Zitat: "Die Zeit läuft uns davon. Es wäre besser gewesen, wenn die Regierungen sich bereits vor 10 Jahren auf den Peak vorbereitet hätten".

Prof Robert Bea, ein Experte für Risiken der Ölindustrie an der Universität Berkeley, spricht in diesem Zusammenhang von Risk Habituation. Man gewöhnt sich an das Risiko, bis man es nicht mehr wahrnimmt. Dieser Effekt ist aus vielen Bereichen des menschlichen Lebens bekannt - in gewisser Weise der dunkle Gegenspieler des Vorsorgeprinzips. Zitat Prof Bea: "Wenn man es nicht bemerkt, kann es einen töten." Und weiter: "Die Industrie macht inzwischen selbst mir Angst."

Mir macht das ebenfalls Angst. Auch wenn ich in der erneuerbaren Energieindustrie arbeite und definitiv für die Energiewende eintrete, ist es doch eine Tatsache, daß die komplette derzeitige Weltwirtschaft von Öl abhängig ist, und alle Alternativen sind auf absehbare Zeit Größenordnungen davon entfernt, das Öl ersetzen zu können - zumal die Wirtschaft einem strukturellen Wachstumszwang und dadurch letztlich einem strukturellen Mehrverbrauch unterliegt. Meine Einschätzung ist deshalb, daß die sogenannten Finanzkrisen nur ein ganz milder Vorgeschmack auf das waren und sind, was uns in den kommenden 10 Jahren bevorsteht. Die Gas- und Ölproduktion wird nur mit gigantischem Aufwand auf dem derzeitigen Stand gehalten werden können, und auch nur indem unvorstellbare großflächige Umweltvernichtung (Teersande, Hydro-Fracking) und Risiken (Tiefseebohrungen) in Kauf genommen werden.

Link zum ABC Catalyst Beitrag vom 28. April 2011:
http://www.youtube.com/watch?gl=GB&v=RaNz3qS5WAo