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"Nierenerkrankung unter (Zuckerrohr -) Arbeitern – Nikaraguas mysteriöses Leiden"

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Maria_L
schrieb am 12.02.2012 um 21:58

Hier gibts die Bilder dazu
http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/nierenerkrankung-unter-arbeitern-nikaraguas-mysterioeses-leiden-1.1280315

Den Text kopiere ich hier zusammen von den vielen Seiten:

"Sie arbeiten Tag für Tag in der sengenden Hitze. Je mehr Zuckerrohr sie schneiden, desto besser werden die Arbeiter auf den Plantagen im Westen Nikaraguas bezahlt. Doch die Folgen sind offenbar verheerend. Auffallend viele der Arbeiter leiden an chronischer Niereninsuffizienz. Das heißt: Ihre Nieren funktionieren immer schlechter, bis sie schließlich den Dienst versagen und keine Schadstoffe mehr aus dem Blut filtern.

Aus insgesamt sechs lateinamerikanischen Ländern wurden steigende Raten der Nierenerkrankung gemeldet, in Nikaragua aber scheint die Lage am schlimmsten.

Immer wieder müssen Familien, wie hier in Chichigalpa, ihre Männer und Väter beerdigen.

Wie viele Menschen schon erkrankt sind, ist schwer zu sagen. Verschiedene Erhebungen kamen auf einen Anteil zwischen acht und 13 Prozent der Bevölkerung. Diese Zahlen entsprechen denen der Industrienationen, wo das Nierenleiden ebenfalls auftritt - hervorgerufen vor allem durch die Wohlstandskrankheiten Diabetes und Bluthochdruck.

Doch es scheint, als sind diese Zahlen nur ein Teil der Wahrheit.

Denn das Nierenleiden tritt offenbar an bestimmten Orten und bei bestimmten Menschen besonders häufig auf. Epidemiologen von der Boston School of Public Health zufolge ist die Erkrankung vor allem unter den Feldarbeitern der Zuckerrohrplantagen verbreitet. Unter ihnen erreichen die Erkrankungsraten 38 Prozent oder noch mehr.

Anders als in den Industrienationen erkrankten vor allem Männer im jungen und mittleren Alter. Auch scheint die Krankheit nicht mit Bluthochdruck und Diabetes zusammenzuhängen.

Doch was löst sie dann aus?

Die Menschen in den betroffenen Gebieten halten Agrarchemikalien für die wahrscheinlichste Ursache. Es ist nicht ausgeschlossen, dass gesundheitsschädigende Pestizide und Herbizide auf den Feldern ausgebracht werden. Arbeiter wandten sich mit diesem Verdacht unter anderem an die Weltbank, die Zuckerrohr-Produzenten mit Krediten unterstützte. Eine Untersuchung wurde begonnen - und die These der Umweltgifte als eher unwahrscheinlich verworfen. Denn das Nierenleiden kommt nicht nur bei Feldarbeitern vor. Auch Bauarbeiter und Minenarbeiter erkranken häufig.

Eine andere mögliche Ursache sind Schmerzmittel. Man weiß, dass Wirkstoffe wie Ibuprofen und Diclofenac die Nieren schädigen können. Sie sind auch in Nikaragua weit verbreitet. Die körperliche Arbeit ist hart; dass den Arbeitern Muskeln, Gelenke oder verletztes Gewebe schmerzen und sie die Pein mit hohen Dosen von Medikamenten bekämpfen, ist nicht ganz unwahrscheinlich - allerdings auch nicht bewiesen.

Auch Alkoholkonsum steht auf der Liste der möglichen Ursachen recht weit oben. Einige Studien haben gezeigt, dass vor allem diejenigen Männer erkranken, die viel trinken. Im Falle Nikaraguas kommt hinzu: Dort wird eine Art Rum konsumiert, der von einer Vielzahl von Kleinunternehmern abgefüllt und in Umlauf gebracht wird. Was genau in den Flaschen enthalten ist, ist kaum untersucht.

Für die plausibelste These aber hält der Bostoner Wissenschaftler Daniel Brooks etwas anderes. Brooks leitet die Untersuchung im Auftrag der Weltbank. Noch ist sie nicht abgeschlossen, doch in der BBC präsentierte der Wissenschaftler bereits jetzt seine erschütternde These: Die Arbeiter schuften sich offenbar zu Tode.

Was all die erkrankten Männer von den Feldern, Minen und Baustellen gemeinsam haben, ist härteste Arbeit in starker Hitze, wobei sie wahrscheinlich nicht ausreichend trinken. Stress, Anstrengung und Flüssigkeitsmangel könnten möglicherweise die Niere Tag für Tag ein wenig mehr schädigen. Eine solche Entwicklung, so räumt Brooks ein, ist in der wissenschaftlichen Literatur allerdings noch nie beschrieben worden. Dennoch hält Aurora Aragon, Ärztin in Nikaraguas Nationaler Universität in Leon diese Annahme für berechtigt. Die Arbeiter werden nach Leistung bezahlt. Je mehr sie schuften, desto mehr Geld haben sie für ihre Familien. Dies verführe die Menschen dazu, weit mehr zu arbeiten, als ihre Körper vertragen, mutmaßt die Medizinerin.

Noch allerdings ist unklar, ob diese, eine ganz andere Ursache oder eine Mischung verschiedener Faktoren verantwortlich für die Erkrankung ist. Sicher ist jedoch, wer einmal erkrankt, dem bleibt kaum mehr als Gottvertrauen. Denn Dialyseeinrichtungen, die die Menschen am Leben halten könnten, gibt es in den Dörfern der kranken Arbeiter so gut wie nie. Und wenn, wären sie für die meisten unerschwinglich. Ein Arbeiter erzählt der BBC: "Wenn man das Gesundheitsministerium um Unterstützung fragt, sagen sie, dass sie kein Geld haben. Wenn man die Zucker-Produzenten fragt, sagen sie einfach 'Nein'."

---------------------------------Ende Kopie-----------------------------------

Die Pestizide als Grund für die Nierenprobleme werden unter ferner liefen genannt.
Dabei erreichen die Arbeiter der Zuckerrohrplantagen Erkrankungsraten von 38 Prozent und mehr.

Stattdessen werden Gründe wie Alkoholkonsum und Überarbeitung bei Hitze genannt.
Klar, da haben die erkrankten Menschen ja auch selbst Schuld...wieso sind sie auch so blöde und schuften sich für die Weltbank zu Tode???

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    Fredegar
    schrieb am 13.02.2012 um 11:03

    Ich finde es sinnvoll, dass man sich nicht vorschnell auf einen Grund für die Gesundheitsprobleme festlegt, sondern die vielen möglichen Gründe prüft, um daraus verwertbare Aussagen treffen zu können. Vermutlich ist es eine Kombination aus verschiedenen Faktoren, wobei die Pestizide auch eine Rolle spielen dürften.

    Die Theorie des Zu-Tode-Schuftens spricht natürlich Bände über die herrschenden Arbeits- und Lohnbedingungen.

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    Maria_L
    schrieb am 13.02.2012 um 11:20

    "Ich finde es sinnvoll, dass man sich nicht vorschnell auf einen Grund für die Gesundheitsprobleme festlegt"
    Ja, klar...finde ich auch.

    Aber dieses "Zu-Tode-Schuften" gibt es an allen Ecken und Enden auf der Welt, ohne daß es zu so einer signifikanten Häufung von Nieren-Problemen kommt.
    Es gibt ja auch viele Arten, des sich Zu-Tode-Schuftens, die alle andere Auswirkungen haben.
    Bei uns kriegt man halt einen Herzinfakt.

    Diese Nierenprobleme (Niere=Entgiftungsorgan) deuten für mich sehr stark auf Pestizid-Auswirkungen hin. Und da das nun mal d e r Grund ist, den die Arbeiter n i c h t ändern können, wird der für unwahrscheinlich erklärt.

    Was mich einfach stört, das ist die Art, wie die Weltbank den Arbeitern die Schuld in die Schuhe schiebt:
    Sie sind ja selbst schuld, wenn sie zu viel arbeiten und dabei zu wenig trinken.

    Der Verglich hinkt...aber bei Amazon im Lager darf man nichts zu trinken bei sich haben.
    Wenn die Arbeiter raus gehen aus der geschützten Zone, um sich was zu Trinken zu holen, dann müssen sie sich dafür rechtfertigen, weil sie Zeit kaputt machen.

    Und auch bei uns bekommt jeder, der einen Burnout hat, zu hören, daß er selbst schuld hat.
    Andererseits kann man sich dem Druck der Allzeit-Verfügbarkeit kaum entziehen.

    Nun rechne ich mir aus, daß die Arbeit auf einer Zuckerrohr-Plantage um Faktor x ruinöser ist...
    Und da hätte ich schon gerne die Betreiber in der Verantwortung und nicht die Arbeiter.

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    Dude
    schrieb am 13.02.2012 um 11:37

    Bei uns gibt es eine Fürstogepflicht des Arbeitgebers:
    Der Arbeitgeber ist danach gehalten, Arbeitsbedingungen zu schaffen, die jeden Beschäftigten vor Gefahren für Leib, Leben und Gesundheit schützen.
    http://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BCrsorgepflicht

    Aber so etwas kommt natürlich nur zum Tragen, wenn sich jemand auch beschwert.

    Mag sein das so etwas in Nikaragua sogar auf dem Papier existiert, in der Praxis offensichtlich nicht. Dann wäre es nämlich egal, woher die Nierenerkrankungen kommen. Sofern die Ursache ein Teil der Arbeit ist, hätte der Arbeitgeber sie abzustellen.

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    Maria_L
    schrieb am 13.02.2012 um 11:50

    Dude, das ist auch bei uns z.T. blanke Theorie.

    Natürlich kann man auf seine Rechte pochen.
    In der Praxis bringt das erst den richtigen Stress...weil dann ist Schluss mit Lustig...meine Erfahrung.
    Ich hatte z.B. damals darauf gepocht, daß der Nichtraucherschutz vor rauchender-Chef-Schutz geht.

    Aber auf einen, der den Mund aufmacht, kommen 100, die den Mund halten, aus Angst um ihren Arbeitsplatz. Und der eine wird von den Kollegen noch gerügt, daß er ständig Unruhe rein bringt.

    Ich möchte wetten, daß es in Nicaragua nicht anders ist.

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    berniewa
    schrieb am 13.02.2012 um 12:54

    ja, ein wissenswerter Skandal bzw ein lesenswerter Artikel (wie ja sowieso sehr oft bei der Süddeutschen)

    @ Fredegar: Der Hinweis, dass immer mehrere Ursachen zusammenwirken, auch die Haupt-Ursachen oft mehrere sind, ist richtig, allerdings lese ich das auch so, dass das als Annahme vorausgesetzt wird (aber es stimmt auch, dass das vielleicht manchmal vergessen wird).

    z.B. wenn ein Körper sowieso schon geschwächt ist, wegen starker physischer Belastung und Mangelernährung, dann haben Giftstoffe ggf. eine noch schlimmere Wirkung


    Allgemein finde ich es traurig bzw erschreckend wie viele Ansätze der einstigen Revolution in Nicaragua im Laufe der Jahre wieder zunichte gemacht wurden (von verschiedenen Akteuren auf vielfache Weise) Vielversprechende Setzlinge sind - mepaphorisch gesprochen - keine gedeihenden Pflanzen, sondern es ist ein weitgehend zertrampeltes Feld ...

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    berniewa
    schrieb am 13.02.2012 um 13:06

    Auch Utopia nahestehende Unternehmen bieten nebenbei bemerkt immer noch massenweise Produkte an, die unter humanitären Gesichtspunkten äußerst fragwürdig hergestellt werden.

    Vgl. z.B. dazu folgende (bis heute von Rewe immer noch unbeantwortete Frage) http://www.utopia.de/gutefragen/fragen/schoko-osterhasen-dieses-jahr-deutlich-mehr-mit-fairem

    Ihr könnt die Frage durch Vergabe eines Lesenswertpunktes natürlich gern 'unterstützten'

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