Ich bin sicher kein sogenannter "führender Wissenschaftler", aber ich widerspreche Frau Merkel dennoch. In Fukushima liegen angeblich alleine im Ausklingbecken des Reaktors 4 nicht weniger als 6 Tonnen Plutonium. Jeden, der einmal ein bischen Kernphysik studiert hat, muß alleine das bereits in Schaudern versetzen. Der Wind weht derzeit die Emissionen des Fukushima Supergaus auf den Pazifik hinaus. Eine unmittelbar gute Nachricht für die Bewohner von Tokio. Und wir sind weit weg vom Pazifik, nicht wahr? Da fällt mir ein - noch vorgestern haben meine 3 kleinen Töchter Fischstäbchen gegessen, hübsch zertifiziert vom Marine Stewardship Council. Aber was stand dort noch gleich als Herkunftsnachweis...? Da war doch was? Biomagnifikation, Welternährung, Nahrungskette...??

1993 Schrieb ich in meinem Buch "der Vierte Affe - wie wir heute denken müssen, um morgen zu überleben" (Beustverlag - der Verlag ging pleite bevor Buch erscheinen durfte):

"Man kann, ohne sich mit den Details der Systemforschung beschäftigen zu müssen, eine einfache Definition von Chaos zur Hilfe nehmen: Ein System verhält sich chaotisch, wenn eine extrem kleine Veränderung der Anfangsbedingungen zu einem völlig veränderten Verhalten des Gesamtsystems führt. Das wissenschaftliche Bild, das man zur Illustration solcher Vorgänge benutzt, ist eine Art Pfad in einem so genannten Zustandsraum. Ein bestimmter Zustandswert, im Klimabeispiel die Temperatur, bewegt sich entlang eines solchen Pfades oder Attraktors. Bei der Simulation komplexer dynamischer Systeme im Computer stellt sich überraschend heraus, dass es für fast identische Anfangsbedingungen eine ganze Horde solcher Attraktoren gibt. Sie stellen die Menge aller Möglichkeiten dar, die für die zukünftige Entwicklung dieses Systems in Frage kommen.


Aus Sicht einer Risikoanalyse ist an dieser Schar von Attraktoren oder Zustandspfaden eines geradezu bestürzend: Selbst zwei dicht beieinander liegende Pfade können sich später in völlig unterschiedliche Richtungen aufspalten. Dabei kann das System durch geringe Störungen von einem Pfad auf den anderen versetzt werden. Bei diesem Vorgang hat man es mit einer gänzlich anderen Qualität zu tun, als bei kippenden Stühlen und anderen Gleichgewichtsproblemen, denn es lässt es sich grundsätzlich nicht voraussagen, wie sich das System langfristig verhalten wird.

(...)
Heute ist es bereits allgemeines Wissensgut, dass Schadstoffe sich in Organismen anreichern. Die Konzentration von Schwermetallen in unseren Knochen (und dazu gehören nicht nur Blei und Cadmium, sondern auch z.B. Uran und Plutonium) nimmt im Laufe unseres Lebens ständig zu. Auch viele andere Stoffe, giftige und ungiftige, reichern sich in Organismen an – in Fett und Bindegewebe, in Muskeln oder im Nervensystem. Das nahe liegende Fachwort für diesen Vorgang ist Biokonzentration. (...)

(...) Die radioaktiven Elemente des Atomversuches in meinem Szenario tauchen also hoch konzentriert im Vogeldung wieder auf. Der wird dann im großen Stil abgebaut, zu Fest- oder Flüssigdünger verarbeitet, nach Europa verschifft und an unsere Tomaten verfüttert. Die so gedüngten Tomaten nehmen die unerwünschten Bestandteile mit auf, die dann in unserem gesunden Salat à la Nicoise landen und sich schließlich zum Sammelsurium der übrigen angereicherten Stoffe in unseren Körper gesellen.


So kommt es, dass bedingt durch die Globalisierung des Warenaustausches ein Mensch in Europa an der Spitze der marinen Nahrungskette des äquatorialen Pazifiks stehen kann. Doch dieser Mensch scheidet einen Teil der aufgenommenen Stoffe ebenfalls wieder aus, und so gelangen sie über Abwasser und Flüsse letztlich aufs Neue ins Meer. Eines Tages scheidet der Mensch dann aus dem Leben (und bei dem im Körper angesammelten Stoffgemisch kann das um einiges früher geschehen als geplant) und wird als Ganzes mit all den angereicherten Schadstoffen auf die eine oder andere Weise dem irdischen Stoffkreislauf wieder zugeführt.


Solange die Quellen der (Schad-) Stoffe nicht massiv eingedämmt werden – und das wird unter den fatal kurzsichtigen Bedingungen einer rein auf Wachstum ausgerichteten Weltwirtschaft niemals auf breiter Ebene geschehen - beginnt nun der Kreislauf immer wieder von vorne. Nur werden die Konzentrationen bei den Kleinlebewesen am Anfang der Nahrungskette bei jedem Durchlauf höher. Wir können also davon ausgehen, dass die Konzentration von Giften in den Lebewesen auf höheren Stufen kontinuierlich ansteigt. Und genau das geschieht auch. Anfang 2003 erließ die norwegische Regierung ein Exportverbot für Walfleisch. Dies geschah nicht etwa, weil die Norweger plötzlich ihr Herz für Wale entdeckt hätten, sondern schlicht deswegen, weil das Fleisch der untersuchten Meeressäuger dermaßen mit einem regelrechten Cocktail giftiger Chemikalien kontaminiert war, dass es sich aus ganz konkreten medizinischen Erwägungen für den menschlichen Verzehr nicht mehr eignete. Dasselbe gilt für die übrige Tierwelt wie Robben, die sich von ihnen ernährenden Eisbären, und auch die in der Arktis lebenden Inuit und andere Ureinwohner, die sich traditionell von Meerestieren ernähren. Diese inzwischen allgegenwärtigen Chemikalien stammen aus industriellen Produktionsstätten, die sich an beliebigen Orten auf dem Globus befinden können. Letztendlich wird die Existenz eines jeden Lebewesens auf der Erde von den natürlichen globalen Stoffströmen bestimmt."

Auch schon 2003 war nichts davon wirklich neu. Was also ist los mit Frau Dr. Merkel?