Kommunaler Klimaschutz / Allgemeines
Energie-Kommune des Monats
Berlin, 20. November 2009 – Die südhessische Stadt Wächtersbach ist für ihr Engagement in Richtung einer regenerativen Strom- und Wärmeversorgung als „Energie-Kommune“ des Monats November 2009 ausgezeichnet worden. Mit diesem Titel würdigt die Agentur für Erneuerbare Energien vorbildliche kommunale Energieprojekte und stellt sie auf dem Infoportal www.kommunal-erneuerbar.de ausführlich vor.
Die 12.500 Einwohner zählende Stadt im Main-Kinzig-Kreis hat mit der Einweihung einer Holzhackschnitzelanlage mit Fernwärmenetz im Oktober 2009 ein vielversprechendes Bioenergieprojekt gestartet. Bereits in einigen Jahren rechnet der Betreiber damit, bis zu drei Viertel des städtischen Wärme- und den gesamten Strombedarf durch Erneuerbare Energien decken zu können.
Das Holzhackschnitzelkraftwerk versorgt über ein Fernwärmenetz bereits 300 Haushalte, zahlreiche Unternehmen und kommunale Einrichtungen mit Wärme. Bemerkenswert ist dabei die Kooperation von Privatwirtschaft, Kommune und Landkreis. „Die enge Zusammenarbeit mit der Stadt Wächtersbach hat einen schnellen und erfolgreichen Start des städtischen Fernwärmenetzes erst möglich gemacht“, sagt Jörg Lotz, Geschäftsführer der Bioenergie Wächtersbach GmbH. Die Gesellschaft wird unterhalten von einem privatwirtschaftlichen Ingenieurbüro, der Stadt Wächtersbach und der örtlichen Wohnungsbaugenossenschaft.
Die Voraussetzungen für das ambitionierte Projekt sind angesichts der großen Waldbestände des Main-Kinzig-Kreises hervorragend. Bis zu 30 Millionen Liter Heizöl könnten dank regenerativer Energiequellen ersetzt werden. Sie garantieren außerdem eine hohe Preisstabilität und Versorgungssicherheit, die bereits heute viele Wächtersbacher überzeugt. Abgesehen vom 10-Megawatt-Heizkraftwerk wird aktuell eine solarthermische Anlage auf dem Dach der örtlichen Schule errichtet.
„Wächtersbach zeigt ein außerordentliches Engagement, die langfristige Umstellung auf Erneuerbare Energien voranzutreiben“, betont Jörg Mayer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien, anlässlich der Auszeichnung zur „Kommune des Monats“. „Damit erregt die Stadt das Interesse zahlreicher Nachbarkommunen und dient dem gesamten Landkreis sowohl im Prozess als auch in der Zielsetzung als Vorbild.“
Quelle: unendlich-viel-energie.de
Gemeinsam stark: Drei bayerische Kommunen teilen sich ein Geothermie-Kraftwerk
Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim sind „Energie-Kommunen“ des Monats Dezember
Berlin, 9. Dezember 2009 – Die bayerischen Gemeinden Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim sind für ihr gemeinsames Engagement als „Energie-Kommunen“ des Monats Dezember 2009 ausgezeichnet worden. Mit diesem Titel würdigt die Agentur für Erneuerbare Energien vorbildliche kommunale Energieprojekte und stellt sie unter www.kommunal-erneuerbar.de ausführlich vor.
Die drei benachbarten Gemeinden im Landkreis München bewiesen Mut zur Innovation, als sie 2008 das erste interkommunale Erdwärmeprojekt in Deutschland gründeten – die „AFK-Geothermie GmbH“. Das Ziel des Projekts: 85 Grad heißes Thermalwasser aus Tiefen von 2700 Metern unter dem Alpenvorland soll künftig die umweltfreundliche Wärmeversorgung von rund 80 Prozent der insgesamt 26.000 Einwohner gewährleisten.
„Wir spüren, dass die Bürger starkes Vertrauen in ihre Gemeinden setzen, die hinter diesem Projekt stehen“, freut sich Thomas Fröhlich, Geschäftsführer der AFK-Geothermie. Derzeit sind bereits 333 Gebäude an das Heizwerk mit 6,9 Megawatt Leistung angeschlossen, das Ende November 2009 seinen Betrieb aufnahm. Das Fernwärmenetz und die Energiezentrale werden kontinuierlich erweitert, so dass im Endausbau rund 6.000 Gebäude versorgt werden können. Bestimmend für das Geothermievorhaben waren von Anfang an nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Motive: „Die Unabhängigkeit von Öl und Gas und somit die Hoheit über die Energiepreise steht für uns an zweiter Stelle, gleich hinter dem Klimaschutz-Argument“, betont Fröhlich.
Das zukunftsweisende Konzept der drei Gemeinden erkannte auch die bundeseigene Förderbank KfW und gewährte der AFK-Geothermie GmbH ein Darlehen über 19,2 Millionen sowie einen Tilgungszuschuss von 6 Millionen Euro.
„Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim beweisen, dass auch kleine Kommunen gemeinsam Großes bewirken können“, betont Jörg Mayer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien, anlässlich der Auszeichnung zur „Kommune des Monats“. „Erdwärme aus großer Tiefe zu nutzen, ist mit erheblichen Anfangsinvestitionen verbunden, die eine einzelne Kommune meist überfordern würden. Doch mit vereinten Kräften lässt sich damit eine absolut klimafreundliche und langfristig hoch profitable Energiequelle erschließen“, so Mayer.
www.kommunal-erneuerbar.de
Größter Solarpark Norddeutschlands: Die Gemeinde Hörup erzeugt mehr Sonnenstrom als sie verbraucht
Auszeichnung als „Energie-Kommune“ des Monats Januar
Berlin, 11. Januar 2010 – Die schleswig-holsteinische Gemeinde Hörup ist für ihr Engagement als „Energie-Kommune“ des Monats Januar 2010 ausgezeichnet worden. Mit diesem Titel würdigt die Agentur für Erneuerbare Energien vorbildliche kommunale Energieprojekte und stellt sie unter www.kommunal-erneuerbar.de ausführlich vor.
In Hörup, im Landkreis Schleswig-Flensburg gelegen, ist vor kurzem die größte zusammenhängende Photovoltaik-Freiflächenanlage Norddeutschlands ans Netz gegangen. Die Anlage mit einer Leistung von 4,2 Megawatt wird jährlich rund 4 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren. Sie stellt damit das Doppelte des Strombedarfs der 640-Einwohner-Gemeinde zur Verfügung. Initiiert wurde der Solarpark durch den Hauptinvestor Stefan Johannsen, der in Hörup eine Pferdezucht betreibt, sowie zwei Landwirte, die nicht benötigte Ackerflächen für das Projekt zur Verfügung stellten. Die Gemeinde unterstützte das Vorhaben von Anfang an mit Leidenschaft: „Die Planungen der privaten Investoren haben uns absolut überzeugt“, sagt Joachim Janke, Bürgermeister der selbstverwalteten Gemeinde Hörup. „Das gute Zusammenwirken mit Investoren und Amtsverwaltung ermöglichte dann eine schnelle und sinnvolle Umsetzung.“
Auf Veranlassung der Gemeindevertretung wurde zusätzlich ein Viertel der Anlage als Bürgersolarpark konzipiert. 25 Bürger beteiligten sich in diesem Rahmen mit mindestens 2.500 Euro und stellten insgesamt 310.000 Euro an Eigenkapital zur Verfügung. Das trägt zur Akzeptanz der Anlage im Ort bei, die dem Bürgermeister besonders wichtig ist: „Auch als kleine Gemeinde haben wir entscheidenden Einfluss auf die Umsetzung Erneuerbarer-Energien-Projekte“, betont Janke. Das Konzept ging auf: Der 15 Hektar große Solarpark trifft bei den Höruper Bürgern auf große Zustimmung.
„Das Projekt in Hörup zeigt eindrucksvoll, wie Freiflächenanlagen zur Zufriedenheit aller und auch ökologisch nachhaltig umgesetzt werden können“, lobt Jörg Mayer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien, anlässlich der Auszeichnung Hörups zur "Energie-Kommune" des Monats. „Alle Beteiligten haben ein hohes Maß an Sensibilität für die Belange der unterschiedlichen Interessengruppen bewiesen. Das Höruper Freiflächenprojekt zeigt außerdem, dass Kommunen mit der Bauleitplanung ein wichtiges Instrument für die bestmögliche Umsetzung von Erneuerbaren-Energien-Projekte selbst in der Hand haben“, so Mayer.
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Auch andere Kommunen haben mit Photovoltaik-Freiflächenanlagen gute Erfahrungen gemacht. Ihre Bürgermeister äußern sich hier über den Erfolg der Projekte: http://www.kommunal-erneuerbar.de/index.php?id=508
Ein besonderer Vorteil von Erneuerbare-Energien-Projekten liegt für die Kommunen in der Steigerung der Regionalen Wertschöpfung. Ein Hintergrundpapier zu diesem Thema , "Regionale Wertschöpfung durch die Nutzung Erneuerbarer Energien", finden Sie unter: http://www.kommunal-erneuerbar.de/de/detailansicht/article/280/regionale-wertschoepfung-1.html
Kontakt:
Nils Boenigk
Agentur für Erneuerbare Energien
030-200535-41
e-mail: n.boenigk@unendlich-viel-energie.de
www.kommunal-erneuerbar.de
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Rottweil-Hausen (Februar 2010)
Hohe Akzeptanz für Biogasheizkraftwerk dank Bürgergutachten
Die alte Römerstadt Rottweil nutzt Biogas für die Wärme- und Stromproduktion. Vorbildlich war die Einbindung der Bevölkerung. Im Rahmen von Bürgerversammlungen erstellten die Anwohner ein Bürgergutachten und nahmen so aktiv an der Planung des Biogasheizkraftwerks teil. „Durch die Einbindung der Bevölkerung während der Planungsphase ist die Akzeptanz auch zwei Jahre nach der Inbetriebnahme sehr hoch“, betont Herbert Sauter, Ortsvorsteher des Stadtteils Hausen.
Ein Forscherteam der Universität Stuttgart begleitete den gesamten Entscheidungsprozess und ging der Frage nach: Wie kann die Akzeptanz in der Bevölkerung für eine Nahwärmeversorgung auf der Basis von nachwachsenden Rohstoffen erhöht werden. Das Forschungsprojekt der Universität Stuttgart ging von der Annahme aus, dass das bestehende Nahwärmenetz mit der Nutzung eines Biogasheizkraftwerks nur dann besser akzeptiert würde, wenn die Bevölkerung sich aktiv in den Planungsprozess einbringen könne. „Das Herzstück des partizipativen Verfahrens war ein Bürgergutachten“, erläutert Dr. Uwe Pfenning von der Universität Stuttgart. „Dabei wandten wir ein innovatives Element an, das sich im Nachhinein als sehr hilfreich erwies: In der empirischen Umfrage bei den Bürgern in Rottweil-Hausen fragten wir anfangs, wie die Bürgerinnen und Bürger an der Entscheidungsfindung beteiligt werden wollten.“ Die von den Befragen angeregte Arbeitsgruppe von einem guten Dutzend „Bürgergutachter“ – auch kritische waren darunter – konnte sich daher als legitimiert betrachten. Dies sei, so Pfenning, ein Grund für die engagierte und motivierte Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger gewesen.
Engagiertes Mitwirken der Bürger
Im Laufe von sieben Monaten kam die Arbeitsgruppe zu neun Arbeitstreffen und zwei Besichtigungen zusammen. Außerdem fanden zwei Bürgerversammlungen statt, die gut besucht waren. „Entscheidend für die aktive Beteiligung der Bürger war, dass sie den ganzen Prozess bis zur Entscheidung als ergebnisoffen wahrnahmen, denn die Vertreter der Energieversorgung Rottweil waren nicht stimmberechtigt und nur als Experten gefragt“, erklärt Pfenning. Die Arbeitsgruppe konnte sich die Schwerpunkte selbst setzen und war maßgeblich daran beteiligt, dass die zweite Bürgerversammlung sich dem Thema der Flächenkonkurrenz widmete. Unter den Bürgern gab es große Skepsis gegenüber der Verwendung von Nahrungs- und Futtermitteln zu Heizzwecken. Doch die Vorbehalte konnten durch die Informationsveranstaltungen ausgeräumt werden. „Die Rohstoffe werden auf ca. 250 Hektar angebaut. Für die Bewirtschaftung werde ausschließlich Flächen verwendet, die zur Stilllegung vorgesehen waren. Wir stehen daher nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion“, erklärt Küppers, Geschäftsführer der Energieversorgung Rottweil. Zum Abschluss des Projektes stellten die „Bürgergutachter“ und Wissenschaftler ihre Ergebnisse in einem gemeinsamen Bürgergutachten zusammen, das feierlich dem damaligen Oberbürgermeister Thomas Engeser übergeben wurde. Besonders das Verbot von Monokulturen, der Verzicht auf gentechnisch veränderte Pflanzen und die Notwendigkeit einer erhöhten Unabhängigkeit von globalen Energiemärkten wurde im Bürgergutachten gefordert.
Langfristige stabile Wärmepreise mit Biogas
Der Rottweiler Energieversorger begann 2007 mit dem Bau des Biogasheizkraftwerkes zur Nahwärmeversorgung und Stromerzeugung. Das Kraftwerk ging Anfang 2008 in Betrieb. Ausschlaggebend für die Errichtung des Biogasheizkraftwerks war das damals defizitäre Erdgasheizkraftwerk. Denn viele Bürger im Ort wollten die steigenden Wärmekosten nicht mehr bezahlen. Der Energieversorger musste handeln und machte sich auf die Suche nach kostengünstigeren Alternativen. Nach einer gründlichen Abwägung der verschiedenen Möglichkeiten entschied man sich für die Biogasanlage. Die, bei der Verstromung des Biogases entstehende Abwärme, wird von dem örtlichen Energieversorger mir Hilfe eines Nahwärmenetzes zu den Kunden gebracht. „Für die Kunden konnte der bisherige Preis für die jährliche Wärmeversorgung gehalten werden. Das war uns sehr wichtig“, betont Küppers.
Das Biogasheizkraftwerk Rottweil-Hausen
Landwirte aus der direkten Umgebung liefern pro Jahr etwa 11.000 Tonnen Gras, Kleegras, Mais, Triticale, Weizen sowie Rindermist mit einer maximalen Anlieferungsdistanz von drei Kilometern und bringen die geruchsarmen Gärreste als Düngemittel wieder auf den Anbauflächen aus. „Die BMH Biomasse Hausen GmbH & Co. KG, ein Zusammenschluss von acht Landwirten als Rohstofflieferanten, produziert auf Ackerflächen die Biomasse für das Kraftwerk. Sie sichert somit für die 15jährige Vertragsdauer die betriebliche Existenz der Landwirte, stabile Rohstoffpreisen und Planungssicherheit für die Betreiber der Biogasanlage“, hebt der Ortvorsteher Sauter hervor. Das durch Gärung entstehende Biogas wird in einem Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme umgewandelt. Der Gesamtwirkungsgrad liegt bei 84 Prozent. Der gewonnene Strom wird in das Netz eingespeist und deckt so den Bedarf von etwa 1.000 Haushalten. Die Wärme des Biogasheizkraftwerks heizt via Nahwärmenetz eine Schule und etwa 150 Wohngebäude.
Ansprechpartner
Andreas Leichtle
Teamleiter Wärmeversorgung
ENRW Energieversorgung Rottweil GmbH & Co. KG
In der Au 5, 78628 Rottweil
Tel.: 0741 / 472-165, Fax: 0741 / 472-160
E-Mail: andreas.leichtle@enrw.de
www.kommunal-erneuerbar.de/de/startseite.html
Zschadraß Energiekommune März 2010
Foto: Gemeinde Zschadraß
Für die sächsische Gemeinde Zschadraß, im Städtedreieck Leipzig – Chemnitz – Dresden gelegen, sind die Erneuerbaren Energien eine gute Investition in die Zukunft. Die Erträge aus der Wind- und Sonnenenergie fließen in kommunale Projekte wie den Kindergar- ten, ein Sommerlager oder den Gemeindefahrdienst. Treibende Kraft hinter dem Ausbau der Erneuerbaren Energien ist der seit 20 Jahren im Amt befindliche Bürgermeister Matthias Schmiedel: „Das Thema Erneuerbare Energien hat etwas mit Zukunftssicherung zu tun. Wir übernehmen heute Verantwortung für unsere Kinder und Enkel. Außerdem können wir jetzt schon mit Erneuerbaren Energien Geld sparen und die eigene Wertschöpfung ankurbeln.“
Energieautonom bis 2050
Die Idee einer nachhaltigen Energieversorgung auf Basis der Erneuerbaren Energien hatte Bürgermeister Schmiedel schon im Jahr 2000. Nicht nur ökologische Fragen waren für das Umdenken maßgeblich. Die Gemeinde musste sparen und war gezwungen neue Einnahme- quellen zu erschließen, denn eine Steigerung der Steuereinnahmen durch neue Gewerbe war in der strukturschwachen Kommune nicht zu erwarten. Daher schlug der Bürgermeister den 3300-Einwohner ein Energiekonzept vor, dass die Gemeinde bis zum Jahr 2050 energieautonom machen soll. „Dadurch sollen langfristig die Energiekosten gesenkt und Einnahmen mit der Energieproduktion vor Ort erzielt werden“, erklärt Bürgermeister Schmiedel.
Das Energiekonzept sieht vor, den Bedarf an Strom, Wärme und Kraftstoffen vor Ort mit Hilfe der Sonnen-, Wind- und Bioenergie zu gewinnen. Dem 100-Prozent-Ziel ist die Gemeinde schon ein gutes Stück nähergekommen. Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Endenergie- verbrauch lag im Jahr 2007 schon bei 24 Prozent. Im Strombereich sind es jetzt schon weit über 100 Prozent. Anfangs wurden der Bürgermeister und seine Mitstreiter noch für ihr Engagement belächelt. Mittlerweile bauen viele der Anfangs noch skeptischen Dorfbewohner privat auch Photovoltaikanlagen auf ihre Dächer oder erzeugen mit Hilfe von Sonnenkollektoren Warmwasser zum Duschen.
Kommune betreibt Windrad
Über den Verein „Ländliches Leben“ und der Stiftung „Ökologisch-Soziale Stiftung Zschadraß“ betreibt die Gemeinde im sächsischen Muldentalkreis seit Oktober 2009 eines der größten Windräder in der Region. Der Ökostrom wird in das deutsche Stromnetz eingespeist und über das Erneuerbare-Energien-Gesetz vergütet. Die 138 Meter hohe Anlage hat eine installierte Leistung von 2,2 Megawatt. Die Investitionssumme liegt bei ca. 3,2 Millionen Euro. Die Gemeinde ist über den Verein und die Stiftung mit ca. 20 Prozent am Windrad beteiligt. Die restliche Investitionssumme wird von einem privaten Betreiber aus dem Dorf übernommen. Noch muss die Gemeinde erstmal mit den Einnahmen die Kredite für die Anlage abzahlen. Doch nach rund 15 Jahren wird die Kommune den Kredit abbezahlt haben und Einnahmen aus dem Windrad erzielen. Diese Einkünfte sollen dann wieder der Gemeinde zu Gute kommen. „In Zukunft sollen alle Kinder von Zschadraß kostenlos einen Platz im Kindergarten bekommen, bezahlt mit den Erträgen aus dem Windrad“, stellt Bürgermeister Schmiedel fest.
Sonnenerträge für die Kinder in der Gemeinde
Aber die sächsische Gemeinde investiert nicht nur in die Windkraft. Auf fast allen öffentlichen Gebäuden wie der Schule, der Feuerwache oder der Gemeindeverwaltung befinden sich Photovoltaikanlagen. Die Anlagen gehören der Gemeinde und werden über die Stiftung betrieben. Der Strom aus der Sonnenenergie wird in das Stromnetz eingespeist und füllt die kommunale Stiftungskasse jährlich mit rund 17.000 Euro. Dies ermöglicht der Gemeinde einen finanziellen Spielraum. So werden mit diesem Geld jährlich ökologische Projekte für Kinder gefördert, Kindern von einkommensschwachen Eltern das Schulessen bezahlt, im Sommer ein Ferienlager organisiert oder ein Gemeindefahrdienst angeboten.
Verein und Stiftung als Betreiber der kommunalen Energieanlagen
Kommunen dürfen selbst nicht Gewinne aus Erneuerbaren-Energie-Anlagen erwirtschaften. Daher gibt es in vielen Städten und Gemeinden Stadtwerke, die wiederum der Kommune gehören. So können Gemeinden sich um die Energieversorgung ihrer Bürger kümmern und mit den Gewinnen andere öffentliche Aufgaben, wie beispielsweise die Kinderbetreuung, finanzieren. Ähnlich ist es auch in Zschadraß. Da die Errichtung eines Stadtwerkes für die 3300-Einwohner-Gemeinde aus personellen und finanziellen Gründen nicht wirtschaftlicht ist, hat der Bürgermeister Schmiedel die Energieerzeugung in einen Verein und eine Stiftung ausgegliedert. „Für eine kleine Kommune ist es rechtlich schwierig Anlagen zur Energie- erzeugung zu betreiben. Doch in meinen Augen muss eine moderne Kommune sich auch wirtschaftlich betätigen, um seinen Bürgern Perspektiven zu bieten“, erklärt Bürgermeister Schmiedel.
Kontakt:
Gemeinde Zschadraß
Tel. 034381/831-00
Fax 034381/831-01
www.zschadrass.de
St. Michaelisdonn (April 2010)
Die Erneuerbaren-Energien-Anlagen produzieren viermal mehr Strom als die Einwohner verbrauchen.
Sankt Michalisdonn – Unabhängig dank Erneuerbarer Energien
Die Gemeinde Sankt Michaelisdonn in Dithmarschen, ältester Landkreis Deutschlands, erklärt seine Unabhängigkeit. Schon heute produzieren Erneuerbaren-Energien-Anlagen viermal mehr Strom als die Einwohner verbrauchen. 14 Windenergie- anlagen produzieren mehr als 80 Prozent des Stroms in der 3650 Einwohner Gemeinde. Der Rest des Erneuerbaren-Energien-Stroms wird von einer Biogasanlage, die ausschließlich mit Grünabfällen betrieben wird und einer neun Hektar großen Freiflächen-Fotovoltaik-Anlage, erzeugt. „Deutschland ist zum hohen Maße abhängig von Öl, Gas, Kohle und Uran. Jedes Land sollte die Ressourcen nutzen, die es hat. Wir nutzen die Sonne, den Wind und die Bioenergie für die Energieproduktion“, so Bürgermeister Volker Nielsen.
Zukunftsvision: 2038 komplett energieautonom
Der ehrenamtliche Bürgermeister und seine Bürger haben sich viel vorgenommen. Bis zum Jahr 2038 soll die komplette Energieversorgung, also auch die Wärme- und Kraftstoffversorgung auf regenerative Energien umgestellt sein. Im Wärmebereich soll langfristig die Abwärme der schon bestehenden Biogasanlage und weiteren geplanten Biogasanlagen über ein Nahwärmenetz kostengünstig zum Bürger gebracht werden. Im Bereich der Kraftstoffe setzt die Gemeinde zukünftig auf Elektrofahrzeuge. „Die Elektroautos mit ihren Batterien können besonders nachts, wenn der Wind weht und der Verbrauch sehr niedrig ist, den überschüssigen Windstrom speichern. Tagsüber wird der gespeicherte Windstrom dann für den Antrieb in den Elektroautos genutzt“, schwärmt Nielsen. Er macht aber auch deutlich, dass es im Moment noch keine bezahlbaren Elektrofahrzeuge auf dem Markt gibt. Doch das wird sich hoffentlich bald ändern.
Vom Ausbau der Erneuerbaren Energien erhofft sich Bürgermeister Nielsen einen wirtschaftlichen Aufschwung für die Region. „Wir wollen mit den Erneuerbaren Energien einen geschlossen Kreislauf bilden und so die Wertschöpfung in der Region erhöhen. Von der Produktion, über den Handel bis zum Endverbrauch soll alles in den Händen der Bürger hier vor Ort liegen. Dafür eigenen sich die Erneuerbaren Energien optimal“, so Nielsen. Denn rosig sieht es im Ort nicht aus: Die Arbeitslosenquote liegt bei zehn Prozent, die Kaufkraft bei 81 Prozent des Bundesdurchschnitts. „Momentan sind die Erneuerbaren Energien hier auf dem platten Land die einzige Möglichkeit sich als Gemeinde wirtschaftlich zu betätigen und finanzielle Spielräume zu erarbeiten“, betont Nielsen.
Gründung Gemeindewerk St. Michel und Rückkauf des Stromnetzes
Besonders wichtig ist den Schleswig-Holsteinern in Zukunft als lokaler Selbsterzeuger auch den Vertrieb des Stroms wieder in die kommunale Hand zu nehmen. Als ersten Schritt hat die Kommune daher per Gemeinderatsbeschluss das „Gemeindewerk St. Michel" im Jahr 2009 gegründet. Das Gemeindewerk übernimmt die Rolle des zentralen Organisators vor Ort und koordiniert die Bereitstellung der Anlagentechnik sowie die Erzeugung, Speicherung und Lagerung, der Vertrieb, Handel und Transport der Energie aus regenerativen Energiequellen. Auch sollen in Zukunft andere Kommunen beraten werden. „Wir wollen unsere Erfahrungen weitergeben und andere Gemeinden beraten. Wir haben schon mehrere Anfragen von anderen Gemeinden und empfangen regelmäßig Delegationen aus ganz Deutschland bei uns“, sagt Nielsen.
Der nächste Schritt zu einer eigenständigen Stromversorgung und - verteilung ist die Übernahme des Stromnetzes. Dazu beabsichtigt die Gemeinde im Jahr 2011 das Stromnetz vom Netzbetreiber E.on Hanse zurückzukaufen. Über den Kaufpreis konnte der Bürgermeister noch keine Auskunft geben. Mit dem Rückkauf des Netzes soll den Bürgern langfristig ein faires und stabiles Preisniveau angeboten und eine nachhaltige Versorgung mit Energie aus 100 Prozent erneuerbaren Quellen sichergestellt werden. „Die großen Netzbetreiber sind als Aktiengesellschaft ihren Aktionären verpflichtet. Das bedeutet, dass über den jetzigen Netzbetrieb sehr viel Kaufkraft aus der Region fließt. Bei dem kommunalen Gemeindewerk bleiben die Gewinne zu 100 Prozent in der Region“, erklärt Nielsen. Von den Gewinnen des Gemeindewerks sollen Kindergartenplätze, die Straßenbeleuchtung und andere kommunale Ausgaben finanziert werden. Doch der Bürgermeister betont, dass er keine Feindbilder aufbauen möchte: „Es gibt in dieser Frage kein Gut oder Böse. In einer Aktiengesellschaft sind die Bedürfnisse anders. Die Gewinne kommen den Aktionären zu Gute, in einem kommunalen Unternehmen den Bürgern.“
Erstes kommunales Testfeld für TimberTower und Kleinwindanlagen weltweit
Die Windenergie spielt auch in Zukunft in der Gemeinde eine wichtige Rolle. Denn das Land zwischen den Meeren ist ein sehr günstiger Standort. Daher bietet die Gemeinde ein Testfeld für innovative Unternehmen aus der Windbranche an. Die Gemeinde hat kürzlich beschlossen, dass eine Weltneuheit, nämlich Holztürme für Windkraftanlagen der Multimegaklasse, auf dem eigenen kommunalen Testgelände getestet werden kann. Zusammen mit dem Unternehmen TimberTower aus Hannover, die als erstes Unternehmen weltweit Holztürme für Windkraftanlagen in Serie herstellt, werden verschiedenen Typen mit einen Nabenhöhe bis zu 100 Meter getestet. Einer der Geschäftsführer von TimberTower, Holger Giebel erklärt: „Wir arbeiten sehr gerne mit der Gemeinde Sankt Michaelisdonn zusammen, da sie im Bereich der Erneuerbaren Energien ein Vorreiter ist. Darüber hinaus können wir hier am Standort die Türme unter Offshore- und Onshore-Bedingungen testen.“ Die Nutzung von Holz statt Stahl und Beton hat gleich mehrere Vorteile. Zum einen wird für jeden Baum, der für einen Turm gefällt wird, ein neuer Baum gepflanzt. Die Orduktion ist daher CO2-neutral. Zum anderen können dank eines Stecksystems, auch dort Windkraftanlagen aufgestellt werden, die ein Schwertransporter mit einem 100 Meter langen Betonturm nicht erreichen kann.
Ein Testgelände zur Erprobung von Kleinwindanlagen ist auf dem Klärwerksgelände ebenfalls vorgesehen. Die Infrastruktur steht bereits. Noch in diesem Jahr soll das Testfeld in Betrieb gehen. Der produzierte Strom aus den Kleinwindanlagen soll für das örtliche Klärwerk genutzt werden. In Sankt Michaelisdonn ist auch die Heimat des Kleinwindanlagenherstellers WES IBS GmbH, die mit ihrer Eigenentwicklung „WESpe“, derzeit in der Endphase der Erprobung befindet. Darauf angesprochen, ob die Bürger nichts gegen die vielen Windräder haben, die bald auf dem Testgelände montiert werden, erwidert Nielsen: „Die Bürger sind mehrheitlich einverstanden mit den Windkraftanlagen vor Ort. Wir liegen hier in einer Tiefebene und sind deshalb vom Klimawandel besonders betroffen. Daher ist die Akzeptanz sehr groß“.
Treibsel: Biomasse aus dem Meer
Die Region Dithmarschen wird im Volksmund auch als „Insel" bezeichnet, weil sie vollständig vom Wasser umgeben ist. Im Norden die Eider, im Süden die Elbe, im Westen die Nordsee und im Osten der Nord-Ostsee-Kanal. An der schleswig-holsteinischen Westküste fallen pro Jahr durchschnittlich 50.000 Kubikmeter Treibsel an. Das Treibsel besteht vor allem aus Schilf, Gras, Holz, Tang. Diese natürlichen Abfälle bleiben bisher in an der Küste vollkommen ungenutzt. Doch die Nordlichter prüfen derzeit zusammen mit Fachleuten das Energiepotenzial von Treibsel und die Verarbeitungsmöglichkeiten durch Nass- oder Trockenfermentation. Damit betritt die Gemeinde Neuland, da bundesweit noch keine Erfahrungen vorliegen. „Besonders wichtig ist mir hier auch eine Kreislaufwirtschaft aufzubauen. Nicht nur wirtschaftliche Kreisläufe wollen wir schaffen, sondern auch Stoffkreisläufe ohne großen Verkehraufkommen. Dazu gehört auch, dass nach der energetischen Nutzung das Treibsel noch als hochwertiger Dünger von den hiesigen Landwirten genutzt werden kann. Besonders die Abstimmung mit unseren Bauern vor Ort ist für mich ganz wichtig, weil Sie Akteure vor Ort sind“, betont Nielsen. „Außerdem müssen wir versuchen eine gute Balance zwischen Lebensmittelproduktion und Energieproduktion hinbekommen. Daher sollten wir alle Reststoffe so weit es geht nutzen“, so Nielsen.
Kontakt:
Geschäftsführer Gemeindewerke
Andreas de Vries
Am Rathaus 8
25693 St. Michaelisdonn
Telefon: 04853-213574
Email: devries@st-michaelisdonn.de
100%-Gemeinde möchte Erneuerbare Energien
weiter ausbauen
Alzey-Land ist „Energie-Kommune“ des Monats Mai 2010
Berlin, 14. Mai 2010 – Die rheinland-pfälzische Verbandsgemeinde Alzey-Land ist für ihr Engagement als „Energie-Kommune“ des Monats Mai 2010 ausgezeichnet worden. Mit diesem Titel würdigt die Agentur für Erneuerbare Energien vorbildliche kommunale Energieprojekte und stellt sie auf dem Infoportal www.kommunal-erneuerbar.de ausführlich vor.
Die Hügellandschaft der Verbandsgemeinde Alzey-Land in Rheinhessen eignet sich nicht nur für den Weinanbau. Denn wo Wind über waldlose Hügel weht, findet man auch gute Standorte für Windräder. Schon heute erzeugen Windkraftanlagen mehr als 90 Prozent des Strombedarfs der 24.000 Einwohner von Alzey-Land. „Die Initiativen im Bereich der Windkraftnutzung kamen aus dem privaten Bereich. Wir als Verbandsgemeinde beraten, moderieren und schaffen mit der Bauleitplanung die planungsrechtlichen Grundlagen“, so Bürgermeister Steffen Unger.
Zusammen mit Solar- und Bioenergieanlagen deckt die Verbandsgemeinde bereits heute ihren Strombedarf zu mehr als 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien. Die Verbandsgemeinde möchte ihre Potenziale weiter nutzen und hat in einem Grundsatzbeschluss den Ausbau der Erneuerbaren Energien in der Bauleitplanung festgeschrieben. Bürgermeister Unger erklärt: „Einige Städte und Gemeinden haben andere Voraussetzungen. Sie haben nicht so viele Flächen und Potenziale für die Nutzung der Windkraft. Wir sehen uns daher in der Verantwortung, mehr zu machen als andere Kommunen.“ Nur so könnten die Klimaschutzziele Deutschlands erreicht werden. Besonders die Flächen der schon bestehenden Windparks werden erweitert. Dadurch soll das Repowering, also das Ersetzen von alten durch neuere, leistungsfähigere Windenergieanlagen, erleichtert und die Windstromernte verbessert werden.
„Die Auszeichnung ist eine weitere Anerkennung für das große Engagement der Verbandsgemeinde Alzey-Land beim Klimaschutz und den Ausbau einer nachhaltigen und sicheren Energieversorgung in Rheinland-Pfalz“, gratuliert die rheinland-pfälzische Umweltministerin Margit Conrad. Alzey-Land sei mit die erste Kommune in Rheinland-Pfalz, die aktuell in das Repowering einsteigt. Die Verbandsgemeinde demonstriere damit beispielhaft, was im jetzt vorgestellten Gutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen für Deutschland dargestellt wird, nämlich dass es in einem „Land voller Energie“ möglich ist, die Stromversorgung zu 100 Prozent - und mehr - auf erneuerbare Energien umzustellen.
Pressekontakt:
Nils Boenigk
Pressereferent
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Agentur für Erneuerbare Energien
Reinhardtstr. 18
10117 Berlin
Tel.: 030-200535-41
Fax: 030-200535-51
E-Mail: n.boenigk@unendlich-viel-energie.de
Alzey-Land (Mai 2010)
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38 Windräder decken 91 Prozent des Strombedarfs.
Der Verbandsgemeinde Alzey-Land gehören 24 Ortsgemeinden an, welche die Kreisstadt Alzey ringförmig umschließen. Das rheinhessische Hügelland ist mit seinen schwach geneigten Hügeln sehr günstig für den Weinanbau. Schon die Römer kultivierten in dieser Region den beliebten Traubensaft. Neben dem Weinanbau bietet die Hügellandschaft aber auch gute Vorraussetzungen für die Nutzung der Windenergie, denn dort wo Wind über waldlose Hügel weht, findet man gute Standorte für Windräder. Auf dem Boden der Verbandsgemeinde produzieren daher zwei Windparks einen Großteil des Strombedarfs der Bewohner von Alzey-Land. „Wir nutzen die Kraft des Windes für eine nachhaltige Energiepolitik und handeln so verantwortungsbewusst gegenüber den zukünftigen Generationen“, erklärt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Alzey-Land, Steffen Unger.
Kommune als Moderator
Schon heute erzeugen Erneuerbare-Energien-Anlagen im Alzey-Land mehr Strom als die 24.000 Einwohner verbrauchen. Dabei decken 38 Windkraftanlagen über 91 Prozent des Strombedarfs. Der Rest stammt von zwei Biogasanlagen, einem Wasserkraftwerk und 156 Solarstromanlagen. „Wir sind schon seit Langem ein Vorreiter bei der Nutzung von Erneuerbaren Energien. Die Initiativen kamen aus dem privaten Bereich. Wir als Verbandsgemeinde beraten, moderieren und schaffen mit der Bauleitplanung eine gewisse Ordnung“, so Unger.
Einige Kommunen können mehr als andere machen
Doch die Verbandsgemeinde möchte sich nicht auf ihren Erfolgen ausruhen. Daher hat der Verbandsgemeinderat in einem Grundsatzbeschluss die Nutzung Erneuerbarer Energien in der Bauleitplanung festgeschrieben. Im Grundsatzbeschluss wird darauf hingewiesen, dass es in vielen größeren Städten nicht möglich ist, die ambitionierten Ausbausziele Deutschlands von 30 Prozent Strom aus Erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2020 zu erreichen. Im Grundsatzbeschluss wird besonders auf die fehlenden Flächen oder ungünstigen Topographien in vielen Städten verwiesen.
Die Verbandsgemeinde betont, dass die Zielvorgabe, ein Drittel des Stromverbrauchs in Deutschland durch Erneuerbare Energien abzudecken, nur dann erreicht wird, wenn Kommunen mit entsprechenden Flächen und günstigen Topographien mehr machen. Im Grundsatzbeschluss heißt es dazu: „Unsere Verbandsgemeinde hat, neben den bereits ausgewiesenen Sondergebieten, noch erhebliches Potenzial an gut geeigneten Flächen für den Ausbau der erneuerbaren Energien.“ Bürgermeister Unger erklärt: „Einige Städte und Gemeinde haben andere Voraussetzungen. Sie haben nicht so viele Flächen und Potenziale für die Nutzung der Windkraft. Wir sehen uns daher in der Verantwortung mehr zu machen als andere Kommunen.“
Mehr Flächen für Repowering
Um die Windkraft verstärkt zu nutzen, möchte die Verbandsgemeinde die Flächen zur Nutzung der Windkraft erweitern und im Flächennutzungsplan entsprechend ausweisen. Auch werden die schon bestehenden Flächen der Windparks erweitert. Dadurch soll das Repowering, also das Ersetzen von alten durch neuere, leistungsfähigere Windenergieanlagen, erleichtert und die Windstromernte verbessert werden. „Wir wollen verstärkt auf Wind setzen. Wir wollen die zusätzlichen Flächen für das Repowering anbieten und bestehende Standorte erweitern“, erklärt Unger. Der größte Windpark in Rheinland-Pfalz ist der von der juwi Holding in der Verbandsgemeinde Alzey-Land betriebene Park Ober-Flörsheim/Flomborn. Dort stehen derzeit 22 Anlagen mit einer installierten Gesamtleistung von 26,8 Megawatt installierter Leistung. Diese erzeugen rund 47,5 Millionen Kilowattstunden Regenerativstrom pro Jahr. Die Verbandsgemeinde Alzey-Land würde nach einem Repowering dieses Windparks dort jährlich knapp 240 Millionen Kilowattstunden Stromertrag pro Jahr erzielen. Somit würde allein dieser repowerte Windpark mehr als das Dreifache des eigenen Strombedarfs produzieren
Kontakt
Verbandsgemeinde Alzey-Land
Fachbereich Bauen und natürliche Lebensgrundlagen
Heike Rüttiger
Weinrufstraße 38
55232 Alzey
Tel.: 06731/409117
E-Mail: info@alzey-land.de
Landkreis Osterholz (Juni 2010)
Der Landkreis Osterholz liegt zwischen der Hansestadt Bremen und dem Landkreis Cuxhaven. Ende des 18. Jahrhunderts begannen die Norddeutschen das Moorland zu kultivieren und Torf als Brennstoff nach Bremen zu verkaufen. Noch heute kündigt das Kreiswappen mit Torfkahn und Bremer Schlüssel von dieser Zeit. Doch die Region hat sich mittlerweile vom Energieexporteur zum Energieimporteur entwickelt. Der Landkreis importiert derzeit 91 Prozent der genutzten Energie und ist damit im hohen Maße abhängig von Energiespekulanten und Preissprüngen der Weltmärkte. Der Zufluss von Energie geht mit einem Abfluss an Kaufkraft einher.
Energiewende 2030
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Für die jährliche Strom- und Wärmeerzeugung bezahlen die knapp 120.000 Einwohner des Landkreises jährlich ca. 146 Mio. Euro. Deshalb möchte der Landkreis die Energieerzeugung auf Erneuerbare Energien umstellen. „Gerade in Zeiten steigender Energiekosten verfolgt der Landkreis Osterholz das ehrgeizige Ziel, die Abhängigkeit von Energieimporten zu stoppen und die Geldströme in regionale Strukturen und Betriebe umzuleiten“, so Dr. Jörg Mielke, Landrat von Osterholz. Um das ambitionierte Ziel einer unabhängigen und regenerativen Energieversorgung zu erreichen hat der Landkreis Osterholz gemeinsam mit den kreisangehörigen Kommunen das Projekt „Energiewende Osterholz 2030“ ausgerufen. Finanziell unterstützt wird der Einstieg in die Energiewende durch eine Förderung im Rahmen des INTERREG Nordseeprogramms, ein Projekt zur Erarbeitung einer Methodologie für nachhaltige, ganzheitliche und lokale Energiekonzepte.
Leuchttürme für die Zukunft
Heute decken die Erneuerbare Energien gerade einmal acht Prozent des Strom- und ca. ein Prozent des Wärmebedarfs. Die Energiewende sieht vor, bis 2030 die lokalen Potenziale für eine 100-prozentige Versorgung in der Strom- und Wärmeversorgung mit Erneuerbare Energien zu nutzen. Allein durch die Nutzung der regionalen Windenergie kann knapp die Hälfte des Stromverbrauchs und etwa 40 Prozent des gesamten Energiebedarfs kann durch die Nutzung der Sonnenenergie gedeckt werden. Biomasse und Biogas aus anfallendem Müll und landwirtschaftlicher Produktion sollen den zukünftigen Energiemix vervollständigen. Jede Gemeinde will durch ein Leuchtturmprojekt eigene Erfahrungen mit dem Thema und den Technologien der Erneuerbaren Energien sammeln und damit weitere Projekte anstoßen.
Die Kreisstadt geht voran
In der Stadt Osterholz-Scharmbeck haben die Ratsmitglieder im Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung im Mai 2010 einen wichtigen Schritt in Richtung „Energiewende 2030“ getan. Bei einer Gegenstimme votierten sie für einen Bebauungsplan, der vorsieht, dass auf dem früheren Gelände der Bundeswehr eine Photovoltaik-Anlage mit bis zu vier Megawatt Leistung entstehen soll. Der Bürgermeister der Stadt Oberholz-Scharmbeck, Martin Wagener, zählt ein weiteres Projekt auf: „Das Blockheizkraftwerk am Allwetterbad soll auf Biogas umgerüstet werden. Dazu wird ein am Stadtrand ansässiger Landwirt eine Biogasanlage errichten, von der das Rohgas mit einer von den Stadtwerken verlegten Leitung ins Stadtzentrum transportiert wird.“ Neben der Kreisstadt, die sich federführend in dem Projekt engagiert, gibt es auch Leuchttürme in den kleineren Gemeinden. „In Grasberg entstand bereits ein flächendeckendes Photovoltaik-Dachkataster“, ergänzt Ulrich Müller, Leiter der „Energiewende Osterholz 2030“. „Weitere Gemeinden arbeiten an Nahwärmeinseln und bäuerlichen Biogasanlagen.“ Der Aufbau eines überregionalen Netzwerkes ist durch die Fusion der Stadt- und Gemeindewerke in die Wege geleitet.
E hoch 3
Energieeffizienz, Energieeinsparung und Erneuerbare Energien sind drei Grundpfeiler der „Energiewende Osterholz 2030“. Um das 100%-Ziel zu erreichen, soll jeder Bürger auf mögliche Energieeffizienz-Maßnahmen im eigenen Haus aufmerksam gemacht werden. Dazu hat der Ort Osterholz-Scharmbeck eine Broschüre mit dem Titel „Erfolgreich sanieren in Osterholz-Scharmbeck“ herausgegeben. Diese Broschüre ist mit den örtlichen Banken und Unternehmen entstanden. An Projekten, die durch die„Energiewende Osterholz 2030“ bereits angestoßen werden konnten, sind viele regionale Unternehmen beteiligt. Das Ingenieursbüro john becker ingenieure aus Worpswede hat die Energiepotenziale analysiert. In Worpswede ist auch die Reon AG ansässig, als Spezialist für regenerative Energie ein wichtiger Partner der Energiewende. Das beteiligte Unternehmen Solare Energiesysteme Nord hat seinen Sitz in Grasberg. Auch kleinere und mittlere Handwerksbetriebe profitieren von den anstehenden Umbauten, Verbesserungen und Modernisierungen, die für ein effizientes Energiesparen notwendig sind. Öffentliche und private Ressourcen werden damit gebündelt. „Durch die Kooperation mit privaten Partnern in der Region werden Projekte möglich, die die Stadt aufgrund ihrer Haushaltslage nicht alleine stemmen könnte“, meint Bürgermeister Wagener über das Erfolgsrezept.
Kontakt
Ulrich Müller
Stadt Osterholz-Scharmbeck
Projektkoordination North Sea SEP
Rathausstr. 1
D-27711 Osterholz-Scharmbeck
Tel.: +49 4791 17255
E-Mail: u.mueller@osterholz-scharmbeck.de
Landkreis Barnim (Juli 2010)
Nördlich der Bundeshauptstadt Berlin liegt der Barnim. Der 178.000 Einwohner zählende Landkreis beheimatet eine einzigartige Natur, das UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin – eines der größten Waldgebiete Deutschlands. Diese naturbelassene Landschaft möchten die Brandenburger mit aktivem Klimaschutz bewahren. Daher hat im Jahr 2008 der Landkreis Barnim mit der Initiative „die Zukunft ist ERNEUER:BAR“ die Weichen hin zu einer regenerativen Energiewende gestellt. Hauptaufgabe der Initiative ist es, über die Techniken der Erneuerbaren Energien aufzuklären und den Bürgern eigene Handlungsfelder aufzuzeigen. „Wir alle, egal ob Bürger, Unternehmer, Politik oder Verwaltung müssen die Energiewende mit Leben füllen.“ Mit diesen Worten bringt Landrat Bodo Ihrke die Strategie des Landkreises auf den Punkt. Dass die Bürgermeister der einzelnen Gemeinden gemeinsam an einem Strang ziehen, ist daher für Landrat Ihrke selbstverständlich.
Erneuerbar von den Kinderschuhen bis zum Erwachsensein
Schon die Kleinsten werden spielerisch für Energie-Themen sensibilisiert und angeregt, eigene Beiträge einzubringen. Allen Barnimer Schulen wurden Lernmaterialien für den Unterricht übergeben und es werden Projektwochen mit regionalem Ansatz veranstaltet. An der Hochschule in Eberswalde gibt es themenbezogene Studiengänge zu Erneuerbaren Energien. So können sich Studenten im Bereich Forstwirtschaft oder Umweltmanagement ausbilden lassen. Das Eberswalder Informations-Centrum Holz-Energie (E.I.C.H.E. e.V.) berät die Bürger über Einsatz und Finanzierung von Erneuerbaren-Energien-Anlagen im Eigenheim und stellt neue Anlagen vor. „Der Landkreis setzt mit der Einbindung der Barnimer in die Entscheidungsprozesse, eine vorurteilsfreie Aufklärung über Projekte und eine Beteiligung an der Energiewende durch Fördermaßnahmen auf ein hohes Engagement und breite Akzeptanz vor Ort“, so Landrat Ihrke.
Elektromobil und Effizient
Als Naherholungsgebiet setzt der Barnim auf gute Luft. Seit diesem Jahr wird der öffentliche Fuhrpark auf Elektromobile umgestellt. Mit dem ersten im Einsatz befindlichen Elektro-Transporter hat der Landkreis gute Erfahrungen gesammelt. Acht neue Fahrzeuge sind auf dem Prüfstand. Eine erste öffentliche Stromtankstelle wurde an einem solargedeckten Parkhaus installiert – weitere sind in der Planung. Schon jetzt decken Erneuerbare-Energien-Anlagen 44 Prozent des Strombedarfs, insbesondere durch Windkraftanlagen. Doch das Energiepotenzial der Region ist noch lange nicht erschöpft. Im Winter 2009 ging in Lichterfelde die zweite Biogasanlage im Barnim in Betrieb, die nicht nur Strom produziert, sondern mit der Abwärme Schule, Turnhalle und Firmen im Industriepark mit Wärme versorgen wird.
Den Blick zum Himmel, die Füße auf der Erde
Im Mai 2010 eröffnete die fünftgrößte Photovoltaik-Anlage Deutschlands in der Gemeinde Schorfheide. Mit jährlich rund 22,7 Millionen Kilowattstunden erwirtschaftet die Anlage sauberen Strom und deckt damit den Strombedarf von 6.500 Haushalten. Neben dem Solarkraftwerk gibt es auch eine mit Erdwärme beheizte Kita. Beim Stichwort Geothermie beginnt Bürgermeister Uwe Schoknecht zu schwärmen: „Das Geothermieprojekt Groß Schönebeck/Sarnow steht vor einem Meilenstein: im neu entstandenen Geothermielabor werden Systemkomponenten für den Langzeiteinsatz getestet.“ Sobald die Tests abgeschlossen sind, soll ein geothermisches Demonstrationskraftwerk in Betrieb genommen werden.
Das Geld bleibt in der Kommune
Ein entscheidendes Argument für die Umstellung auf Erneuerbare Energien ist die Verbesserung der regionalen Wertschöpfung und die damit steigende Kaufkraft. Denn Kosten für Energie belasten Privathaushalte und schmälern den finanziellen Spielraum der Kommunen. 139 Millionen Euro gaben die Barnimer im Jahr 2007 allein für Strom und Wärme aus. Das abfließende Kapital fehlt nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch in der Daseinsvorsorge. Grund genug, über die Aktivierung alter und neuer Kreisläufe im Landkreis nachzudenken. Seit Januar 2010 hat der Landkreis eine eigene Gesellschaft für die Hausmüllentsorgung. Die geschlossene Abfalldeponie „Ostend“ soll als Energiepark reaktiviert werden. Statt die stofflichen Potenziale der Abfälle ungenutzt zu lassen, wird dann aus Biomasse Strom und Wärme gewonnen. Baum- und Strauchgut sowie die Einführung einer Biotonne sollen das bioenergetische Material liefern. Ein Gewinn für den Klimaschutz und die regionalen Wirtschaftskreisläufe.
Kontakt
Christine Schink
Regionalbüro Barnim
Am Markt 1
16225 Eberswalde
Tel.: 03334- 498 533
Fax.: 03334-498 507
Mail: info@erneuerbar.barnim.de
Web: www.erneuerbar.barnim.de
www.kommunal-erneuerbar.de/de/detailansicht/article/348/landkreis-barnim-juli-2010.html
Stadt und Landkreis Bamberg (August 2010)
Bamberg ist die Hauptstadt „Bierfrankens“. Keine andere Stadt wird so mit urigen Brauhäusern und sonnigen Biergärten in Verbindung gebracht, wie die 70.000-Einwohner-Stadt. Stadt und Landkreis blicken auf eine lange gemeinsame Tradition zurück. In Zukunft möchte man auch weiter gemeinsame Wege gehen. Der Landkreis und die Stadt haben sich das Ziel gesetzt, den Energiebedarf der Region bis 2035 zu 100 Prozent eigenständig und aus Erneuerbaren Energien für insgesamt 210.000 Menschen zu decken - und das nicht nur im Stromsektor. Auch der Wärmebereich soll komplett auf regionale Erneuerbare Energien umgestellt werden. „Die Erkenntnis, dass die Stadt das Ziel der Energieunabhängigkeit nicht alleine erreichen kann, war ein Grund für die Zusammenarbeit zwischen Landkreis und Stadt“, so der Umweltbeauftragte der Stadt Bamberg, Günter Reinke.
Stadt und Land arbeiten eng zusammen
Die Grundlage der gemeinsamen und überparteilichen Zusammenarbeit des christsozialen Landrats Dr. Günther Denzler und des sozialdemokratischen Oberbürgermeisters Andreas Starke ist die Klimaallianz von 2008. „Die Klimaallianz Bamberg mit dem Ziel der gemeinsamen Energieautonomie, bietet ein Lösungsmodell für eine der vordringlichsten Fragen der kommunalen Daseinsfürsorge an. Städte als Energieverbraucher und das Umland als Energieerzeuger können zukünftig gemeinsam einen Weg beschreiten und so eine nachhaltige Energieversorgung sicher stellen", fasst Oberbürgermeister Starke die gemeinsamen Ziele zusammen. Trotz umfangreicher Maßnahmen und Initiativen war schnell klar, dass die Stadt Bamberg nicht die Potenziale besitzt, eine Umstellung auf Erneuerbare Energien selbständig zu gestalten. Dem großen Bedarf steht ein Fehlen der nutzbaren Flächen gegenüber. Um die städtischen Potenziale optimal zu nutzen, arbeiten Stadt, Stadtwerke und das Zentrum Welterbe Bamberg gemeinsam an Lösungskonzepten. Trotzdem ist allen klar: Ohne die Nutzung der Potenziale des Landkreises gibt es keine Energiewende auf Basis Erneuerbarer Energien in der Stadt.
Das Potenzial ist da
Zu den ersten Schritte der neuen Allianz sagt Landrat Dr. Denzler: „Unser gemeinsames Ziel war es, bis zum Jahr 2035 CO2-neutral zu sein. Daher haben wir im Rahmen einer Potenzialanalyse die Etablierung regenerativer Versorgungsmodelle in der Region prüfen und die daraus resultierenden Handlungsfelder darstellen lassen.“ Das die Stadt Bamberg der größte Energieverbraucher ist, war zu erwarten. Schon heute ist die Wärmeproduktion aus Erneuerbaren Energien ein fester Bestandteil in der Energiepolitik der Stadt. Der Bestand ist daher bereits größer als das ungenutzte Potenzial und die Stadt stößt wegen ihren historischen Gebäuden schnell an Grenzen. Hier können die Gemeinden des Landkreises einspringen, deren Potenzial den eigenen Verbrauch um ein Vielfaches übersteigt. Beispielsweise übersteigt das Potenzial der Erneuerbaren Energien des Markts Burgwindheim den jetzigen Energie-Verbrauch um das Doppelte. Allein durch Biogas könnte über die Hälfte des Energiebedarfs abgedeckt werden. Zu bedenken sind bei solchen Zahlen auch noch die Möglichkeiten im Bereich der Energieeffizienz, zum Beispiel durch KWK. Landrat Dr. Denzler gibt den Startschuss für die anstehenden Projekte: „Das Ergebnis der Analyse zeigt: Das Potenzial ist da, wir müssen es nur sinnvoll einsetzen und unseren eingeschlagenen Weg weiterhin konsequent fortsetzen."
Stadt, Land, Geld-Fluss
Die Bezifferung der vorhandenen Potenziale bietet Stadt und Land eine Basis, die Planungen für Anlagen und Energieparks zu beginnen und diese in eine gemeinsame Raumplanung einzubinden. Als ein nächster Schritt soll ein Energiekonzept für Stadt und Landkreis erstellt werden. Ein Solarkataster für Stadt und Landkreis ist bereits fertig. Dass alle Beteiligten im Landkreis an einem Strang ziehen, verbessert auch die regionale Wertschöpfung, sprich Kaufkraftsteigerung durch neue Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. Durch den dezentralen Charakter der Erneuerbaren Energien verteilen sich die Gewinne aus den Energiekosten auf die verschiedenen Gemeinden. Auch das Gewerbe beteiligt sich am Ausbau der Erneuerbaren Energien. Viele Betriebe und Brauereien in Stadt und im Landkreis beginnen mit einer Finanzierung von Solar- und Windkraft-Anlagen oder Blockheizkraftwerken sowie Holzhackschnitzel-Anlagen. Um einen Blick in die Zukunft zu wagen: Während Stadt und Landkreis heute 11 Prozent der Energie aus Erneuerbaren gewinnen, werden es im Jahr 2035 100 Prozent im Strom- und Wärmesektor sein. Die Stadt und der Landkreis Bamberg gehen im Bereich Strom von knapp 60 Prozent Windkraft für das Jahr 2035 aus. Auch Biomasse stellt mit knapp 20 Prozent einen erheblichen Anteil, der im Wärmebereich sogar deutlich höher liegen wird. Das Modell Bamberg, Energie fließt in die Stadt und Geld fließt in den Landkreis könnte schon bald Vorbild für viele Regionen in Deutschland werden.
Kontakt
Günter Reinke
Stadt Bamberg
Klimaschutzbeauftragter
Mußstraße 28
96047 Bamberg
Tel.: 0951/871714
Fax: 0951/871955
Mail: guenter.reinke@stadt.bamberg.de
www.kommunal-erneuerbar.de/de/detailansicht/article/348/stadt-und-landkreis-bamberg-august-2010.html
Schwäbisch Hall (Februar 2011)
Die Vierzigtausendeinwohnerstadt Schwäbisch Hall liegt im Norden Baden-Württembergs. Um den Energiehunger der durch Dienstleistung geprägten Stadt zu stillen, setzen die öffentlichen Stadtwerke auf Erneuerbare Energien. Anstrengungen im Bereich der elektrischen Energieversorgung standen dabei in den letzten Jahren im Mittelpunkt. Wasserkraftanlagen wurden reaktiviert und die Photovoltaik gefördert wie etwa der Solarpark „Solpark“ im Südosten der Stadt. Hinzu kommen ein paar Windräder. Doch in Zukunft möchten die Stadtwerke auch die Wärmeversorgung aus Erneuerbaren vor Ort bestreiten. „Die Stadtwerke Schwäbisch Hall sind bereits seit Jahrzehnten darauf ausgerichtet, Energie sicher und nachhaltig zu erzeugen. Da war es im Zuge des Zubaus Erneuerbarer Energien und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen nur konsequent, auch das Thema Biogas anzugehen und entsprechende Kooperationen mit den Landwirten einzugehen“, erläutert der Abteilungsleiter für Kraftwerke und Contracting Steffen Hofmann.
www.kommunal-erneuerbar.de/de/detailansicht/article/348/schwaebisch-hall-februar-2011.html

