Die Antworten vieler Utopisten, eingängige Recherche und mein Selbstversuch, alle gesammelten Rezepte auf Preis, Putzleistung, Umwelt- und Sozialverträglichkeit zu prüfen, sind im Folgenden didaktisch zum Nachmachen zusammengefasst. Ich freue mich über weitere Rezepte und regen Erfahrungsaustausch. Wer weiß z.B. Alternativen für die Holzbodenreinigung? Viel Spaß beim Lesen und Putzen!
P.S. Die hier entstandene Produktserie „Putzen 21“ braucht noch ein tolles Produktdesign, das keinen Zweifel über die Wirksamkeit dieser Rezepte mehr erlaubt und als Probierversionen an Freunde und Bekannte verteilt werden kann. Also her mit euren Ideen!
Teil 1: Soda - Allzweckreiniger, Fleckenreiniger & Spülmittel
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Soda (li.) ersetzt eine ganze Putzmittelfamilie
Wirkstoff: Soda (Natriumcarbonat, Na2CO3) – hier Kristallsoda bzw. Waschsoda.
Nicht zu verwechseln mit Speisesoda (Natriumhydrogencarbonat, NaHCO3. Auch unter Backsoda oder Kaisernatron bekannt), oder gar mit der ätzenden Natronlauge (NaOH, engl.= Soda).
Anwendungsbereiche: Wirksam gegen Fett und hartnäckiger Schmutz auf Kleidung, abwischbaren Oberflächen oder Geschirrteilen. Ersetzt Allzweckreiniger/ Badreiniger, Fleckenlöser, Geschirrspülmittel und sogar das Mundwasser…
Dosierung:
1. Putzen im Haushalt (Allzwecklösung): 2-3 Esslöffel Soda auf 5 Liter (warmes) Wasser
2. Als Spülmittel (nach einem Rezeptvorschlag von nine-sun): 1 Teelöffel Soda, 85 ml flüssige Seife, 500ml (warmes) Wasser, 20 Tropfen ätherisches Öl. Bei angebrannten Töpfen einfache Allzwecklösung im Topf aufkochen. Anmerkung: Ich fand es sehr schwierig eine natürliche Flüssigseife aufzutreiben. Die meisten Flüssigseifen sind außerdem i.d.R. für die Anwendung auf die Haut gedacht und enthalten daher rückfettende Substanzen. Das ist zwar schön für die Spülhände aber nicht so geeignet für Gläser. Prinzipiell ginge die herkömmliche (Hand)Flüssigseife für diese Rezeptur aber schon. Allerdings habe ich Flüssigseife (auch die natürliche) nur in Plastikverpackungen gesehen. Auch beim Großhandel gibt’s keine Glasalternativen. Da kann ich genau so gut das gute alte Froschspülmittel aus der praktischen Dosierplastikflasche nehmen. Preislich hat mich die natürliche Flüssigseife nicht überzeugt. Da ich eine Spülmaschine habe, spüle ich Geschirreinzelteile wie Töpfe mit der einfachen Sodalösung ganz ohne Seife und Duftöle. 20 Tropfen ätherisches Öl erscheinen mir zudem etwas viel. 1-2 Tropfen reichen auch, wer’s mag.
3. In der Spülmaschine: Einen gehäuften EL Soda pur einfach ins Spülfach geben.
4. Putzen im Außenbereich (Gartengeräte, Zäune, sonstige Arbeitsgeräte usw.): 4-5 Esslöffel Soda auf 5 Liter (warmes) Wasser.
5. Als Flecken- und Fettlöser für Wäsche: Vorwäsche aus 1-2 Esslöffeln Soda auf 10 Liter heißes Wasser.
Preis: z.B. 500g Waschsoda von Holste – Tradition und Fortschritt (;-) in der Papiertüte für 0,95 EUR!
Wo erhältlich: In jedem Drogeriemarkt und in einigen Supermärkten.
Mein Fazit: Spitzen Preisleistungsverhältnis, vielseitig anwendbar, biologisch vollständig abbaubar und umweltfreundlich verpackt. Note: 1,0.
Teil 2: Entkalken mit Citronensäure
Teil 3: Entkalken mit Essig
Teil 4: Allzweckwaffe Waschnüsse?
Teil 5: An Orangen ist mehr dran als es scheint


Kommentare (28)
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Ich werde das sofort testen :-)
Interessant wäre, diesen und andere deiner Vorschläge in Bezug auf (wie nenne ich es....?) Kleinkindhygiene zu überprüfen. Eventuell kann man in dem Bereich ja auch einiges ersetzen oder mindestens verbessern. Obwohl: Unsere Kleine bekommt schon nur ein Mindestmaß an Pflegeprodukten, Waschen mit warmem Wasser geht auch :-)
Ich schätze aber, du beziehst deine Frage auf die Verwendung der Waschnuss zur Körperreinigung. Also erstmal ist die Waschnusslösung ein ganz simple Seife wie jede andere auch, nur dass dort eben keine rückfettenden Substanzen oder Parfüme und sonstiger Kram drin ist. Rückfettung wäre für Kinderhaut aber vielleicht ja wünschenswert. Andererseits ist diese Seife gut verträglich für Allergiker gerade weil diese Substanzen nicht enthalten sind. In jeden Fall ist Waschnussseife vom Schadstoffsapekt unbedenklich, weil nix toxisches drin ist. Die Frage wäre also, ob die spezifischen Hauteigenschaften deiner Kleinen auf Dauer auf die Nuss negativ oder positiv reagieren. Da wäre dann auf jeden Fall eine längere Testphase von 6-8 Wochen oder so sinnvoll. Interessant wäre sicher noch mal den pH-wert zu messen, also den Basengrad, der ja auch durchaus entscheidend sein kann für die Hautverträglichkeit. Käme dann sicher auch auf die Lösungskonzentration an und wäre damit individuell abstimmbar.
Gruß Emma
Schon klar, ich meinte auch eher die Hygiene quasi ums Kind und uns herum ;-)
Danke für die Ausführungen, ich werde noch heute dieses Zeugs besorgen.
http://www.andreas-boerner.de/kulinarisches/laugengebaeck_de.php?s=begriffe
und Links in der rechten Spalte.
http://www.utopia.de/gruppen/wohnen-haushalt-112/diskussion/soda-in-die-spuelmaschine-564
Weil ich kein heisses Wasser aus dem Hahn in der Küche habe, koche ich immer was im Wasserkessel auf und gebe dazu einen Teelöffel Soda. Wenn man den Eindruck hat, dass die Waschkraft nachlässt, kann man nochmal Soda hinterherkippen oder direkt auf die Spülbürste streuen. Wenn man die Gläser glänzend will, muss man gegebenenfalls nochmal nachpolieren.
Laut meinem Informanten war Soda das Standartspülmittel in der Sowjetunion. Und das "künstliche" hat sich in den Nachfolgestaaten scheinbar auch noch nicht 100pro durchgesetzt.
Angeblich nimmt das Geschirr nach einer Zeit einen speziellen Geruch an, zum Beispiel Töpfe, nach dem was vorher drinnen war. Das habe ich nach einer viermonatigen Testzeit noch nicht feststellen können, aber sollte es soweit kommen, werde ich mal nen Zwischenwaschgang mit Essig probieren.
im Grunde ist beides (Backsoda und Waschsoda) ja eine Base (oder Lauge) bzw. ein Carbonat (oder Salz), Waschsoda ist nur absolut nicht verzehrbar. Ich lasse den zusätzlichen Schuss Flüssigseife auch häufig weg, wenn ich keine da habe.Aber da meine Mitbewohner doch hin und wieder mal Spülmittel anschleppen, mische ich es eben unter, aber ganz gering dosiert. Aber es fällt mir schon auf, dass die Wirkkraft des Putzmittels auch abnimmt ohne diesen einen Schuss Seife und das hat etwas mit der Schaumwirkung zu tun, die besonders hartnäckigen Schmutz besser löst. Andererseits hilft da längeres Einwirken im heißen Wasser genauso gut. Zu letzterer Praxis tendiere ich auch.
Soda ist vielmehr ein Waschhilfs- und Einweichmittel als ein Waschmittel für den "täglichen" Gebrauch. Du kannst es ergänzend ins Spülfach geben, wenn du z.B. stark verschmutzte Wäsche oder weiße Wäsche mit grauschleier hast (2-3 Esslöffel). Du kannst dann bei der Dosierung mit normalen Waschmittel entsprechend sparsamer sein. Noch besser entfaltet es aber seine Wirkung beim Einweichen. Soda höher dosiert wird wohl aber die Fasern angreifen auf Dauer, daher nicht zu empfehlen als WaschmittelERSATZ. So lautet zumindest die Empfehlung des Sodaherstellers HOLSTE http://www.holste.de/holste.htm
Besonders allergiker- und umweltfreundlich sind hingegen Waschnüsse, die ich persönlich zwar nur bedingt als 100%ig nachhaltig beurteilen würde (kommt für mich auf die Anbauregion an, wie transparent der Anbau ist und welche weiteren Markeffekte der Export hat), aber immer noch eine erwähnenswerte Alternative darstellen. Mein Gesamturteil plus Diskussion dazu findest du hier: http://www.utopia.de/blog/was-nachhaltigkeit-manchmal-auch-mit/putzen-21-teil-4-waschnuesse
Ansonsten schau doch mal in diesen Thread zu palmölfreien Waschmitteln: http://www.utopia.de/gutefragen/fragen/oekologisches-waschmittel-ohne-palmoel-oder
Gruß Emma
Super!
Als Ergänzung bei Weißwäsche konnte ich persönlich mit Soda leider keine meßbaren Erfolge erzielen.
Für die Spülmschine werde ich es sehr gerne ausprobieren. In Ermangelung eines Spülmaschinenreinigers hatte als junger Kerl mein Mann vor Jahren mal Waschmaschinenpulver eingefüllt - es war so ein Junggesellenversuchserlebnis, denn der Schaum quoll aus allen Ritzen der Maschine (wie der Gries aus dem Topf des Mädchens im Märchen) *lol - vielleicht hatte er auch nur zuviel genommen? Also werde ich es mit Soda gerne versuchen, denn da bin ich gerade auf der Suche nach einer öko-Variante für die Spülmaschine!
Ich bin auch erstaunt über den güstigen Preis - ich hatte mein Soda recht teuer beim Waschbär-Versand gekauft, weil ich eine ökologische Anti-Grauschleier-Lösung wollte.
Werde direkt bei dm nächstes Mal die Augen offen halten :-)
Also nochmal danke!
Nach fünf Jahren Zahnproblemen, ständig neuen Löchern und Parondontose hab ich nach Alternativen zu den offenbar nicht ausreichenden Zahnpasten gesucht. Mein Experiment läuft seit 2011 bisher mit umwerfenden Erfolg. Jedes Mal, wenn ich mein Pulver auf Reisen nicht dabei habe, geht der Ärger wieder von vorne los. Muß also was dran sein.
Rezept: je 1 TL Natron, (flouridiertes) Kochsalz und getrockneten Kräutern (Minze, Salbei) zusammen fein Mörsern und durchsieben. Trocken lagern!! Feuchte Zahnbürste reindippen, nicht zuviel nehmen, da zuviel Salz am Zahnfleisch unanagenehm ist. Am Besten kombiniert mit regelmäßig Zahnseide und gut gepflegten Zahnbürsten.
Besser nicht: Kreide, Heilerde oder sonstige Schleifmittel, wie sie in manchen Zahnpulver-rezepten emfpohlen werden. Braucht man nicht und reiben nur den Zahnschmelz dünn.
Das Salz dient dazu, die natürlichen Aufbaustoffe im Speichel zu nutzen, indem der Speichelfluss angeregt wird. Die Kräuter sind hauptsächlich für den Geschmack (mit geringer Heilwirkung: Salbei desinfiziert, Minze ist gegen Mungeruch) und helfen bei der Dosierung, weil das Pulver weniger konzentriert ist.
*editiert 04.05., 01:20
Soda könnte auch zum Zähneputzen verwendet werden, dann müsste aber der Anteil in der Mischung stark reduziert werden, da es zusammen mit Wasser (bzw. Speichel) eine ziemlich starke Lauge bildet.
Den Tipp mit dem Mundwasser habe ich jetzt auch endlich mal rausgenommen.
Würde für ein Zahnpulver nur Backsoda oder Backpulver verwenden. Und das, wie du schon schreibst, in geringen Mengen. Meine eigene Unsicherheit mit reizenden Bestandteilen im Zahnpulver brachte mich letztlich doch zur Schlämmkreide...
Den Begriff "Backsoda", der anscheinend eine (zu) wörtliche Übersetzung des im englischsprachigen üblichen "baking soda" für Natron darstellt, finde ich übrigens auch ziemlich verwirrend. Können wir nicht einfach Soda "Soda" nennen und Natron "Natron"?
Waschsoda, das nicht zum Verzehr gedacht ist, kommt mir nicht in den Mund. Man würde ja auch kein Streusalz verwenden bloß weil's billiger ist. Zahnpulver-Zutaten sollten immer geprüfte Lebensmittelzutaten sein, denn ein Rest bleibt ja auch nach dem Spülen im Mundraum! Ich dachte nicht, dass ich das extra erwähnen muß.
Boden (Fliesen) mit 2 El Soda und 4 Tropfen ätherisches Öl auf 4 l Wasser funktioniert super!
Geschirrspülrezept auch prima, ich habe das ätherische Öl weg gelassen und die Flüssigseife auch, mit Bürste oder Schwamm an einem Stück Kernseife (gibt es in Papier verpackt in allen Bioläden) gerieben und damit das besonders verschmutzte Geschirr gereinigt - funktioniert sehr gut. Hinterher in kaltem Wasser mit einem Schuss Apfelessig nachgespült!