Ein HERZ für Tiere / Allgemeines
Fleischessende Tierliebhaber?
"fleischessende Tierliebhaber" - wie gehen diese beiden Wörter bitte zusammen? Richtet man ein Bolzenschussgerät gegen das, was man liebt?
Diese Frage hat mich nicht losgelassen. Und jetzt stolpere ich laufend über diese Berichte mit so salbungsvollen Sätzen wie "Zum Glück gibt es auch Bauern, die ihre Tiere behandeln, wie es sich gehört - mit Respekt und, ja, Liebe".
Oder auch "Wer auf anonymes Massenfleisch verzichtet und stattdessen nur ab und zu Fleisch mit Gesicht von glücklichen Schweinen kauft, der bringt gutes Karma für sich, die Tiere und den Rest der Welt".
Gerade der letzte Satz sorgt für Medienrummel:
http://www.meinekleinefarm.org/in_der_presse
Dort wird allerdings nicht zu Kathrin Hartmann verlinkt. Sie schreibt:Fleisch essen für's Karma - eine Gute-Schlacht-Geschichte (Den Beitrag hatte ich schon einmal bei Utopia verlinkt)
Ich glaube das sich zu viele falsch mit dem Begriff Tierliebhaber schmücken....
Sie finden sie toll, man kann sie streicheln....finden es traurig ein totes Tier am Straßenrand leigen zu sehen.
...und dennoch wird am Abend dann ein saftiges Stück Fleisch verspeißt ohne auch nur ansatsweiße Gewissensbisse zu bekommen.
VERDREHTE WELT
Warum soll ich denn die Hühner, die in meinem Garten unterwegs sind, nicht lieb haben dürfen, ihnen Platz zum Herumlaufen und nur bestes Futter gönnen und nicht auf der anderen Seite die Tage zählen, bis es das nächste Festtagshuhn gibt?
Ich habe doch schließlich auch kein Problem damit, Kanninchen zu streicheln, ihnen Namen zu geben und mich dennoch zu freuen, wenn sie auf dem Tisch landen. Oder habe ich da irgendwas mit dem "Fleisch von glücklichen Tieren" durcheinander gebracht?
Marshavan, Du schreibst: "Ich habe doch schließlich auch kein Problem damit, Kanninchen zu streicheln, ihnen Namen zu geben und mich dennoch zu freuen, wenn sie auf dem Tisch landen."
Es gibt Menschen, die damit durchaus Probleme haben. Die Tiere, die geschlachtet werden sollen, erhalten hier z.B. nach eigenen Aussagen absichtlich keinen Namen.
Ich finde es auch interessant, dass Du schreibst, damit kein Problem zu haben. Hast Du selbst Kaninchen und sie auch schon selbst getötet? Was ist dabei in Dir vorgegangen?
Eigentlich war da eine große Portion Polemik dabei, aber ja, ich komme vom Land. Da ist es "normal", seinen Sonntagsbraten selbst zu füttern. Ich habe auch schon das eine oder andere Huhn geschlachtet. Allerdings bin ich da zu früh weggezogen, um wirklich "Erfahrungen" zu sammeln.
"Auf dem Land" scheint man mit den Tieren weitaus pragmatischer umzugehen - es gibt eine einfache Unterscheidung zwischen "Tier zum Streicheln" und "Tier zum Essen". Es gibt auch völlig problemlos Hasen zum Streicheln direkt neben Hasen zum Essen. Naja, zumindest ist das meist problemlos. =)
Was in mir vorging? Ich war bemüht, den Tod an sich so schnell und schmerzlos wie möglich zu vollziehen. Der Rest war Handwerk. Völlig emotionslos.
Danke für Deine Ausführungen!
Ich kann mich daran erinnern, dass ich als Kind schon recht früh gegen diesen Pragmatismus rebelliert habe. Und das war durchaus nicht einfach. Niemand konnte bzw. wollte das so richtig nachvollziehen.
Ich habe damals auch den Kompromiss gemacht, dass ich dann noch eine Zeitlang Fleisch von Schwein und Rind gegessen habe. Die fand ich nämlich nicht so niedlich und hatte auch kein Bedürfnis, sie zu streicheln oder ihnen Namen zu geben... und damit konnte ich die Erwachsenen zufrieden stellen.
Damals wusste ich auch noch nicht, dass es gesundheitlich kein Problem ist, ganz auf tierische Produkte zu verzichten. Mein Umfeld war da grundsätzlich anderer Meinung.
Natürlich ist es eine Form von Doppelmoral, wenn man Tiere nach "essbar" und "nicht essbar" kategorisiert und die einen ohne Gewissensbisse tötet, während den anderen selbst nach einem natürlichen Tod noch nachgeweint wird. Ich möchte diese Form auch nicht verteidigen, lediglich darstellen.
Selbst bin ich grad dabei, solche althergebrachten Denkweisen zu hinterfragen und für mich zu bewerten, welche sinnvoll sind und welche ich lieber ablegen möchte. Es ist nunmal schwierig, auf sein geliebtes Fleisch zu verzichten, vor allem mittags in der Kantine in einer (fast) reinen Männerdomäne... =/
Du schreibst: "Es ist nunmal schwierig, auf sein geliebtes Fleisch zu verzichten, vor allem mittags in der Kantine in einer (fast) reinen Männerdomäne... =/ "
Das kann ich sehr gut nachvollziehen! Die Gesellschaft spielt ja auch gerne mit diesem Bild von "Blut und Männlichkeit". Ein "starker Mann" muss seine empathischen Gefühle überwinden können.
Für mich hat Liebe auch viel mit Vertrauen zu tun. Und wenn ich dann hier lese: "Beim Verladen der Schweine gestern (22.3.) trottete Schwein 7 wie alle Schweine zuvor unbekümmert und freiwillig auf den Hänger.", dann drängt sich bei mir auch ein Gefühl von Verrat auf. Die Schweine haben Vertrauen zu denen, die sie bislang gut behandelt haben. Bis in den Tod.
Auf der Website steht dann im PS: "Aus verschiedenen Gründen (Respekt vorm Schwein beim Sterben, Jugendschutz, Krassheit) stelle ich die Fotos von der Schlachtung hier nicht öffentlich aus."
Ja, was ist denn jetzt so krass am Töten?
Ich kann das als Landkind durchaus nachvollziehen mit der pragmatischen Sichtweise.
Ich bin ja zu ca. 90% vegetarisch erzogen worden und hatte dann meine streng-vegetarische Phase so zwischen 16 und 21 Jahren.
Dann habe ich während dem Studium wieder auf einem Bauernhof gewohnt.
(Ich glaub, ich habs schon mal wo geschrieben, egal...)
Der alte Bauer hatte Truthähne.
Die waren durchaus possierlich und zutraulich (nachts auf dem Weg zum Plumsklo z.B.).
Der Bauer hat mich immer wieder zum Truthahnbraten eingeladen.
Ich habe immer abgelehnt, weil ich gesagt habe, ich finde das Schlachten grausam.
Er hat mich dann überredet, zuzuschauen, wie er das macht.
Und in der Tat konnte ich da nichts Schlimmes dran finden.
Die Truthähne haben bis zum letzten Schnaufer nicht den Eindruck gemacht, überhaupt zu wissen, was ansteht.
Der Bauer hat das unwahrscheinlich schnell und gleichzeitig gleichermaßen sanft gemacht.
Für ihn war es ebenso eine Selbstverständlichkeit Tiere zum Verzehr zu essen, wie diese so schnell und schmerzlos wie möglich zu schlachten und vorher artgerecht zu halten.
Ich weiß nicht, ob und welche Emotionen da im Spiel waren.
Er war durchaus einer, der alles hinterfragt hat.
Hat aus Spaß mit Pferden geackert statt mit Trecker und sich im oberbayrischen Kuhdorf als ewiger Kommunist geoutet.
Er hat sich auch außerordentlich bemüht, meine Sichtweise zu verstehen...er konnte es nur nicht so wirklich nachempfinden, was ich so Schlimm finde am Schlachten.
Er war selbst schon 76 jahre und sagte von sich, daß er nicht sonderlich viel Angst vor dem Tod habe, vorrausgesetzt, daß es relativ schmerzfrei vor sich geht.
Jedenfalls esse ich seit der Zeit auch wieder Fleisch...
Krass finde ich weniger das Töten, als die meisten Tier-Haltungsformen...
Komische Seite, habe eben das erste Mal aktiv reingelesen. Was ist denn der Unterschied zwischen einem Schwein, dem ich einen Namen gebe, und einem, dem ich eine Nummer gebe, wenn ich trotzdem genau Buch führe, wie es sich "fühlt"? Als ob das weniger emotional wäre...
Krass ist das Töten nur für den, der es nicht kennt.
Edith findet, dass Maria_L eine elende Zwischenposterin ist und meine Aussage vorwegnimmt. Doof. =(
Ich muss sagen das ich früher auch Fleisch gegessen habe und das sehr gerne....bis ich genauer angefangen habe nachzufragen warum wir überhaupt Fleisch essen.
Letztendlich ist da nicht mehr geblieben wie: Geschmack, Gewohnheit und Tradition
Ich beziehe das jetzt auf unsere Verhältnisse. In einer Zeit in der wir aus Hunger schon lange nicht mehr töten.
Das Kriterium Geschmack fällt eigentlich auch schon fast weg....es gibt so viele leckere Alternative...
Dann bleibt wohl nur noch Tradition und Gewohnheit.
Und diese beiden Kriterien konnten für mich in keinsterweiße die Überzeugung liefern Fleisch zu essen.
Gerade wenn man sich die lange Liste anschaut Fleisch nicht zu essen :
-Ausbeutunng
-nicht notwendiges Leid
-Umweltverschmutzung und entstehende Seuchen
-Nährstoffverschwenderisch
Diese Punkte auf die Waagschale gelegt konnte die Entscheidung auf Fleisch zu verzichten nicht mehr geringer sein.
Jetz taber auch noch eine kleine Frage:
Wir alle haben natürlich angeborene Instinkte. Genauso wie alle Fleischfesser.
Sollten wir tatsächlich Fleischfresser sein, welchen angeborenen Instinkt besitzen wir? Und dabei meine ich nicht die antrainierten Gewohnheiten.
Würde ein Kind wenn es genügend Obst und Gemüse zu essen hätte ein Kaninchen einfach so töten?
Würde ein Wolf auch wenn er genügend Obs und Gemüse zu essen hätte ein Kaninchen einfach so töten?

