Kernenergie

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Kernkraft = Ökoenergie?

sebastian77
schrieb am 25.06.2008 um 16:46

Wie in den Medien zur Zeit zu hören ist, setzt die CDU nun auf Öko. Die CDU will verstärkt auf Kernenergie in Deutschland setzten und bezeichnet sie als Ökoenergie. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagt: "Sie (Kernenergie) ermöglicht es, den Zeitraum zu überbrücken, bis neue klimafreundliche und wirtschaftliche Energieträger in ausreichendem Umfang verfügbar sind."

Und wann soll das sein? So schnell wird es keine solchen Alternativen geben, sollte Kernkraft aber wirklich als Überbrückung genutzt werden? Was meint ihr?

    Christian Silberhorn
    schrieb am 25.06.2008 um 17:04

    Ich habe das nachfolgende schon im Strang "Illusion Ökostrom" geschrieben, hier passt es noch besser:

    Ich möchte darauf hinweisen, daß unser Staat nicht nur nahezu sämtliche Forschungsausgaben auf dem Gebiet der Atomkraft trägt, sondern auch alle Kosten für die (immer noch nicht gesicherte) Endlagerung.
    Viel wichtiger aber: Unser Staat stellt die Betreiber von allen Haftungsrisiken frei! Der Staat übernimmt sämtliche Kosten aus Atomunfällen - auch bei denen in anderen Staaten (siehe Tschernobyl). Zuständige Behörde ist das Bundesverwaltungsamt in Köln.
    Müssten die Atomkraftwerksbetreiber die Risiken selber tragen bzw. sich dagegen versichern, dann gäbe es keine Atomkraftnutzung. Die Kraftwerke würden sofort abgeschaltet, von jetzt auf gleich.

    Ohne Forschungsaufwendungen, ohne Endlagerkosten und ohne Haftungsriskiken haben sich Atomkraftwerke innerhalb kürzester Zeit (ca. 2 Jahre) amortisiert. Sie sind dann für die Betreiber wahre Gelddruckmaschinen. Angeblich notwendige Laufzeiten von 30 Jahren oder mehr sind der vollständige Blödsinn. Es geht nur um riesige Mengen leicht verdienter Knete. Damit kann man sich dann auch politische Unterstützung einkaufen (Wirtschaftsminister Glos hat schon mal angefangen und die CDU will dies zum Wahlkampfthema machen!). Laßt Euch nicht verarschen!

    Anmerkung: Das oben beschriebene, heute noch immer gültige Szenario hat der ehemalige Atomminister Strauß durchgesetzt, der nach seiner Amtszeit als Atomminister in diversen Aufsichtsräten der Betreiber saß. Aus einfachen familiären Verhätnissen stammend, hat dieser Herr, der zeitlebens nur Politiker war, seinen Nachkommen offiziell 90 Millionen DM vererben können.

    Gruß
    Christian

    P.S. Die Risiken der Atomkraft (wie auch die der Gentechnik und der "Fusionsreaktoren") sind immens hoch und nicht beherrschbar. Es wird immer wieder versucht, uns die technische Beherrschbarkeit vorzugaukeln. Die Schwachstelle ist und bleibt aber der Mensch und das menschliche Handeln. Ich empfehle dringend das Buch von Dietrich Dörner "Logik des Mißlingens" ISBN 3-499-19314-0

    Dziga
    schrieb am 25.06.2008 um 18:39

    Es sind immer wieder die gleichen Märchen, die von der Atomlobby in die Welt gesetzt werden. Wie lange soll dieser angebliche Übergang denn noch dauern? Bis genug Profit mit den längst abgeschriebenen Atomkraftwerken eingefahren wurde?
    Die wirklichen (enormen) Kosten für die Atomenergie werden die nachfolgenden Generationen zu zahlen haben. Was bei all diesen heutigen Aussagen und Berechnungen immer wieder unter den Tisch fällt ist der erzeugte Abfall, der Atommüll und die mit seiner Behandlung und Beseitigung (läßt er sich überhaupt sicher beseitigen?)verbundenen Risiken. Nicht nur die Produktion von Atomstrom ist mit enormen Risiken verbunden, das Abfallhandling ist ebenso voller Risiken und Unwägbarkeiten. Wem muten wir das zu?
    Ich weiß, man könnte abgewandelt sagen "was ich nicht sehe macht mich nicht heiß", aber dieser Müll ist heiß, sehr heiß und wird heiß bleiben, denn es gibt bis heute weltweit kein einziges funktionierendes Entsorgungskonzept. Der Atommüll ist so heiß, daß er zunächst 40 Jahre abkühlen muß, bevor überhaupt etwas damit gemacht werden kann. Warum also jetzt schon Konzepte entwickeln, es ist ja noch so lang hin, das werden Andere für uns lösen (müssen). Wie lang war doch gleich eine Legislaturperiode?
    Niemand weiß wohin (letztendlich) mit dem Dreck und wir produzieren munter weiter, ist ja so günstig und so CO2 freundlich. Versteckt wird der Müll dann in einer besseren Kartoffelscheune im Wendland und nicht in den Vorgärten der Atombefürworter.
    Es gibt kein realistisches Entsorgungskonzept und desshalb auch keine überzeugenden, bzw. belastbare Daten für die dabei entstehenden Kosten.
    Vorrangig muß sein: deutlichere Energieeinsparung, bessere Energieeffizienz und konsequente Weiterentwicklung der erneuerbaren Energien. Eine weitere effektive langfristige Maßnahme wäre die Dezentralisierung der Energieerzeugung. Wenn all dies intensiv betrieben wir können "sicher" einige AKWs eingespart werden.

    Jeder Tag Kernenergie ist ein Tag zuviel.

    Ich kann Christian nur zustimmen, laßt euch nicht verarschen!

    Beste Grüße
    aus dem Atomklo der Nation
    Dziga

    Burnie
    schrieb am 25.06.2008 um 18:56

    Sehr richtig, Christian, Sebastian!

    Nur um mal was zu beziffern.. die Sache mit der Wismar kostet aktuell wieder mal 6 Milliarden Euro Steuergelder... ob das schon alles sein wird.. weis keiner!?

    Auch wenn das jetzt nicht direkt die heutigen AKWs betrifft, doch das wird in anderen Uranabbaugebieten nicht anders kommen und die Sozialisierung der Kosten zeigt es deutlich!

    So muss möglichst schnell mit dieser unsicheren Technologie Schluss gemacht werden, denn jeder Tag länger potenziert die Folgekosten, die keiner heute bezahlt.
    Ebenso ist zentrale Stromerzeugung überholt, es gibt besseres und sinnvolleres.

    Diana K.-Riechers
    schrieb am 05.07.2008 um 22:47

    gucken: Climate of hope

    Sparky
    schrieb am 05.09.2008 um 23:43

    Markus, dein Horizont ist zu klein. Informiere dich, wie Uran gewonnen wird.

    Fusion übrigens mit einem "s", aber macht nix, der Rest vom Text war ja auch falsch.

    Zur Einstiegsfrage: bis die deutschen KKWs (nach dem Ausstiegsgesetz) abgeschaltet sind, werden wir sie auch nicht mehr brauchen. Keine Stromlücke, auch ohne Verlängerung der Laufzeiten. Die Technologie der Regenerativen ist da. Wir müssen nur bauen bauen bauen. Das sollte nicht zuviel verlangt sein wenn manch einer über KKW-Neubauten nachdenkt...

    Jeder einzelne Bürger zahlt Atomstrom nicht nur über den Stromzähler sondern zusätzlich über Steuern. Allein die Finanzierung von Atomkraftwerken reicht als Argument völlig aus, um die Teile völlig ins Abseits zu schießen. Und Leute wie die Herren und Damen der CDU lügen jeden Tag dreckig in die Kamera dass es kracht. Dem Glos mag ich ja noch abnehmen, dass er das alles nicht versteht. Der Merkel nehme ich es übel. Und jeder unserer Volksvertreter, der da im gleichen Ton mitplappert verfügt, nicht über das Mindestmaß an Intelligenz und sozialer Kompetenz, um in solche Positionen zu dürfen.

    Stephymeph
    schrieb am 06.09.2008 um 00:15

    Und eine Fusion fusioniert immer noch mit einem s.

    Sparky
    schrieb am 06.09.2008 um 01:19

    @ Markus
    Ich sprach nicht von den Eigenschaften von Uran, sondern wie Uran gewonnen wird. Schau dir mal an, wie die Umgebung von Uranminen aussieht. Wie groß ist der Energieaufwand beim Aufbereiten von Uran, wieviel Wasser wird dabei verbraucht? Wie aufwändig ist das Herstellen von Brennstäben?
    Dann reden wir richtig über den "geringen Materialeinsatz" und über die "geringen Emissionen von Abgasen".

    Warten wir erst einmal ab, bis das letzte AKW abgeschaltet ist (oder nach dem Ausstiegsgesetz sein soll), kann noch viel passieren und es werden noch einige Bundesregierungen kommen und gehen.
    Genau, warten wir ab bis zum Atomausstieg. Die Weichen sind längst gestellt in die richtige Richtung, Atomenergie wird sich nicht mehr rechnen. Alles andere wird billiger sein. Das einzige Ziel der 4 großen Betreiber ist, ihre Goldesel länger laufen zu lassen. Um nicht mehr oder weniger geht es. Bis zum Ausstieg sind alle mit ihren Standbeinen schon längst auf den Regenerativen und freuen sich noch ein paar Jahre über den Atombonus in der Jahresbilanz. Ab dann wird noch ein paar Jahre fröhlich ins Ausland exportiert, bis auch da vorbei ist.

    ..weil die EVUs gezwungen werden, den Strom abzunehmen (ob sie nun wollen oder nicht) und dann noch irgendeine willkürlich festgelegte Vergütung an die Betreiber dieser Windräder zu zahlen.
    Richtig, denn das ist Subventionierung, wie sie Sinn macht. Durch die Anschubförderung über die nächsten Jahre wird z.B. Windenergie auf einen Stand gebracht, auf dem sie kostengünstig Strom produziert. Gleiches gilt für PV. Dass die Förderung ausläuft ist schon absehbar. Das ist aber auch sinnvoll, denn in einigen Jahren wird Ökostrom auf dem Preis von Atomstrom sein.
    Das hängt z.B. bei Photovoltaik damit zusammen, dass erstens die Hersteller von hochreinem Silizium zur Zeit noch Kapazitäten aufbauen und somit in den nächsten 5 Jahren der Si-Preis erheblich sinken wird. Außerdem werden neue Silizium-Aufbereitungstechnologien und neue Solarsilizium-Varianten auf den Markt kommen, die auf Dauer den höchst energieaufwändigen Reinigungsprozess (Siemens-Prozess) ersetzen (UMG-Silizium).
    Das nur ein Beispiel. Es geht rasend voran.

    Ja und, meinst Du denn, Du würdest weniger Steuern zahlen, wenn dem nicht so wäre, wohl nicht, dann würde das Geld sicher irgendwo anders hinfließen
    Erstens lieferst du das beste Argument: Richtig, es würde woanders hinfließen als zu RWE, EON, EnBW und Vattenfall. Und in veraltete Technologie mit horrenden Folgekosten (Rückbau, Endlagerung).
    Zweitens wäre sowieso jede andere Investition sinnvoller. Warum nicht Schulden tilgen?

    Da sollte man lieber die ollen, primitiven Spagel (Windräder) in den Wind schießen, die werden ja auch fleißig subventioniert, genauso wie die Photovoltaiganlagen. Sonst würden sich die ganzen Bauern ja nicht ihre Scheunendächer damit zupflastern.

    Statt dessen sollte lieber die Erforschung der Kernfussion gefördert werden.

    Ersteres habe ich dir beantwortet. Zu den Fusionsreaktoren: Schöne Technologie, wird aber nicht mehr gebraucht werden, wenn sieserienreif wird: 2055-2070
    Quelle: http://www.iter.org/FAQ/DP2.htm

    Nenn mir weitere Vorteile deiner Atomkraftwerke! Du wirst keinen finden, der nicht widerlegbar oder mindestens gleichwertig regenerativ ersetzbar ist.
    Und ich wäre dir darüberhinaus wirklich dankbar, wenn du dich informierst, bevor du anderer Leute Zeit vergeudest.

    PS: Eine Rechtschreibprüfung täte deinen Beiträgen gut!


 

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