In den vergangenen Jahrzehnten seit dem 2. Weltkrieg erlebte zumindest die soganannte 1. Welt einen phänomenalen wirtschaftlichen Aufschwung.
Viele Menschen haben während ihres Lebens nur immerwährendes Wachstum gekannt und können sich eine Umkehr des Trends vermutlich nicht mehr vorstellen, selbst eine Stagnation wird als Versagen angesehen.
Der Club of Rome warnt zwar seit 1972 von einem Ende des Wachstums, seine Modellszenarien wurden aber von dem meisten als Zukunftsprognosen fehlinterpretiert und so verhallte die Warnung wirkungslos, weil man sie für nicht zutreffend hielt.
Mit dem gigantischen Anstieg des Rohölpreises nun erreicht das Thema der Endlichkeit fossiler Ressourcen wieder die Massenmedien, wobei viele das nach wie vor als kurzfristiges Phänomen von Spekulanten ansehen.
Anders kann man sich weder das Kaufverhalten bei Neuwägen, noch die Art, wie Wohnungen gebaut, eigene Leben/Existenzen geplant (Pendlerverkehr!) noch so Details wie extrem niedrige Lagerbestände in privaten Heizöltanks erklären.
Spekulation wird sicherlich eine Rolle spielen, aber der Kern des Problem liegt weitaus tiefer und es ist ein aktuell auf konventionellem Wege scheinbar unlösbares Problem.
Das Öl geht zu Neige. Nicht in 40 Jahren sondern heute. Natürlich nicht auf einen Schlag, aber es wird 1. nicht mehr genug für alle geben und es wird 2. kein billiges Öl mehr geben.
Wer meint, dass 138US$ ein teurer Preis für 159l Rohöl sei, der möge mal mit dem Fahrrad 10 Tage lang strampeln, um das Energieequivalent von 1 Diesel zu erzeugen.
Man würde in (naher? ferner?) Zukunft theoretisch auch 1.000$ oder 10.000$ pro Barrel bezahlen, z.B. für das Öl, das man für lebenswichtige Medikamente braucht.
Wer dann aber Öl für sowas banales wie eine Heizung oder sein Auto benötigt wird Pech gehabt haben.
Nicht morgen und nicht übermorgen, aber die Tendenz hat mittlerweile begonnen und wird sich, abgesehen von sicherlich vorhandenen Zuckungen, nicht mehr umkehren lassen.
Gestern erst den tollen Neuwagen mit 200PS und 9l/100km auf Kredit gekauft? Gehen die Käufer den tatsächlich davon aus, dass man in 15 Jahren Benzin für lächerliche 1,50€/l bekommt?
100km tägliches Pendeln zum Arbeitsplatz? 3000l Öl pro Jahr für die Heizung?
Ich könnte da nicht mehr ruhig in den Zukunft (10 Jahre!) blicken...
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http://www.energiekrise.de
Die 2. Ölkrise war das Ergebnis einer Angebotsverknappung von ca. 5%. Wie wird die Welt wohl aussehen, wenn 10%, 20% oder 50% zuwenig Öl gefördert werden kann?
(Teersande & Co ist da alles schon mit drin)
Ein bißchen was zum lesen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Peak-Oil
http://www.theoildrum.com/
http://www.peak-oil-forum.de/
und mittlerweile auch auf deutsch verfügbar, wenn es etwas ins Detail gehen soll:
http://www.energywatchgroup.org/fileadmin/global/pdf/2008-05-21_EWG_Erdoelstudie_D.pdf
Die Gegenstimmen?
Eine nach der anderen bröckelt weg.
Der Lukoil Chef behauptet, Russland hätte 2007 gepeakt, USA und Europa sind längst über dem peak, die Förderung in Mexiko (Cantarell war mal das 2. produktivste Ölfeld der Welt) und Norwegen bricht derzeit viel dramtischer zusammen, als man es gedacht hätte, selbst von den Saudis, die die Daten seit Jahren weitgehend geheim halten dringt jetzt mehr und mehr nach draußen, dass die am absoluten Limit sein sollen.
BGR und IEA (nach vor 2-3 Jahren Verkünder von jahrzehntelangem Wachstum) sind die letzten Wochen in den Prognosen gravierend zurück gerudert...
"Peak oil" ist heute vielen noch ein unbekannter Begriff.
Ich befürchte, dass sich das in spästens 5 Jahren geändert haben wird.
Mal zum Nachdenken: Wieviel ct/kWh seid ihr denn bereit oder in der Lage für Eure Heizung zu bezahlen (1l Heizöl = ~10kWh), wo liegt Eure Schmerzgrenze beim Benzin?
Und das ist ja noch nicht alles! Wieviel könnt und wollt ihr z.B. für Eure Nahrung ausgeben? (da stecken irrsinnige Mengen an fossiler Energie drin, Dünger, Pestizide, Transport, Traktoren, Kühlung, Verarbeitung, usw...)
Ich glaube nach wie vor nicht, dass die Welt untergehen werden wird, aber ich halte es für nahezu ausgeschlossen, dass das aktuelle System, basierend auf überwiegend quantitativem Wachstum zu Lasten billigster Ressourcen noch weitere 5-6 Jahrzehnte überleben wird.
Die Gesellschaft wird Zeit benötigen sich anzupassen, vermutlich haben wir nicht mehr genug Zeit, damit es reibungslos geht.
Als einzelner habe ich aber heute schon die Chance mich vorzubereiten. Beim Autokauf, bei der Wahl der Wohnung, beim Bau des Hauses, bei der Wahl des Arbeitsweges und indirket auch bei der Anlage von Kapital, bei der Wahl der Nahrungsmittel und Produkte, usw...
Der einzelne ist nichts in der großen Welt, aber der private Nutzen, den man für sich selbst daraus ziehen kann, wenn man auf kommende Ereignisse vorbereitet ist, ist enorm.
Und sollte sich wider Erwarten die Situation doch nicht katastrophal darstellen (ich würds natürlich hoffen), was wäre dann schon verloren?
Auf eine anregende Diskussion zum Thema hoffend...
Martin

