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Energie / Kernenergie

Offener Brief an die Bundeskanzlerin - Deutschl. gerät wegen Atompolitik ins Abseits

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Beiträge (10 )
 
Richard Martini schrieb am 07.07.2008 um 22:01
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Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,
soeben las ich im Internet die jüngste Schlagzeile der ARD: "Deutschland gerät wegen Atompolitik ins Abseits". ARD schreibt weiterhin: "Deutschland ist mit seiner Atompolitik im Kreis der G8-Staaten zunehmend isoliert. Kanzlerin Merkel wird sich beim bevorstehenden Gipfel auf entsprechende Kritik gefasst machen müssen. US-Präsident Bush kündigte bereits an, widerspenstige Länder von der "Schönheit der Atomkraft" überzeugen zu wollen."

Diese Schlagzeile, dieser Text erschüttert mich zutiefst und veranlasst mich nun, Ihnen die folgenden - hoffentlich bestärkenden Worte - zukommen zu lassen.

Vorab meine dringende Bitte: halten Sie am beschlossenen Atomausstieg fest und setzen Sie sich auch innerhalb der Regierungskoalition, innerhalb Ihrer Partei und gegenüber den vielen (inter) nationalen VertreterInnen aus Wirtschaft und Politik, mit denen Sie Tag für Tag im Gespräch sind, für diesen Atomausstieg ein.

Ich finde es geradezu absurd, dass "Deutschland" wegen seiner "Atompolitik" ins "Abseits" geraten soll. Denn es gelten - aus meiner Sicht - nachwievor die immergleichen, fundierten, sachlich-begründeten Argumente für einen Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie:

Argument (1):
Die "Endlager"-Problematik ist auf dieser Erde nicht zu lösen; es gibt keinen Ort auf dieser Erde, wo der strahlende Restmüll "sicher" gelagert werden kann.
Argument (2):
Es gibt keine 100% sicheren Atomkraftwerke; auch hier in Deutschland nicht. Und selbst wenn das "Restrisiko" von heutigen AKW's minimiert werden kann; es bleibt ein Risiko bestehen. Ich möchte mir gar nicht erst vorstellen, wieviel Leid in der Bevölkerung entstehen würde, wenn sich hierzulande, in unserem dichtbesiedelten Land, ein Störfall ereignen sollte.
Argument (3):
Eine Laufzeitverlängerung der bestehenden AKW's oder gar ein Neubau von AKW's ist eben nicht notwendig. Es gibt genügend risiko-minimale, zukunftsfähige, regenerative Alternativen, um Strom zu erzeugen. Ausserdem liegen noch enorme Potentiale in der Einsparung und der effizienteren Nutzung von Strom sowie generell von Energie bzw. Wärme ungenutzt brach.
Argument (4):
Weitere Investitionen und Subventionen im Bereich Kernenergie zu tätigen ist extrem kontraproduktiv: diese Gelder sind viel zukunftsfähiger und gewinnträchtiger "angelegt" wenn sie in die - unter (3) angedeuteten - Möglichkeiten: regenerative Energieerzeugung, Wärmeisolierung von Gebäuden, Energie-Optimierung von industriellen Prozessen, Stärkung von regionalenWirtschaftsstrukturen, Reduktion von Verbrauchswerten von Fahrzeugen, Heizungen, ... usw. investiert werden.
Argument (5):
Die Nutzung der Kernenergie beschränkt sich eben nicht auf das sogenannte "Restrisiko" von AKW's. Die Risiken, Gesundheits- und Umweltgefährdungen beim Abbau, bei der Aufbereitung der Brennelemente, beim Transport von Brennelementen und bei der Zwischen- und Endlagerung der Brennelemente kommen noch hinzu!
Argument (6):
Die Nutzung der Kernenergie ist eben nur vordergründig kostengünstig, da die AKW-Betreiber das "Restrisiko" nicht selbst tragen, sondern die Versicherungskosten von uns BürgerInnen getragen werden. Ebenso wurde die Kernenergie-Forschung jahrzehntelang grösstenteils von uns allen, aus Steuergeldern "finanziert". Aus den zuvor aufgeführten Argumenten ergibt sich, dass eine Fortführung dieser "Kosten-Umlegung auf die Allgemeinheit" nicht gerechtfertigt und nicht zukunftsorientiert ist.
Argument (7):
Ausbildung, Forschung und Entwicklung, Infrastruktur-Investitionen, Wirtschaftsförderung, noch viel stärker auf "erneuerbare Energie-Erzeugung", "Energie-Effizienz und -Einsparung", "regionaleres Wirtschaften", "ökologische Landwirtschaft", "verbrauchsoptimierte Mobilität", ... auszurichten ist eine wirkliche Investition in die Zukunft. Wenn nicht in diesen Bereichen, wo sonst, gibt es noch Entwicklungs- bzw. Wachstumschancen für unsere Gesellschaft, für die bundesdeutsche Wirtschaft !?

Diese sachlich-rationalen Argumente sind die eine Seite - sie alle sprechen bereits deutlichst für den geplanten, beschlossenen "Atomausstieg".

Aber was mich gefühlsmässig zutiefst schmerzt und ärgert ist die - von der ARD veröffentlichte - Ankündigung von US-Präsident Bush "widerspenstige Länder" (offensichlich Deutschland!) ... "von der 'Schönheit der Atomkraft' überzeugen zu wollen."

Worin bitte, liegt die "Schönheit der Atomkraft" ? Wer kann die Bilder, das Leid der Bevölkerung rund um Tschernobyl vergessen ? Wer hat vergessen, dass Kinder nach der Reaktorkatastrophe hier in Süddeutschland zeitweise nicht mehr im Freien spielen sollten? Und was ist mit den Pilzen, dem Wild, das auch heute noch, 22 Jahre nach dem "GAU" radioaktiv belastet ist ?

Frau Dr. Merkel, ich bitte Sie eindringlich, am Atomausstieg festzuhalten und sich, auch wenn Sie auf dem laufenden G8-Gipfel oder im Anschluss daran diesbezüglich tatsächlich "isoliert" sein sollten, für die oben aufgezeigten "Alternativen" einzusetzen. Dafür wünsche ich Ihnen die notwendige Überzeugungskraft und einen lange anhaltenden "politischen Atem".

Mit herzlichem Gruss

Dr. Richard Martini
Gomaringen (bei Tübingen), den 6. Juli 2008

ps: Ich werde diese Mail an viele gleichgesinnte, gleichfühlende Menschen, an verschiedene Initiativen und Organisationen, die Bundestagsparteien und an Zeitungen als "offenen Brief" versenden und diese bitten, mich in meinem Anliegen an Sie zu unterstützen.

pss für UtopistInnen: Diesen offenen Brief habe ich vorhin (So., 6.7., ca. 20:00 Uhr) auch an einige "grosse" Tageszeitungen geschickt, an die Bundestagsfraktionen, an lokalen Bundestagsabgeordneten, ... an mein Aufbruch-Netzwerk. Ich würde mich auch über Eure Unterstützung freuen - hier auf Utopia, oder durch ähnliche "offene Briefe" an Frau Merkel, an: [email]InternetPost@bundesregierung.de[/email]
    Christian Silberhorn schrieb am 08.07.2008 um 10:24
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    Sehr guter Brief, den ich hiermit unterschreibe!

    Danke

    anne sophie schrieb am 08.07.2008 um 21:31
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    Auch ich möchte diesen argumentativ sehr guten Brief unterschreiben - die Frage ist jedoch wie. Soeben habe ich einen Aufruf von Avaaz bezüglich der Klimaziele 2020 unterzeichnet.

    Richard Martini schrieb am 08.07.2008 um 21:54
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    Liebe Anne,
    danke für Deine Rückmeldung; tja, wie kannst/könnt Du/Ihr "rein praktisch" meinen "offenen Brief" unterschreiben ?!
    Folgender Vorschlag: Einfach meinen Brief hier kopieren, dann den Text in eine neue E-Mail "verpacken" ... mit einem kurzen Hinweis, dass Du/ihr den Brief unterstützen möchtest/möchtet ... und schliesslich die Mail an InternetPost@bundesregierung.de schicken.
    Diese Mail-Adresse habe ich aus dem "Impression" des Internet-Auftritts von "Angie" (www.bundeskanzlerin.de) entnommen.

    Viel Erfolg und danke an Euch alle!
    Richard

    rainer_gross schrieb am 10.07.2008 um 19:03
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    Hallo Richard,

    Dein Brief trifft den Kern - ich habe ihn als Herzstück eines Protestbriefes an die von dir angegebene eMail-Adresse verwendet.

    Ergänzend möchte ich noch ein weiteres Argument aufführen:

    Je mehr Atommüll "herumliegt", umso größer ist die Gefahr, dass er in falsche Hände fällt und von Terrorgruppen zum Bau schmutziger Bomben verwendet werden kann. Je mehr AKW's "herumstehen", umso größer wird die Gefahr, dass sie zum Ziel eines Terrorangriffes vergleichbar mit 9/11 werden. Ich glaube, die meisten AKW würden den Aufprall einerv großen Passagiermaschine nicht unbeschadet überstehen.
    Beides scheint mir gerade heute, wo der Terrorismus ein globales Thema ist, nicht vernachlässigbar.


    Gruß


    Rainer

    bhellweg schrieb am 11.07.2008 um 09:23
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    Das Problem ist nur andersherum. Deutschland gerät ins Abseits weil es sich den Ausbau der Kernenergie verweigert. So geschehen auf dem G8 Gipfel. Deutschland ist mit dem Ausstieg aus der Kernenergie isoliert.
    Frage: wissen nur wir gefährlich Kernenergie ist? oder sehen wir das ganze zu eng? oder soll am deutschen Wesen wieder mal die Welt genesen?

    rainer_gross schrieb am 11.07.2008 um 20:29
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    Hallo bhellweg,

    Ich denke, hier hat jemand nicht ganz verstanden. Hat denn Richard irgendein Argument gebracht, dass nicht zutrifft, dann steige in die Diskussion ein und komm nicht mit so Plattitüden daher.
    Übrigens, wer von Kernenergie spricht, ist der Atomlobby schon zur Hälfte auf den Leom gegangen. Früher nannte man das Atomenergie - aber das klang so gefährlich nahe an Atombombe, während Kernenergie so harmlos wie z. B. Kirschkern klingt.


    Gruß

    Rainer

    sibo schrieb am 11.07.2008 um 20:53
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    Find ich gut,weil die Politik lebt meist von großen Versprechen,die dann nie gehalten werden. Ein zurück zur Atompolitik ist eine menschliche Katastrophe,weil es nur eine Frage der Zeit ist,dass etwas passiert und dann sind Generationen von Menschen davon betroffen.Ganz dickes PRO für diesen Brief.

    bastler schrieb am 12.07.2008 um 09:15
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    Das Problem ist nur andersherum. Deutschland gerät ins Abseits weil es sich den Ausbau der Kernenergie verweigert. So geschehen auf dem G8 Gipfel. Deutschland ist mit dem Ausstieg aus der Kernenergie isoliert.

    Die ständige Angst vor der Isolation rührt sicher noch aus Angela Merkels DDR-Zeiten. Allerdings ist sie kein Argument für oder gegen die Atomenergie, sondern besagt eher: egal, um was es sich konkret handelt, Deutschland muß immer mit dabei sein (auch wenn es der größte Sch... ist), sonst stellt es sich ins Abseits...
    Auch nach Schröders "Nein" zur deutschen Irakkrieg-Beteiligung wurde ihm von der damaligen Opposition ebenfalls eine Isolation Deutschlands vorgeworfen (und Angela Merkel flog sogar extra zu Präsident Bush, um sich für Deutschlands Haltung zu entschuldigen...). Schon vergessen?
    Inzwischen möchte man allerdings nicht mehr so gerne an diese peinlichen Vorgänge erinnert werden...
    Frage: wissen nur wir gefährlich Kernenergie ist? oder sehen wir das ganze zu eng?
    Es ist schon ein kleiner Unterschied, ob größere Areale in den endlosen Weiten Kanadas oder Rußlands radioaktiv verseucht werden, oder ob dies im dichtbesiedelten Deutschland geschieht.
    Zudem war Deutschland stärker vom radioaktiven Fallout nach Tschernobyl betroffen als andere Staaten.
    Und schließlich hat Deutschland weltweit einen ziemlichen Vorsprung in der Stromerzeugung mittels EE-Technologie, was Atomstrom mittelfristig entbehrlich macht, wohingegen andere Staaten, die diese Entwicklung verschlafen haben, jetzt tatsächlich vor einem Stromversorgungs-Dilemma stehen.
    oder soll am deutschen Wesen wieder mal die Welt genesen?
    Deine Sprüche aus der Nazizeit finde ich hier etwas deplaziert.

    bhellweg schrieb am 12.07.2008 um 16:50
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    Hallo bastler,
    Frau Merkel hat ha wohl den deutschen Sonderweg auf dem G8-Gipfel verteidigt aber warum sind alle anderen Regierungen für den Einsatz der Kernkraft in ihren Ländern, auch wenn Sie so dichbesiedelte Länder wie Großbritannien und Italien regieren? Sind diese Regierungen schlichtweg unfäig? Wissen nur wir Deutschen wie gefährlig Kernkraft ist?
    Übrigens vom atomaren Fallout aus der Tschernobyl-Katastroph waren die Ukraine, (dort werden schon wieder AKWs geplant) Weissrussland, Russland, Polen und die Skandinavischen Länder weit mehr betroffen als Deutschland.
    Der Spruch: "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen" stammt soviel ich weiss aus der Wilhelminischen Zeit


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