Ausgerichtet von attac, Brot für die Welt, BUND, eed, Forum Umwelt und Entwicklung, Greenpeace, Heinrich Böll Stiftung und terre des hommes stand der seit 2003 alle zwei Jahre aber dieses Jahr wegen des bevorstehenden Rio+20 Gipfels erst nach dreijähriger Pause stattfindende internationale Bewegungskongress zu Globalisierung, Umwelt und globaler Gerechtigkeit McPlant.com unter dem Motto „Too BIG to fail“ statt. In dem Sinne, dass unsere Erde zu groß und wertvoll ist, um sie vor die Wand zu fahren. Mehr zur Geschichte des Kongresses usw. findet man auf der Webseite http://www.mcplanet.com/mcplanetcom/

Es gab enorm viele interessante Veranstaltungen die parallel liefen (ca. 100 von Freitagabend bis Sonntagmittag), dass ich mich am liebsten zehn Mal geklont hätte. Im Wesentlichen ging es dabei um die 6 Themenschwerpunkte Green Economy, Demokratische Partizipation, Energie, Landwirtschaft, Gemeingüter/Commons und Lebensstil. Aufgrund körperlicher und geistiger Beschränkungen (klonen will mich ja auch gar nicht ;o) habe ich nur 6 Veranstaltungen zu Green Economy, Demokratischer Partizipation und Lebensstil besucht, von denen ich drei hier und in den folgenden Beiträgen näher beschreiben werde.

Nach der Begrüßung stand die Auftaktveranstaltung „Green Economy: Alter Wein in grünen Schläuchen?“ ganz unter dem Zeichen der Wachstumskritik. Anstoß war der Green Economy Report (englisch, 631 Seiten, 43 MB) der UNEP. Die Kritiker stellten in Frage, ob wir ein wirklich nachhaltiges Wirtschaften erreichen können, wenn wir unsere Wirtschaft einfach nur grüner machen und ansonsten alles beim Alten belassen. Es wurde erörtert, ob wir uns nicht vom Dogma des Wirtschaftswachstums endlich lösen müssen.

Vom dem Vertreter der UNEP Achim Steiner kam der Einwurf, dass mindestens die Entwicklungs- und Schwellenländer auf Wachstum nicht verzichten können, weil sie unseren Lebensstandard erreichen wollen. Da hatte jedoch Camila Moreno von der Heinrich Böll Stiftung aus Brasilien einzuwenden, dass die NGOs in den Schwellenländern längst nicht mehr der Meinung sind, dass ihre Länder den westlichen Lebensstil anstreben sollten mit Wirtschaftswachstum und allem was dazu gehört, da das auch die globale Zerstörung der Lebensgrundlagen beinhalten würde.

Dies war für mich einmal mehr die Bestätigung, dass wir uns von unseren westlichen, kapitalistischen und eurozentristischen Sichtweisen lösen müssen. Wir sind so arrogant zu glauben, dass alle Welt so leben will wie wir (die Menschen in den westlichen Staaten). Dabei lästern wir gnadenlos untereinander z.B. über die fetten, uninformierten, Spritschlucker fahrenden Nord-Amerikaner und flüchten uns in im Urlaub in Länder die auf Grund ihrer Einfachheit und Naturbezogenheit auf uns so idyllisch wirken. Wir müssen unsere Denkweise gegenüber Nichtindustriestaaten radikal ändern und aufhören von oben herab mit ihnen umzugehen. Wir sollten ihnen zuhören und uns auf ihre Weltsicht einlassen – wobei ich mit ihnen nicht die vielen korrupten und habgierigen Staatenlenker meine.

Einen ganz wichtigen Punkt, der von Camila Moreno war aus meiner Sicht auch, dass wir nicht immer nur über [eine Beseitigung von] Armut, sondern auch über [eine Beseitigung von] Reichtum sprechen sollten. Je ungleicher Wohlstand in einer Gesellschaft verteilt ist, desto unzufriedener sind die Menschen und desto instabiler ist diese Gesellschaft. Für ein friedliches Zusammenleben ist es also auch notwendig, dass Wohlstand möglichst gleichmäßig verteilt ist und übermäßiger Reichtum verhindert werden muss. (Bitte nicht mit Kommunismus verwechseln. Ich bin davon überzeugt, dass sich das auch in einer Marktwirtschaft umsetzen lässt. Es kommt dabei nur auf eine sinnvolle Regulierung an. Denkbar wären z.B. Vermögenssteuern, Rendite- und Einkommensobergrenzen)

Eine „Begrünung“ der Wirtschaft wurde natürlich grundsätzlich gutgeheißen. Jedoch wurde neben der Wachstumskritik auch vor weiteren Stolpersteinen gewarnt. So haben der CO2 Handel und die Nutung von Bioenergie gezeigt, dass eine gute Idee nicht ausreicht, ja sogar (bei falscher Umsetzung) einen negativen Effekt haben kann. Deshalb kommt es bei technischem Fortschritt und allen anderen Maßnahmen zur nachhaltigen Umgestaltung unserer Wirtschaft immer darauf an, wie es umgesetzt wird.Man sollte sich also davor hüten, eine gute Idee vorbehaltlos zu loben. Viel mehr kommt es darauf an, herauszufinden wie die Umsetzung genau aussehen soll. Vor allem muss man sich die Fragen stellen: Wer wird davon profitieren? und Wem kann es schaden?

Diese Fragen sind auch im Bezug auf erneuerbare Energien zu stellen. Ein gutes Beispiel ist hierbei sicher Desertec. Weitere Fragen in diesem Zusammenhang sind: Wer wird es finanzieren / bauen / betreiben? Privatpersonen / Staaten / Kapitalgesellschaften / Genossenschaften?

Am Ende der Diskussion wurde betont, dass es kein Patentrezept geben kann, dass auf alle Staaten / Gesellschaften anwendbar ist, da die Gesellschaften auf der Erde zu vielfältig sind.