Kernenergie

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Einfaches Mittel zur Abschaffung der Atomkraft - Mitmachen!

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Carlsen
schrieb am 13.07.2008 um 22:29

Liebe Leute,

Es gibt theoretisch ein einfaches Mittel, um die Atomkraft abzuschaffen.

Die Atomwirtschaft genießt ein goldenes Privileg. Anders als alle anderen Sparten in der Wirtschaft muss sie keine volle Haftpflichtversicherung für Schäden aus ihrem Geschäftsbetrieb abschließen.
Eine nie deutlich an die Öffentlichkeit gekommene Studie der Prognos AG Basel, verfasst im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums, schon aus dem Jahr 1992, errechnet enorme Preisaufschläge auf die Kilowattstunde Atomstrom. Würde hier die Gleichbehandlung eingeführt, wären Atomkraftwerke mit einem Schlag unrentabel, weil deren Strom je nach Rechnungsart zwischen 0,5 und 2 Euro kosten müsste.
Momentan genießt Atomstrom den Ruf, billig zu sein, nur deshalb, weil die Kraftwerksbetreiber die Kosten für Schäden aus dem Normalbetrieb, wie auch die eventuellen Schäden durch einen Unfall, fast komplett auf die Allgemeinheit und die nachfolgenden Generationen abwälzen können.

Auf der Website der Initiative www.atomhaftpflicht.de, einer Kampagne getragen von der Ärzteorganisation IPPNW, der Neuen Richtervereinigung NRV, dem Bund Naturschutz in Bayern und dem BUND, kann man für die Einführung dieser vollen Haftpflicht unterschreiben.

Es wäre toll und ist gerade jetzt enorm wichtig, wenn möglichst viele UtopianerInnen dies tun würden. Etliche Persönlichkeiten aus Politik und Wissenschaft, Prominente und Unternehmen haben es schon getan.

Die besagte Prognos-Studie gab es bisher nicht im Internet. Die Organisation Zukunftslobby hat sie besorgt, eingescannt und auf der Website veröffentlicht. Wer sich dafür interessiert findet sie unter www.zukunftslobby.de\Tacheles\prognstu.html.

Gruß von Carlsen

    Gorgeus
    schrieb am 13.07.2008 um 23:37

    Gute Idee, habe ich unterschrieben. Natürlich wird das so nicht kommen. Aber es erhöht den Druck, zumindest beim beschlossenen Ausstieg keine Rolle rückwärts zu machen.

    Gruß

    Suzy
    schrieb am 14.07.2008 um 01:46

    Thanks for the link.
    I got so angry :mad: when I read the Kernenergie thread yesterday, this was just what was needed to act from a distance now. At least it is obvious that some people over there are still sane! :)
    Suzy

    Diana K.-Riechers
    schrieb am 14.07.2008 um 08:49

    Habe unterschrieben.
    Ich denke, das ist ein richtiger Weg, wenn alle Schäden vom Erzeuger abgedeckt sein müssen.
    Das ist doch im normalen Leben auch so.
    Jeder Autofahrer hat eine Haftpflicht.
    Da springt im Notfall doch auch nicht einfach so der Steuerzahler ein.
    Und ich möchte nicht, dass mein Geld für die Folgen dieser verflixten Atompolitik verwendet wird.
    Ich möchte, dass das Geld für Besseres verwendet wird.

    Blindschleiche
    schrieb am 14.07.2008 um 10:31

    Hier noch mal der Link zur Studie:

    "IDENTIFIZIERUNG UND INTERNALISIERUNG EXTERNER KOSTEN DER ENERGIEVERSORGUNG"

    im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft

    Prof. Dr. Hans-Jürgen Ewers, Klaus Rennings Universität Münster
    ABSCHÄTZUNG DER SCHÄDEN DURCH EINEN SOGENANNTEN "SUPER-GAU"

    Basel, im April 1992

    Für alle, die viel lesen wollen!

    Perma Natur
    schrieb am 14.07.2008 um 14:29

    Ja, danke für diesen Beitrag, der zeigt, dass auch ich wieder so naiv war, zu glauben, dass hier eine einfache Lösung in Sicht und zu erzwingen wäre:rolleyes:

    Aber trotzdem ist es eine gute Aktion, weil sie vielleicht mit im Stande ist, so viel Druck aufzubauen, dass die Diener des Volkes sich mal konkrete Gedanken machen, ob sie wirklich gegen den Willen "des Voklkes" Verlängerungen durchsetzen wollen.

    Hoffend
    Johanna

    Carlsen
    schrieb am 14.07.2008 um 22:54

    Heinrich Kranz scheint in der Kampagne auf atomhaftpflicht.de eine Konkurrenz für seinen eigenen Vorschlag mit den Risiko-Zertifikaten zu sehen.
    Als ich die volle Haftpflicht als ?einfaches Mittel zur Abschaffung der Atomwirtschaft? bezeichnete, sprach ich ausdrücklich von einem ?theoretischen? Mittel.
    Gorgeus hat völlig recht wenn er sagt, dass dies so nicht kommen wird.

    Es geht dabei auch eigentlich um etwas ganz anderes.
    Wir sind unter den Regeln der derzeitigen Ökonomie, um hier nur mal die Formen der Energieerzeugung zu betrachten, ja ausschließlich deshalb in den großen Schlamassel geraten, weil seit Jahrzehnten der Wettbewerb unter den verschiedenen Energieträgern völlig verzerrt ist: Die Energieerzeugung aus Kohle, Öl, Erdgas und Atomkraft, konnte sich nur deshalb so enorm entwickeln, weil die Schädigung der natürlichen Lebensgrundlagen dabei fast völlig ausgeklammert werden konnte.
    Wären diese Schadkosten von Anfang an in die jeweiligen Preise jeder Kilowattstunde integriert worden, Berechnungsmethoden dafür gibt es seit etwa 30 Jahren, hätte ein dadurch einigermaßen fairer Wettbewerb dafür gesorgt, dass wir erstens heute mit sehr viel weniger Energie auskämen und dass zweitens diese zu vielleicht 75 % heute schon aus regenerativen Quellen stammen würde.

    Bei der Atomkraft werden gegenwärtig sowohl die meisten Schädigungen aus dem Normalbetrieb als auch die möglichen Schäden nach einem Unfall auf die Allgemeinheit abgewälzt. Nur deshalb ist Strom aus Atomkraft überhaupt bezahlbar.

    Mit der Forderung nach einer vollen Haftpflichtversicherung wird der Versuch gemacht, den zweiten Teil der bisher externalisierten Schadkosten in den Preis des Atomstroms zu integrieren. Auch wenn dieses wahrscheinlich nicht umgesetzt werden würde, könnte man damit ungeheuren Druck machen.
    Die Tatsache, dass die Atomwirtschaft ihre Profite im Prinzip ausnahmslos mittels Ausbeutung unserer Nachkommen macht, würde der Öffentlichkeit voll bewusst werden. Die Gegner der Atomkraft bekämen ein starkes Argument.
    Würde die volle Haftpflichtversicherung gar umgesetzt, flöge die Atomkraft ersatzlos vom Markt.

    Zertifikatregelungen dagegen sind nichts als willkürliche, undefinierbare bürokratische Monster, die von der Energielobby und den nahestehenden Politikern und Wirtschaftswissenschaftlern erfunden wurden, damit sich eben nichts Einschneidendes ändern muss. Auch ?Risiko-Zertifikate? sind kein handhabbares Instrument.
    Heinrich hätte, bevor er seine grobe Berechnung anstellte, doch einfach mal in die Prognosstudie reinschauen sollen. Auch sind seine Überlegungen zur Vergangenheit hinfällig. Keinesfalls würden die Atomwerker nochmals subventioniert, vielmehr würden Subventionen durch Verlust der Atomkraft endlich in die richtigen Kanäle fließen, nämlich zur beschleunigten Weiterentwicklung der regenativen Energiequellen und verbesserten Möglichkeiten zu Energieeinsparung und -verzicht.

    Logisch! - Carlsen

    Perma Natur
    schrieb am 15.07.2008 um 23:21

    Wenn diese Meldung von den Massenmedien gebracht werden würde, wäre sie M. E. geeignet, die Akzeptanz der AKW's wieder zu mindern und die Ablehnung der Kernkraft zu festigen.

    http://www.eco-world.de/scripts/basics/econews/basics.prg?a_no=18195

    Aber ich glaube nicht, dass dies passiert.... um so mehr Menschen sollten diese Forderung unterschreiben. Der Druck muss aus möglichst vielen Richtungen kommen und stark werden.

    LG
    Jo

    Carlsen
    schrieb am 16.07.2008 um 10:19

    Lieber Heinrich,

    wir wollen uns nicht streiten, wo wir doch eigentlich an einem Strang ziehen. Auch ich kämpfe schon seit fast 25 Jahren, nicht nur gegen die Atomkraft, sondern ganz allgemein für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen.
    Nach unzähligen Texten, qualitativ hochwertigen von besorgten Fachleuten und mitfühlenden Laien und von ideologisch durchsetzten von Opportunisten und Ignoranten aus Politik, Wirtschaft und Ökonomie, bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass sich fast alle ökologischen und viele soziale Probleme der Gegenwart mit einer Klappe schlagen lassen.
    Schlüsselwort hierbei ist die Internalisierung externer Kosten, auf Deutsch: Alle auf die Allgemeinheit und die nachfolgenden Generationen abgewälzten ökologischen Schadkosten müssen von vorne herein in die Preise der verursachenden Produkte und Dienstleistungen eingerechnet werden. Hierzu gibt es mittlerweile schon sehr umfangreiche Berechnungsmethoden.

    Bei der Atomkraft werden seit jeher sowohl die realen Schadkosten auf die Allgemeinheit abgewälzt, etwa beim Bau der Kraftwerke, der Kühlwasserentnahme, dem Uranabbau, der Lagerung der Abfälle, dem Polizeischutz von Transporten, usw., als auch die möglichen Schadkosten durch Havarie der Endlager und eben halt durch die Möglichkeit eines Kernschmelzunfalls, der laut Professor Ewers in der besagten Studie im Biblisfall über 10 Billionen Mark, also mindestens 5000 Milliarden Euro kosten würde.

    Die geforderte Haftpflichtversicherung wäre also ein Teil des längst überfälligen Internalisierungsgebots und diente zur Herstellung von Kostenwahrheit, bzw. zur Herstellung eines endlich fairen Wettbewerbs zwischen den verschiedenen Arten der Energieerzeugung.

    Die Forderung nach vollständiger Internalisierung von Schadkosten ist auch der mit Abstand wichtigste Faktor bei der Frage nach Kriterien für ein nachhaltiges Wirtschaftssystem. Und, um noch einmal auf deine Bemerkung, - ?Wir werden sie nur mit ihren eigenen Waffen schlagen können? -, zurück zu kommen:
    Internalisierung ist, wirtschaftstheoretisch gesehen, das oberste Gebot der Marktwirtschaft, weil Externalisierung, also das Abwälzen von Kosten auf Dritte, immer eine Subventionierung darstellt. Gegen Subventionen, das können wir in den Medien tagtäglich beobachten, wettern diese selbst ernannten Marktwirtschaftler doch so gerne, besonders wenn es um regenerative Energien und das Sozialsystem geht.
    Nehmen wir sie doch beim Wort und verweigern wir ihnen den bei weitem größten Subventionsblock, die Bezuschussung durch eine nicht gefragte Gruppe von Mitbürgern aus der Zukunft.
    Bevor wir dies allerdings können, müssen wir das Thema Internalisierung, wovon die volle Haftpflicht für Atomkraft ja nur ein Teil ist, öffentlich diskutieren und als oberste Grundlage für die gesuchte nachhaltige Ökonomie ins öffentliche Bewusstsein bringen.

    Grüße vom Zukunftslobbyisten Carlsen

    Carlsen
    schrieb am 18.07.2008 um 10:36

    Lieber Heinrich,

    du fragst mich, wie wir verhindern können, dass man uns wieder einmal ?unsere Ideen um die Ohren haut?.

    Was die Atomkraft angeht, so fällt mir auch nichts besseres ein, als Druck zu machen, sich dafür einzusetzen, dass möglichst viele Menschen beispielsweise Risikozertifikate oder eine volle Haftpflichtversicherung fordern.

    Allerdings glaube ich, und jetzt sprenge ich den Rahmen dieser Forumslinie, dass es sehr viel effektiver ist, auch die anderen Probleme, die aus unserer Art zu wirtschaften für die natürlichen Lebensgrundlagen entstehen, mit zu betrachten:
    Warum gibt es in erster Linie umweltschädliche Energieerzeugung und nicht umweltfreundliche? Wie konnte es kommen, dass wir derart viel Energie benötigen?
    Warum ist die menschliche Arbeitskraft im Wettbewerb mit technischer Arbeitskraft, die Strom und Treibstoff braucht, meist unterlegen? Warum lohnt sich die Produktion von Dingen, die viel Müll hinterlassen? Warum ist konventionelle Landwirtschaft billiger als ökologische? Warum werden die Regionen immer mehr abgehängt und warum gewinnen zunehmend die Zentren?
    Wieso hat sich unsere Gesellschaft in die Abhängigkeit von Rohstoffverbrauch hinein entwickelt, statt zu einer wirklich nachhaltigen Konsumgesellschaft mit weniger Dingen aber mehr Lebensqualität? Usw., usf.

    Die Antwort auf all diese Fragen ist:
    Weil die Produzenten und Konsumenten innerhalb der herrschenden Ökonomie nicht den vollständigen Preis für konventionelle Produkte und Dienstleistungen des Alltags bezahlen müssen.
    Ein immer größerer Teil der eigentlichen Gesamtkosten, wenn man die gesellschaftlichen Folgekosten mit einrechnet, konnte in den letzten Jahrzehnten auf die Allgemeinheit und in den Zuständigkeitsbereich der nachfolgenden Generationen verschoben werden, ökonomisch gesprochen, sie wurden externalisiert.
    Bei diesen Generationen kommen die ökologischen und sozialen Schadkosten dann einmal an und müssen von diesen dann, so oder so, bezahlt werden.

    Auch für diese Schäden gibt es massenhaft Beispiele, und am besten können wir dies verstehen, wenn wir die Probleme beziffern, die uns selbst von der vorangegangenen Generation hinterlassen wurden.
    Ebenfalls massenhaft Beispiele wie: belastete Böden, ungesundes Trinkwasser, -um Asse 2 womöglich bald großflächig radioaktiv verseucht-, verarmte Natur, vermüllte Meere und Landschaft, zu viel CO2 und noch hundert andere Schadgase in der Athmosphäre, Extremwetter, geschädigte Wälder, fehlende angepasste Infrastrukturen, etc.
    Wir sind dazu verdonnert das zahlen, was die Generation vor uns als Verursacher gespart hat. So belastet eine Generation die nächste, bis die Sache sich derart zugespitzt hat, dass irgendwann ein normales Leben nicht mehr möglich ist, weil alles Geld für Schadensbehandlung drauf geht.

    Der Grund fast allen Übels in der jetzigen Industriegesellschaft ist die Möglichkeit, externalisieren zu können. Genau hier müssen wir ansetzen. Genau im Unterbinden von Externalisierung liegt das Hauptmerkmal einer nachhaltigen Ökonomie.
    Wir müssen, wie es auch in der besagten Prognosstudie auf die Kernkraft bezogen ist, Monetarisieren und Internalisieren, auf Deutsch, wir müssen alle voraussehbaren Schäden aus der Herstellung von Dingen oder Bereitstellen von Dienstleistungen berechnen, beziffern und in die Preise der jeweiligen Produkte ganz individuell und sofort einfügen.

    Wenn wir dies fordern ist es unmöglich, uns diese Idee um die Ohren zu hauen.
    Erstens haben wir wirtschaftswissenschaftlich recht, weil nur durch Internalisierung Marktwirtschaft auf Dauer überhaupt funktionieren kann und zweitens verfassungsrechtlich, weil Externalisierung, neben anderen Grundrechtsverstößen, im Prinzip eine besonders schwere Form von Diebstahl darstellt.

    Wie komme ich jetzt aber wieder zum Thema zurück?
    Wie gesagt, wir müssen eine nachhaltige Wirtschaft skizzieren und überlegen, wie wir dort hin kommen.
    Mit Risikozertifikaten kann man die Zusammenhänge nicht erklären, mit entlarvter Externalisierung und notwendiger Internalisierung aber schon. Deshalb favorisiere ich den Vorschlag mit der Haftpflichtversicherung für AKWs als eine Form von Internalisierung.

    Wenn du dich, über die Atomseuche hinaus, für Antworten auf Fragen interessierst, die bei meinen Ausführungen sicherlich aufgetaucht sind und für Details, dann lies doch einmal die Analyse und den ökonomischen Entwurf unserer NGO.
    Zukunftslobby.de hat vor, die Bundesrepublik Deutschland zu verklagen, weil diese eine Ökonomie duldet und befördert, welche die Lebensgrundlagen der nachfolgenden Generationen zerstört.

    Grüße vom Zukunftslobbyisten Carlsen

    Andrea B.
    schrieb am 18.07.2008 um 13:54

    Mir gefällt Carlsens Gedanke an eine Haftpflichtversicherung als Teil der geforderten Internalisierung. Die Frage nach der Umsetzung und der konkreten Durchführung, wie sie Heinrich anführt, ist hierbei jedoch enorm wichtig, und in vorliegendem Thread noch nicht beantwortet. Vielleicht kannst du hier noch etwas dazu sagen, @Carlsen?

    Denn in anderen Bereichen wird oftmals keine Haftpflichtversicherung abgeschlossen, weil sie eben zu teuer ist (in Erdbebengebieten beispielsweise, oder in Gebieten mit erhöhter Hurrikane-Gefahr, oder ganz simpel im Mietwagen Bereich für eine Fahrt nach Polen) oder weil keine Versicherungsgesellschaft die Risiken übernehmen möchte. Was wäre in diesem Fall dann zu tun? Ich kann mir nicht vorstellen dass das Gesetz so weit gehen wird dass ein AKW abgeschaltet wird wenn der Betreiber nachweisen kann dass niemand ihn versichern möchte. Und dann ändert sich ja wieder nichts.


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