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Atomphysik: Gefahr oder Segen?

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werner stickler
schrieb am 09.09.2008 um 22:37

Das CERN (die große Atomphysikforschungs"anstalt" bei Genf, die mit den Teilchenbeschleunigern) haben einen neuen, noch grösseren in Betrieb genommen: "LHC" Bericht auf golem.de und damit die USA wieder überholt.

Ich habe gleich auf die 4.Seite verlinkt, da es in den ersten Seiten hauptsächlich um die verschiedenen Teilchen geht, die erforscht werden sollen, und bei Seite 4 kommt dann die Kritik dazu, die das Thema sein soll.

Da wird die Angst ausgedrückt, daß durch die Experimente im Bereich Masse/Energie es zu einem Schwarzen Loch (die Gravitationszentren, die ganze Planetensysteme verschlucken) kommen kann. Vor einigen Jahren war so eine ähnliche Angst mal bez. eines Experiments, bei dem Antimaterie hergestellt werden sollte.
Die wurde erstmals im CERN hergestellt (und ist auch spektakulär in Dan Browns Illuminati verwurstet worden).

Es bestünde auch die Gefahr des Entstehens "Seltsamer Materie" - nicht lachen, die heisst wirklich so, engl. Strangelets. Könnte jedenfalls alles zum Weltuntergang führen.

Angst wegen zuwenig Wissen, will sich da nur einer wichtig machen?

Oder doch berechtigt (ich denke nur an div. Atomkraftwerkunfälle, die ja auch als sicher gepriesen wurden)?

    Herbstlicht
    schrieb am 10.09.2008 um 23:20

    Zwar bin ich kein Teilchenphysiker aber zu den Schwarzen Löchern kann ich etwas sagen. Bei den verfügbaren Energien können NIE Schwarze Löcher wie sie (bisher auch nur indirekt, wie auch sonst;) ) im All beobachtet wurden erzeugt werden. Diese ("wirklichen") schwarzen Löcher werden von Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie vorher gesagt. Die Diskussion um die Mini Schwarzen Löcher basiert darauf, dass es in der Grundlagenphysik einige, ach was, sehr viele schwere ungelößte Probleme gibt (momentan ist es fast so wie um die vorletzte Jahrhundertwende, als dann Quantenmechanik und Relativitätstheorie entstanden.)
    Beim Versuch diesen Probleme bei zu kommen und die verschiedenen Zweige der Physik zu vereinheitlichen wurden einige, bisher aber rein spekulative Theorien entwickelt, das soll heißen, sie sind bisher noch absolut nicht experimentell getestet (und ich würde sagen sie sind Mist, das ist aber nur meine Meinung).
    Innerhalb dieser theoretischen Überlegungen sollte es möglich sein Mini Schwarze Löcher schon bei viel geringeren Energien zu erzeugen, als dies nach Einsteins Theorie möglich wäre. Jedoch sagen eben diese Theorien auch vorher, dass diese Schwarzen Löcher vollkommen ungefährlich wären, da sie extrem schnell "verdampfen" (besser wohl zerstrahlen). Die Diskussion wurde hier wohl dadurch befruchtet, dass man sich aus jeder Theorie das Stückchen heraus pickt, dass einem am besten gefällt um eine Höllenszenario zu generieren.
    Natürlich können die Experimente am CERN ein Risiko bergen, aber dieses ist nicht, wie so oft behauptet wurde, theoretisch und erst recht nicht experimentell begründet. Im Kosmos, sogar in unserer "unmittelbaren" Nähe finden ständig Prozesse mit weitaus höheren Energien statt, würden diese zu den im Internet kursierenden Effekten führen, dann hätte man sie schon tausendfach beobachtet. Sicher das klingt wie das Argument "Atomkraft ist sicher" (was sie natürlich nicht ist).
    Nur nochmal, es gibt nichtmal Hinweise, dass so etwas wie die beschworenen Horrorszenarien im Universum passiert (und diese Ereignisse müßten dann wohl recht häufig sein), noch sagt die Theorie auch nur annähernd so etwas vorher.
    Ich halte das für einen Effekt des Internets.

    Noch ein letzter Satz zur Sicherheit. Der LHC birgt wie alles im Leben eine Restunsicherheit, denn man wagt sich auf neues Terrain vor. Neu allerdings nur für uns und hier auf der Erde. Außerdem hat man sich lange damit befasst bevor man überhaupt einen Fuß in die Richtung setzte und geht kontrolliert und sehr langsam Schritt für Schritt. Das ist eine Eigenschaft die man bei wirtschaftlicher oder militärischer Nutzung der Physik vergebens suchen wird.

    Allerdings ist die Diskussion teils auch ein gutes Zeichen und hilfreich, wenn sie nur nicht teilweise aus der "Lust auf Katastrophen" und dem "aufpeppen des eigenen faden Lebens vor dem PC" zustande gekommen wäre. Eine ähnlich engagierte Diskussion würde ich mir in anderen Bereichen wünschen, nur dort ist sie unpopulär, weil dabei keine Horrorgeschichten erfunden werden könne und man auch das eigene Verhalten ändern müßte.

    Herbstlicht
    schrieb am 10.09.2008 um 23:27

    achso tut mir leid für´s Klugscheißen aber
    das Titelthema ist falsch, Atomphysik ist das absolut nicht, eher Teilchenphysik/Hochenergiephysik
    Die Bezeichnung Atomkraftwerk ist aber genauso irreführend, denn man macht sich die Zerfälle von Kernen zunutze.

    ronrin
    schrieb am 11.09.2008 um 08:25

    Wenn ich dann jetzt auch einmal was sagen darf :D

    Das LHC ist eine großartige Leistung und wahnsinnig wichtig für die Wissenschaft und so haben die Menschen doch schon immer mit sehr viel Angst reagiert wenn sie an der Schwelle zu einer neuen und sehr bedeutenden Errungenschaft der Technik oder Wissenschaft standen ("Fahre nicht ans Ende der Welt, denn Du fällst von der Scheibe"; "Fahre nicht schneller als 30kmh, denn dann wirst Du sterben"; "Der Mensch ist nicht in der Lage schneller als der Schall zu reisen"; und und und und und).
    Ich als Europäer bin erst einmal eines: Ganz ganz ganz doll stolz auf unsere Wissenschaftler und irre gespannt was das alles für uns bedeuten wird.

    Und wenn man dann doch gar nix rausfindet, so hat der LHC doch jetzt schon etwas ganz hervorragendes vollbracht:
    Die ganze Welt redet plötzlich über Physik und jede Hausfrau beschäftigt sich auf einmal neugierig mit der Welt von Quantenphysik bis String-Theorie :cool:

    Tymmi
    schrieb am 11.09.2008 um 08:33


    Und wenn man dann doch gar nix rausfindet, so hat der LHC doch jetzt schon etwas ganz hervorragendes vollbracht:
    Die ganze Welt redet plötzlich über Physik und jede Hausfrau beschäftigt sich auf einmal neugierig mit der Welt von Quantenphysik bis String-Theorie :cool:



    Genau!
    Ich hatte Physik zwar abgewählt, als ich vor der Entscheidung stand, ob Physik oder Bio, aber ich habe mich viel damit nach dem Abitur beschäftigt, da ich damals mit einem Physiker zusammen war. Damals schon war die Rede davon, solch einen Teilchenbeschleuniger zu bauen, um diesen Urknall zu rekonstruieren, daher finde ich es interessant, dass es endlich geklappt hat und dieser Beschleunigungstunnel auch auf Anhieb funktioniert.
    Es hat rein garnichts mit Atomphysik zu tun, es sind eben nur kleinste Teilchen, die aufeinanderstoßen und dann neue Dinge daraus entstehen, die den Tunnel nicht verlassen können.
    Daher verstehe ich die ganze Aufregung nicht, zudem ein Physiker ganz deutlich gesagt hat, dass es Mompitz ist, diese Behauptung, dass das gefährlich sei.
    Wer sich damit auskenne, würde sowas nicht behaupten.

    Ich glaube daran, weil ich es weiß und nachvollziehen kann und hoffe, dass es viele solcher Menschen gibt hier, die das genauso sehen.

    Mit netten Grüßen
    Tymmi

    Jörn Schramm
    schrieb am 11.09.2008 um 09:29

    Außer ein paar durchgeknallten Physikern interessiert doch kein Mensch, was bei diesen Experimenten heraus kommt. Warum wir entstanden sind? Ist doch völlig gleich, wir sind hier!

    Was wir aber aus unserem Hier-Sein machen, das wäre eine Frage, die zu klären sich langsam einmal lohnt. Die Milliarden-Beträge, die in dieses Experiment fließen, sie wären gut angelegt gewesen in der Erforschung neuer Technologien: Autos, die mit weniger oder ganz ohne Sprit auskommen; Intensive Nutzung erneuerbarer Energien; Förderung und bessere Erforschung biologischer Anbaumethoden in der Landwirtschaft; und und und...

    Wie viel Hungernde auf dieser Welt hätte man mit diesen Milliarden wie lange satt machen können? Aber nein: Unsere abgehobenen Forscher haben wieder ein neues Lieblingsspielzeug gebraucht, und wir alle helfen über unsere Steuern auch noch mit, das zu finanzieren!

    Es ist zum Heulen!:mad:

    h.yurén
    schrieb am 11.09.2008 um 09:30

    es ist den propagandisten gelungen, etwas, wovon mehr als 90% der bevölkerung nichts versteht, so interessant zu machen, dass nun alle welt von dem milliardengrab cern und seinen experimenten gehört hat.
    wenn einige beiträger hier meinen, cern habe nichts mit atomphysik zu tun, sollten sie vielleicht mal den ganzen namen der einrichtung lesen, besonders das n von cern ausbuchstabieren. die protonen, die auf die kreisbahn gezwungen wurden, waren wahrscheinlich in wirklichkeit knicker oder tennisbälle;)

    Benjamin_L
    schrieb am 11.09.2008 um 09:49

    Außer ein paar durchgeknallten Physikern interessiert doch kein Mensch, was bei diesen Experimenten heraus kommt. Warum wir entstanden sind? Ist doch völlig gleich, wir sind hier!

    Was wir aber aus unserem Hier-Sein machen, das wäre eine Frage, die zu klären sich langsam einmal lohnt. Die Milliarden-Beträge, die in dieses Experiment fließen, sie wären gut angelegt gewesen in der Erforschung neuer Technologien: Autos, die mit weniger oder ganz ohne Sprit auskommen; Intensive Nutzung erneuerbarer Energien; Förderung und bessere Erforschung biologischer Anbaumethoden in der Landwirtschaft; und und und...

    Wie viel Hungernde auf dieser Welt hätte man mit diesen Milliarden wie lange satt machen können? Aber nein: Unsere abgehobenen Forscher haben wieder ein neues Lieblingsspielzeug gebraucht, und wir alle helfen über unsere Steuern auch noch mit, das zu finanzieren!

    Es ist zum Heulen!:mad:


    Ich verstehe nicht warum die Wissenschaft immer als Sündenbock für das Leid der Welt herangezogen wird. Die Ausgaben für Krieg und Militär übersteigen die Ausgaben für wichtige Forschung bei weitem, dennoch kritisieren manche Leute immer an der meiner Meinung nach falschen Stelle, Raumfahrt, LHC, alles unnötig und Geldverschwendung? Finde ich gar nicht, Wissenschaft ist wichtig für die Wissensfindung der Gesellschaft.

    Wenn man bedenkt, dass es in der Welt genug zu Essen gibt, eigentlich, und das Problem "nur" die Verteilung ist, dann versteh ich es noch weniger. Die Probleme könnten heute gelöst werden, wir brauchen keine Sündenböcke, sondern Mut und Wille etwas anzupacken. Und ich glaube den meisten Naturwissenschaftlern geht es nicht um den Ruf, sondern etwas herauszufinden was die Menschheit noch nicht wusste, von daher bin ich gegen eine Verurteilung bestimmter Forschungsbereiche.

    Susanne Apfel
    schrieb am 11.09.2008 um 10:02

    Guten Morgen nach Utopia,

    Wissenschaft ist wichtig-sehr wichtig! Als Gesellschaftswissenschaftlerin ist mir dieses Gebiet natürlich ein bisschen fern. Das Projekt verdient aber natürlich seine Anerkennung. An der STelle frage ich mich nur: warum wird über den Ursprung des Lebens geforscht, während wir uns dabei befinden unser Leben auf der Erde ernsthaft in Gefahr zu bringen.
    Ein solches Experiment macht mir nur bewusst, dass die prekäre Lage des Globus aufgrund der Umweltzerstörung immer noch erfolgreich verdrängt wird. Ich kann da nur hoffen, dass es bald auf Basis einer europäischen Bürgerinitiative eine Kampagne initiiert wird, die das Bewusstsein weiter schärft... und am Besten ein Jahr der Wissenschaft zum Thema: Umweltzerstörung stoppen-radikal-jetzt-für die Zukunft aller.
    Lg -Susanne Apfel-

    Christian.Rauch
    schrieb am 11.09.2008 um 10:07

    Wie wärs wenn wir das Thema mal von der anderen Seite angehen...

    Der Physikprofessor Bethke hat in dem SZ Interview ja geschrieben:
    dass es bei dem Experiment letztlich um die Frage gehe: "Warum sind wir überhaupt da?" Das sei nämlich, so Bethke weiter, "völlig mysteriös. Eigentlich dürfte es uns gar nicht geben."

    Nun, dass wir Menschen da sind, wird keiner von uns bestreiten. Also dann kann die Schlußfolgerung nur lauten, dass vielleicht die kosmologischen Modelle falsch sind, oder unvollständig, auf die sich Generationen von Physikern eingeschossen haben.
    Lassen wir uns mal auf Gedanken eines Jochen Kirchhoff und anderen ein, die Antworten suchen, nicht nur Formeln. Denn wer glaubt noch ernsthaft an x-dimensionale Räume, superdünne und megaschwere Strings und ähnlichem??

    Mal frei nach Steven Weinberg:
    »Man kann sich stets schwerlich vorstellen, dass die Zahlen und Gleichungen, mit denen wir an unseren Schreibtischen spielen, etwas mit der wirklichen Welt zu tun haben.«
    Steven Weinberg, Nobelpreisträger der Physik

    Anja S.
    schrieb am 11.09.2008 um 12:16


    "wenn einige beiträger hier meinen, cern habe nichts mit atomphysik zu tun, sollten sie vielleicht mal den ganzen namen der einrichtung lesen, besonders das n von cern ausbuchstabieren."


    Wenn man CERN mal "ausbuchstabiert", kommt da "Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire" heraus.
    Nukleus ist der Kern. Voilà, Kernphysik!
    Falls es nicht geläufig ist, Atomphysik ist nicht gleich Kernphysik.


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