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Mozarts Zauberflöte heute bei ARTE in exzellenter Inszenierung
- noch dazu in einer offenbar exzellenten Inszenierung, mit ganz exzellenten Musikerinnen und Musikern (Gesang übrigens auch weitgehend befreit vom bis heute sonst leider noch üblichen, vällig überflüssigen spätromantischen Dauertremolo u.s.w.) und dem ausgezieichneten Mozartinterpreten N. Harnoncourt am Dirigentenpult -
(... dieses Singspiel mag ich selbst primär wegen der Musik, den Text nehm ich eher sozusagen tolerierend inkauf ;`) obwohl er auch durchaus interessante facetten hat)
Was den Text angeht (im Fachjargon das sogenannte Libretto ), den ein Freund Mozarts geschrieben hat, finde ich v.a. 2 Punkte besonders erwähnenswert:
Einmal ist bezeichnend, dass das quasi 'Böse' im Text damals von einer Frau (Königin der Nacht) repräsentiert wird, zumal auch die vergleichsweise sonst 'fortschrittlichen' Freimaurer, denen auch der Autor angehörte (wie auch übrigens Mozart selbst), in einem Punkt ähnlich 'rückständig' waren, wie ihre sonstigen Zeitgenossen, nämlich eine recht männerzentierte Weltsicht (auch dass nur Männer Mitglieder werden durften, soweit ich weiß, ist in dieser Hinsicht bezeichnend)
Zum zweiten aber darüber hinaus, und gleichsam zeitlos, ist die im Stück - neben dem großen Unterhaltungswert - enthaltene Wahrheit, dass oftmals ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen etc., die zunächst als "gut" z.B. als Retter in der Not erscheinen, sich später als viel weniger gut herausstellt (in diesem Fall die Königin der Nacht, deren Dienerinnen Tamino gleich zu Beginn - nach der sagenhaften Ouvertüre (die allein schon ein Meisterwerk ist) - vor einer Schlange retten)
Nachtrag speziell zur Inszenierung gestern:
Während der Text des von Schikaneder geschriebenen Librettos selbst
noch relativ eindeutig die Königin der Nacht als eher 'böse' darstellt,
(wenn auch nicht absolut)
und Sarastro als Verkörperung des Guten (Weisheit, Tugend u.s.w.),
analog auch zu der beliebten Allegorie vom Licht und Schatten,
wie sie Ende des 18. besonders beliebt war (vgl. Voltaire u.s.w.),
aber schon eine jarhtausende alte Tradition hat,
so liest diese Neuinszenierung durch die szenische Umsetzung,
obwohl sie den Text selbst nicht verändert,
diesen gleichsam gegen den Strich,
zumindest soweit, als Sarastros Reich selbst ebenfalls kaum besser ist,
als das seiner Gegenspielerin.
Die Menschen, bzw. die 'einfachen/normalen' Menschen,
sind sozusagen dem Streit zwischen Natur (Reich der Königin der Nacht)
und Wissenschaft (Sonnen-Reich Sasastros) ausgeliefert,
genauer gesagt: einer Wissenschaft,
der es an humanitär-ethsischer Selbstkritik mangelt,
die in Hybris verfallen sich für göttlich hält
(Goethes Faust lässt ebenso grüßen wie etwa
Horkheimers und Adornos Dialektik der Aufklärung)
Nebenbei bemerkenswert finde ich,
dass beide Lesearten Parallelen haben zu der Theorie
des Ich bei S. Freud, das gleichsam zwischen den Machtfelndern des
Es und Über-Ich seinen eigenen Weg finden muss,
und umso authentischer ist,
als es weder dem einen, noch dem anderen sich unterwirft,
sondern seine Autonomie und damit seine Freiheit
- immer wieder aufs Neue - erringt.

