Erneuerbare Energien / Energiespeicher und Netze
Plädoyer für >Windgas<
Es wird ja viel diskutiert dieser Tage, inwiefern ein Umstieg auf 100% Erneuerbare nun machbar ist oder nicht. Zumeist auf einer Argumentationsebene, ob nicht das Licht ausgeht, wenns mal windstill ist. Pfff. Vieles ist machbar, aber nicht alles ist wünschenswert. Dessen sollte man sich bewußt sein, wenn man sich mit Dingen wie desertec auseinander setzt. Jede Technik hat auch ethische Implikationen, das ist ja gerade die Stärke von Filmen wie 4. Revolution oder zB dem neuesten Buch von Jeremy Rifkin, das aufzuzeigen- und jede Philosophie hat ihre Wirtschaftsweise. Desertec ist machbar, ist besser als Kernenergie- und es gibt Gründe, warum gerade ein alternatives Energien Projekt wie dieses von der Großindustrie lanciert wird. Die Infrastrukturkosten sind enorm. Niemand redet einem stupiden Nationalismus das Wort, wenn er sagt, Photovoltaik auf jedem heimischen Dach bringt die selbe Energiemenge, bei weniger Kosten. Es ist aber auch eine Art kulturelles Problem, wenn wir über Dezentralität reden. Die Dänen werden niemals müde zu betonen, um wie viel leichter vieles für sie ist, weil der Großteil ihrer Heizungen per Fernwärme organisiert sind. So können sie Stromüberangebote unschlagbar billig für Speicherwärme verwerten. Worauf bei uns so schnell niemand käme, weil dann ja jeder ein zusätzliches Heizelement für seine eigen-höchstselbstige Zentralheizung einbauen müsste.
Nichts gegen die Grundidee von desertec. Für die Ägypter ist es absolut angemessen, zukünftig ihren Energiebedarf mit Solarthermie zu decken. Für Mitteleuropa jedoch ist zunächst mal die starke Fluktuation von Energieeinträgen aus Sonne, Wind und Wasser festzustellen. Zunächst ist also ein Netz von nöten, das zumindest die tageszeitlichen Schwankungen zu kompensieren fähig ist. Ob dann auch die Jahreszeiten ohne Energieimporte auszugleichen sein werden, bleibt weiterhin zweifelhaft, aber das ist ja auch nicht unser Thema. Energie kann ja importiert und klimaneutral sein.
Ein neues Energienetz wird also kommen, soviel ist sicher. Aber wie viel davon bleibt in Bürgerhand? Das ist doch eine mindestens ebenso interessante Frage. Von Mammutprojekten wie Atomkraktwerken und Desertec- eher wenig. Umso höher die gesamten Umstellungskosten, um so weniger werden privat aufgebrachte Mittel einen merklichen Anteil daran ausmachen. Hierin liegt nun die Stärke des Vorschlages, den letztes Jahr das Fraunhofer Institut gemacht hat, und das von greenpeace energy befürwortet wird. Und zwar für Windgas, Erdgas (und möglicherweise auch aufbereitetes Biogas) das selbe, bereits existierende Rohrleitungsnetz zu benutzen.
Bei meiner Zeit am norske folkecenter letztes Jahr habe ich mich auch mit Wasserstofftechnologie auseinander gesetzt. Letztlich habe ich sie deshalb aussortiert, weil die Versicherungsbeiträge für so eine Anlage (Elektrolyse von Wasser durch Windkraft, wie schon vor über 100 Jahren praktiziert, und Zurückumwandlung durch Brennstoffzellen) in Privathäusern wahrscheinlich zu hoch bleiben würden. Aaaaber. Man kauft ja auch keine Raffinerie, nur weil man Auto fahren will. Wasserstoff selbst ist nur leider sehr aggressiv zu Materialien- es diffundiert überall durch und versprödet selbst Stahl. Der Vorschlag besteht darin, einen weiteren Syntheseschritt ein zu legen, ein paar Prozente weitere Konversionsverluste in Kauf zu nehmen, um aus H² und CO² ein Synthesegas CH4 (Methan) darzustellen. Dieses wird auf den Brennwert von Erdgas herunter gebracht, so dass es mit allen auch bisher schon gängigen Brennern genau so funktioniert. Die Leitungen dazu können aus Plastik bestehen: günstiger gehts nicht. Der Nachteil von billiger Technologie ist im allgemeinen ein schlechterer Wirkungsgrad- aber wollen wir diesen zur heiligen Kuh erklären, oder die Umstellung zeitnah schaffen? Was ist mit dem Drittweltler, der sich in einem, für industrielle Infratrukturprojekte, um seine Rohstoffe beraubten Land wieder findet? "Die haben vielleicht Probleme, schön' Dank" wird er denken. Eine regenerative Lösung für ein reiches Land ist gut, eine auf alle Länder anwendbare Lösung wäre noch besser.
Ausblick
Die für regenerative Energie typischen Schwankungen könnten in erster Linie durch schnell reaktionsfähige Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke (Gasturbine/Dampfturbine/Abwärmenutzung) aufgefangen werden.
Solche KWK Sterlings wie diese:
www.energie.ch/themen/haustechnik/stirling/index.htm
werden nach langjähriger Entwicklungszeit demnächst dem Verbraucher zur Verfügung stehen. Damit rückt eine dezentralisierte Energieerzeugung näher. In gleicher Rolle wie der Sterling sind auch normale KWKs sowie Brennstoffzellen denkbar. Zumindest wird in Zukunft kaum noch jemand heizen, nicht ohne auch relativ billigen Strom zu erzeugen. Auch bei der Elektrolyse wird Wärme frei gesetzt, diese könnte in meeresnahen Städten wie Bremen und Hamburg zum Betrieb eines Fernwärmenetzes genutzt werden. Meeresnah deshalb, weil man sich dadurch zusätzliche, nur dafür notwendige Stromleitungen, von den Windparks aus ins Hinterland, sparen kann.
Ob man dann, bei Bedarf, Energie, in Form von Synthesegas (Direktelektrolyse im Photomodul+ 2. Sytheseschritt), aus Nordafrika oder anderswo haben will, kann man immer noch entscheiden, ohne jetzt schon Investitionsbeträge in Höhen festlegen zu müssen, die noch zukünftige Generationen arm machen würden. Von der Bedrohung durch den Energieimperialismus wird dann hoffentlich eh schon lange keine Rede mehr sein.
Schließlich ist auch die Speicherung von im Gas gebundener Energie in größerem Umfange möglich. Nämlich in alten Bergwerken, wie es ja auch mit Erdgas bereits gemacht wird. Hierbei werden wiederum die in Küstennähe liegenden Salzstöcke, in der norddeutschen Tiefebene, als erstes in Betracht kommen. Hier gilt es zu handeln. So ist der alte Salzstock Hänigsen-Riedel gerade erst stillgelegt und für Grundwasser aufgelassen worden. Die Politik hat damit der Bürgerinitiative nachgegeben, die gegen die geplante Sondermülldeponie eintrat. An sich löblich, wurde somit dennoch eine Chance für die nachhaltige Energiewirtschaft vertan. Nun, vielleicht erkennt man darin wenigstens für Gorleben noch einen sinnvollen Verwendungszweck. -CT
"Ein neues Energienetz wird also kommen, soviel ist sicher. Aber wie viel
davon bleibt in Bürgerhand?"
Das ist wirklich die Schlüsselfrage! Und die praktische Beantwortung dieser Frage ist nicht ohne einen guten Schuss konstruktiver Phantasie zu erwarten. Z. B. in Richtung neuer Ernergieerzeugungs-und Speichermethoden sowohl im Baubestand als auch bei Neubauten.
Insbsondere bei letzteren ist schier auf dem Absatz unendlich viel möglich! Aber wenn ich heute durch die meisten Neubausiedlung gehe, sehe ich vor allem VERTANE CHANCEN!
Bevor wir über neue Trassen ( hinter langen See-und Wüstenstromkabeln ) diskutieren, sollten alle Möglichkeiten der Architektur- und Stadtentwicklung genutzt werden, um, wie schon Hermann Scheer eindrücklich geforder hat, "die Räume der Energieerzeugung und des Energieverbrauchs räumlich zu koppeln"!!
Dazu kann sicherlich auch "Windgas" ein hilfreicher Beitrag sein.
Windgas spielt auch in diesem Beitrag eine große Rolle:
http://www.utopia.de/gruppen/forum/thema/201991

