Den Brief habe ich von der Veggie-times (Vebu.de) heruntergescannt, weil ich nichts verlinken wollte, sondern dass er hier an Ort und Stelle gelesen werden kann.

Dass gerade das Schwein hier herhalten muss, wundert nicht, über 1 Million Schweine werden in Deutschland jährlich geschlachtet. Dabei sind gerade diese Tiere mindest so intelligent wie durchschnittlich 3-jährige Kinder. Schweine sind sozial, nicht nur ihren Artgenossen gegenüber, reinlich, wenn man sie lässt (keine Verschmutzung des Schlaf-und Fressplatzes), fürchterlich neugierig, erkennen auch den Ruf eines eigenen Namens und ihr Geruchssinn ist um ein vielfaches höher als der von Hunden.

Dass sie in der Massentierhaltung ein für sie erlebares fürchterliches Leben führen, möge dieser Brief bezeugen
Der Autor ist Wolfgang Edelmayer

Brief eines Schweines
Ich schreibe diesen Brief ein paar Stunden vor meiner Hinrichtung. Das mag seltsam klingen, weil niemand etwas davon gesagt hat, aber mit der Zeit spürt man das. Glaube ich. Vor fünf Jahren kam ich auf die Welt und ich erinnere mich sehr gern an die Zeit, Ich war eines von fünf Kindern.Wir waren alle gleichzeitig da und meine Mutter hat sich sehr liebevoll um uns gekümmert. Es war eine herrliche Zeit voller Abenteuer. Wir konnten essen, soviel wir wollten, durften den ganzen Tag spielen, alles war friedlich und mittlerweile weiß ich, dass wir ein Privileg hatten […].

Und dann, nach drei Jahren, hat sich von einem Tag zum anderen alles verändert. Wir kamen alle in einen Zug. Die Älteren von uns wussten wohl, was auf sie zukommt. Einige haben sich gewehrt und wir Kleinen standen daneben, als sie einer Kuh alle Beine gebrochen haben. Sie konnte nicht mehr weitergehen und immer wieder schlugen sie auf sie ein und es hat lange gedauert, bis sie in ihrem eigenen Blut erstickt ist. Wir konnten nichts machen – nur stumm zusehen. Zwei Tage und Nächte kauerten wir in diesen engen Käfigen auf dem Transport. Es war soviel Weinen zu hören. Manchmal verstummte es, wenn jemand aufgegeben hatte […]. Dann kamen wir an. Und so wie wir hineingejagt wurden, schlug man uns in eine neue Heimat. Zwei Brüder von mir hatten es nicht überlebt. Sie sperrten uns in Ställe, die so klein waren, dass es immer mühsam war, sich überhaupt zu drehen und es scherte sich keiner, wer wir waren und zu wem wir gehörten.
Von diesem Tag an habe ich nie wieder die Sonne gesehen, nicht den Mond. Ich habe nie wieder den Duft einer Blume genossen, noch die Stimmen der Vögel gehört […].
Und jede Woche haben sie einige von uns mitgenommen. Es kamen meistens drei Männer, haben wahllos in den Stall gegriffen, die Schweine an den Ohren gepackt, an den Beinen und sie hinausgetragen. Jedes mal haben wir alle zugesehen und uns still verabschiedet. Wenn sich jemand gewehrt hat, haben sie mit einem großen Hammer auf den Kopf geschlagen, bis sich nichts mehr bewegt hat. Mit der Zeit haben wir uns daran gewöhnt und waren dankbar für jeden Tag, den man uns gab. Jeder Tag, der eigentlich nichts zu geben hatte. Bloß Warten. Als sie meine Mutter geholt hatten, war es sehr schlimm. Und trotzdem hatte sie noch die Kraft, sich mit einem Blick von uns Überlebenden zu verabschieden. Ich weiss, dass ich meine Mutter wiedersehen werde. Irgendwann, irgendwo; das fühle ich; genauso wie ich weiss, dass ich nicht mehr lange hier bin.