Gentechnik - nein Danke! / Nachrichten von der Gentechnik
Neue Nachrichten von der Gentechnik
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Ostseezeitung vom 14./15.4.2012
Rostocker Forscher sollen Steuergelder verschwendet und dem BASF-Konzern Freilandtests auf Staatskosten ermöglicht haben.
Verfilzte Strukturen, vergeudete Steuergelder: Das AgroBiotechnikum in Groß Lüsewitz (Landkreis Rostock) gerät zunehmend in die Kritik. Umweltverbände, Grüne und Steuerzahlerbund zweifeln am Nutzen des umstrittenen Gentechnikzentrums, in das MV seit 2001 fast zehn Millionen Euro investiert hat. Hinzu kamen mehr als fünf Millionen Euro vom Bund.
Nach Ansicht von Burkhard Roloff vom Umweltverband BUND betreiben Chemie-Giganten wie BASF und Monsanto in Groß Lüsewitz profitable Grundlagenforschung – auf Staatskosten. Beide Unternehmen verlagerten seit 2008 neun Freisetzungsversuche ins AgroBiotechnikum, neben genmanipuliertem Mais auch die Genkartoffelsorte „Amadea“. Expertenschätzen, dass die Konzerne dadurch fast 100 Millionen Euro an Entwicklungskosten eingespart haben. Gegen Proteste von Umweltaktivisten setzte das Innenministerium
mehrfach Polizeihubschrauber ein, um die Gen-Pflanzen zu schützen. Kosten für das Land: 112 000 Euro. Roloff: „Wir wollen keine Genforschung, die den Mehrheitswillen der Bürger ignoriert und aus Steuergeldern finanziert wird.“
Weiterer Profiteur ist laut Umweltverband Greenpeace ein Frauen-Tandem: die Rostocker Professorin Inge Broer sowie die Mathematikerin Kerstin Schmidt. Beide seien eng befreundet und über ein Firmen- und Vereinsnetz Hauptempfängerinnen des Geldsegens. Schmidt ist Geschäftsführerin und laut Handelsregister einzige Mitarbeiterin von mindestens zwei Firmen, die das AgroBiotechnikum als Mieter ausweist: Biovativ und BioMath. Broer leitet den Verein FINAB, aus dem das AgroBiotechnikum hervorging. Anfang 2012 zog sich BASF nach öffentlicher Kritik aus Groß Lüsewitz zurück. Schmidt gab auf OZ-Anfrage erstmals zu: „Die grüne Gentechnik in MV ist tot.“ Gemeinsam mit Broer baut sie zurzeit in Sachsen-Anhalt einen neuen BioPark auf. Trotz dieser Absetzbewegung hält Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) am AgroBiotechnikum fest. „Sowohl die Idee für ein derartiges Zentrum als auch die Notwendigkeit sind nach wie vor aktuell“, sagte Backhaus der OZ. Skeptischer zeigte sich Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU). Die grüne Gentechnik sei nicht der von vielen Experten vorhergesagte Wachstumsmarkt in Europa geworden.
Grünen-Fraktionschef Jürgen Suhr fordert einen unverzüglichen Stopp der Förderung grüner Gentechnik. Reiner Holznagel, Geschäftführer des Bundes der Steuerzahler, kündigt an, das AgroBiotechnikum unter die Lupe nehmen zu wollen. Er wirft dem Land bewusste Intransparenz, fragwürdige Staatshilfe für Großkonzerne und Verschwendung von Steuergeldern vor. „Wenn sich der Staat zurückzieht, fällt das Kartenhaus zusammen.“ Zuletzt hatte der Landesrechnungshof 2009 eine Japanreise des AgroBiotechnikums als zu kostspielig kritisiert.

