Man braucht es nicht lang auszubreiten - wir alle hören es Tag für Tag: die Sirenen jaulen vom Niedergang des Abendlandes für den Fall, dass in der EU einseitig eine Finanztransaktionsteuer eingeführt werden sollte. Szenarien von der vollständigen Abwanderung des Kapitals werden an ferne Nebelhorizonte projiziert, und Prognosen über fehlende Investitionen umkreisen die Medienlandschaft wie lästige Mückenschwärme. Da hört man schon einmal die Drohung "Das Geld wird abfließen nach China - den Investoren ist der Handelsplatz egal!" Aha. Mein erster Gedanke war: ist doch wurscht. Geld, das ohnedies nur für Derivat- und Devisenspekulationen im Millisekundentakt verwendet wird, brauchen wir eh nicht. Davon kommt nichts - verstärkende Wiederholung: NICHTS - der Realwirtschaft (immer wieder dieses entlarvende Wort!) zugute. Realwirtschaft. Das sind wir und unsere Kinder und Eltern und Großeltern und Freunde und Kollegen. Zur Hölle mit jedem Kapital, das dieser Realwirtschaft, dem wirklichen Wirtschaften, der WIRKLICHKEIT nicht unterworfen ist. Kümmern wir uns um die echte Welt. Wer zocken will, kann das im Casino tun. Das größte Casino der Welt in Macao bietet sich an. Wieder in China. Das wäre mein Vorschlag an die Spekulanten und Spekulantinnen. Denn bei einem Umzug vom Börsenplatz Frankfurt nach Shanghai oder Hongkong könnte ihre Freude begrenzt sein. Denn, man glaubt es kaum, dort gibt es sie längst, die gefährliche Finanztransaktionssteuer. Ich zitiere einmal den Bundestagsabgeordneten Gerhard Schick, der kürzlich von einer entsprechenden Informationsreise in China zurückkehrte:
"In Shanghai gibt es eine Finanztransaktionssteuer in Höhe von je 0,1 Prozent für Käufer und Verkäufer, also insgesamt 0,2 Prozent. In Hongkong gibt es ebenfalls auf Aktien und Aktien replizierende Derivate eine Finanztransaktionssteuer von 0,05%. Die dortige Zentralbank bestätigt, dass diese Steuer das high-frequency-trading, also sehr schnelle, oft unterhalb von Sekunden erfolgende Handelsbewegungen ausbremst und dass das gut ist, weil so starke Schwankungen vermieden werden können. Wäre ja schön, wenn solche internationalen Erfahrungen von Aufsichtsbehörden in Deutschland mal wahrgenommen würden." (aus: Schick, G., Meine Reise in China, in Cultura 21, 19.09.2011)
Auch in Brasilien gibt es eine Börsenumsatzsteuer für ausländische Investitionen - und zwar gleich satte 2%. Die Situation ist zwar insgesamt komplex, aber pauschal zu sagen Europa stünde alleine auf weiter Flur ist sicherlich Unsinn. Da ich auch den Vertretern der Bankenlobby und den Mitgliedern in die Bedeutungslosigkeit schrumpfender Parteien eine gewisse Intelligenz und ein Mindestmaß an Informiertheit nicht abspreche, nehme ich zudem an, daß diese das wissen. Das wiederum bedeutet, sie lügen uns durch die Bank bewusst an.
Ebenso unsinnig allerdings ist die Hoffnung, der Staat könne gigantische Summen mit Transaktionssteuern einnehmen. Zum einen existiert dieses Geld nicht real - bei den riesigen Beträgen handelt es sich um Umsätze, um Speichereinheiten in Computern die blitzschnell hin und hergeschoben werden. Zum anderen sind Einnahmen nicht das Hauptziel dieser Steuer, sondern ihr Zweck ist, wie der Name schon sagt, die Steuerung. Geld soll wieder dorthin fließen, wo es mehr bewirkt, als nur die eigene virtuelle Vermehrung hin zu Beträgen, denen gar keine realen Werte mehr gegenüberstehen. Die Finanztransaktionssteuer ist weniger eine Steuer, als eine Rahmenbedingung, ein Anreiz. Am besten passt das Englische Wort "Incentives". Ohne Regeln wird selbst ein Kindergarten zur Räuberhöhle.
Finanztransaktionssteuer weltweit: China macht es bereits vor!


Kommentare (5)
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http://www.utopia.de/gruppen/politik-gesellschaft-93/diskussion/fianztransaktionssteuer-auf-eu-ebene-hat-chancen-bald-197999
Dort folgender Text:
Der jahrelange Einsatz von WEED und vielen anderen Organisationen trägt endlich Früchte: die Finanztransaktionssteuer steht vor dem Durchbruch auf EU-Ebene! Am 4. Oktober will die EU-Kommission einen Vorschlag für eine Richtlinie unterbreiten. WEED analysiert den vorab durchgesickerten Entwurf der Richtlinie: http://www.weed-online.org/themen/finanzen/5123441.html. Dort findet sich auch der Vorentwurf der Kommission zum Download.
Ich kann diese Politik hier in D und Europa nicht nachvollziehen.
Wann wird hier endlich die Flagge gezeigt,
Man kann nicht oft genug betonen, dass
- die Casino-Finanzwirtschaft mit der Realwirtschaft so gu wie nichts zu tun hat, außer dass Spekulation Rohstoffe sehr teuer machen kann.
- unsere Regierungen so gut wie nichts gegen die ausufernde Finanzwirtschaft unternommen haben und dass außer langen Reden auch nichts in Aussicht ist. Dabei gibt es so viele Stellen, an denen man ansetzen müsste.
http://www.utopia.de/blog/wissen-aendert-das-denken/gerechte-werteverteilung-vorbild
Hab zwar auch eingentlich keine Zeit aber dafür dann doch:
Text der Kampagne "Steuer gegen Armut":
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Im "Zukunftsdialog" der Bundeskanzlerin ist der Vorschlag "Finanztransaktionssteuer" aktuell mit ca. 5845 Stimmen erst auf Platz 16 von ca.3250 eingereichten Vorschlägen. (23.02.2012 > 5879 > gerade 5990 Stimmen)
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Wir können von der Bundeskanzlerin viel glaubwürdiger verlangen, gegenüber der FDP von ihrer Richtlinienkompetenz Gebrauch zu machen, wenn diese Forderung durch ein 'populäres' Mandat auf ihrer höchsteigenen Website abgesichert ist. Nicht vergessen: Im Herbst 2009 haben wir mit viel Engagement Anderer innerhalb von 6 Wochen 66000 Unterschriften mobilisiert.
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Bis Mitte März kann jede/r ganz einfach (& anonym) der Forderung nach einer "Finanztransaktionssteuer" Gewicht geben:
https://www.dialog-ueber-deutschland.de/DE/20-Vorschlaege/10-Wie-Leben/Einzelansicht/vorschlaege_einzelansicht_node.html?cms_idIdea=1023
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Text auf der Seite / im Forum "Zukunftsdialog":
Finanztransaktionssteuer einführen
* am 01.02.2012 um 20:24 Uhr von poldi erstellt
Die Finanztransaktionssteuer ist längst überfällig. Der Staat muss das Primat über die Finanzmärkte zurückgewinnen. Die FDP muss ihre Blockade der Finanztransaktionssteuer aufgeben.
Der Vorschlag wurde folgenden Themen zugeordnet:
* Bürgerbeteiligung und moderne Verwaltung
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Kommentar von "klaus k" bzw mir:
Zur Finanztransaktionssteuer sollte noch ein Gesetz dazu, das Firmen(Chef's) zwar erlaubt in's Ausland zu gehen, aber die Maschinen,... hier bleiben müssen bis alle hier erhaltenen Subventionen an die Staatskasse zurück gezahlt worden sind.
Das würde schnell andere Staaten(Vertreter/innen) auf die gleiche Idee kommen lassen und schon wäre es den Firmen(Chef's) nicht mehr so einfach uns zu bestehlen.
am 23.02.2012 um 07:08 Uhr von klaus k (Gast) kommentiert
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Bitte auch hier bei utopia.de auf dieser Seite und auf www.utopia.de/blog/wie-sieht-das-optimale-wohnumfeld-aus/finanztransaktionssteuer-die-steuer "Empfehlungspunkte" geben, damit viele andere utopist/inn/en von dieser Aktion erfahren,... ;-)