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26. Mai 2011
In Ahwaz, der Hauptstadt der Provinz Khuzestan im Südwesten des Iran, kam
es bei friedlichen Protesten der arabischen Minderheit der Ahwazi am 16.
April 2011 zu einem Blutbad. Iranische Polizisten und Armeeangehörige
schossen mit scharfer Munition auf die Demonstranten. Allein im
Stadtviertel Kutabdullah wurden mindestens zehn Ahwazis getötet und
Dutzende verletzt. Hunderte wurden festgenommen. Insgesamt gab es nach
Angaben Iranian Minorities Human Right Organisation (IMHRO) 27 Tote.
Doch bisher ermitteln die Behörden nicht gegen die Täter.
Seit Mitte April demonstrieren Ahwazi immer wieder gegen die
iranische Zentralregierung in Teheran nicht nur in Ahwaz sondern auch in
anderen Städten des Landes wie Hamidieh, Mahshahr, Shadegan, Abadan,
und Khorramshahr. Sie fordern ein Ende ihrer Diskriminierung und der
versuchten "Iranisierung" ihrer Region. Die paramilitärischen
regierungstreuen Basij-Milizen und Revolutionswächter gehen gegen die
Protestierenden äußerst brutal vor. Sie setzen Tränengas und
Schlagstöcke ein und schießen auch mit scharfer Munition. Da der
Stadtteil Kutabdullah in Ahwaz als Hochburg der Ahwazi-Araber gilt und
es dort in der Vergangenheit immer wieder zu Unruhen kam, gingen die
Sicherheitskräfte hier besonders hart vor.
Anlass der Welle von Demonstrationen ist der Gedenktag an die
gewaltsame Niederschlagung der friedlichen Proteste der arabischen
Minderheit am 16. April 2005. Damals gingen Zehntausende Ahwazi aus
Protest gegen die "ethnische Restrukturierung" zu ihren Lasten und ihre
Diskriminierung auf die Straßen. Etwa 500 Menschen wurden verletzt und
250 inhaftiert.
Die Ahwazi sind Araber, die im äußersten Südwesten des Iran in den
Küstenregionen des Persischen Golfs leben und nach der Hauptstadt von
Khuzestan, Ahwaz, benannt sind. Ihre Zahl wird auf bis zu vier Millionen
Menschen geschätzt. Sie sprechen einen arabischen Dialekt. Die meisten
Ahwazi sind wie die Perser Schiiten. Tiefe Armut prägt den Alltag dieser
Volksgruppe. Die Ahwazi sind bis heute mehrheitlich Analphabeten. Die
"Iranisierung" ihrer Region soll durch Bevölkerungsaustausch
durchgesetzt werden. Für diese künstliche Veränderung der ethnischen
Zusammensetzung der Provinz wurden seit 1979 rund 200.000 Hektar Grund
und Boden der Ahwazi beschlagnahmt und auf persische Siedler übertragen.
Seither steigen die Spannungen zwischen den Ahwazi-Arabern und den
zugezogenen Siedlern.
Die Assimilationspolitik macht sich in vielen Bereichen des Alltags
bemerkbar. So erlaubt die iranische Obrigkeit beispielsweise keine
unabhängigen arabischen Medien in Khuzestan. Stattdessen führt sie eine
systematische Hass- und Verleumdungskampagne gegen die einheimischen
Ahwazi in den iranischen Medien. Durch die Diffamierungen bekennen sich
immer weniger Ahwazi zu ihrer eigentlichen Identität und geben sich in
der Öffentlichkeit stattdessen als Perser aus.
Bitte unterstützen Sie unseren Appell an den Botschafter der
Islamischen Republik Iran, Ali Reza Scheikh Attar, sich für die
lückenlose Aufklärung der Vorkommnisse in Ahwaz und die Bestrafung der
Täter zu engagieren.
Email Protest:
Iran: Blutbad in Ahwaz aufklären - Verfolgung der arabischen Ahwazis beenden!
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Empfänger:
info@iranbotschaft.de, appell@gfbv.de
Betreff:
Blutbad in Ahwaz aufklären - Verfolgung der arabischen Ahwazis beenden!
Protesttext:
Exzellenz,
ich bin sehr besorgt über die Ereignisse in der Stadt Ahawz im
Südwesten des Iran. Sicherheitskräfte schossen am 16. April 2011 auf
friedlich demonstrierende Menschen. Dabei gab es mindestens zehn Tote,
dutzende Verletzte und hunderte Festnahmen. Doch die Ahwazi-Araber haben
lediglich von ihrem Grundrecht auf Versammlungsfreiheit Gebrauch
gemacht. Ich appelliere deshalb an Sie, sich bei Ihrer Regierung dafür
einzusetzen, die Vorkommnisse in Ahwaz lückenlos aufzuklären und die
Täter zur Rechenschaft zu ziehen.
Die Regierung der Islamischen Republik Iran hat die Macht und die
Befugnisse, die arabische Minderheit in Ahwaz vor Übergriffen zu
schützen. Das Recht auf freie Meinungsäußerung muss gewährleistet und
Todesfälle müssen aufgeklärt werden. Nur auf diesem Wege können mögliche
Spannungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Iran
verhindert werden.
Mit freundlichen Grüßen,
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