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Erneuerbare Energien / Energiewende

ZDFinfo: Leben mit der Energiewende

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lukita schrieb am 13.06.2012 um 10:00

(06.06.2012) Der Anteil des Sonnenstroms am Gesamtmarkt wächst und damit ein unbequemer Konkurrent für die Stromriesen. Nun hat die Bundesregierung beschlossen: kein Vorrang mehr für Öko-Strom - mit Folgen!

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1654800/Leben-mit-der-Energiewende#/beitrag/video/1654800/Leben-mit-der-Energiewende

    abstract schrieb am 13.06.2012 um 11:09

    Hallo Freunde,

    Mir geht der wenig zielgerichtete Aktionnismus der Bundesregierung nicht nur bei der Energiewende schon lange auf die Nerven, und die Energieversorgungs-Unternehmen sind auch nicht das, was sie sich selbst auf die Fahnen geschrieben hatten, als es noch eine Veranstaltung der Öffentlichen Hand und das Ziel des Unternehmens die Versorgung mit Energie war. Mit der Privatisierung hat man, wie man jetzt sieht derzeit einen großen Fehler gemacht, denn nicht die Versorgung mit elektrischer Energie ist jetzt das erste Unternehmensziel, sondern Profit. Leider sind die Vorstände dieser Unternehmen auch nicht gerade innovativ, dann hätten sie die Zeichen der Zeit erkannt und schon mal etwas früher auf die neuen Technologien gesetzt.



    Wenn die Bundesregierung jetzt meint, sie müsste den Ausbau bremsen, weil der Verbrauch hinterherhinkt, dann kann man etwas dagegen tun, indem mehr Ökostrom verbraucht wird:



    Seit mehreren Jahren “Stromkunde” bei einem Anbieter für Strom aus nachhaltiger Energieerzeugung und bin auch bereit ein paar Cent mehr zu bezahlen, wenn dadurch die Umwelt geschont wird. Mein Nachbar ist Kunde bei einem Billiganbieter und bezieht dennoch genau den gleichen Strom-Mix aus der Steckdose wie ich. Ich kenne wohl des Prinzip, nach dem mein Anbieter irgendwo in der Republik seine Energie in das Netz einspeist, die ich dann aus dem Netz zuhause wieder abnehme. Damit hat sich möglicherweise die verfügbare Menge alternativer Energie in dem “See von Energie”, aus dem auch mein Nachbar schöpft, erhöht, d.h. auch er bezieht dann mehr Ökostrom in seinem Strom-Mix, aber ich allein bezahle das. Das mag für verantwortungsvolle Mitbürger soweit OK sein, aber mich hat's dennoch geärgert. Ich habe auf Abhilfe gesonnen. Ideal wäre, wenn man den “grünen” Strom vom “gelben” oder “grauen” unterscheiden könnte und mit Hilfe eines Filters aus dem “Energie-See” rausfiltern könnte. Aber das ist natürlich Unsinn. Was ich brauche ist eine Information, wann überdurchschnittlich viel alternative Energie im Netz zur Verfügung steht . OK, das soll irgendwann das “Smart Grid” leisten, doch das wird noch etwas dauern, bis es überall funktioniert. Was mache ich bis dahin?



    Da kommt mir das Wetter als ein regional relativ großräumiges Geschehen zur Hilfe. Wenn bei mir der Wind kräftig bläst, kann ich davon ausgehen, dass bei den Windenergieanlagen in mittlerer Entfernung das auch der Fall ist. Wenn z.B. in Schleswig-Holstein der Wind mit mehr als 3 Windstärken bläst, kommen annähermd 100 % Windstrom aus meiner Steckdose und nicht nur die von meinem Anbieter. Damit habe ich mit Hilfe des Wetters ein Teil der gesuchten Information und ich kann meine Waschmaschine als wesentlichen Stromfresser anschalten und verbrauche damit überdurchschnittlich viel Ökostrom.



    Allerdings das Schätzen von Windgeschwindigkeiten ist nicht so einfach, besonders in Innenstadtbereichen, und es geht auch nicht, wenn ich nicht zuhause bin. Dafür brauche ich eine Wetterstation mit angeschlossener Schaltautomatik, die auch sicherstellt, dass die Waschmaschine angeschaltet wird, aber nicht bei jeder kleinen Windbö und auch gewährleistet, dass das Waschprogramm bis zu ende läuft, falls der Wind doch wieder einschlafen sollte. Energie aus Photovoltaikanlagen kann man mit einem weiteren Sensor ebenso berücksichtigen



    Meine Freunde fanden die Idee so gut, dass sie vorschlugen, dafür ein Patent anzumelden. Energiepolitisch hat diese einfache Vorrichtung bei weiterer Verbreitung nämlich überraschende Auswirkungen: Die Alternative Energie wird zeitlich dann verbraucht, wenn sie anfällt. Es muss nicht mehr so viel Energie gespeichert werden. Und sie wird geographisch auch dort genutzt, wo sie erzeugt wird. Es muss nicht mehr so viel Energie übertragen werden und es ist zu erwarten, dass seltener Windkraftanlagen vom Netz genommen werden, weil es die überschüssige Energie nicht mehr aufnehmen kann. Das soll irgendwann auch das Smart Grid leisten, aber dafür sind dort komplexe Algorithmen notwendig, von denen man heute noch nicht weiß, wie stabil und robust sie bei unerwarteten Ereignissen sind. Zudem misstrauen die Bürger dem Smart Grid der EVUs, denn sie befürchten, dass Ihnen mit seiner Hilfe Atomstrom verkauft wird, wenn er zufällig in großen Mengen billig verfügbar ist. Wer kann das kontrollieren?



    Bezüglich der notwendigen Hardware kommen automatische Markisensteuerungsanlagen der vorgeschlagenen Wetterstation am nächsten. Sie müssten lediglich etwas umprogrammiert werden. Insofern wäre der notwendige Entwicklungsaufwand für Firmen in dieser Branche gering.



    Für Besitzer von Elektromobilen ist das hier angesprochene Problemfeld ebenso relevant. Solange man trotz eines Ökostromvertrages den gleichen Strommix aus der Steckdose vom örtlichen Energieversorger wie der Nachbar bezieht, ist das Thema für echte Ökofreaks noch nicht zufriedenstellend gelöst, was ja auch die anhaltende Kritik einiger Vertreter von Umweltverbänden wiedergibt. Da bietet die vorgeschlagene Lösung eine deutliche Verbesserung.



    Weil ich im “Ruhestand” bin, kann ich nicht selbst die Vermarktung der Idee betreiben undsuche immer noch einen potenten Lizenznehmer, der schnell für die Verbreitung der Produkte sorgen kann. Bisher hat noch keiner angebissen, ich glaube man fürchtet einen Konflikt mit den Energieversorgungsunternehen.



    Außer einer deutschen Patentanmeldung habe ich inzwischen noch ein EPA-Patent

    (EP 2 431 769 A2) angemeldet. Für USA sehe ich nur beschränkte Absatzchancen. Daher habe ich auf eine US-Anmeldung verzichtet.



    Vielleicht kennt ja von der Utopiagemeinde jemand ein Unternehmen, was die strategische Bedeutung der Einrichtung erkennt und bereit ist, das Produkt auf den Markt zu bringen.



    Ich würde mich freuen von jemandem zu hören.



    abstract abstract.life@t-online.de

    bastler schrieb am 15.06.2012 um 13:25

    @lukita:
    danke für den Hinweis auf dieses absolut sehenswerte Video.
    Das Interview mit Holger Krawinkel ("Energieexperte" im Bundesverband der Verbraucherzentralen) hätte man sich allerdings sparen sollen, denn mit dessen eigenbrötlerischen Ansichten, die alle darauf hinauslaufen, daß regenerative Stromerzeugung für den Verbraucher zu teuer käme, zählte er ja nicht anders als Schwarz-Gelb im Einvernehmen mit RWE, Eon & CO zu denjenigen, die nach außen hin den Energiewandel zu fördern vorgeben, diesen jedoch hinter den Kulissen hintertreiben und blockieren.
    Schon vor zwei Jahren hatten sich die regionalen Verbraucherzentralen von der Anmaßung Krawinkels distanziert, im Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) IHRE Meinung zu vertreten:
    http://www.sfv.de/artikel/verbraucherverbaende_widersprechen_der_forderung_des_vzbv_nach_absenkung_der_sol.htm

    Bio-Landhotel schrieb am 15.06.2012 um 13:26

    Es gibt gute regionale Initiativen, wie regionale Ernergieerzeugung. In Bollewick z.B. wurden eine große Photovoltaikanlage auf der größten Feldsteinscheune Deutschlands errichtet. Desweiteren wurden zwei Biogasanlagen gebaut. Jetzt ist das gesamte Dorf theortisch energieautark, d.h. es wird soviel Energie erzeugt wie auch verbraucht wird. Die Abwärme der Biogasanlagen wird in ein Fernwärmenetz gespeist, das die Häuser und auch die risiege Feldsteinscheune mit Hotel, Gastronomie und vielen Handwerksläden versorgt.
    Der weitere Vorteil - neben der Öko-Energie - ist, dass die Wertschöpfung in der Region verbleibt, also regionales Einkommen schafft und nicht das Geld in die Kassen der Konzerne gescheffelt wird.

    bastler schrieb am 15.06.2012 um 16:26

    @abstract schrieb:
    "Damit hat sich möglicherweise die verfügbare Menge alternativer Energie in dem “See von Energie”, aus dem auch mein Nachbar schöpft, erhöht, d.h. auch er bezieht dann mehr Ökostrom in seinem Strom-Mix, aber ich allein bezahle das."

    Das Schöne am EEG ist ja gerade, daß auch diejenigen Zeitgenossen, die in erster Linie nur auf ihr eigenes Wohlergehen fixiert sind und denen Umwelt, Natur, Klima und soziale Gerechtigkeit am A... vorbei gehen, zumindest bei den Stromkosten ebenfalls zur Kasse gebeten werden. Infolgedessen muss Dein Nachbar dieselbe EE-Umlage wie Du zahlen, auch wenn er keinen Ökostrom bezieht.
    Nicht nur das:
    falls ich die etwas intransparenten Informationen von Ökostromanbietern richtig deute, zahlt Dein Nachbar sogar für die Investitionen der Ökostromanbieter in neue EE-Anlagen, auch wenn Du derjenige bist, der mit Deinem Ökostromverbrauch die Grundlage für diese Investitionen lieferst.
    Das geht folgendermaßen: ein seriöser Ökostromanbieter zweigt einen gewissen Betrag seiner eingenommenen Stromgebühren für Investitionen in Anlagen zur regenerativen Stromgewinnung ab. Vernünftigerweise nutzt er dabei die Vergütungen durch das EEG, weil er dadurch ein Vielfaches an entsprechenden Anlagen bauen kann. Da der Strom aus diesen Anlagen allerdings an die Netzbetreiber geht und von diesen vermarktet wird, kann er ihn nicht als eigenen Ökostrom verkaufen.

    Somit zahlt also Dein Nachbar
    a) genau wie Du für Ökostrom, soweit dessen Gewinnung durch das EEG initiiert wurde (was aber den absoluten Löwenanteil an Ökostrom ausmacht)
    b) zahlt er sogar für die Anlagen, die Du durch Deinen Ökostrombezug ermöglicht hast; zumindest, falls meine zuvor geäußerten Überlegungen richtig sind.
    Da Informationen über Neuanlagen von Ökostromanbietern und die Art ihrer Verrechnung (mit oder ohne EEG) Mangelware sind, könnte sich hier irgendjemand äußern, der vielleicht über Insiderkenntnisse verfügt und besser informiert ist als ich es bin. Nur Mut! Ich bestehe nicht darauf, daß meine Meinung die einzig richtige ist.

    Was Deine Patente anbelangt, drücke ich Dir die Daumen, daß sich Deine Idee vermarkten läßt.
    Vielleicht arbeitet ja die Zeit für Dich: je größer der Anteil an EE-Strom, desto größer wird auch das Problem, diesen sinnvoll zu nutzen und nicht einfach wegzuwerfen, wie dies ja in zunehmendem Maß bei norddeutschem Windstrom praktiziert wird.

    abstract schrieb am 16.06.2012 um 17:59

    Hallo Bastler,

    ich hab das 3 x gelesen. Die Sachlage ist schon verzwickt. Aber Du hast recht, auch mein Nachbar zahlt mit über das EEG. Die anderen Beitrage natürlich nur dann, wenn die Energie-Provider sich so verhalten, wie wir annehmen.

    lukita schrieb am 30.12.2012 um 23:51

    Jetzt auch als Kinofilm: http://www.newslab.de/newslab/Filme_Energiewende.html


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