Ich bin ein typisches Kind der achtziger Jahre der Bundesrepublik Deutschland. Meine Eltern waren überzeugte Ökos 1.0: trennten den Müll, aßen saisonbedingt und verhielten sich alles in allem sehr bewusst. Ich war auch sehr politisch, wollte Veränderung und habe mit Sorge den Club of Rome Report gelesen. Nun fragen sich manche: „Wo ist die „Revoluzzerin“ der Achtziger geblieben?“ Untergegangen im Rausch des wirtschaftlichen Erfolgs? Zugegeben, das Leben lebt sich schnell, wenn man zwischen 20 und 30 ist, da gibt es viele andere Themen, die auch wichtig sind, besonders wenn man eine Firma aufbaut. Das änderte sich, als ich nicht mehr nur Unternehmerin, sondern auch Mutter war. Durch den Klimawandel realisierte ich wieder, dass man was machen muss. Doch weil ich die Unternehmerwelt kenne, weiß ich auch, dass Steine schmeißen und anklagen keinen Erfolg bringen. So öde es klingen mag: Ich glaube nicht, dass es nützt Andere an den Pranger zu stellen, weder im Privaten, noch in der Wirtschaft, weil sich die Gegenseite abwendet und „zumacht“. Ich habe gelernt, dass es nicht reicht zu schreien und zu zeigen, was alles falsch läuft, sondern dass das Aufzeigen von Lösungen die wirklichen Veränderungen bringt. Zusammen mit Anderen habe ich deshalb Utopia gegründet – als Basis für den konstruktiven Dialog zwischen Verbrauchern und Unternehmen. Und weil eben das Konstruktive im Vordergrund steht, reagiere ich allergisch, wenn „draufgehauen“ wird ohne Lösungen aufzuzeigen. Es ist dann einfach für Unternehmen sich abzuwenden und verständlich und logisch dazu! Auf Angriffe sind sie gepolt, die Reaktion darauf ist jahrelang eingeübt: Rückzug. Greenpeace und Attac gehen einen anderen Weg, sie decken auf und klagen an. Das ist auch okay so, denn es ist einer von vielen Wegen und oft genug sehr erfolgreich. Auf Utopia wollen wir es anders machen. „Positiv“ ist eins unserer wichtigsten Attribute, Vertrauen in die Bereitschaft zum Wandel. Das bedeutet nicht, dass wir nur Ja und Amen sagen. Wir fordern Unternehmen heraus, aber konstruktiv, das heißt mit Lösungsansätzen. Es ist verdammt einfach zu kritisieren, aber schon deutlich schwerer Lösungen aufzuzeigen.Und das ist auch für große Unternehmen bei bestem Willen nicht immer ganz einfach. Gerade weil ich aus eigener Erfahrung gelernt habe, wie die Businesswelt funktioniert, bin ich überzeugt, dass wir das Motiv des Eigennutzes akzeptieren müssen, um den gesellschaftlichen Wandel voranzubringen. Ja, Unternehmen handeln eigennützig. Gewinn ist ein wichtiger Antrieb für jedes Wirtschaftsunternehmen. Doch auch die Selbsterhaltung ist eigennützig. In einer Welt, in der Märkte durch Klimakatastrophen zerstört werden, die Kaufkraft sinkt, weil die Armut (ebenfalls oft Klima-bedingt) steigt, sinkt die Profitabilität von Unternehmen. Das mag hier im westlichen Teil der Erde noch nicht so akut sein, dafür steigt hier der Anteil an bewussten Verbrauchern. Ausserdem hat uns die Finanzkrise der letzten Monate gezeigt, wohin ungezügelte Gier uns bringt. Ja, nachhaltig Wirtschaften macht also Sinn – auch für Unternehmen. Deswegen wollen sie den Dialog. Doch wenn wieder draufgehauen wird, machen sie dicht. Dann ändert sich nichts. Deshalb meine unbedingte Bitte an alle Utopisten: kritisiert, deckt Missstände auf, seid wachsam, aber seid konstruktiv. Und lasst uns die große Chance, die im Dialog mit den Unternehmen liegt nutzen – zum Gewinn aller! Liebe Grüße Claudia