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emmaradio schrieb am 11.01.2012 um 15:38
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Rechtsextreme, die sich gegen Gentechnik wehren, sich an Anti-Atom-Protesten beteiligen und biologische Landwirtschaft betreiben, sind „braune Ökologen“. Man findet sie nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, aber dort ist das Problem „völkischer Siedler“ besonders groß.

Da ich in Berlin lebe und meine Lebensmittel über die LPG vorwiegend aus dem Mecklenburger Raum beziehe, werde ich bei diesem Thema besonders hellhörig. Auf Utopia ist das Thema Rechtextremismus und ökologischer Landbau im Allgemeinen noch ziemlich unterrepräsentiert (soweit ich das überblicke). Der Band "Braune Ökologen - Hintergründe und Strukturen am Beispiel Mecklenburg-Vorpommerns" liefert dazu einen guten Einstieg in die Thematik und beschreibt den Einfluss brauner Ökos, die Rolle der NPD und geht der Frage nach, wie sich die Zivilgesellschaft gegen die antidemokratischen Aktivitäten zur Wehr setzen kann. Die komplette Fasssung gibt es kostenlos auf boell.de

Einleitung der Heinrich Böll Stiftung:

"Dass Ökologie und Umweltschutz von völkisch-nationalistischen und rechtsextremistischen Ideologien vereinahmt werden, ist kein Phänomen der letzten Jahre. Zeugnisse dafür finden wir bereits in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Neueren Datums sind Versuche, Ideologie und Praxis zu verbinden. Zu beobachten ist, dass Sympathisanten Grundstücke und Immobilien in Siedlungen und auch ganze Höfe und Ländereien erwerben – vorrangig in wirtschaftlich abgehängten Regionen und somit auch in Mecklenburg-Vorpommern. Gleichzeitig versucht man, Zugang zu den Produktions- und Vertriebsnetzen der Bio-Branche zu bekommen.

Wir möchten mit dieser Publikation Informationen zu diesem Phänomen liefern und den Austausch und die Vernetzung im Kampf gegen Rechtsextremismus und Rassimus unterstützen. Wie können die Netzwerke und Strukturen erkannt werden? Was verbirgt sich hinter den Begriffen „germanisch“ und „artgerecht“? Wo können weiterführende Informationen und Unterstützung eingeholt werden? Gerade für die zivilgesellschaftlichen Akteure vor Ort sind Strategien und das Wissen um Handlungsmöglichkeiten wichtig. Interviews mit Engagierten vor Ort zeigen, dass Widerstand gelingen kann.

Natürlich gibt es nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern Versuche, Heimstätten für braune Ideologien aufzubauen. Deshalb vermittelt die Publikation neben den regionalen Besonderheiten auch entsprechendes Grundlagenwissen über Geschichte und Ideologie.

Entstanden ist die Studie in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern, der Evangelischen Akademie Mecklenburg-Vorpommern und der Arbeitsstelle Politische Bildung der Universität Rostock. Sie knüpft an die langjährige Arbeit im Stiftungsverbund der Heinrich-Böll-Stiftung an, in der u.a. die Publikationen Gefährliche Liebschaften. Rechtsextremismus im kleinen Grenzverkehr und Nazis in Parlamenten. Eine Bestandsaufnahme und kritische Analyse aus Thüringen erschienen sind. Denn die Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus und die Entlarvung seiner Strukturen ist wesentlich bei der Verteidigung und Festigung unserer freiheitlichen und demokratischen Grundwerte."

Braune Ökologen - Hintergründe und Strukturen am Beispiel Mecklenburg-Vorpommerns Herausgeber/in Heinrich-Böll-Stiftung
Erscheinungsort
Berlin
Erscheinungsdatum
Januar 2012
Seiten
112
ISBN
978-3-86928-062-2


Zitat aus dem Vorwort der Schriftenreihe:

"[...] Der Schutz der Umwelt ist aus unserer Sicht untrennbar mit der Frage von
Menschenrechten und Gerechtigkeit verbunden. Ökologie lässt sich nicht gegen
Demokratie oder Menschenrechte aufrechnen. Wir gehen gemeinsam von einem
Menschenbild aus, das nicht biologistisch argumentiert und sich nicht einem
unabwendbaren Eingebundensein des Menschen in die Abläufe der Natur unterwirft.

Nach unserem Verständnis ist der Mensch zur Freiheit berufen und zum
solidarischen Miteinander befähigt. Mit Vernunft begabt prägen ihn Sozialisationserfahrungen, und in seinen Entscheidungen ist er eben gerade nicht durch angebliche «natürliche» Vorgaben determiniert.

Ein völkisch geprägter Biologismus ist mit der Würde, die einem

jeden Menschen zukommt, nicht vereinbar. Weil jeder Mensch mit dieser Würde
begabt ist, wird die Verantwortung der Menschen gegenüber der Natur damit
nicht geringer; die Menschen sind gerade aufgrund ihrer Entscheidungsfreiheit
und Entscheidungsfähigkeit gefordert, ihre Umwelt im Sinn der Erhaltung und
der Nachhaltigkeit für zukünftige Generationen zu gestalten.[...]"

    Schneider Walter schrieb am 11.01.2012 um 19:46
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    Wenn die Ideologien dieser ewig gestrigen nicht so Hirnverbrannt, Rassistisch und Menschenverachtend wären könnte man sich mit dem Gedanken trösten " da machen sie wenigstens mal was Sinnvolles" leider nutzen diese Elemente nur die Ökoszene um ihr gefährliches Gedankengut zu verbreiten. Unter dem Deckmantel der Ökos gelingt ihnen dies vermutlich noch leichter.

    emmaradio schrieb am 11.01.2012 um 19:54
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    Zum Thema "rassisch-reine, arische Siedlungen" hier ein etwas älterer Videobeitrag der Moderatorin Mo Asumang im Interview mit Jürgen Rieger von der NPD...




    Ich denke es ist wichtig das Thema nicht klein zu reden und eine ganze Region einfach "aufzugeben". Abgesehen davon, dass es rassistisches Gedankegut allerorts gibt. Meiner Meinung nach ist diese Abwendung genau das, was den Rechten den Raum gibt, ihr menschenfeindliches Gedankengut zu verbreiten und zu etablieren. Es fehlt an offenen Bekenntnissen und auch an Zivilcourage sich mit den Menschen auseinanderzusetzen und jene zu unterstützen, die den Kampf gegen den braunen Sumpf täglich in den Kleinstädten und Dörfen alleine führen müssen.

    In bezug aufden Öko-Landbau müssen außerdem auch die Netzwerke und Bezieher, sprich die Bioläden, sensibilisiert werden. Die Frage ist aber auch, reicht ein Boykott hier aus. Ich denke nein.

    berniewa schrieb am 11.01.2012 um 19:57
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    Einzige Kritik von mir:

    Jede Farbe, auch die Farbe Braun, ist zu schade,

    um sie

    mit diesen pol./ideol. "Strömungen/Bewegungen" in Verbindung zu bringen

    Schneider Walter schrieb am 11.01.2012 um 20:03
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    Leider haben wir hier in Ungarn eine Regierung, die genau diese nationalistischen Gruppierungen hofiert.

    Richard-Burgenlandler schrieb am 11.01.2012 um 20:19
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    Habe heute einen Beitrag in Ö1 über Ungarn und die Besetzung von Kulturpositionen gehört. Erschreckend was die da aufführen. Kultur und Kunst ist nur dann etwas Wert, wenn sie zu Propaganderzwecken taugt. Alle Personen die in der Vorzeit Anhänger der Oposition gewesen sind scheiden aus der Nominierung aus.

    Richard-Burgenlandler schrieb am 11.01.2012 um 20:25
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    Zu dem Video von emmeradio

    Läuft der Typ frei herum ? Das kanns doch wohl nicht geben !

    emmaradio schrieb am 11.01.2012 um 20:26
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    Ja, es ist schon erstaunlich, dass dieses Herrschafts- und Unterdrückungssytem scheinbar einfach nicht ausstirbt. Vielleicht können wir zum Thema Ungarn ein neues Foren Thema aufmachen bzw. ich meine es gibt sogar schon eines. Also nicht, dass das hier völlig irrelavant wäre in diesem Zusammenhang. Ich würde nur gerne mal mehr diskutieren, wie wir eigentlich damit umgehen wollen, wenn in Teilen der Republik die einzige Öko-Option plötzlich die Rechten und ihre germanischen Siedlungsideologien finanziert.

    @ Richard: Ja, noch ist der legales Parteimitglied. Ein Grund mehr der NPD den Geldhahn zuzudrehen. Aber dabei kann es auch nicht bleiben. Wir müssen uns schon mit den Leuten von angesicht zu angesicht befassen und nicht versäumen immer wieder öffentlich Position zu beziehen. Und mehr noch müssen wir mal klären, wieso sich ganze Siedlungen in beinahe völliger Selbstversorgung, einschließlich sozialer Infrastrukturen, etablieren können. Wenn mensch Herrn Rieger so zu hört, hat das eben System. Schauerlich.

    bhellweg schrieb am 13.01.2012 um 08:56
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    hier mal ein Link zum Thema:

    http://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Rechtsextreme-machen-auf-Biobauer-674321.html

    Maria_L schrieb am 13.01.2012 um 10:25
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    Das Thema war heute auch im Bio-Markt-Newsletter

    http://www.bio-markt.info/web/Aktuelle_Kurzmeldungen/Sonstiges/Rechtsextremismus/15/40/0/11685.html

    Dort findet sich ein Link auf die ARD-Mediathek:
    http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/431936_report-muenchen/7874830_braune-oekos-rechtsextreme-unterwandern-die

    Ich habe das Thema offensichtlich bislang auch nicht ernst genug genommen.

    emmaradio schrieb am 13.01.2012 um 15:31
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    Hey Richard-Burgenländler und Schneider Walter, wollte euch nicht so abwürgen neulich, sorry. War vielleicht ein etwas vorauseilender Vorschlag. Bitte weitermachen;-) Gerne auch über die Rechten in Ungarn..

    @Maria: interessante links! Beim gucken des TV-Beitrags wird mir echt schlecht.

    Die Schriftenreihe der Böll-Stiftung weist übrigens auch darauf hin, dass Rechte ja gar nicht neuerdings und einfachso aus Mainstream "auf Bio machen", sondern Umweltschutz und Ökolandbau schon immer in die Blut und Boden Ideologie passte. Auch Rudolf Steiner ist da auch kein Unbeliebter (schon allein wegen seiner Nähe zum Antisemitismus). Die Rechten Ökolandbauern bekommen haben allerdings gerade wieder mehr Konjunktur und passen gut in die themenverarmenden NPD. Das wird ja auch in der TV Reportage erwähnt.


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