"Fleisch essen „aus deutschen Landen“ bedeutet Vieh mit südamerikanischem Sojaschrot zu füttern und damit Urwald und das Leben von Kleinbauern zu zerstören."
Wenn es um Massentierhaltung geht, stimme ich vorbehaltlos zu.
Nur wenn man wie ich wenig Fleisch und das von regionalen Biobetrieben isst, dann muss man kein schlechtes Gewissen haben.
Bitte jetzt keine Fleischesser-Vegetarier-Debatte.
Der Worte hierzu sind schon viele gewechselt.
Ich möchte einmal einen Blick in die Zukunft wagen: Wenn aus irgendwelchen Gründen diese absurde und menschenverachtende Völlerei auf Kosten der restlichen Welt zusammenbricht, dann wird großes Jammern und Wehklagen sein.
Dann werden sich die Menschen fragen, ob man nicht früher hätte Einhalt gebieten können.
Da braucht nur der Suezkanal gesperrt werden, da müssen vielleicht einige afrikanische Despoten ihren Thron räumen - Umstände können sich oft überraschend schnell ändern.
Es ist kein unabänderliches Naturgesetz, dass wir so in Saus und Braus leben können.
Gentechnik - nein Danke! / Alternativen zur Gentechnik
Kann Bio die Welt ernähren?
Unser lieber Richard hat zum Thema Bio und Welternährung in seinem Blog etwas beigetragen: http://www.utopia.de/blog/richard-burgenlandler/welternaehrung-eine-vison
Gelöscht von Rebell am 02.08.2011 um 12:59
Hier noch ein Artikel aus der Zeit als Ergänzung:
http://www.zeit.de/2006/34/Das_Oekoparadies_im_Hinterhof
Das Ökoparadies im Hinterhof
Aus purer Not entdeckte Kuba einst die nachhaltige
Landwirtschaft. Heute sprießen zwischen städtischen Wohnblocks und auf
ehemaligen Schutthalden Gemüse und Obst. Der urbane Anbau könnte Vorbild
für andere Entwicklungsländer sein
Über das Gesicht von Miguel Angel Salcines Lopez huscht ein
spitzbübisches Lächeln. Ich verdiene mehr, als der Agrarminister und
die meisten Funktionäre, sagt der Leiter des wohl schönsten städtischen
Gemüseackers auf Kuba. Der Organoponico Vivero Alamar im
Plattenbauvorort von Havanna arbeitet, wie die meisten auf der Insel,
voll ökologisch. Dass Lopez und die Mitglieder seines 100-köpfigen
Kollektivs damit ein Vielfaches des kubanischen Durchschnittslohns
verdienen, verdankt er der Weitsicht eines Raúl Castro. Dieser hatte, um
den Gemüseanbau anzukurbeln, eine marktwirtschaftliche Nische mitten im
Sozialismus erlaubt. Seither darf Gemüse und Obst aus der urbanen
Landwirtschaft frei nach Angebot und Nachfrage verkauft werden.
Es ist nicht zu übersehen, dass das Kollektiv in Alamar erfolgreich
gewirtschaftet hat. Auf dem sauber geharkten Vorplatz, unter hoch
aufgeschossenen Palmen, steht ein fast neuer Lieferwagen. Und auf den
dahinter gelegenen Gemüsefeldern meint man geradewegs den Garten Eden zu
betreten: Überquellendes Grün leuchtet aus den langen Beetreihen mit
der frisch gewässerten dunkelbraunen Erde. Dreimal im Jahr wird hier
geerntet, Tomaten und Paprika, Mangos, Ananas und Papaya, aber auch
erstaunlich nordisch anmutende Gemüsesorten wie Möhren und Rote Beete,
Mangold und Kohl, Salat und Radieschen.
Das Geheimnis des städtischen Gartens ruht in zehn Wannen auf einem
überdachten Betonplatz und heißt lombriz de California. Salcines greift
in die lockere braune Erde und hält ein wirres Knäuel von Exemplaren des
kalifornischen Regenwurms hoch. In etwa zwei Monaten arbeiten die so
eine Wanne durch, das ergibt rund 15 Kubikmeter Humus. Solche
Regenwurmerde hat Havanna Mitte der Neunziger zur heimlichen Hauptstadt
des Gemüses gemacht. Damals ließ die Stadtverwaltung sämtliche
Freiflächen systematisch kartografieren und 17 organoponicos mit
mehreren Hektar Grundfläche anlegen, zusätzlich entstanden kleinere
huertos intensivos (Intensivgärten). Heute wachsen mehr als zwei Drittel
des in Havanna verzehrten Gemüses innerhalb der Grenzen der
2-Millionen-Stadt, dazu Gewürz- und Heilkräuter und viel Obst. Einem
gewöhnlichen Touristen fällt das kaum auf. Die agricultura urbana
versteckt sich in Hinterhöfen, auf schlecht einsehbaren Brachflächen
oder ehemaligen Schutthalden.
Zwar dürften manche dieser Anlagen den strengen Kriterien eines
deutschen Bioverbandes kaum standhalten. Den Organoponico Primero de
Julio zum Beispiel trennt nur ein schmaler palmenbewachsener Streifen
von einer der meistbefahrenen Verkehrsachsen der Stadt. Dennoch tragen
die städtischen Äcker entscheidend dazu bei, das 11-Millionen-Volk auf
Kuba ausreichend zu versorgen. Die Statistik der
Welternährungsorganisation FAO belegt, dass sich die kubanische
Gemüseproduktion gegenüber Mitte der neunziger Jahre vervielfacht hat,
bei Tomaten zum Beispiel wuchs sie um das Dreieinhalbfache, bei anderen
Gemüsesorten sogar um mehr als das Zwanzigfache. Der Anteil der
Unterernährten auf Kuba wird heute auf unter 2,5 Prozent beziffert das
ist dieselbe Zahl wie in Deutschland.
Dabei war es die pure Not, die Kuba seinerzeit zur ökologischen
Umstellung zwang. Vor dem Zusammenbruch des Ostblocks war die
Landwirtschaft auf Kuba exportorientiert. Ausgeführt wurden Zucker und
Zitrusfrüchte, die die sozialistischen Handelspartner gegen
Lebensmittel, Erdöl, Medikamente und Agrochemikalien eintauschten.
Anfang der Neunziger blieb Kuba dann auf seinem Zucker sitzen. Ganze
Viehherden verendeten, weil das Kraftfutter ausblieb, die Bevölkerung
hungerte.
Fortan hieß die Devise: Wirtschaften mit dem, was die Insel hergibt.
Statt Kunstdünger und Pestizide kamen Regenwürmer, Kompost und
Nützlinge auf die Äcker. Weil Treibstoff fehlte, produzierte man gleich
vor Ort. Wir sind mit unserem Großagrargeschäft gescheitert, ließ der
máximo løder Fidel Castro verlauten. Die staatlichen Farmen waren nicht
in der Lage, auf die Herausforderungen der neunziger Jahre zu reagieren.
Viele Agrarbetriebe wurden daraufhin aufgelöst, der Boden den Bauern
zur Kooperativbewirtschaftung übereignet. Aus Zuckermonokulturen wurden
Felder, auf denen Mais, Yucca und Bohnen nebeneinander wachsen. Im
ganzen Land entstanden staatliche Agrarschulungszentren, die die Kunde
vom Ackern ohne Gift verbreiteten.
Die Konzepte für den Umbau hatten schon länger in den Schubladen
kubanischer Forscher bereitgelegen. Wirtschaften mit bajos insumos
(wenig Zusatzstoffen) versprach größere Unabhängigkeit, zum Beispiel vom
großen Bruder Sowjetunion. Ökofanatismus ist den meisten Kubanern
fremd, niemand stört sich an der gleichzeitigen intensiven Forschung in
der Bio- und Gentechnologie. Hier wird eher eine Art Ökoanbau light
betrieben: Man bedient sich nachhaltiger Technologien und reduziert aus
Kostengründen chemische Zusätze auf das Mindestmaß. Abgesehen von
Kartoffeln und Tabak, wird bei uns alles ökologisch angebaut, sagt
Andres Castro Alegria, Vizedirektor der agrarwissenschaftlichen
Universität Marta Abreu. Ausdrücklich verboten ist der Einsatz von
Chemie nur in der urbanen Landwirtschaft. So wandelte sich das Land mit
dem höchsten industrialisierten Agrarsektor Lateinamerikas zu einem
ökologischen Musterland, das heute nicht nur von linientreuen
Sozialisten Anerkennung erfährt.
Kuba hat beim Aufbau der Landwirtschaft wirklich Außergewöhnliches
geleistet, sagt Richard Haep, Regionaldirektor der Deutschen
Welthungerhilfe (DWHH) in Havanna. Denn nur wenige Länder schaffen den
Ausstieg aus der Hungerfalle in so kurzer Zeit. Die DWHH hat dabei mit
Gewächshäusern, Werkzeugen und Ausbildungskursen für Manager
entscheidend geholfen. Besonders stolz sind Richard Haep und sein Team
auf den Organoponico Vivero Alamar.
Dessen Chef beherrscht die Trickkiste der nachhaltigen Landwirtschaft
aus dem Effeff. Wir haben hier eine fast hundertprozentige Ausbeute
unseres Saatguts, sagt Lopez und deutet auf die beiden Gewächshäuser.
Ein spezialbeschichtetes feinmaschiges Netz überzieht das Glashaus
und bietet Schutz vor Sonne, starkem Regen und Schädlingen ein Geschenk
der Agro Acción Alemana, wie die Deutsche Welthungerhilfe auf Kuba
heißt. Dann zeigt Salcines auf eine mit Blättern gefüllte
Plastikflasche, die horizontal an einem Ast hängt. Das ist eine simple
Zuchtanlage für Marienkäfer. Ihre Eier werden anschließend auf
befallenen Kulturen ausgesetzt. Geschlüpft, sollen sie Schädlingen den
Garaus machen. Solche Nützlinge kann man inzwischen auch in über 200
Spezialgeschäften kaufen, ebenso wie Schädlinge, die mit Krankheiten
infiziert sind und damit ihre Artgenossen anstecken können. Dank dieser
Art von biologischer Kriegsführung kommen viel weniger Pestizide zum
Einsatz.
Nun heißt das nicht, dass jeder Bauer auf Kuba zum Freund der
nachhaltigen Landwirtschaft konvertiert wäre. Auf dem Land würde wohl
manch einer zu den alten Methoden zurückkehren, wenn er denn könnte
schon aus Bequemlichkeit. Darüber hinaus haftet den staatlich
verordneten Ökotricks der Makel des Mangels an. Wer es gewohnt war, im
Notfall mit der Giftspritze über den Acker zu laufen, tut sich schwer
mit dem Austarieren von Mischkulturen, Fruchtfolgen und dem Verhältnis
von Nütz- und Schädlingen. Die städtischen Landwirte dagegen sind echte
Kinder des Ökobooms. Für sie sind die Biofarmen ein Segen, der neue
Einkommensquellen erschlossen hat.
Den größten Erfolg des kubanischen Wegs sieht die
Agrarwissenschaftlerin Heide Hoffmann von der Humboldt-Uni in Berlin
denn auch in der urbanen Landwirtschaft: Sie ist eindeutig ein
Erfolgsmodell. Darin meint sie sogar ein Potenzial für andere Megastädte
zu entdecken. Auch die Welthungerhilfe setzt auf städtische Äcker, etwa
in Peru. Jürgen Roth von der DWHH weiß aber: In vielen Ländern ist der
Druck auf städtische Brachflächen wegen des freien Immobilienmarktes
viel größer als auf Kuba. Dass sich selbst versorgende Armenviertel
dennoch mehr sind als eine Utopie, zeigen Beispiele in Kathmandu,
Karatschi, Hongkong, Casablanca und Shanghai.
Für die amerikanische Politikwissenschaftlerin Lisa Wolfe ist die
rote Insel in puncto urbane Landwirtschaft gar Avantgarde eines
weltweiten Trends.
Denn viele Bauern in den Entwicklungsländern zählen selbst zu den
Hungernden und können sich die Technik und Gerätschaften für eine
High-Tech-Landwirtschaft westlichen Stils niemals leisten. Die nötigen
Zutaten für den Ökoanbau dagegen findet selbst der ärmste Bauer vor
seiner Tür. Organisationen wie Greenpeace oder Brot für die Welt
propagieren daher schon seit längerem die nachhaltige Landwirtschaft als
zukunftsweisend. Als Beleg gilt ihnen etwa eine Studie der University
of Essex, an der fast neun Millionen Kleinbauern aus Entwicklungsländern
beteiligt waren. Sie belegt eine Steigerung der Felderträge um 50 bis
100 Prozent, wenn moderne ökologische Techniken zur Anwendung kamen.
Auch Nadia Scialabba, zuständig für den Bereich Ökolandwirtschaft bei
der Welternährungsorganisation FAO, hält es nur für eine Frage der
Zeit, bis sich der Ökoanbau als Strategie gegen Hunger und Armut
durchsetzt. Bisher widersprechen sich in diesem Punkt die
Expertenmeinungen, mehrere Fallstudien sollen daher Klarheit schaffen.
Endgültige Daten erwartet Scialabba für das kommende Jahr. Damit will
sie die Verantwortlichen der über 190 Regionalbüros der FAO bekehren.
Schon 2002 hat die Organisation die kubanische Landwirtschaftspolitik als weltweites Vorbild gelobt.
Ein Problem allerdings hat Kuba mit dem ökologischen Umbau nicht in
den Griff bekommen: Die Viehzucht und Fleischproduktion ist und bleibt
prekär auf der sozialistischen Insel. Das lässt sich schon daran
ablesen, dass bislang fast die Hälfte der im Tourismus erwirtschafteten
Devisen in den Import von Nahrungsmitteln und Kraftfutter fließen. Den
größten Posten macht dabei Milchpulver aus.
Denn auf Kuba steht jedem Kind täglich ein kostenloser Liter Milch vom Staat zu.
Kein Wunder, dass Kühe auf Kuba mitunter mehr Privilegien genießen
als mancher Funktionär. Und kein Wunder, dass die Estación Experimental
de Pastos y Forrajes, die Experimentalstation für Weiden und Viehfutter
in Indio Hateuy, so angesehen ist. Hier, gut 60 Kilometer von Havanna
entfernt, suchen über 30 Wissenschaftler nach Wegen, die Viehzucht dem
tropischen Klima und der Trockenheit anzupassen. In ihrer Samenbank
lagern 800 Arten von Gras- und Futterpflanzen und jede einzelne von
ihnen wird auf ihre Tauglichkeit für problematische Böden getestet.
Was wächst auf trockenem, saurem, sumpfigem oder salzigem Untergrund?
So ambitioniert das Vorhaben ist die wertvollen Samen müssen bei
tropischer Wärme in einfachen Marmeladegläsern überdauern. Denn die
Kühlkammer ist seit zwei Jahren kaputt, und Direktor Giraldo Martøn
klagt: Wir arbeiten hier mit Geräten aus den siebziger Jahren. Nun hofft
Martøn unter anderem auf Unterstützung aus Deutschland. Damit ließe
sich vielleicht nicht nur die Kühlkammer reparieren, sondern auch das
neue Weidesystem landesweit verbreiten. Denn nach der Vorstellung der
Forscher von Indio Hateuy sollen künftig auf den Viehweiden
proteinhaltige Büsche und Bäume wachsen, die wie Erbsen und Bohnen zur
Gruppe der Leguminosen gehören. Diese Bäume sollen das Kraftfutter
ersetzen, schwärmt Martøn, außerdem binden sie Wasser im Boden und
verhindern die Erosion.
Klingt großartig. Doch die Umsetzung scheitert an einem banalen
Problem: Um solche Viehweiden landesweit aufzubauen, bräuchte es Zäune.
Sonst zerstört das Vieh die Bäume durch Übernutzung. Aber Zäune kann man
auf Kuba nicht kaufen. Selbst einen Kaninchenkäfig muss man sich hier
selbst basteln, schimpft der Kleintierzüchter Justo Gomez Alvarez. Gegen
die engen Grenzen von Planwirtschaft und Devisenmangel hat auch der
engagierteste Ökolandwirt keine Chance.
der schönste gemüseacker auf der einstigen Zuckerrohrinsel Kuba liegt
in einem Außenbezirk der 130000 Einwohner zählenden Stadt Alamar. Ein
100-köpfiges Kollektiv betreibt die Genossenschaft UBPC Organoponico
Vivero Alamar. Die Plantage wird von der Welthungerhilfe unterstützt
Es gibt eine wunderbare Stiftung des Wissenschaftlers Hans Rudolf Herren, die sich damit beschäftigt, die Entwicklung, Verbreitung und Anwendung von ökologischen, umweltfreundlichen Methoden zu fördern, mit denen Menschen in Entwicklungsregionen sich selber helfen können.
http://www.biovision.ch/
Hier ein Artikel von Hans R. Herren für die Bundeszentrale für politische Bildung:
http://www.bpb.de/publikationen/CAM6MT,9,0,Die_Ern%E4hrungskrise_Ursachen_und_Empfehlungen.html#art9

