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The Idan Raichel Project – Musik für eine bessere Welt

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Werner Lott schrieb am 18.04.2012 um 10:43
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www.idanraichelproject.com

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„Unsere Fähigkeit miteinander in Frieden zu leben hängt in erster Linie von unserer Fähigkeit ab, das zu akzeptieren, was uns unterscheidet. Ich möchte dir näher kommen, aber lass mich der sein, der ich bin. Wenn du dich mir nähern willst, heiße ich dich willkommen und respektiere wer du bist. Auf unseren individuellen Wegen sind wir auf der Suche nach Brot, Wasser, Spiritualität und einem würdigen Leben – und sehnen uns nach Liebe.“

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Mit diesen Sätzen begrüßt der israelische Musiker Idan Raichel die Besucher seiner Website. Auch wem diese Zeilen des Pathos zu viel sind, mit seinem Projekt realisiert Reichel musikalisch den von ihm postulierten Anspruch des sich aneinander Annäherns unter Achtung und Wertschätzung der Identität und Individualität des jeweiligen Anderen. Dabei hat seine Musik eine Qualität und innere Tiefe, die sie heraushebt aus der Vielzahl der Veröffentlichungen von wohlklingendem Ethnokitsch.

Mit sphärischen Synthesizerklängen unterlegte Computerbeats im harmonischen Miteinander mit entspannten Reggae-Rhythmen, äthiopischer Folklore und traditionellen jemenitischen Gesängen; Sequencerloops und dahingleitende Ambientsounds im Zusammenspiel mit orientalischen akustischen Instrumenten; karibische Leichtigkeit, arabische Poesie und biblische Psalmen kontrastiert mit von einschmeichelnder Stimme erzählten Alltagsszenen des modernen Israels – mit diesem bunten Kaleidoskop der Weltmusik unternimmt der 30-jährige Keyboarder, Komponist, Arrangeur und Sänger Idan Raichel sowohl den Versuch des Ausbruchs aus der Enge des eigenen Landes als auch die Besinnung auf die vielfältigen kulturellen Wurzeln des einen Volkes Israel.

Im Jahr 2002 startete Idan Raichel in einem kleinen Kellerstudio in Kfar Saba seine Suche nach einem eigenen, neuen Sound. Inmitten einer Batterie von Keyboards, Computern und Effektgeräten experimentierte er mit Klangfarben und Stimmungen und sammelte als gefragter Sessionmusiker erste Erfahrungen auf der Bühne. Den Entscheidenden Impuls für seine weitere musikalische Entwicklung bekam Raichel, als er nach Ableistung seiner dreijährigen Wehrpflicht in einem Internat für Einwanderer und Problemkinder zu arbeiten begann. Dort kam er mit der Musik und der Kultur äthiopischer Juden, einem der „verlorenen Stämme Israels“, in Kontakt. Fasziniert von deren Klängen suchte und fand er in äthiopischen Clubs in Tel Aviv und auf äthiopischen Hochzeitsfesten Zugang zu ihrer Musik. Zunehmend interessierte sich Raichel für die ethnische Vielfalt und den kulturellen Reichtum seines Heimatlandes. Neben der Musik der äthiopischen Juden waren es die Gesänge der jemenitischen Juden, die von spanischen Wurzeln geprägte Musik der Sepharden, aber auch die Musik der in Israel lebenden arabischen Bevölkerung, die ihn in den Bann zog und inspirierte.

Für sein zunächst nur vage konzipiertes Projekt lud Idan Raichel über 70 Freunde und Kollegen aus der vielfältigen israelischen Musikszene ein, um bei den Aufnahmen mitzuwirken. Die Musiker bildeten die Basis zu einem offenen, kreativen Kollektiv, das fortan unter dem Namen „Idan Raichel Project“ firmierte. Raichel schreibt die Songs und produziert die Musik, lässt aber jedem der beteiligten Musiker Raum, sich in das Projekt mit einzubringen. So gelang eine organische Melange der verschiedenen Stilrichtungen aus den im Ensemble vertretenen Kulturkreisen. Zunächst erwies es sich als schwierig, das erste Demoband bei einer lokalen Plattenfirma unterzubringen. Das offene Konzept, ohne Fixierung auf einen leicht zu vermarktenden Star, erschien den A&R Verantwortlichen als zu riskant. Anfang 2002 besuchte Gadi Gidor von Helicon Records ein Konzert der Gruppe, erkannte ihr Potential und nahm sie unter Vertrag. Die Reaktionen auf das noch im selben Jahr veröffentlichte erste Album „Ha’project shel Idan Raichel“ („Das Projekt von Idan Raichel“) waren überwältigend. Es begann eine der beeindruckendsten Erfolgsgeschichten der israelischen Popmusik.

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Während tagtäglich die Schlagzeilen dominiert werden von Nachrichten über Konflikte und Kriege im Nahen Osten und in anderen Regionen der Welt, steht die Musik des Idan Raichel Projects für die gelebte Utopie eines harmonischen Miteinanders, ohne Aufgabe individueller und kultureller Eigenständigkeit und Tradition.

Text und Fotos:
Werner Lott
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