Eines der typischen Argumente in den letzten Tagen war ja das übliche "es nützt doch nichts wenn wir als kleines Deutschland aussteigen, und der Rest der Welt macht fröhlich weiter." Das Gegenargument ist dann natürlich: "Einer muß mit gutem Beispiel vorangehen". (Nicht sehr intellektuell, aber so funktioniert Politik halt. Und dann darf ich auch hinzufügen: wenn nicht jetzt, wann dann, und wenn nicht wir, wer sonst?).
Gut. Aber wir brauchen uns hier nicht auf Szenarien zu verlassen, sondern können empirische Nachweise liefern. Der britische Guardian etwa brachte heute eine dicke Meldung über Deutschlands Atom Moratorium. Die Welt schaut sehr wohl auf Deutschland, denn Deutschland ist bei weitem nicht so klein wie es sich häufig gerne fühlt - vor allem nicht im Bereich Energietechnik. Und der Guardian Artikel ist nur einer von hunderten weltweit - von Kanada bis Südafrika von Südamerika bis Asien:
http://www.guardian.co.uk/world/2011/mar/14/germany-likely-suspend-nuclear-plant-plans?INTCMP=SRCH


Kommentare (21)
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Von daher ist die Rede von "den anderen, die weitermachen" etc., die denkbar faulste Ausrede.
Insofern teile ich das im Ausgangstext genannte (und als "nicht sehr intellektuell" bezeichnete) Argument: "Einer muss mit gutem Beispiel vorangehen."
Allerdings bedarf es im Europäischen Parlament endlich einer klaren und deutlichen Priorität in der Diskussion zum Energie-Thema. Wir sind nicht allein und weit mehr vernetzt als manche glauben.
Deshalb ist auch Brüssel die erste Addresse, muss dort auch zentrale Thema werden.
Viel schlimmer sind Länder wie China und Russland, die anscheinen nicht lernen wollen. Es ist ihnen ja auch egal, ob da ein paar Millionen Menschen geschädigt werden oder sterben, wenns dort zum Gau kommt.
Da haben wir noch viel zu tun, eine Vernetzung mit Aktivisten in diesen Ländern wäre wichtig
Aktivist zu sein ist in manchen Ländern schwierig. Aber ich vermute tatsächlich einmal daß bei vielen Politikern - auch den chinesischen Apparatschiks - eine Mischung aus Unkenntniss und Phantasielosigkeit eine Rolle spielt. Ein anderes Problem ist eingleisiges Denken - das westliche Industrie- und Wachstumsparadigma als einziges Entwicklungsmodell.
Die Anderen ? Für die Anderen sind wir die Anderen!
Ein Geschäftsfeld wie EE, auf dem D (noch) zu den Innovationsführern gehört (allerdings bezüglich Patentanmeldungen hinter den USA, JP und China liegt, wenn ich das richtig im Kopf habe) und das absehbar überall auf der Welt gebraucht wird, ist genau das, was langfristig weit besser helfen wird als die weitere Unterstützung von Dinotechnik durch den Staat - egal ob diese "nur" gefährlich oder (tot-)sicher ist...
Die Strategie ist seit langem klar:
-- Energieverbrauch senken (Effizienz, Effizienz, und noch einmal Effizienz)
-- Dezentralisierung der Versorgung (regional, lokal, private Blockheitskraftwerke, PV aufs Dach, wo möglich mini Hydros, mini Windräder etc.)
-- Ausbau der erneuerbaren Energien - Solarkraftwerke, Windkraftwerke, Wellen/Gezeiten, Geothermie - und das als gesamteuropäische Anstrengung
--Ausbau und Modernisierung der Netze (Stichwort: intelligente Netze, dynamischer Lastausgleich)
Die Dinosaurier mögen in Frieden ruhen.
"Ab 01.07.2011 ist in der Bundesrepublik Deutschland zur schnellstmöglichen Abkehr von fossilen Energieträgern und einem Umstieg auf Elektromobilität bei Bauleitplanungen für Wohn-u. Gewerbesiedlungen eine siedlungsintegrierte Mobilitätsversorgungsstruktur auf Basis Erneuerbarer Energien auszuweisen ."
Da wir auch reichlich Strom exportieren, können wir auch leicht auf einige Kraftwerke verzichten - wie man sieht sogar von heute auf morgen! Ich hoffe nur, dieser Auststiege soll nicht nur den Geist benebeln, bis alle gewählt haben, um dann wieder hochzufahren. Wenn die verschiedenen Technologien für erneuerbare Energien ebensoviel Unterstützung erhalten hätten, wie einst die Atom-Technologie, wären sie genau so ausgereift und vor Allem verbreitet.
Tschernobyl war ja nur ein sowjetisches Kraftwerk, ohne unsere sicher Technologie...
Japan ist genauso sicher und entwickelt , wie Deutschland. Die Erdbebensicherheit war sogar wesentlich höher, als bei uns. Doch der Mensch kann diese Technologie einfach nicht beherrschen, zusätzlich sind die Betreiber immer unehrlich, in Bezug auf die entstandene Gefahr, informieren also die Regierung nicht sauber. Die Regierung in Japan versucht die Menschen zu beschwichtigen, um echte Panik zu vermeiden.
Mit Sicherheit wird ein Problem bei uns genauso behandelt werden! Wir haben nicht so viele Erdbeben, aber wir haben im tiefsten Winter einen tagelangen Stromausfall miterleben müssen. Auch Atomkraftwerke sind auf ständige Strom- und Wasserzufuhr angewiesen, um gekühlt zu werden.
Nach dem 11.September müssen wir immer damit rechnen, daß mal ein Flugzeug in ein Kraftwerk gelenkt wird...
Wann, wenn nicht jetzt! Wollen wir wieder 25 Jahre warten und die "kleineren" Probleme in den Kraftwerken "übersehen"?
Ich habe seit Jahren Ökostrom, da der Grundpreis zu Anfang höher war, habe ich meinen Stromverbrauch überprüft, energiesparende Lampen und Geräte nachgekauft und obwohl ich seit zwei Jahren einen Brotbackofen und eine Teigknetmaschine zusätzlich im Einsatz habe und für zwei Familien Brot backe, habe ich 2010 weniger Strom verbraucht, als 2009. Mein Abschlag ist sogar niedriger, als 2005.
Es hilft immer, genauer hinzuschauen! Ich wünsche mir, daß meine Kinder und Enkel ohne Strahlenkrebs durchs Leben gehen können!
Bisher ist Deutschland Stromexporteur. Selbst bei optimalem Verlauf des Umstiegs auf erneuerbare Energien wird Deutschland gerade noch Selbstversorger sein - Stromexporte ins Ausland fallen also weg.
In einen richtig heissen Sommer müssen die franz. AKW aber hin und wieder abgeschaltet werden, weil nicht mehr genug Kühlwasser aus den Flüssen zu Verfügung steht. Bisher konnte das nicht zuletzt auch durch Stromimporte aus Deutschland ausgeglichen werden. Wenn nun diese Stromquelle wegfällt ...
Zu der deutschen Vorbilfunktion:
Ich denke "VorBILD" ist hier das falsche Wort. Wir wäre es mit "VorREITER"? Ich bin überzeugt, dass es viele Länder gibt, in denen die Bevölkerung am liebsten ohne AKW leben würde. Die fordern das aber nur nicht, weil die durch die Atomlobby lange genug indoktriniert wurde, so dass die alle glauben, ohne Atomstrom ginge es nicht.
Wenn nun ein Land wie Deutschland den Beweis erbringt, dass 100% erneuerbar möglich ist, dann geraten die Regierungen und Industriebetriebe im Ausland ganz schnell in Zugzwang, weil dann diese Lüge in der Bevölkerung nicht mehr aufrecht erhalten werden kann.
Und der Guardian-Artikel liest sich ja auch wirklich gut. Die schwarz-gelbe Lobbykoalition hat aber wohl noch gar nicht geschnallt, dass sie da eine riesige Chance hat.... Der Nachteil: Nutzten die diese Chance konsequent, werden sie wohl an der Regierung bleiben. Dann hoffen wir aber doch lieber auf zwei Ausstiege ;-)