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Unabhängigkeit macht frei - wie werde ich autark?

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Beiträge (25 )
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Burnie schrieb am 20.12.2008 um 19:05
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Hi!

Hab mir die Tage aufgrund dem Beitrag von Udo (rockrebell) gedacht dass es Zeit für nen Thread wird, der sich mit der unabhängigen Versorgung intensiver auseinander setzt.

Manche haben ja schon angefangen ihre Bedürfnisse unabhängig von den grossen Strukturen zu befriedigen.
Der eine macht es mit Verzicht auf Heizenergie, der andere holt Holz aus dem nahegelegenen Wald, irgendwo dreht ein Windrad oder einer hat ne Solarzelle und erzeugt Strom speist eine kleine Inselanlage für die unabhängige Beleuchtung am Abend.

Der andere macht sein Abwasser selbst sauber, schließt den Nährstoffkreislauf mit einer Komposttoilette und so gibt es vieles, was man tun kann um sein direktes Umfeld ökologisch aufzuwerten.

Wäre schön, wenn einige hier ihre Schritte darstellen könnten, Tips dazu verfassen würden oder auch einfach fragen, wie was geht oder wie teuer etwas kommt und ob es wirklich ökokorrekt ist.

Selbst habe ich ja da ja schon lange einen Traum und auch begonnen einiges umzusetzen, allerdings auch manches wieder aufgegeben. Das hat unterschiedliche Gründe, doch dazu später, will mich gar nicht vordrängen ;)

Da ich dies hier im Bereich Bauen geschrieben hab, sehe ich erstmal die baulichen Dinge im Vordergrund, auch wenn eine Eigenversorgung mit Nahrung genauso sinnvoll ist und zu dieser Diskussion passt, es evtl Kombinationen mit dem Thema Abwasser, Nährstoffe, Gartenbau oder auch bzgl dem thermischen Geschichten in einem Gewächshaus dazu gibt.... also feel free..

Eventuell muss man auch etwas unterscheiden, ob jemand in einer Mietwohnung mit Balkon lebt oder wie ich hier mit rund 1000m2 Grundstück das mir für vieles einfach viel zu klein ist um es richtig anzugehen.

Soweit erstmal und mein Beginn ist ein winziger Ausschnitt, den jeder machen kann, egal ob in der Mietwohnung oder sonstwo:

Hab hier in meinem Dachzimmer ne kleine Solarzelle so 15x25cm aussen vor den Fenstern die 6V Bleigelakkus lädt. Diese versorgen das Radio und auch einen Wecker, Geräte die normalerweise mit Batterien betrieben werden. Demnächst wird auch die iPod Station noch angeschlossen.
Gebaut ist das ganze aus alten Akkus einer ausrangierten USV und einer Solarzelle die irgendwann mit so einem Bewegungsmelder Licht verkauft wurde. Die 6V versorgen die Geräte teilweise direkt oder über einen Spannungsregelbaustein, den man aus ein paar Bauteilen selbst bauen kann. Ein 7805 aus einem defekten Computermonitor, wie auch die Kondensatoren, USB Buchsen aus USB 1.x Hub, der keine Verwendung mehr hatte... schon gibts nen Stromanschluss fürn iPod eingebaut in ner TicTac Schachtel :) ...
Dann gibts damit noch ein paar kleine LEDs die mit nem Zugschalter ein bisschen Licht machen...

Die Anlage liefert ganzjährig hinreichend Strom um fast den ganzen Tag den Radio laufen zu lassen und dauerhaft den Radiowecker mit Strom zu versorgen..
    Gundula schrieb am 20.12.2008 um 21:09
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    Dann findet sich hier bestimmt jemand, der mir einen Link über die technischen Vorraussetzungen und mit Tipps zum Waschen mit Regenwasser nennen kann - wäre bei unserem 4 Personen Haushalt bestimmt effektiv.

    Burnie schrieb am 21.12.2008 um 12:55
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    Dann findet sich hier bestimmt jemand, der mir einen Link über die technischen Vorraussetzungen und mit Tipps zum Waschen mit Regenwasser nennen kann - wäre bei unserem 4 Personen Haushalt bestimmt effektiv.

    Gundula,

    wir waschen hier mit Regenwasser. Was meinst du mit technischen Voraussetzungen?

    Einen Regenwassertank, eine Druckleitung zur Maschine... das wird ja sicherlich klar sein.

    Die Regenwasservorreinigung ist ne Sache, ich mach es bisher so, dass ich den ersten Regen gar nicht sammle. So ist der "grobe" Schmutz vom Dach weggespült. Dann wirds Wasser über ein sehr feines Gewebe gesiebt in einen grossen Regenfass esammelt und dort darf es dann erstmal verweilen.. nach einigen Tagen ist es deutlich sauberer... und dann wird es mit einem Schlauch in den Erdtank geleitet, bis auf den Rest unten drin.
    Klappt gut und ich bin am überlegen ob ich das geplante fest installierte Reinigungsteil überhaupt noch baue.

    Irgendwann möchte ich da noch einen Wärmetauscher (Plattenwärmetauscher liegt schon hier) einbauen, so dass ich das Regenwasser noch vorerwärmen kann, im Sommer mit der Solarwärme im Winter mit dem Heizkreis.

    Burnie schrieb am 21.12.2008 um 20:04
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    Hi Udo,

    für die Wärmespeicherung eignet sich auch Paraffin recht gut, gerade da es im Raumtemperaturbereich nutzbar ist. Weiter geht auch Silicagel oder die Zeolithe, die mit Wasserdampf und trockener Luft be- und entladbar sind.

    Die Paraffine gibt es zB mikroverkapselt und können zB dem Putz beigemischt werden. Sie nehmen die Wärme dann auf, wenn der Raum über die Grenztemperatur erwärmt wird (rund 25°C) und geben sie darunter wieder ab.. ideal um solare Wärmestrahlung durch die Fenster zu nutzen.

    Tachy schrieb am 22.12.2008 um 14:19
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    Hallo Ihr Lieben!

    Ich habe eine Anleitung gefunden, wie Mensch Solarzellen selber herstellen kann.
    Nein, nicht SolarPANELS, sondern SolarZELLEN.

    Die Quelle ist in englischer Sprache, dort sind noch weitere Methoden aufgelistet, aber diese hier soll die effektivste Methode sein, die mit industriell gefertigten Zellen konkurieren kann.


    Mit Siliziumzellen konkurrieren? Warum macht das dann noch niemand?

    Wenn diese Teile einen Wirkungsgrad von über 10% erreichen, geh ich gleich morgen so Teile machen lassen ;)

    Burnie schrieb am 23.12.2008 um 01:25
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    Mit Siliziumzellen konkurrieren? Warum macht das dann noch niemand?

    Wenn diese Teile einen Wirkungsgrad von über 10% erreichen, geh ich gleich morgen so Teile machen lassen ;)


    Tachy,

    Solarzellen gibts ja nicht nur in Silizium.

    Kennst du die Methode, diese zu drucken?

    Kuck mal hier.. http://www.nanosolar.de da könnt einiges draus werden....

    inaktiver User 1038 schrieb am 25.12.2008 um 15:01
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    Mit Siliziumzellen konkurrieren? Warum macht das dann noch niemand?

    Wenn diese Teile einen Wirkungsgrad von über 10% erreichen, geh ich gleich morgen so Teile machen lassen ;)


    Mehr als der Wirkungsgrad würde mich interessieren, wie die Ökobilanz ist: sind die industriellen Prozesse zur Herstellung von Zellen ressourcen-effizienter als kleinteilige Produktion, wie ist die Gesamtökobilanz (was mache ich z.B. mit der Salpetersäure, wenn ich nicht jeden Tag - wie die Fabrik - so Zeug herstelle, usw). Hat jemand Links zu Untersuchungen?

    Bei den Blei-Akkus frage ich mich auch (ich hab sowas nicht rumstehen und müßte es kaufen, selbermachen kommt hier wohl nicht in Frage ;-) ... ich hatte schon öfter einen Prospekt mit Solarzellen und Akkus in der Hand und hab mich gefragt, ob ich das rückholbar auf das Balkondach hier montieren könnte, wie ich das Kabel reinbekomme, usw): ich spare dann die Litium-Akkus und den kleinen Ladestrom für mein Transistorradio ein, aber was kosten die Bleiakkus und die Ladeelektronik, wie ist die Ökobilanz? Hat hier jemand Zahlen?

    inaktiver User 1038 schrieb am 25.12.2008 um 15:45
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    PS noch, um auf die Frage des Threads einzugehen und off-Topic zu den Grenzen der Sinnhaftigkeit von Autarkie Stellung zu nehmen:

    ich fühle mich sehr von Autarkie als Prinzip angezogen, hab aber nur eine Wohnung mit Balkon an einer Hauptverkehrsstrasse gemietet:

    - Garten muss also erst noch werden, seufz. Nahrung ginge dann lokal gut und technikarm (insbesondere wenn man dann ein Kompostklo haben kann und den (bio-)Kreislauf schließen kann),

    - aber bei Elektronik stößt mir die Frage auf, wieviel ich selber machen will und vernünftig kann, siehe vorherigen Beitrag: ich will mich nicht mit Elektronik beschäftigen, ich weiß in meinem Beruf schon immer zu wenig, in meiner Ausbildung, meinem Hobby, noch mehr verzetteln werde ich mich nicht, Elektronik mach ich dann im nächsten Leben ;-) .

    Für mich selbst habe ich die Strategie gewählt, wegzulassen, was ich "kann": es scheint mir - für mich - sinnvoller die 100+ kWh pro Jahr eines Kühlschranks einfach wegzulassen (und die Herstellungskosten gleich mit), also an den Stellen zu sparen, wo ich das relativ unaufwändig und in relativ lohnenden, großen Einspar-Portionen kann.

    Zum Vergleich: die 6W Solar-Inselanlage liefert maximal 6W * 24 h/d * 365 d/y = ca 52 kWh pro Jahr (abzüglich ihrer Herstellungs- und Entsorgungskosten/ressourcen gemittelt über den Lebenszeittaum), da bringt es - bei mir, mit meiner fleischlosen und sehr milcharmen Ernährung - mehr den Kühlschrank ersatzlos wegzulassen: "Kinder, kommt rein, das Essen wird welk" (Otto).

    Dito bei Wärme: Weglassen (wenig heizen) kann ich mit lokalen lowtech-Investitionen (noch einen Wollpullover, usw) statt mit Hightech und Klimmzügen an der Substanz eines mies isolierten 60er-Jahre-Mietwohnung herumzubasteln. Ich warte einfach, bis das Haus irgendwann isoliert wird, dann wird's ganz von selber wärmer.

    Ich denke mir dann, ich kauf mir lieber für paar 100Euro Beteiligung an einer Solaranlage in der Stadt statt mir dafür Bleiakkus und Solarzellen hinzustellen und anzufangen herumzubasteln oder gar mit Salpetersäure herumzumachen um mir die Zellen zu bauen, nur um autark zu sein.

    Ich bin halt kein "bastler" ich geb's zu: wenn's sein muss und in meinem Lebenskontext Sinn macht, dann bastele ich schon, aber wenn nicht, dann hab ich genügend anderes zu tun, z.B. eintippen von Grundsatzfragen in Utopia ;-) ...

    Vermutlich muss jeder seinen eigenen Mix finden, je nachdem wo und wie er/sie lebt (und wie sehr er/sie gerne bastelt).

    inaktiver User 1038 schrieb am 25.12.2008 um 16:34
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    PPS: Und, um noch etwas philosophisch zu werden:

    - Unabhängigkeit macht frei von Abhängigkeit, aber sie macht auch unfrei: sie macht viel Arbeit, weil man alles selber machen muss. Manche Dinge lasse ich lieber machen (kaufe sie, wenn es Sinn macht), weil ich mich da nicht spezialisieren will oder in der endlichen Zeit kann.

    - Ganz unabhängig wird der Einzelne ohnehin nie: er/sie stirbt alleine: auch wenn er/sie gelernt hat, als Jäger/Sammler zu leben: dann stribt er/sie eben an Einsamkeit. Wir brauchen also mindestens die Mitmenschen, wir werden nie ganz autark sein.

    - Auch die Jäger/Sammler hatten Feuer, waren abhängig von dieser Technologie. Was ist Technologie? Ist Tanz eine Überlebenstechnik? (Laut einem Bericht neulich: ja). Welche Technologie ist gut, welche schlecht?

    - Unabhängigkeit/Autarkie ist für mich kein Ziel, sondern ein Mittel, um die Ökobilanz zu verbessern. Also z.B. vermeiden von ressourcenfressender Hochtechnologie durch den Einsatz lokaler, technikarmer Mittel, wenn das Sinn macht und man es will (ich will ein globales Internet, also das größte technische System der Welt, und ich will es nicht selber zusammenlöten müssen).

    So und jetzt halte ich mich wieder zurück mit dem Allgemeinkram, bastler und Tüftler für Solaranlagen, Komposttoiletten, Tretmobile, Medizin, usw vor!

    Konkrete Frage: hat jemand Erfahrung mit Komposttoiletten in Mietwohnungen?

    inaktiver User 1038 schrieb am 25.12.2008 um 17:17
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    ...
    Eventuell muss man auch etwas unterscheiden, ob jemand in einer Mietwohnung mit Balkon lebt oder wie ich hier mit rund 1000m2 Grundstück das mir für vieles einfach viel zu klein ist um es richtig anzugehen.
    ...


    Hi Burnie,

    die hier kommen mit 1000 m2 aus:

    Olkowski et al, Farralones Institue, "The integral urban house. Self reliant living in the City", Sierra Club Books, San Francisco. 1979. ( http://www.motherearthnews.com/Green-Home-Building/1976-11-01/The-Integral-Urban-House.aspx )

    Wenn wir es endlich mal schaffen, uns zu treffen, leih ich es Dir: da werden alle Themen angesprochen:
    - Pflanzenanbau (Düngung, Glashaus, Wäserung, ..)
    - Tierzucht (Kaninchen, Hühner, Fische)
    - Komposttoiletten
    - Solaranlagen
    - Dämmung
    und alles mit Bauanleitungen ...

    Witzigerweise ist das Buch von 1979: wie so vielles (zB der Grundlagenartikel von Prof. Dürr http://www.gcn.de/download/D15KW.pdf ) alles schon längst bekannt, und kocht nur jetzt wieder hoch, weil es langsam wirklich dringend wird, mit der Umsetzung.

    Gruß,
    Jonas.

    inaktiver User 1038 schrieb am 27.12.2008 um 03:49
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    Hallo Zusammen,

    Die Praxis zeigt, dass hier eine Schlüsselstelle zu sein scheint; insbesondere durch das Vorhandensein von natürlichen (geistige, körperlich/geografische) und vom Menschen geschaffenen (finanzielle/infrastrukturelle, ggf. klimatische)Unterschiede der Individuen/individuellen Lebenssituationen.



    Das sehe ich ähnlich.

    Je weiter "unten" einer steht, d.h je weniger Technik und damit Ressourcen er braucht, desto ökologisch besser und macht-technisch schlechter steht er da ... leider.

    Ich bin pragmatisch: konkretes Unabhängigwerden, usw ist sehr wertvoll! Systematische Überlegungen sind es aber auch!

    [Sorry Burnie: Dein Thread war vermutlich eher konkret gemeint, aber das Thema "Autarkie" ist für mich sehr, sehr tiefgehend, betrifft insbesondere die wichtige Frage wie wir Menschen miteinander umgehen wollen, mit unserer Autarkie/Abhängigkeit voneinander: es geht um Bewertungen, um Werte].

    Gruß,
    Jonas


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