürlich bei einem NTS auch gewisse Einsparungen zu verzeichnen hätte (Abrechnung..)
"da stehen Zahlen zwischen 40 und 140 Euro je Jahr."
Na und wenn schon...zuletzt habe ich für meine Monatskarte 58€ gelöhnt, also über 700€ im Jahr.
Das ist vier Jahre her und nicht billiger geworden.
Bei gleichzeitiger Streichung zahlreicher Verbindungen.
Schon alleine für die Aussicht, keinem kniesepetrigem Kontrolleur mehr zu begegnen, wäre es die Sache wert.
Ich kenne Pendler, die ausdrücklich nicht mehr Bahn fahren, sondern Auto, weil die Kontrolleure so unfreundlich sind.
@ mela:
Oh, nicht nur in Hasselt fließt Geld vom Land. Was glaubst Du, wie stark der ÖPNV in D subventioniert wird? Müsste GV seinen ÖPNV ohne Zuschüsse bestreiten, wäre dieser längst zusammengebrochen. Mit Streichung der sog. "Regionalisierungsmittel" 2015 in NRW wird die Lage des ÖPNV sehr kritisch werden, ergo MUSS jetzt was passieren. Die Arbeit und Herrn Maudet kenne ich. Ein NTS kann ja auch ruhig etwas kosten - Maudet plädiert für eine Art "Nahverkehrsabgabe für alle", aber selbst damit könnte jede BürgerIn leben, wenn's transparent ist.
LG
Claus
Wenn ich mir die Berliner Bahnen, S-Bahnen, wie auch Straßenbahnen so ansehe, zerkratzte Scheiben, beschmierte Wände, Sitze und Türen, grässlich! Und nebenbei seh ich die Versuche, das zu verändern. Das tun alles Menschen auf Erwerbsarbeitsplätzen! Wer finanziert dies Tun? Die Fahrkartenkaufenden, oder?
Wie wäre es, wenn (A)Eltern ihren Kindern Gemeinschaft vorleben würden? Würde dann auch noch so viel zerstört? Wenn Kindersselen nicht zerstört, oder zahmer geschrieben VERstört werden, dann zerstören sie auch nicht Andere und Anderes!

