@Weltladen
" muß jeder Mensch 8 Stunden am Tag arbeiten?"
Super Frage.
Der Sanitäter läßt den Verunglückten am Unfallort zurück, kein Bock mehr; er empfiehlt auf den Kollegen zu warten, der hat zwar noch keine Ahnung sei aber arbeitswillig.
Der Chirug bricht eine lange Op einfach ab, weil er die Fatzen dicke hat und er ohnehin schon lange Überstundendienst schiebt.
Die Feuerwehr geht bei einem Rettungseinsatz nach Hause, weil einige einfach heute früher zu einer Schulveranstaltung mit ihren Kindern gehen wollten,
Ach, Waldbrände, Tsunami, Erdbeben richten sich auch nach üblichen Arbeitszeiten und verharren mal eben, weil die Helfer schon etwas getan haben. Ach ja, die können dafür später länger Pause machen.
Die Polizei verweigert die Hilfe, obwohl der Einbrecher noch vor Ort ist. (Mach sie leider schon, oder weil man in der sogenannten "No go area" wohnt)
Da fallen mir doch noch mehr Beispiele ein. Früher bei der Post, ja soetwas gab es schon einmal, hätte ich schon mal hinter den Schalter springen mögen, wenn - trotz langer Schlange an sogenannten Zahltagen - das "vorübergehend geschlossen" Schild aufgestellt wurde und der Schaltermensch klanglos verschwand. Hatte ich erst neulich so ähnlich wieder beim Bürgeramt.
Kein Bock mehr rief der Klempner dem zu, der gerade wegen eines Rohrbruchs sich meldete.
Ach ich vergaß, einmal haben die sich ja den Beruf selber ausgesucht und man könnte, nein müsste viel mehr Leute dafür einstellen.
OK ich nehme alles wieder zurück!
Bedingungsloses Grundeinkommen / Organisatorisches
Grundeinkommen und bedingungsloses Grundeinkommen zusammenlegen
Wenn ich als Gesellschaft will, dass sich mehr Menschen in bestimmten Berufsgfeldern engagieren, muss ich diese aufwerten.
Die Arbeitgeber müssen natürlich (auch finanziell) attraktive Arbeitsplätze anbieten.
Unter diesem Gesichtspunkt wirkt die Diskussion um den angeblichen Fachkräftemangel ziemlich verlogen …
Wir sind ganz eurer Meinung. Berufe, in denen man nicht nach Vorschrift Dienstschluß machen kann, sollten dringend aufgewertet und mehr Personal sollte eingestellt werden. Aber es gibt auch Arbeiten, die in weniger als 8 Stunden erledigt sein können. Warum bestehen die meisten Arbeitgeber auf diese starre 8-Stunden-Regelung?
"Super Frage. Der Sanitäter läßt den Verunglückten am Unfallort zurück, kein Bock mehr; er empfiehlt auf den Kollegen zu warten, der hat zwar noch keine Ahnung sei aber arbeitswillig."
Arbeitszeiten müsen eben auch von der Organisation von Arbeitsabläufen her bestimmt werden. Das bleibt. Niemand redet doch der vollkommen Beliebigkeit von Lust und Laune als einzigen Entscheidungskriterium das Wort. Aber auch da, wo viel Mitdenken und ein großes Maß an Verlässlichkeit gefordert ist, gäbe es eine Menge Möglichkeiten einer Verkürzung von Arbeitszeit zu organisieren, de wir allein aus ökologischen Gründen brauchen.
Dass unter den gegebenen Verhältnisen eine Flexibilisierung von Arbeitszeiten teilweise äußerst problematisch ist, dürfte auch klar sein, denn man möchte doch auch gern privat/persönlich etwas planen können und in Etwa wissen, wie es um die eigenen finanziellen Möglichkeiten bestellt ist.
Ein Grundeinkommen und ein entsprechend größerer Grad an Freiwilligkeit würde ja auch Arbeitsverträge nicht überflüsssig machen wo die Bedürfnisse beider Seiten aufeinander abgestimmt werden.
@topist
inhaltlich stimme ich voll zu. Nur in der Realität ist das mit der Einsicht und Freiwilligkeit, so eine Sache. Wenn niemand als Kontrolleur da sein Auge drauf hat, macht irgend bald wieder jeder was er will , weil wir doch überhaupt nicht so vernüftig gepoolt sind. (Wie sagte doch einer von dem wir Siegen lernen sollten: Vertrauen ist gut ist, Kontrolle ist besser.) Und ein paar, die sich an die Absprachen halten, sind dann wieder einmal die Dummen , weil sie daran geglaubt haben. Schön wär es aber schon.
Litter, ich bin nicht sicher, ob ich Deinen Einwand oben richtig verstehe?
Hast Du Angst, daß so wichtige Jobs wie Sanitäter oder Feuerwehr leiden, wenn kein Zwang mehr ausgeübt wird?
Aber ist es nicht jetzt schon so, daß gerade Sanitäter und Feuerwehrleute sehr häufig Ehrenamtliche sind?
"Und ein paar, die sich an die Absprachen halten, sind dann wieder einmal die Dummen , weil sie daran geglaubt haben"
Naja...so ein bißchen habe ich ja auch meine Probleme mit der Vorstellung, daß das klappen soll.
Andererseits ist das ja nicht so viel Geld, daß keiner mehr arbeiten müßte, weil die meisten Menschen wollen ja mehr Geld, als die Grundversorgung.
Wer sein Leben lieber mir der Bierflasche auf dem Sofa vor der Klotze verbringt (und zwar ganztags), macht das heute auch schon.
Das Kontrollsystem für Harz IV und Arbeitslosengeld kostet zwar Unsummern in der Verwaltung, aber wer wirklich nicht will, ist damit auch nicht zu motivieren.
"Hast Du Angst, daß so wichtige Jobs wie Sanitäter oder Feuerwehr leiden, wenn kein Zwang mehr ausgeübt wird?"
Nein Maria, es liegt nicht am Zwang. Diese Berufe entziehen sich nun mal gerne einem eigenem Zeitmangement und müssen auch zu Zeiten verrichtet werden, wo andere sich sorglos amüsieren wollen; Sonntags, Feiertags, Feiertage usw., aber selbstverständlich erwartet wird, das die dann hochmotiviert da sind. Wird man dann deswegen noch von Leuten den verspottet, die nicht nur genüsslich im Staatlichen Sicherungsnetz in vierter Generation hängen, zweifelt man schon manchmal. Schon jetzt kennen etliche vom Kündigungsdruck befreite Priviligierte, die selbstbestimmte, gleitende Arbeitszeit. (Das hättest Du schließlich auch machen können!) Muß (!) man dann doch mal mit denen komunizieren und es läuft noch zwei Stunden nach Beginn der ohnehin schon kargen Kernzeit der Anrufbeantworter mit der Ansage, dass man gefälligst in der Kernzeit anrufen solle, drückt das die eigene Tolleranzgrenze schon mal nach unten.
Aber vielleicht bin ich nur schon zu alt, um mir wider besseren Wissens und jahrzehntelange Großstadterfahrung, die rosa Brille wieder aufzusetzen. Ich weiß auch, was aus vielen antiautoritär vernachlässigten Kindern geworden ist, als das ich allein an die bedingungslose Wirkung auf Einsicht nach einer belehrenden Aussprache zu glauben vermag.
Finanziell ist es durchaus machbar, jedem ein bedingungsloses (?) Grundeinkommen zukommen zu lassen. Nur, die Menschen sind immer noch dieselben (Selbstsüchtigen)! Auch durchlittene Erfahrung bringt nichts. Nach dem zweiten Weltkrieg skandierten unsere Eltern: Nie wieder Krieg! Nun bekommen wir nach 50 Jahren Wehrpflicht(!) eine Profibundeswehr, damit Auslandseinsätze Professioneller ausgeführt werden können. Und......
Es ist liebe Maria nicht Angst sondern nur Sorge.
Sorge Dich nicht lebe ;-)
Danke für die Erklärungen.
Wie gesagt - ich glaube, es ändert sich nicht so viel, wie man erst mal annehmen könnte...
Manche machen auch heute schon freiwillig mehr, als sie müßten, andere entziehen sich äußerst geschickt.
Das wäre vermutlich immer gleich.
Liebe Maria, das mache ich!!!
Aber auch ich bin ehrenamtlich immer wieder mal dabei, aus Trotz.
Warum sollten wir mit einem Grundeinkommen weniger unbezahlte Arbeitsstunden leisten, als wir es heute bereits ohne ein Grundeinkommen tun (über 90 Milliarden Arbeitsstunden im Jahr, gegenüber ca. 50 Milliarden Stunden bezahlter Arbeit)?

