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Samstag, 15. Januar 2011
Kohlendioxid-Speicher in Kanada leckt
Ein Farmerehepaar im kanadischen Saskatchewan berichtet von ungewöhnlicher
Algenbildung und sterbenden Tieren. Als Ursache verdächtigen sie das
weltgrößte Experiment zur unterirdischen Kohlendioxid-Speicherung - diese
These wird nun durch eine Studie untermauert.
Von Hanno Böck
Cameron und Jane Kerr wohnen nahe des Weyburn-Ölfeldes [1] der Firma
Cenovus. Dort wird seid 10 Jahren Kohlendioxid in den Boden gepumpt - zum
einen, um die Ausbeute bei der Ölförderung zu erhöhen, zum anderen jedoch
auch, um große Mengen des Treibhausgases nicht in die Atmosphäre zu
entlassen. Die sogenannte CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) wird
vor allem von der Industrie als großer Hoffnungsträger im Kampf gegen den
Klimawandel angepriesen. Die Verbrennung fossiler Rohstoffe soll
klimafreundlich werden. Doch das ganze macht nur Sinn, wenn die
unterirdischen Speicher absolut dicht sind. Bei geringen Lecks wird CCS zum
Verlust für das Klima.
Genau das scheint nun in Weyburn zu passieren. Das Ehepaar Kerr berichtet
davon [2], dass ihnen zum ersten Mal 2005 ein ungewöhnlich hohes
Algenwachstum aufgefallen sei. Dann fanden sie regelmäßig tote Tiere -
Katzen, Ziegen, Hasen. Es habe Explosionen gegeben, bei denen Grundwasser
aus der Erde sprudelte. Nun behauptet der Wissenschaftler Paul Lafleur von
der Consulting-Firma Petro-Find Geochem [3], die Ursache für die Vorfälle
festgestellt zu haben: Der Boden weise eine ungewöhnlich hohe
Kohlendioxid-Konzentration auf, das wegen seiner Isotopenzusammensetzung nur
aus dem nahegelegenen Ölfeld stammen kann. Der Energieminister von
Saskatchewan, Bill Boyd, erklärte, man wolle die Vorfälle untersuchen, ein
Stopp des Projekts käme aber nicht in Frage.
Kanada will die CCS-Technologie vor allem deshalb vorantreiben, weil man
damit erhofft, die Gewinnung von Öl aus Teersand klimafreundlicher gestalten
zu können. Durch den energieintensiven Aufbereitungsprozess entstehen beim
Teersand-Abbau etwa fünfmal so viel Treibhausgase wie bei konventioneller
Ölförderung. Auch Cenovus ist am Teersand-Abbau beteiligt.
Das Kohlendioxid in Weyburn stammt aus einer Anlage zur Kohlevergasung in
den USA - dem Great Plains Synfuels Plant. Kohlevergasung ist ein extrem
klimaschädlicher Prozess, bei dem Braunkohle zu Methan verarbeitet wird,
welches wiederum ins Gasnetz eingespeist wird. Doch die Dakota Gasification
Company [4] spricht von sauberer Energie - da etwa die Hälfte des
entstehenden Kohlendioxids in Weyburn eingelagert wird.
Kohlendioxid-Speicherung ist auch in Deutschland ein heiß diskutiertes Thema
[5] - allerdings nicht in alten Ölfeldern. Die in Kanada verwendete
Enhanced-Oil-Recovery-Methode gilt als Vorreiter unter den CCS-Technologien
- es ist die einzige, die bereits in größerem Maßstab eingesetzt wird. Im
Oderbruch in Brandenburg will Vattenfall in den kommenden Jahren Abgase aus
seinen Kohlekraftwerken in so genannten salinen Aquiferen einlagern. Doch
bisher fehlt hierzu ein Gesetzeswerk - das CCS-Gesetz wurde wegen
Bürgerprotesten in Schleswig-Holstein und Brandenburg immer wieder
verschoben. Bürgerinitiativen befürchten seit langem, dass ein plötzlicher
Kohlendioxid-Austritt zu einer Gefahr für Menschen und Tiere werden könnte.
Von CCS-Verfechtern, die es auch bei industrienahen Umweltverbänden gibt,
wurde ihnen bislang Panikmache vorgeworfen - ein solch plötzlicher
Kohlendioxid-Austritt sei unmöglich.
Im Text verwendete Links:
1. http://www.seed.slb.com/subcontent.aspx?id=4182
2. http://www.winnipegfreepress.com/greenpage/environment/113276449.html
3. http://www.gasoilgeochem.com/
4. http://www.dakotagas.com/
5. http://www.klimaretter.info/politik/hintergrund/7589
KLIMASCHUTZ keine neuen Kohlekraftwerke / Allgemeines
Kohlendioxid-Speicher in Kanada leckt - ein Beitrag zur CCS-Technologie
Das Prinzip "Aus den Augen, aus dem Sinn!" wir niemals langfristig funktionieren. Es funktioniert nicht einmal kurzfristig, wie man an diesem Artikel und an Asse sieht.
Wir brauchen nachhaltige Lösungen und sollten nicht versuchen unsere Probleme zu verbuddeln.

