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Gemeinschaftliches Leben in Sachsen?

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Beiträge (6 )
 
Magenta schrieb am 10.01.2010 um 16:23
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Hier mal meine Spinnerei von einem gemeinschaftlichen Leben ;) Tatsächliche Vorstöße in diese Richtung habe ich mangels Mitstreitern noch nicht unternommen. Es ist also bisher alles reines Wunschdenken:

Ich lebe jetzt in Dresden in einer WG mit zwei jungen Männern. Hier bewohne ich ein geräumiges 25 qm-Zimmer, in dem ich alles habe, was ich brauche. Der Raum reicht mir völlig aus. Er ist möglichst ökologisch eingerichtet. Ich brauche nicht viel und möchte immer den Überblick über meine Sachen haben. Ich bin ständig am Entrümpeln, und meinen Besitz noch weiter zu verringern wäre ein spannender Versuch, dem ich mich gern stellen würde.

Leider führen wir hier in der WG so gar kein Gemeinschaftsleben. Wir haben keinen Gemeinschaftsraum, aber auch in unseren Lebensansichten und Interessen keinerlei Überschneidungen. Wir leben völlig andere Leben, haben getrennte Freundeskreise, wohnen hier nur gemeinsam, haben sonst aber kaum was miteinander zu tun. Was bei uns sehr gut klappt ist die gegenseitige Rücksichtnahme, das hinter-sich-aufräumen. Wir sind alles erwachsene Menschen und sehen, wenn es nötig ist, zu putzen. Ohne Putzplan, ohne Vorschriften und Vorhaltungen. Das finde ich sehr angenehm.

Ich möchte, solange meine Nichten so klein sind (5 Mon. - 5 Jahre), in Dresdens Nähe bleiben. Vielleicht ergibt sich das Leben in einer Gemeinschaft so eben erst für mich in einigen Jahren. Oder aber es findet sich eine Gemeinschaft in Sachsen :)

Ich einer richtigen Lebensgemeinschaft wünsche ich mir: Mit mehreren Generationen ökologisch und ökonomisch gemeinsam zu leben, zu essen, zu arbeiten, voneinander zu lernen und miteinander zu feiern. Traumhaft wäre eine yogische Ausrichtung, vegetarische/vegane Ernährung, jedenfalls mit einigen der Mitbewohner. Es soll ja keine Vorschriften geben ;) Man ergänzt und hilft sich, tauscht Talente und Dienste ähnlich wie in einem Tauschring, lernt voneinander. Ich wünsche mir, mit Leuten mit ähnlichen Lebensansichten, also mit (potentiellen) Freunden zusammen zu leben. Mit Leuten, denen ich mich überwiegend nicht erst umständlich erklären muss. Vorstellen könnte ich mir einen gemeinsamen Hof mit Garten in relativer Stadtnähe, mit gemeinsamen und privaten Räumen, mehreren Bädern ;) und einigen gemeinsamen Terminen wie einem oder zwei gemeinschaftlichen Abendessen pro Woche, Yogastunden, Töpferkursen oder was auch immer uns verbinden würde.

Neben all der Gemeinschaft möchte ich aber auch in einem gewissen Maße selbst-bestimmt bleiben, mit gegenseitiger Rücksichtnahme, aber möglichst ohne allzu viele Vorschriften, Erwartungen oder eine Satzung etc. Ich möchte mein derzeitiges Leben nicht komplett aufgeben, sondern es in ökorrekter Weise in vernünftigem Rahmen verbessern. Das bedeutet, weiter meine gerade gegründete Agentur zu führen (Heimbüro), meine Festivals und Konzerte zu besuchen. Ich möchte auch die Vorzüge der Nähe einer Stadt nicht missen. Außerdem hätte ich gern einige grundlegende westliche Standards wie elektrischen Strom und warmes Wasser (natürlich aus ökorrekten Quellen), ein eigenes Zimmer/Bauwagen/4 x 4 m-Hütte o. ä., ordentliche (gemeinsam genutzte) Badezimmer, eine warme Dusche, gedämmte Wände. Auch etwas Privat- neben dem Gemeinschaftseigentum möchte ich mir bewahren.

Hm, utopisch?
    heartwise_ch schrieb am 10.01.2010 um 16:35
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    Danke für Deinen schönen Beitrag. Ich beschränke mich ja gern auch in yogischer Weise ;-) und finde Deinen Hinweis sehr, gut, Dir ein bisschen eigenes Eigentum zu bewahren. Es ist irgendwann nicht mehr nur ein schönes Abenteuer, sich von 0 einzurichten, auch wenn man nur wenig Fläche füllen will. Und irgendwann erwarten Leute meist auch, dass mein seine Lebensvorstellungen für sie in Einrichtungsgegenständen und Wohnungsdesign sichtbar macht. Auch wenn ich darauf nur begrenzt eingehe, habe ich Mobiliar und Küchengeräte zwar nach eigenem Geschmack, aber doch fast ausschließlich für das Verwöhnen meiner Gäste zusammengekauft.

    Chrissy schrieb am 10.01.2010 um 16:58
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    Nein, das ist nicht utopisch ....
    Guck mal bei
    www.eurotopia.de
    Es gibt auch ein Verzeichnis der Lebensgemeinschaften und Ökodörfer in Europa, das findest du dort auch.
    Viel Erfolg bei der Suche
    und lieben Gruß von Chrissy

    Und urwalder hatte hier auch einen Link,
    da kannst du dich über das Buch informieren :
    www.umweltbrief.org/neu/html/aktuell-12.html

    Hajue schrieb am 10.01.2010 um 22:08
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    Liebe Magenta,

    "Gemeinschaftliches Leben" ist ein zu weiter und ungenauer Begriff für das,worum es den an Gemeinschaft Interessierten geht.

    Ich kann und ich will nicht allein sein, steht am Anfang jeder Suche nach menschlicher Gesellschaft, nach menschlicher Berühungsfläche, nach Vertrautheit und Anerkennung im privaten Umfeld von Leben und Arbeiten.

    Ihr lebt, wie ich das lese, mehr oder weniger in eurer WG aneinander vorbei.

    Die moderne Idee, Wohngemeinschaften zu gründen, stammt aus der gesellschaftkritischen Bewegung der sogenannten 68ger Generation. Kleinfamilie und auch Zweierbeziehungen galten als konservativ, und manchen auch als reaktionär. "Kommune 1" in Berlin ist vielleicht noch in Erinnerung. Diese ideologisch radikalisierte Form, mit Türen aushängen, möglichst keinen Privatbereich innerhalb der "Gemeinschaft " zu dulden, war ebenso falsch, wie die Annahme, dass allein das Zusammenwohnen schon ausreichend sei, um in Gesellschaft und nicht allein zu sein.

    Kurz, es war ein Irrtum der 68ger, dass die Formen des Zusammenlebens, konkreter die Formen und Typik der privaten Beziehungsverhältnisse beliebig seien.

    Beziehungen sind die Brutstätte der Ängste und der Sehnsüchte. Du hast auf Deinem Profilbild ein kleines Kind bei Dir. Auch wenn es später mal vergessen haben wird, was in dieser frühkindlichen Zeit passiert ist, für das, was ihm als Glück oder Unglück später begegnet, so von ihm empfunden wird, werden besonders in dieser Zeit die Weichen gestellt.

    Gerade in Paar-Beziehungen sind die Partner weniger bezogen auf sich als konkrete Menschen, als auf den Wunsch nach Wiederkehr dieser frühen Bindung an die "Urobjekte". Selbst dann, wenn es nur Augenblicke der befriedigenden Erfahrung - für das Kind - waren, dass hier "jedem nach seinen Bedürfnissen und jedem nach seinen Fähigkeiten" entsprochen wird.

    Nun, dass diese "Partnerschaft" beim gemeinschaftlichen Leben ein problematische Rolle spielt, ist wohl hier in der Utopia-Gruppe schon erkannt und diskutiert worden.

    In der Regel sind es auch andere Ziele und Bedürnisse auf die die hier vorgestellten Gemeinschaften - als schon existierende oder in Gründung - hin ausgerichtet sind. Gemeinsam Hauswirtschaft betreiben, in Anlehnung an die Vorstellung von einer "ursprünglichen Hausgemeinschaft" ist in fast allen enthalten. Nicht selten kommt dazu die Idee von einer "vorbildlichen" Lebensweise, ökologisch oder spirituell, manche auch noch sozialistisch. Als Beziehungsform oder -typ lässt sich das beschreiben als ein zeitweises Leben in "Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit". Zumindest auf das Grundbedürfniss nach menschlicher Gesellschaft und auch auf Sinngebung für das eigene Leben antwortet eine solche Form von Beziehung.

    In Paar-Beziehung oder in Brüderlichkeit und Schwesterlickeit zu leben, sind gegenwärtig die einzigen bekannten und anerkannten Formen, wie sich private Beziehungsverhältnisse gestalten können und dürfen, - "Single-Dasein" bleibt dazu die einzige Alternative.

    In anderen Gesellschaften gibt und gab es auch andere Formen - und einige Lebensgemeinschaften berufen sich auch darauf, wenn sie z.B. eine "Stammesgemeinschaft" bilden wollen. Gruppenehen, wie etwa die Bildung eines "Harem", streben die meisten nicht an. In Bezug auf den Harem zurecht, denn in der Regel sind die männlichen Bindungsenergieen und -vermögen so zerstreut und schwach geworden, dass sich darauf keine stabile Gruppen-Ehe gründen lässt.

    Eher schon, aber das ist Utopie, könnten einige Frauen als Gruppe, Lebens- und Arbeitsgemeinschaft eine weitaus größere Zahl von Männern auf sich beziehen und binden. Aber auch das ist eine mehr als schwierige Angelegenheit. Frauengruppen sind "fusionierende" Gruppen; das Beziehungsverhältnis steht jeder Zeit auf dem Prüfstand, und jederzeit kann es explodieren, auseinanderplatzen.

    Ich hoffe, Du kannst mit diesem Beitrag etwas anfangen

    Magenta schrieb am 10.01.2010 um 22:21
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    Vielen Dank, ihr beiden.

    Chrissy, die Bücher und Links werde ich mir mal zu Gemüte führen.

    Christian, genau, ich finde es sehr spannend zu testen, mit wie wenig ich auskomme und habe vor, meine Habe noch weiter zu reduzieren. Noch bin ich lange kein Asket, ich habe allerdings auch nicht vor, einer zu werden, wenn ich die Leute, die nur einen Koffer mit drei Büchern besitzen wollen (!), auch sehr bewundere.

    Vor meiner Indienreise, die ich noch aus meinem schwierigen vorherigen Arbeitsverhältnis antrat, fand ich den Gedanken mehr als verlockend, nur mit dem, was ich am Leibe habe und mit sehr wenig weiterem Gepäck dorthin zu reisen. Buchstäblich alles, was mich sonst belastet hat, zurück zu lassen und ab in die Wärme und in dieses spannende Land mit dem tollen Essen :) Als ich dann in Indien unterwegs war, war es eine erstaunliche Erkenntnis für mich, mit wie wenig, auch mit wie wenig Luxus oder allein wie wenig Sauberkeit oder warmem Wasser ich tatsächlich (eine Zeitlang) auskomme. Aber auf Dauer möchte ich dann doch nicht total asketisch leben.

    In der WG hier gehört mir praktisch alles. In der Küche stehen meine Möbel, wir benutzen mein Geschirr und Besteck, die Waschmaschine ist meine. Ich habe überhaupt kein Problem damit, dass die Mitbewohner alles mitbenutzen, solange es pfleglich behandelt wird. Ich freue mich sogar, dass ich es hier "zum Wohle aller" einbringen konnte. Meine Mutter hält mich für verrückt deswegen :)

    Das sind allerdings nicht die Sachen, an denen ich wirklich hänge. Die habe ich hier in meinem Zimmer. Ich würde gern testen, wie weit ich sie reduzieren kann, ohne dass es schmerzt. Ist ja jetzt nach über 5 Jahren Entrümpeln schon schön zu sehen, was bis hierher überlebt hat :)

    Meine Mutter hat meinen Umzug aus der eigenen Zweizimmerwohnung hierher in die WG als Einschränkung und Rückschritt bezeichnet. So fühle ich mich überhaupt nicht. Ich halte es eher für befreiend, für weniger Miete = weniger finanzielle Verpflichtung in (in unserem Fall relativer) Gemeinschaft in einem mehr als ausreichend großen Zimmer mit übersichtlicher Habe zu leben.

    Magenta schrieb am 10.01.2010 um 22:47
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    Lieber Hajue,

    wow, das ist schwere Kost :) Ich meine, nicht so leicht zu verstehen. Aber ich versuchs und danke dir sehr für deinen Beitrag. Ich sehe, du hast dich selbst schon mit diesem Thema auseinandergesetzt.

    Das Kind auf dem Bild ist meine älteste Nichte, also keine "Gefahr" für sie :) Wenn ich für andere Menschen in dem Sinne wie für Kinder oder einen Partner verantwortlich wäre, würde ich mir manche Entscheidungen ganz anders überlegen. In dem Sinne bin ich sogar mal froh, völlig ungebunden zu sein.

    Aber überhaupt war mein ursprünglicher Beitrag erstmal reine Träumerei, ein lautes Nachdenken darüber, was ich mir überhaupt vorstellen könnte. Gestern stieß ich auf den Beitrag mit den Kleinsthäusern, und da fiel mir wieder das Buch von Anne Donath ein: "Wer wandert braucht nur was er tragen kann". Sie lebt in einem 4 x 4 m großen Blockhaus, arbeitet nur wenige Wochen im Jahr in der "Welt der Knöpfchendrücker", wie sie es nennt, um Geld für die Krankenversicherung zu verdienen, ist also wohl, soweit es heute geht, unabhängig, unbelastet und selbstbestimmt. Sie reist den Rest der Zeit oder bearbeitet ihren Garten. Sie verbraucht sehr wenig Geld und besitzt sehr wenig Materielles. Das finde ich äußerst anziehend. Aber dann fiel mir ein, dass ich daneben gern eben nicht allein und der Außenseiter sein wollte. Deshalb kam ich auf die Gedanken oben.

    Genau, meine hauptsächliche Sehnsucht ist die, nicht allein zu sein. Es ist für mich jetzt schon ein großer Trost, dass ich, sollte ich im Alter nicht in einer Beziehung leben, mir eine WG suchen werde. Welcher Art auch immer die sein wird: Gleichaltrige Freundinnen oder Mehrgenerationenprojekt oder was auch immer.

    Richtig erkannt hast du auch, dass wir hier eine reine Zweck-WG sind. Wir wurden „zusammen gecastet“. Die vorher hier wohnende WG ist komplett ausgezogen und lud die Bewerber für die Zimmer zum Beschnuppern ein. Wir kannten uns nicht und meinten, es könnte passen. Gut, es könnte auch schlimmer sein. Wir gehen uns nicht auf die Nerven, sind rücksichtsvoll usw. Aber mir persönlich fehlt eben noch etwas Gemeinschaft. Wir haben so gar keine Übereinstimmungen.

    Ja, die perfekte Lebensform zu finden … hm, wahrscheinlich gibt es „perfekt“ im menschlichen Miteinander einfach nicht. Bzw. wird es zumindest nicht planbar sein. Am günstigsten wäre es eben, den richtigen Mittelweg zwischen Gemeinschaft und Rückzugsmöglichkeit zu finden. Für ein harmonisches Zusammenleben muss man die Mitbewohner wahrscheinlich gut kennen und von Anfang an vielleicht eine gewisse gemeinsame Grundeinstellung, irgendwelche Gemeinsamkeiten haben. WG- oder Zusammenleben ist vermutlich ganz ähnlich einer Zweierbeziehung. Es geht nicht ohne Toleranz, es geht nicht ohne eine gewisse Übereinstimmung und eine gewisse Zuneigung, damit man auch in Problemen an der „Beziehung“ arbeitet und nicht alles hinwirft.


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