Vor einigen Jahren bin ich „aufgewacht”…

und habe angefangen endlich nachhaltig zu Leben. Ich ersetzte konventionelle Produkte mit Bio, kaufte Fair Trade und Second Hand, nahm meine Stofftaschen zum Einkaufen mit, sparte Strom und Wasser und habe noch fleißiger recycled als früher. Ich habe mir sogar Gedanken gemacht, welche Bio-Produkte die „grünsten” sind, welche Firmen nachhaltig wirtschaften und welche Transportwege die Sachen hinter sich legen. Ich interessierte mich für erneuerbare Energie, ökologisches Bauen und unterschrieb eine Vielzahl von Petitionen. Kurzum haben nicht nur meine Freunde und Familie, sondern auch ich mich selbst als praktizierenden „Weltverbesserer” gesehen.

…aber irgendwie nicht richtig.

Diese selbstzufriedene, heile grüne Welt aber wurde wie eine Welle plastikverschmutzten Meerwassers weggespült als ich folgendes Video sah:



Mit schwindeligem Kopf und neuer Inspiration las ich in den nächsten Wochen alle von Bea’s Zero Waste Blogbeiträgen (www.zerowastehome.blogspot.com) und fing an völlig neue Gedankengänge zu entwickeln. Fasziniert von den praktischen Tips begann ich sofort damit die Idee in die Tat umzusetzen.

Das gestaltete sich erschreckend einfach! Für etwa ein Drittel mussten wir weder unseren Alltag umstellen noch neue Anschaffungen tätigen oder irgendwelche besonderen Maßnahmen ergreifen. Die Phase bestand unter anderem aus Ausmisten, nichts Unnötiges (wie Probepackungen, Werbung etc.) anzunehmen, nur zu kaufen was wir wirklich brauchen, Taschen/Netze/Glasbehälter mit zum Einkaufen zu nehmen etc.
Nach der ersten Woche stellte ich unseren großen Recyclingeimer auf den Balkon, wo er bis jetzt unbenutzt rumsteht (mit der Absicht ihn in einen Wurmkomposter zu verwandeln). Ein 30cm breiter Pappkarton unter der Spüle dient uns seitdem als Recycling-Behälter und wird einmal im Monat geleert.

Auch das zweite Drittel der Reise in Richtung „Leben ohne Müll" kann mit ein wenig Überlegung leicht bewältigt werden. Hier wird der Nutzen des Zero Waste Lebensstils deutlich spürbar: Zusätlicher Platz/Freiraum in unserem Zuhause, mehr Zeit für Aktivitäten und soziale Kontakte, weniger finanzielle Ausgaben, ein leichterer und fröhlicher Alltag und gesundheitliche Vorzüge. Diese Phase beinhaltete unter anderem mehr Wissen zu erlangen, den Nutzen von Gegenständen und Gewohnheiten zu hinterfragen, Sachen auszuprobieren und festzustellen ob sie für uns funktionieren, die Einkaufsroute zu ändern und Dinge mehr zu schätzen. Ich habe dabei beispielsweise gelernt, dass sich Körpercreme ganz einfach in fünf Minuten aus Bienenwachs (vom Imker nebenan) und Sesamöl (aus dem Fass in unsere mitgebrachte Flasche abgefüllt) herstellen lässt, um nur ein kleines Beispiel herauszugreifen.

Das letzte Drittel schließlich kann individuell sehr unterschiedlich sein. Eine gute Regel zum Loslassen von Gegenständen ist es, nur Dinge im Haus zu behalten, die wir lieben und ständing verwenden. Schmeckt nicht jede Mahlzeit besser, die vom „guten Porzellan” gegessen wird? Warum sollten wir es also nur zu seltenen Anlässen benutzen?
Warum sollen wir uns außerdem mit fehlerhaften Produkten abfinden, die nach einer kurzen Nutzungsdauer kaputt gehen, wenn wir Alternativen finden können? Weshalb soll ich Zeit und Geld für Dinge verschwenden, die weder mir noch der Umwelt gut tun? Und sind die meisten von uns nicht schon längst aus dem Stadium des „Plastiktüten vermeidenden” oberflächlich nachhaltigen Lebens herausgewachsen? Wir können so viel mehr verändern und müssen so wenig dafür tun!

Zero Waste ist mehr als ein Leben ohne Müll: Es ist der kritische Konsumwind und die kalte Schulter für „schlechte” Produkte. Es ist die Unterstützung für biologische, lokale und humane Produktionsweisen. Es ist der Kampf gegen den Verpackungswahn und gegen das „Allheilmittel” Recycling. Es ist der Boykott des Konsumzwangs und der Wegwerfindustrie. Es ist ein Mittel für eine gesunde Umwelt und ein soziales Miteinander. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, den wir selbst bestimmen.