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Der Klimaschutz braucht dringend das Handeln der Basis!

„Die Glut kommt von unten“

Am Schluss seines Beitrags „Der Wanderzirkus der Klimakonferenzen“ (s. unter Utopia.de/Magazin) schrieb Franz Alt, das Klima könne nur noch gerettet werden von unten, aus der Bürgergesellschaft. Dem kann ich nur zustimmen: Wenn konsequenter und effektiver Klimaschutz, also eine schnelle Begrenzung und Absenkung der laufenden globalen CO2-Emissionen, erst dann beginnen soll, wenn sich die Weltgemeinschaft einstimmig auf entsprechendes Handeln verständigt hat und jeder mitmacht, wird es für den Schutz unserer klimatischen Lebensbedingungen und die Verhinderung von katastrophalen Folgen in vielen Regionen der Erde zu spät sein.

Warum – wenn es auf der politischen Bühne nicht vorangeht – machen wir nicht wenigstens im eigenen persönlichen Bereich, was wir grundsätzlich für erforderlich halten und was uns möglich ist?

Es ist höchste Zeit, dass hinsichtlich der eigenen CO2-Bilanz von jedem Einzelnen im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten alles getan wird, was er tun kann - schon jetzt, freiwillig und souverän, auch wenn es noch keine entsprechenden staatlichen Regulierungen gibt. Sehr vielen Menschen in der Welt, insbesondere bei uns in Deutschland, ist inzwischen sehr wohl bekannt, was im Sinne eines konsequenten Klimaschutzes getan werden müsste, was die 17.000 Deligierten der Klimakonferenz in Doha eigentlich beschließen müssten, nämlich dass wir alle schnellstmöglich aufhören, die Atmosphäre weiterhin mit CO2-Emissionen zu belasten. Aber kaum eine/r beginnt auf individueller Ebene - egal ob Politiker, Klimawissenschaftler, Umweltaktivist, Kirchenvertreter oder „einfacher“ Bürger -, das ihr/ihm im persönlichen Verantwortungsbereich Mögliche aus freien Stücken einfach zu tun.

Das Mögliche tun, das heißt zum einen natürlich, sich mit Nachdruck zu bemühen, die Menge der durch eigenes Handeln verursachten CO2-Emissionen zu verringern - durch Verhaltensänderungen, Einsatz neuester Technik und Nutzung erneuerbarer Energieträger. Zum anderen aber heißt das auch, dafür zu sorgen, dass die eigenen (noch) nicht vermiedenen CO2-Emissionen kompensiert werden (durch die Mitfinanzierung von CO2-Reduktionsprojekten an anderem Ort) oder dass die emittierte CO2-Menge der Luft durch biotische Projekte (z.B. Aufforstungen) wieder entzogen, also „entsorgt“ wird.

In unserem allgemeinen gesellschaftlichen Umfeld kann man sich noch immer als Top-Klimaschützer fühlen, wenn man seine bisherige CO2-Bilanz um 20% oder 30% reduziert hat (was ohne Zweifel nötig und lobenswert ist), ohne dafür zu sorgen, dass die potentielle klimaschädliche Wirkung des weiterhin nicht vermiedenen „Restes“ von 80% oder 70% neutralisiert wird. Emissionsvermeidung ist sehr wichtig. Aber noch wichtiger ist es, durch die Kombination von Vermeiden und Kompensieren schnellstmöglich dafür zu sorgen, dass das eigene Handeln überhaupt nicht mehr zur Verschärfung der Klimaproblematik beiträgt, dass man also faktisch klimaneutral handelt. Denn beim schon längst erreichten viel zu hohen atmosphärischen CO2-Konzentrationsniveau steigert jede zusätzlich emittierte Tonne CO2 das Problem (ohne Gegenmaßnahmen auf Dauer!). Weil die „CO2-Deponie Atmosphäre“ schon jetzt bei weitem überfüllt ist, kommt es darauf an, den Netto- Zufluss so schnell wie möglich drastisch zu verringern. Das Wie ist unter diesem Aspekt zweitrangig.

„Klimaneutral handeln“ meint für uns in den Industrieländern, aus ethischen Gründen für den eigenen Verantwortungsbereich netto gar keine Belastung der Luft durch CO2-Emissionen mehr zuzulassen, obgleich, rein statistisch betrachtet, eine Emissionsbegrenzung auf (grob gesagt) 2 Tonnen pro Kopf der Weltbevölkerung reichen würde, um die atmosphärische CO2-Konzentration zu stabilisieren. Doch damit die Menschen in den noch nicht so hoch oder gar kaum technisch entwickelten Ländern – immer noch können 1 Milliarde Menschen keinen elektrischen Strom aus der Steckdose nutzen – noch Spielräume für ihre technische Entwicklung behalten, sollten die, die schon auf höchstem technischen Niveau leben, auch auf das ihnen statistisch zustehende Kontingent von 2 t CO2-Emission pro Kopf verzichten. Immerhin sind die Menschen der Industrieländer für den größten Anteil der CO2-Emissionen in den letzten 150 Jahren, also für die Verursachung der bisherigen Klimaproblematik, am meisten verantwortlich.

Die Kompensation von einer emittierten Tonne CO2 wird für 15 bis 25 Euro bei technischen und für 10 bis 20 Euro bei biotischen Projekten angeboten. Das bedeutet: Der um Klimaschutz bemühte Bürger, der „restliche“ 10 t CO2-Emission nicht vermeiden kann, kann dennoch mit dem Einsatz von jährlich 100 (oder mehr) Euro klimaneutrales Handeln - netto betrachtet - erreichen. Diejenigen, die mehr als 10 t CO2 kompensieren müssten, haben zumeist einen höher technisierten Lebensstil und ein Einkommen, bei dem auch höhere Kompensationskosten verkraftbar wären.

Klar, das sind zusätzliche Ausgaben. Aber für den, dem es mit dem Klimaschutz ernst ist, sind diese Kosten unvermeidbar! Genauso unvermeidbar wie die ökologisch begründeten und politisch verordneten Ausgaben für die Entsorgung von Müll (Bundesdurchschnitt in 2008 für Abfallgebühren: rd. 300 € pro Haushalt und Jahr) und Abwasser (Bundesdurchschnitt in 2010 für Abwassergebühren: rd. 245 € pro Haushalt und Jahr). Es führt kein Weg daran vorbei: Nach dem Verursacherprinzip ist jeder dafür verantwortlich, ökologisch schädliche Abfallprodukte seines Lebensstils möglichst zu vermeiden oder aber zumindest für Kompensation/Entsorgung = Unschädlichmachung zu sorgen.

Zur Entkräftung des Einwands, dass es doch völlig bedeutungslos sei, angesichts einer globalen jährlichen Emission von über 33 Mrd. Tonnen CO2 individuell 10 Jahrestonnen zu vermeiden, siehe den Beitrag „Berliner Appell: Klimaneutral handeln!“ unter Foren/Allgemein.

Wenn zumindest alle diejenigen, die begriffen haben, was auf dem Spiel steht, tatsächlich im eigenen Verantwortungsbereich umsetzen würden, was ihnen möglich ist, dann entstünde von der Basis her sehr bald die notwendige Kraft, um die Lobbyisten anderer Interessen in die Schranken zu weisen, die bisher einen effektiven Klimaschutz blockieren.

Ich lade Sie, liebe Leser, herzlich ein: Machen Sie „Feuer von unten“! Unterstützen Sie mit Wort und Tat den „Berliner Appell: Klimaneutral handeln!“ - eine Selbstverpflichtung mit Aufforderung zur Nachahmung in Sinne von „Wir Unterzeichner machen’s schon. Machen auch Sie mit!“ mehr weniger

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