Liebe Baumfreunde!
Zu dieser Gruppe bin ich gekommen, wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind:
Nur durch die Kontakte zu giorgiobavarese, dem "Vater" dieser Seite, kam ich überhaupt hierher.
Als ich nun seinen Aufruf las, dass sich jemand als Moderator finden lassen möge, habe ich nicht lange überlegt. Mir war klar: SO eine engagierte Gruppe darf auf keinen Fall aufgelöst werden!
Hier ist nun meine Baumgeschichte:
Eines Morgens - ich war fünf Jahre alt und machte mich gerade für den Kindergarten fertig - hörte ich Geräusche, die selbst in unserer Hauptstraße ungewohnt laut schallten: Lastwagen, schwere Maschinen. Ich war beunruhigt. Ein hässliches Kreischen begann, dann sah ich vom zweiten Stock aus die Baumkrone vor dem Elternschlafzimmerfenster plötzlich verschwinden. Ich schrie wie am Spieß. Meine Mutter stürzte ins Zimmer und versuchte mich zu trösten: „Die Arbeiter sägen doch bloß die Bäume ab, weil die Straße verbreitert werden soll!" Aber ich beruhigte mich überhaupt nicht. Im Gegenteil, ich tobte, ich schrie, ich flehte um das Leben der Bäume. Voller Zorn und laut heulend musste ich mit ansehen, wie ein Baum nach dem anderen entlang unserer Straße fiel. Ich begriff überhaupt nichts mehr und begreife es bis heute nicht: Kerngesunde, etwa 100-jährige Platanen - einfach weg!
Mit den Bäumen fiel nicht nur ein Stück Kindheit, sondern auch die Sicherheit, die mir die unverrückbaren Baumkronen vor dem Zimmerfenster gegeben hatten.
Als Erwachsene versuchte ich dann später um jeden einzelnen Baum zu kämpfen und erntete viele Jahrzehnte nach diesem für mich traumatischen Erlebnis immer noch und immer wieder Unverständnis, obwohl sich in der Zwischenzeit bei den meisten Menschen ein wesentlich ausgeprägteres ökologisches Bewusstsein gebildet hatte.
Aber für viele ist der Baum immer noch der Umweltverschmutzer, der lästige Blätterabwerfer, der Anlass für Streit zwischen Nachbarn, die tödliche Falle für Autofahrer - und nicht der Sauerstoff und Schatten spendende Freund.
Es ist schön, liebe Baumfreunde, sich bei Utopia in einer Gemeinschaft zu wissen, die mit allem Lebendigem achtsam umzugehen versucht.
Selbstverständlich sind wir alle irgendwie "kleine Sünderlein", wie es in einem uralten Faschingsschlager so nett heißt; aber das Bewusstsein für die Zerbrechlichkeit und Empfindlichkeit unserer Natur ist bei vielen Utopisten so stark ausgeprägt, dass ich wieder Hoffnung habe, unsere Welt doch noch positiv verändern zu konnen, mit euch zusammen!
Herzliche Grüße
eure Elise
PS In "Meine Welt" Nr. 36 könnt ihr unseren blühenden Apfelbaum bewundern ...
1 mensch 1 baum / Allgemeines
Mein prägendes Baumerlebnis
Liebe Elise,
vielen Dank für Deine Geschichte. Ich glaube, dass es Menschen gibt, die eine besondere Sensibilität für Bäume entwickeln können, so eine Art Seelenverwandtschaft. Du kannst das. Deswegen passt es auch, dass Du die Gruppe weiterführst. Du kannst wohl auch das Schreien hören, wenn ein Baum fällt. Manchmal ist es notwendig, dass ein Baum weichen muss, das wissen wir. Oft ist es aber auch menschliche Borniertheit, die einen Baum zur Strecke bringt. Gut zu wissen, dass Du Dich dagegen wendest.
Gruß Ulla

