Es stellte sich heraus, das ihre direkte Kollegin beurlaubt wurde: dieses aus dem Grund, da sie ein Kopftuch während der Arbeit trägt.
Diese beurlaubte Kollegin ist zum muslimischen Glauben konvertiert: wie wir alle wissen, legte sie bisher ihr Kopftuch vor dem Betreten unseres Firmengebäudes ab.
Seit einigen Tagen trägt sie dieses auch während ihrer Arbeit.
Heute besuchte uns unsere Geschäftsführung: und sofort wurde ihre Beurlaubung ausgesprochen.
Mir als Atheistin sind religiöse Gedanken an sich schwer nachvollziehbar, aber ich akzeptiere diese.
Warum sollte sie nicht ihr Kopftuch tragen, wenn es ihr so am Herzen liegt?
Sie ist eine allgemein anerkannte, sehr freundliche Kollegin mit großem Fachwissen: und nur, weil sie jetzt ihr Kopftuch auch während der Arbeit trägt, ändert das doch nichts an ihrem Wesen und ihren Fähigkeiten.


Kommentare (20)
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http://www.emma.de/index.php?id=kopftuch_als_waffe_2009_5
"Das Kopftuch aber steht nicht für die Gleichberechtigung der Geschlechter."
In meinem Blog habe ich ebenfalls Stellung dazu bezogen:
http://www.utopia.de/blog/bubensteyns-beschauliche-blatter/kopftuch
Mein erster Impuls ist zu sagen, so ein Schwachsinn, natürlich soll sie Kopftuch tragen dürfen.
Es würde mich auf sicher nicht stören, wenn es meine Kollegin wäre und wenn ich weiß, es ist ihr wichtig.
Meine türkische Nachbarin, die selbst kein Kopftuch trägt, hat eine Schwester, die in Burka-ähnlichem Gewand geht, nur das Gesicht ist frei.
Ich mag beide gerne.
Toll finde ich den religiösen Kleider-Code aber nicht.
Nicht, weil ich grundsätzlich unreligiös bin, sondern weil es für mich eine Art ist zu zeigen:
Ich bin anders als Du.
Ich bin besser als Du,
Ich bin gläubiger als Du u.s.w.
Ich verbinde damit Religionskriege und Intoleranz.
Ich kann nur schwer akzeptieren, daß sich religiöse Gedanken an einem Stück Stoff manifestieren sollen.
Und speziell das Kopftuch für Frauen hat ja eine bestimmte Bedeutung, die ich als Frau schon mal gar nicht toll finde.
Ich kenne Firmen, da dürfen nicht mal die Programmierer, die keinen Kundenkontakt haben, im Sommer bei größter Hitze in kurzer Hose kommen.
Finde ich auch blöd, aber wenn sich alle dran halten, machts wenig Sinn, sich dagegen aufzulehnen.
Da gibts wichtigere Themen. wo man sich aus dem Fenster lehnen kann.
Hätte die Kollegin nicht erst mal abgemahnt werden müssen?
Deine Betroffenheit kann ich gut verstehen.
Siehe dazu auch: http://www.hensche.de/Abmahnung_in_Stuttgart_Abmahnung_wegen_Ausuebung_der_Religion_am_Arbeitsplatz_in_Stuttgart_BAG_2AZR593-09.html
"Eine Weisung, am Arbeitsplatz keine religiösen Symbole wie beispielsweise ein Kopftuch zu tragen, ist eine (mittelbare) Benachteiligung wegen der Religion im Sinne der §§ 2 Abs.1, 3 Abs. 2 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Das ist grundsätzlich als Diskriminierung verboten (§ 7 AGG), wenn nicht ausnahmsweise eine unterschiedliche Behandlung wegen der Religion gerechtfertigt ist. Die möglichen Rechtfertigungsgründe sind in den §§ 8 ff. AGG geregelt. Dazu gehört beispielsweise, dass die Benachteiligung bzw. unterschiedliche Behandlung wegen der Religion "wegen der Art der auszuübenden Tätigkeit oder der Bedingungen ihrer Ausübung eine wesentliche und entscheidende berufliche Anforderung darstellt" (§ 8 Abs.1 AGG). Ist die Weisung eine Diskriminierung, kann der Arbeitnehmer unter den in § 15 AGG näher bestimmten Voraussetzungen Schadensersatz verlangen."
Ist ein Kopftuch etwas anderes als ein Kreuz, was am Hals getragen wird, eigentlich nicht, da beide die Zugehörigkeit zu einer Religion kundtun.
Nur für die meisten Christen oder Atheisten ist und bleibt es wesensfremd. Ein Teil unserer Kultur ist es eigentlich auch nicht. Mir ist nur nicht klar, ob dies eine wirklich freie Entscheidung ist sich so zu bedecken oder ob es ein Zeichen Patriachats-Gewalt ist, die das bedingt. Das könnten wir zwar auch nicht verhindern, aber es wäre genau das was wir in unserer Gesellschaft nicht wollen, Diskriminierung wegen des Geschlechts
Aber es ist auch ein Zeichen von Toleranz unserer Gesellschaft dies zu akteptieren. Islamische Staaten gehen mit anderen Religionen nicht so freundlich um.
Was ganz anderes ist es dieses Tuch zu tragen, um zu zeigen, ich bin anderst als ihr Ungläubigen. Das in Verbindung mit einem auch durch diese Art vorsichhertragenden Fanatismus, da tue ich mich schon etwas schwer.
Ich empfinde ähnlich zwiespältig angesichts dieses Themas-und es ist sehr schwierig, in der Betrachtung des Gesamten zu differenzieren: man kann das Kopftuch als Ausdruck der Religionsfreiheit sehen-aber auch als Widerspruch zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern.
Im speziellen Falle meiner Kollegin arbeiten wir in einer Firma ohne Kundenverkehr-und ohne Erziehungsauftrag, d.h. Kinder können weder bewußt noch unbewußt beeinflusst werden.
Meine Kollegin ist bewußt im Erwachsenenalter zum muslimischen Glauben konvertiert, also nicht zwangsweise "hineingeboren" worden.
Unser Abteilungsleiter hat uns heute kurz zusammengerufen und uns darüber informiert, dass es nächste Woche eine Stellungnahme zu diesem Thema von der Geschäftsführung geben wird.
Irgendetwas in mir sträubt sich jedenfalls dagegen, dass diese sehr freundliche und kompetente Kollegin, von der niemand von uns jemals eine religiöse Meinung vernommen hat, eben aus diesem Grunde, dass sie ihr Kopftuch auch am Arbeitsplatz tragen möchte, gekündigt werden soll.
Wir sind erwachsene und mündige Menschen: und ich bereue es jetzt, dass ich sie selbst nicht einfach mal gefragt habe, was sie mit dem Tragen ihres Kopftuches verbindet.
Mal drüber nachgedacht, ob sie vielleicht gekündigt haben wollte?
Ist jetzt nur so ein blöder Gedanke von mir.
Aber ich war schon in Situationen, wo ich froh gewesen wäre, wenn mir der Arbeitgeber gekündigt hätte, statt daß ich selbst kündigen mußte.
Auf die Idee einfach ein Kopftuch anzuziehen bin ich allerdings nicht gekommen. ;-)
Und ich würde es auch heute nicht auf diesem Wege probieren, aber es kam mir so in den Sinn.
Unabhängig davon, rentiert es sich sicher, gegen die Kündigung vorzugehen.
Siehe den Link von Marshavan.
Aber das wird sie schon selbst in die Wege leiten, wenn sie das anfechten will.
Verstehen kann ich weder sie, noch den Arbeitgeber, aber das muß ich ja auch nicht.
Ich hatte mal (im europ. Ausland) einen Kollegen, der hat sich als gläubiger Muslim geweigert, Frauen die Hand zu geben (zu berühren). Sonst ein extrem freundlicher Mann, sehr zuvorkommend, ein ruhiger Typ. Ich habe das damals kommentarlos akzeptiert. Heute würde ich mindestens eine Diskussion vom Zaun brechen.
Klar, tut keinem Weh. Aber ich als Arbeitgeber würde es nicht akzeptieren.
Die Frage ist doch, wo ist die Grenze.
ist wirklich ein "blöder Gedanke".
Angesichts ihrer Freude an ihrer Arbeit und ihrer Akzeptanz unter allen Kollegen kann ich mir das nicht vorstellen, dass sie das Tragen ihres Kopftuches als "Mittel zum Zweck" einer selbst herbeigeführten Kündigung eingesetzt haben könnte.
Steht mir eigentlich gar nicht zu, sowas zu vermuten.
Daher bedauere ich es ja, dass ich sie selbst nicht auf dieses Thema angesprochen habe: im persönlichen Gespräch mit ihr hätte ich mir meine eigene Meinung bilden können.
Artikel 3, Absatz 3 des deutschen Grundgesetzes schreibt auch was dazu:
"Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden."
Wohlgemerkt: Hier geht's nur um ein Kopftuch und nicht etwa um die Burka.
Sicher, dass für die Beurlaubung nur das Kopftuch maßgeblich war, und nicht etwa ganz andere Dinge?
danke Dir für Deine Antwort.
ich sehe das deutsche Grundgesetz auch als oberste Instanz: wenn lediglich das Kopftuchtragen aus religiösen Gründen zu einer Kündigung führt, ist das eindeutig rechtswidrig.
Im weiteren Sinne sagt dieses Gesetz aber auch, dass niemand wegen seines Geschlechts benachteiligt werden darf.
Wenn man es von der Seite betrachtet, könnte das Tragen des Kopftuchs in seiner religiösen Symbolik eine Ungleichbehandlung von Mann und Frau im muslimischen Glauben, der unter deutscher Rechtsprechung gelebt wird, darstellen: und damit auch eine Benachteiligung sein; oder-insbesondere für die Gemeinschaft der Menschen im muslimischen Glauben- eventuell sogar eine Bevorzugung, wie Maria_L anschaulich beschrieb: "Ich bin anders als Du. Ich bin besser als Du. Ich bin gläubiger als Du".
Ich glaube, das ist auch der Punkt, warum dieses Thema so schwer zu greifen ist: hier treffen deutsches Grundgesetz, deutsche Kultur und die Kultur eines uns weitgehend fremden Glaubens aufeinander.
Zudem ist die Benachteiligung von Frauen gegenüber Männern im muslimischen Glauben selbst innerhalb dieser Religionsgemeinschaft ein ungeklärtes Thema.
Was Eure Fragen zu meiner Kollegin betrifft:
Mir ist nicht bekannt, ob sie vorweg eine Abmahnung bekommen hat.
Ich weiß nur, dass alle Kollegen durchweg von ihrer Freundlichkeit und Kompetenz sehr begeistert waren (mich eingeschlossen): und das von Beginn an-bereits vor ihrem "Outing" (ich nenne das jetzt mal so).
Was die Gerüchte sagen, hat sie unseren Betriebsrat kontaktiert.
Bin gespannt auf die Aussagen der Geschäftsführung: erwarte mir aber nicht allzu viel davon.
http://www.utopia.de/blog/bubensteyns-beschauliche-blatter/uebertrieben
Ich würde es allerdings begrüßen, wenn dies im privaten Bereich geschieht - bin "Nonnengeschädigt" durch Schulbesuch und Beruf, und für die strikte Trennung im öffentlichen Bereich.
Die obligatorischen Kreuze in Klassenzimmern sind mir genauso unbehaglich.
Oweh... :-)
Kann ich nachvollziehen.
Mein Gärnter-Lehrbetrieb + zugehörigem Kinderdorf wurde von einem religiösen Fanatiker gegründet.
Die Kinder durften keine Bilder an die Wand hängen, weil in der Bibel steht, Du sollst Dir kein Abbild machen.
Und die Angestellten natürlich auch nicht.
Das hätte mich fast meine Lehrstelle gekostet, weil wir Lehrlinge und Zivis in meiner ersten Woche den Esssaal in unwissender Naivität und mit großer Freude mit einem schönen Wandgemälde verschönert haben.
Der Heimleiter hatte es erlaubt.
Dann kam der Gründer zu Besuch und hätte uns am liebsten alle rausgeworfen.
Gerettet hat uns dann ausgerechnet eine Nonne.
Die nette Schwester "Weiß nicht mehr wie sie hieß" aus dem Gästehaus hat sich für uns eingesetzt und ihrem Chef einen kleinen Vortrag über aktive Nächstenliebe gehalten.
War das eine Aufregung wegen einem Bild.
Und ich war danach fertig mit dem Betrieb und habe zwei Jahre lang die Zähne zusammen gebissen.
Für sowas habe ich seitdem kein Verständis mehr.
Weder dafür, daß man das Kopftuch oder Kreuz unbedingt will, noch dafür, daß man es verbietet.
Das ist doch sowas von wurscht angesichts der täglichen Katastrophen...
Jetzt ist mir auch wieder eingefallen, warum mich das Thema so triggert.
Diese alte Geschichte hatte ich schon fast vergessen .
http://www.huellenfilm.ch/
Hier der Trailer in deutsch: http://vimeo.com/27091117#
Aussage: Absprachen wurden nicht eingehalten.
Es ist allerhöchste Zeit, mal über das Miteinander intensiver nachzudenken!
Ich kenne jetzt nur diese eine Seite der Darstellung der Geschäftsführung: und wie ich vermutet hatte, hat diese mich nicht wirklich überzeugt.
Es wurde "politisch korrekt" um das Thema herumgeredet: eine Kollegin von mir sagte anschließend sehr treffend, sie hatte das Gefühl, dass "Angela Merkel" vor uns steht...
Ich werde versuchen, persönlichen Kontakt zu der betroffenen Kollegin aufzunehmen: ich brauche "ihre Seite", um mir meine eigene Meinung bilden zu können.
Blöd, dass ich das erst im Nachhinein so sehe: aber das ist eben dieser Denkprozess, den ich so sehr schätze-und der durch Eure Kommentare positiv unterstützt wird.
http://www.utopia.de/blog/bubensteyns-beschauliche-blatter/kopftuch-iii