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Wirklich dämmen?

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Beiträge (19 )
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saltarina schrieb am 23.02.2009 um 12:17
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Liebe Utopisten,

ich bin noch ganz neu bei Utopia. Unter anderem interesiere ich mich für diese Gemeinschaft weil ich mich mit dem Gedanken trage, ein Haus zu bauen. Das sollte aber in möglichem Einklang mit unserer Umwelt passieren. Ich lese also viel, sammle Ideen und Argumente, und bereite mit viel Zeit vor. Nun lese ich aus vielen Eurer Beiträge viel Enthusiasmus zum Thema "Dämmen" heraus. Gleichzeitig habe ich in letzter Zeit auch oft die Kritik gehört- Dämmen bringt Häuser zum Schwitzen, mit den Jahren pumpt sich der Dämmstoff mit Wasser voll und bewirkt gegenteilige Effekte. Besser sei es, dickere diffussionsoffene Außenmauern zu bauen. Was sind Eure Meinungen und Erfahrungen?
Liebe Grüße
saltarina
    habito schrieb am 23.02.2009 um 15:31
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    Stimmt, es gibt Dämmstoffe, die sich mit Wasser vollsaugen. Manche erholen sich von einem Wassereinbruch wieder (z.B. Zellulose, Holzweichfaserplatten), und andere pappen zusammen und dämmen nicht mehr (Mineralwolle).

    Dass Häuser schwitzen, ist eher eine laienhafte Vorstellung. Was passieren kann, ist etwas, das man an kalten Wasserleitungen im Keller sieht oder wenn man eine kalte Flasche aus dem Kühlschrank holt oder wenn Fensterscheiben beschlagen: die Luftfeuchtigkeit kondensiert auf kalten Oberflächen. Aber nicht nur auf Oberflächen; denn wenn man beim Dämmen Fehler macht, kondensiert die Luftfeuchtigkeit auf dem Weg nach draußen (das hat übrigens nichts mit "atmen" zu tun) im Dämmstoff, der wird also nass und dämmt nicht mehr.

    Es gibt auch Dämmstoffe, die von den Mäusen weggefressen werden, solche, die zusammensacken und Löcher entstehen lassen. Es gibt Dämmsysteme, die sehr häufig angewendet werden, sehr kostengünstig sind und mit großer Wahrscheinlichkeit die zweijährige Gewährleistungfrist schadlos überdauern können. Es gibt Systeme, auf denen Algen gern wachsen. Und noch viel mehr.

    Der diffusionsoffene Wandaufbau ist empfehlenswert. Grundsätzlich muss der Diffusionswiderstand der Bauteile von der warmen zur kalten Seite abnehmen. Das schafft man am leichtesten, indem man innen eine Dampfsperre anbringt (z.B. Alufolie). Aber wenn die eine kleine Lücke hat, nimmt das Desaster seinen Lauf. Also besser was besseres nehmen.

    Ich weiß, dass man für wenig Geld Software bekommt, die dem Laien das Gefühl geben, getrost auf Architekten verzichten zu können. Aber es geht noch billiger. Ein/e gute/r Architekt/in spart mehr Kosten ein, als sie oder er als Honorar bekommt. Eine Vorstellung von Architektenarbeit vermittelt die Seite http://www.habito.de/HASCHL.htm

    Für weitere Fragen stehe ich gern zur Verfügung.

    adiaphora schrieb am 23.02.2009 um 15:36
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    Hallo, auch wir möchten innerhalb der nächsten zwei Jahre ein Haus bauen. Ich hätte gerne ein Passivhaus. Wer hat Erfahrung damit und vor allem mit der Lüftung supergedämmter Häuser?

    mogus schrieb am 23.02.2009 um 19:28
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    Meine Erfahrung mit einem gedämmten (nicht super, aber stark) Haus mit Lüftungsanlage gehen dahin, dass die Luft im Winter recht trocken wird, da ständig sehr trockene Aussenluft zugeführt wird. Da das Haus sehr alt ist, hat es klassische Steinmauern mit Aussendämmung (nicht diffusionsoffen), so dass im Herbst noch viel Feuchtigkeit aus den Wänden verdunstet. Spätestens im Dezember reicht das aber nicht mehr, weshalb ich einen Luftbefeuchter nachgerüstet habe, der 5-8l pro Tag verdunstet. Damit ist es dann erträglich.

    Aus meiner Erfahrung (bin aber weder Architekt, noch Bauphysiker) würde ich keine "Dampfbremse" an der Innenwand verbauen und auch eher Massivwände (statt Holz Ständerbauweise) nehmen, um ein größeres Wasserspeichervermögen zu erzielen. Mit Lüftungsanlage entfallen ja die klassischen "Feuchtigkeitsspender" Küche und Bad, weil dort abgesaugt wird.

    Grüße, Christian

    MR schrieb am 23.02.2009 um 19:59
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    Hallo, auch wir möchten innerhalb der nächsten zwei Jahre ein Haus bauen. Ich hätte gerne ein Passivhaus. Wer hat Erfahrung damit und vor allem mit der Lüftung supergedämmter Häuser?

    Vielleicht hilft Dir das weiter?

    http://www.saena.de/Saena-Themen/Steigerung-Energieeffizienz/SdE_Bauen_und_Sanieren/Eeffizienz-Referenzen.html

    Die Adressen zum Besichtigen gibt es auf Nachfrage.

    habito schrieb am 23.02.2009 um 22:59
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    Mit Lüftungsanlage entfallen ja die klassischen "Feuchtigkeitsspender" Küche und Bad, weil dort abgesaugt wird.

    Stimmt, aber in den meisten Haushalten ist ein Zuviel an Luftfeuchtigkeit das Problem. Als Pufferspeicher wirken Lehmputz oder Massivholz. Nichttragende Innenwände kann man ganz aus Lehm bauen (Speicher für Feuchte und Wärme/Kälte). Große Blattpflanzen bringen Feuchtigkeit in die Räume, die Blumenerde kann aber Nährboden für allerlei Pilze sein. Luftbefeuchter sollten erst nach Studium der Testberichte angeschafft werden, weil einige Krankheitskeime vermehren.

    inaktiver User 38734 schrieb am 23.02.2009 um 23:51
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    Hallo saltarina,

    du solltest dir unbedingt mal die Häuser dieser Firma anschauen:http://www.bio-solar-haus.de/

    Wir hatten vor einigen Jahren vor ein Haus zu bauen und hatten uns, weil uns das Konzept sehr gut gefallen hat, bei dieser Firma umgeschaut.

    Die Häuser sind als Haus im Haus aufgebaut!

    Zitat aus der Webseite:

    "Naturbauprinzip Haus-im-Haus
    Klaus Becher: "Natur schlägt Technik! Die Natur ist der Technik weit überlegen, physikalische Prozesse funktionieren viel nachhaltiger als Maschinen."

    Der entscheidende Unterschied zu allen anderen Niedrigenergiehäusern:

    Bio-Solar-Häuser brauchen keine Dampfsperren und keine Lüftungsanlagen !
    "


    Das tolle bei der Firma ist, dass du erst mal in einem Haus im Sonnenpark St. Alban Probewohnen kannst!


    Außerdem besteht die Möglichkeit, falls du handwerklich einigermaßen geschickt bist, vieles per Eigenleistung machen kannst.

    Wir hatten übrigens damals das Probewohnen einfach als Wochenendurlaub gemacht, so konnten wir uns von den Vorteilen der Häuser erst mal selbst überzeugen.

    Wir hatten dann auch eigentlich schon geplant das Haus auf dem Grundstück meiner Schwiegereltern zu bauen, aber dann haben uns meine Schwiegereltern angeboten das wir den Keller zur Wohnung umbauen, sie dort einziehen und wir dann in das Haus mit einziehen. Das war natürlich dann die einfachere und auch günstigere Lösung.
    Es ist uns auch deshalb nicht schwer gefallen dort einzuziehen, weil es sich um ein Holzblockhaus handelt, ist vom Wohnklima natürlich auch spitze, aber nach reinen Isolations technischem Gesichtspunkt nicht das was heute gefordert wird.
    Die Wand ist lediglich 12cm dick und sonst nicht isoliert, daher ohne Zwangsbelüftung trotzdem klasse Raumklima ! In der Küche haben wir keinen Abzug und denoch haben wir nach dem Kochen ohne zu lüften, binnen kurzer Zeit keine Gerüche mehr im Haus. Ist übrigens beim Biosolarhaus genauso, haben wir selbst getestet !

    Durch das Holz ist, trotz der eigentlich dünnen Wand und keiner zusätzlichen Isolierung, immer ein behagliches warmes Klima. Obwohl wir über Nacht nicht heizen ist es am Morgen noch nicht unangenehm und nach kurzem Anheizen mit dem Holzofen ist es total kuschelisch Warm.

    Energietechnisch ist das Biosolarhaus allerdings klar im Vorteil und vom Raumklima her gesehen ist es meinem Gefühl nach praktisch genauso gut wie ein Holzhaus. :)

    saltarina schrieb am 23.02.2009 um 23:52
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    Lieber Habito und andere Baunach/vordenker,

    ein Passivhaus ist mir tatsächlich etwas suspekt. Die Idee, fast keine Heizenergie zu nutzen, ist ja theoretische großartig. Aber wenn ich denke, dass ich dann am Morgen nicht einfach mal riesig das Fenster aufmachen kann, um die lachende Sonne und frische Luft herein zu lassen- sondern das alles auf ein Entlüftungsanlage zu verlagern... da bekomme ich schon beim Vorstellen etwas Platzangst. Auf die Idee, ohne Dämmung und mit dicken Mauern zu bauen, bin ich tatsächlich über Freunde gekommen, die ihre Wände lehmverputzt haben, mit Wandheizung und so schönen und durchdachten Dingen. Für mich selbst muss das Konzept aber etwas anders aussehen:
    Ich bin alleinerziehend, habe gewiss zwei rechte Hände und kann sehr gut denken und planen , auch mit anpacken. Aber ein "ganz öko-korrektes" Haus wird es nicht sein können. Deshalb möchte ich mich erst einmal auf die grundsäzlichen Sachen konzentrieren, die m.E. den Rohbau und die Heizung betreffen. Also suche ich einen gut machbaren Kompromiss. Der wird natürlich immer individuell bleiben. Dennoch möchte ich Euch nach Euren individuellen Bauerfahrungen, -ideen -kompromissen fragen.
    @habito: Ich denke auch eher, mit Architekt8in) zu bauen. Habe auch schon eine recht taffe Frau gefunden, aber zum Thema "Nachhaltigkeit" etc. hatte sie noch nicht allzuviel Erfahrung.
    Danke für Eure Antworten, saltarina :)

    habito schrieb am 24.02.2009 um 12:06
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    Die Idee, fast keine Heizenergie zu nutzen, ist ja theoretische großartig. Aber wenn ich denke, dass ich dann am Morgen nicht einfach mal riesig das Fenster aufmachen kann, um die lachende Sonne und frische Luft herein zu lassen- sondern das alles auf ein Entlüftungsanlage zu verlagern... da bekomme ich schon beim Vorstellen etwas Platzangst.

    Gut, dass Du das ansprichst, weshalb Du eigentlich bauen willst: um gut zu leben, nicht um zu verzichten. Ja, man kann mit einem gigantischen technischen Aufwand nicht nur ein Passivhaus bauen, sondern ein Öko-Superplusenergie-Mega-Event-Future-Home. Leben in einem Computer. Und wenn der Strom ausfällt? Oder die neue Kaffeemaschine das Betriebssystem abstürzen lässt? Ich bin für Häuser, die funktionieren, ohne dass die Bewohner IT-Architektur studiert haben und die ihren Bewohnern dienen, statt sich bedienen zu lassen.

    Exkurs: Warum heißt es Fern-BE-DIENUNG, mit dem man durchs Fernsehprogramm zappt und nicht Fern-STEUERUNG - wer dient da wem?

    Man hat vor langer Zeit den tatsächlichen Wärmeverbrauch in unterschiedlichen Wohnungsarten verglichen. Von der Etagenwohnung im Gründerzeit-Altbau bis zum neugebauten freistehenden Einfamilienhaus. Es kam heraus, dass im Schnitt die Altbauetagenwohnungen am wenigsten Heizwärme benötigten. Ist eigentlich logisch, weil die viel weniger Außenflächen haben, durch die die Wärme entweicht. Man hat aber auch festgestellt, dass in so einem Gründerzeithaus der Energieverbrauch etagenweise unterschiedlich war und abhängig von der Art der Heiztechnik. Modernisierte Altbauten brauchen mehr Energie als ursprünglich erhaltene. Im Altbau wurde in der obersten Etage am wenigsten Heizwärme gebraucht.

    Wer eine billige Dachwohnung hat und die Kohlen 6 Stockwerke rauftragen muss und nur einen Ofen für die ganze Wohnung hat, heizt weniger als der zentralbeheizte Bewohner der Belle Etage.

    Es gibt vernünftige Konzepte, die bei geringem Ressourcenverbrauch große Behaglichkeit und einfache Bedienung und geringe Störanfälligkeit bringen. Speichermasse plus Dämmung plus Wandheizung plus Zonierung plus richtige Bauform plus Kostenoptimierung plus einige intelligente Details - das ist es.

    http://www.habito.de/WKC.htm

    Nicht ganz ernst gemeint:

    Das Haus vom IT-Architekten

    Willkommen im Bill-Gets-Haus

    Die Firma Kleinweich beglueckwuenscht Sie zum Kauf Ihres Bill-Gets-Hauses. Bevor Sie zum ersten Mal Ihre Haustuer aufschliessen, lesen Sie bitte die Seiten 1 bis 837 des mitgelieferten Handbuchs. Die Seiten 838 bis 3.715 (Fehlermeldungen) brauchen Sie spaeter. Sie finden die Gebrauchsanweisung im Subsidiary Port Ihres Exhaust Operators. Dort finden Sie auch Ihren Haustuerschluessel.

    Mit dem Aufschliessen der Haustuer erkennen Sie die zusaetzlichen Vertragsbedingungen der Firma Kleinweich an.

    Alle Komponenten Ihres Bill-Gets-Hauses sind bestens aufeinander abgestimmt, um ein velervreies Funtzionieren zu gewehrleisteten. Sollte eine der Komponenten, wie zum Beispiel Kuehlschrank, Heizung, Fenster oder Toilette, nicht zu Ihrer Zufriedenheit arbeiten, duerfen Sie diese gern auf eigene Kosten austauschen.

    Falls neu installierte Komponenten nicht mit Ihrem Haussystem kompatibel sind, muessen Sie Ihr System gegen eine passende Version austauschen, die Sie gern bei uns kaeuflich erwerben koennen. Bitte denken Sie daran, bei dieser Gelegenheit auch die anderen Komponenten Ihres Hauses zu aktualisieren, um Inkompatibilitaeten mit Ihrem Haussystem zu vermeiden.

    Im Zuge des technischen Fortschritts werden unsere Produkte und unser Gewinn staendig an unsere Beduerfnisse angepasst. Sollte ein neues Haussystem in Ihrem alten und technisch ueberholten Gebaeude nicht funktionieren, empfehlen wir den Austausch gegen ein aktuelles Haus aus dem Programm der Firma Kleinweich.

    Ihr Bill Gets

    adiaphora schrieb am 24.02.2009 um 23:10
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    für die vielen Anregungen. Ihr habt mir viel zum Nachdenken und Schmökern gegeben.:)

    adiaphora schrieb am 24.02.2009 um 23:22
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    Hallo, Deine Seite ist hochinteressant. Allerdings habe ich ein großes Problem: Wir werden grenznah (20km) in Polen bauen, weshalb ich vor allem konkrete Meinungen sammle,(z.B."die Lüftungsanlage der Firma ABC ist super, habe sie seit 5Jahren und läuft ohne Probleme" oder "Styropordämmung würde ich nie wieder machen, weil...") um dann schauen zu können, was hier machbar ist und welche Probleme auftreten können.


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