Ich bin aktive Tierschützerin, gehe jetzt wieder für 1 Jahr nach Mexiko, um den Straßenhunden zu helfen (www.mexikoprojekt.de), lebe seit 22,5 Jahren vegetarisch und seit 3,5 Jahren lebe ich vegan. D.h. ich esse und benutze nichts, das tierischen Ursprungs ist oder tierische Substanzen enthält.

Ich habe eine Katze, die Fleisch frisst und wir hatten einen Hund, der vegetarisch lebte. So viel vorab.

Irgendwann hat mal irgendjemand Tiere in verschiedene Kategorien eingeteilt:

Versuchstiere, Nutztiere, Haustiere, Pelzzuchttiere, etc. Und entsprechend ihrer Deklaration wird diesen Tieren Lebensrecht und Empfindung abgesprochen.

Ein Tier der Kategorie „Haustier“ wird gepflegt, gefüttert, zum Tierarzt gebracht. Und jeder, der ihm Schmerzen zufügt, wird als Tierquäler betrachtet. „Der arme Hund muss die ganze Zeit in einem Zwinger leben.“ „Natürlich hat meine Katze Gefühle!“. Wenn einer seine Katze oder seinen Hund schlachtet, wird dieser sicher als Tierquäler angeprangert. MAN DARF DOCH KEINEN HUND ESSEN!!!!!!!

Ein Schwein hat die gleichen Empfindungen wie ein Hund oder eine Katze. Es fühlt Schmerz, es braucht Zuneigung, es empfindet Freude und Leid und Angst. Wissenschaftlich belegt - von NICHT-VEGETARIERN - ist das Bewusstsein eines Schweins identisch dem eines dreijährigen Kindes. Das bedeutet die Wahrnehmung als „ICH“ ist vorhanden und ebenso die Fähigkeit, Schlüsse zu ziehen.

Weil das Schwein aber zur Kategorie „Nutztier“ gehört, wird ihm jede Lebensberechtigung und Empfindung abgesprochen. Die grausigsten Qualen vom Moment seiner Geburt bis zum Augenblick seines Todes werden ihm zugemutet - IST JA NUR EIN SCHWEIN.

Menschen, die Tiere lieben, schütteln entsetzt die Köpfe, wenn sie mitbekommen, wie 4-6 Wochen alte Hunde- oder Katzenwelpen von ihren Müttern getrennt und vermittelt werden. DIE BRAUCHEN DOCH NOCH IHRE MUTTER. DIE SIND DOCH NOCH VIIIIEEEL ZU KLEIN.

Wenn man ein Kälbchen gleich nach seiner Geburt in eine separate Box sperrt, es nicht ein einziges Mal die Chance bekommt, von seiner Mutter geleckt zu werden, an ihr zu säugen, es stattdessen entweder mit anderen Jungtieren oder in einer Isolierbox alleine steht und mit einer stark gesalzenen Lösung getränkt wird - da ruft keiner: DAS BRAUCHT DOCH SEINE MUTTER, ES IST DOCH NOCH VIEL ZU KLEIN.

Der Grund ist sicherlich nicht der, dass man Kühen Intelligenz und Emotionsfähigkeit abspricht, denn jeder, der mal dabei war, weiß, dass sowohl Kalb als auch Kuh die ersten Tage ununterbrochen nacheinander schreien. Deswegen kommen die Kälbchen ja auch oft in die Plastikboxen woanders hin, damit das Rufen nicht so lange dauert.

Es gibt noch Tausende von Beispielen dieser Art.

Was unterscheidet Schweine, Kühe, Gänse, Hühner, Truthähne „Wild“, Schafe etc. von Hund und Katz und Zwergkaninchen?

Alle fühlen Schmerz. Alle fühlen Angst, Freude, Trauer. Alle haben ein gewisses Maß an Intelligenz und Liebesfähigkeit.

Nur die Kategorie, in die das Tier eingeteilt wurde, macht die Grausamkeit, die man an einem Tier begeht, zu etwas, was in Ordnung ist, oder etwas, was Tierquälerei ist.



Aber ist es deswegen wirklich richtig? Ist es deswegen wirklich in Ordnung?

In Afrika ist es für die Menschen total in Ordnung, ihren Töchtern die Klitoris und Schamlippen abzuschneiden. Mütter führen ihre Töchter zu diesem grausigen Ritual wie sie von ihren Müttern gebracht wurden. Sie haben keinerlei Schuldgefühl, stellen dieses Ritual nicht in Frage. Es war schon immer so - sie kennen es ja nicht anders. Ist es deswegen richtig?

In vielen Ländern der Welt sind Frauen Menschen 2. Klasse. Sie zu steinigen, wenn sie vergewaltigt wurden, sie zu verbrennen, wenn ihr Mann gestorben ist, sie gleich nach der Geburt zu töten - all dies ist für die Menschen, die in dieser Kultur leben, ganz normal, ganz selbstverständlich. Ist es deswegen richtig?

Irgendwann einmal kam ein Mann und sagte: Juden sind Untermenschen. Und schwups, hat ein ganzes Volk mitgemacht. Jüdische Säuglinge wurden in die Luft geschleudert und abgeschossen. TONTAUBENSCHIESSEN auf andere Art. Die jüdischen Menschen waren plötzlich keine Menschen mehr und sie zu enteignen, zu berauben, zu foltern und umzubringen war plötzlich berechtigt. War das richtig?

Jede Kultur hat ihre Normen und Werte, die die meisten in dieser Kultur Lebenden annehmen und als richtig bezeichnen. Und vielleicht schütteln andere Kulturen darüber den Kopf, weil sie sehen, dass diese Normen und Werte nicht richtig sind und stattdessen Leid, Qual und Ungerechtigkeit produzieren.

Tatsache ist, kein Mensch hat das Recht, einem anderen Lebewesen Lebensrecht abzusprechen. Nur weil irgendeiner irgendwann einmal Kategorien aufgestellt hat, ist das noch lange nicht richtig.

Wir alle - jeder von uns - sind selbst verantwortlich für das, was wir tun. Wir können und sollten uns immer - egal worum es geht - fragen, ob das woran wir glauben, auch ethisch und moralisch richtig ist, oder ob wir es uns nur einfach machen und unsere Verantwortung abgeben, weil wir von diesem Unrecht profitieren.

Tatsächlich ist nicht ausgeschlossen, dass ein Fleischesser Tiere liebt, aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass ein Fleischesser nur bestimmte Tiere liebt und ganz klar Unterschiede macht.

Ich kann verstehen, dass Fleisch essende „Tierschützer“ sich angegriffen fühlen, wenn sie ihre Liebe zu Tieren oder gar ihr aktives Handel, um Tieren zu helfen, abgewertet bekommen, weil sie Tiere essen.

Das will ich hier nicht tun. Jeder, der einem Tier hilft, – egal, ob es ein Hund oder ein Katze ist, ob er im Tierheim mitarbeitet oder für Tiere spendet - tut diesem Tier etwas Gutes.

Aber trotzdem kann man nicht verleugnen oder beschönigen, dass dieser Tierschützer jedes Mal, wenn er in ein Stück Fleisch oder Wurst beißt oder in eine Lederjacke oder einen Pelzmantel schlüpft, verantwortlich ist für die unermessliche Grausamkeit, die ein empfindsames Lebewesen erdulden musste. Diesem Tier tut er nichts Gutes. Im Gegenteil.

Denn egal, wie weit entfernt das Schlachthaus ist, die Pelzfarm, nur wenn es Abnehmer gibt, wird das Massaker weitergehen.

Je mehr Menschen sagen: JEDES TIER VERDIENT MITGEFÜHL UND HAT EINE EXISTENZBERECHTIGUNG, JEDE GRAUSAUMKEIT AN FÜHLENDEN WESEN IST UNRECHT UND ICH WILL NICHT MEHR VERANTWORTLICH SEIN FÜR DAS LEID, DAS ANDEREN FÜHLENDEN WESEN ZUGEFÜGT WIRD, desto geringer wird die Nachfrage nach Lebensmitteln tierischen Ursprungs und desto erfolgloser die Industrie mit lebenden, fühlenden Wesen.

Ich kann nicht verstehen, wie man sagt, man liebt Tiere, wie man aufschreit und Petitionen unterzeichnet, die zur Beendigung von Walschlachten, Robbenschlachten, Tierversuchen dienen, wie man sich über Stierkämpfe, Schlittenhunderennen aufregt, die Asiaten verurteilt, weil sie Affenhirne, Hunde und Katzen essen, und selbst aber kleine Kälber isst, kleine Schweine, kleine Lämmer etc.

Ich kann wohl niemals begreifen, wie Menschen auf Tierkommunikationsseminare gehen, um zu lernen, mit Tieren zu kommunizieren, völlig überwältigt sind über ihre Erfahrung, mit ihrem „Rex“ oder ihrer „Susi“ sprechen zu können, erkennen, dass JEDES TIER in der Lage ist, mit ihnen zu kommunizieren, und dann in der Pause oder nach dem Seminar nach Hause gehen und sich ein Steak oder Schnitzel reinschieben. Ich bezweifle, dass das Tier - hätte es die Gelegenheit gehabt - gesagt hätte: „Ich finde es schön, dass ich seit Geburt gequält wurde und nun umgebracht werde, damit du mich essen kannst.“ Für mich wird dies immer absurd und unbegreiflich sein.

Zum Schluss noch 3 Anmerkungen:

Ich kenne viele Menschen, die von Geburt an vegetarisch leben - alle sind gesund. Es gibt keine Mangelerscheinungen. Sie gehen oder gingen aufs Gymnasium - d.h. das Hirn funktioniert auch ohne Fleisch prima - und sie sind weder blass noch gebrechlich. Und das obwohl – oder gerade weil – sie auf tierische Nahrungsmittel verzichten.

Obwohl ich Veganerin bin, tendiere ich eher zu Über- als Untergewicht. Und ich ernähre mich nicht nur von Gemüse. Mit Tofu, Soja Getreide und Gemüse kann ich sehr abwechslungsreich und vielfältig kochen. Ich kann alle tierischen Produkte mit pflanzlichen Produkten ersetzen. Ich zaubere ein veganes „Steak“ oder eine vegane „Schwarzwälder-Kirsch-Torte“, die jeder Fleischesser mit Begeisterung isst.

Und klar gibt es Lebewesen, die Fleisch essen. Raubtiere nennt man sie. Und klar, wir können Fleisch essen. Aber wir brauchen es nicht und wir können darauf verzichten und wenn wir die Wahl haben, uns so zu ernähren, dass wir dabei weder einem anderen Lebewesen noch uns selbst schaden - warum sollten wir das dann nicht tun?