Nicht erst seit der Atomkatastrophe in diesem Jahr im japanischen Fukushima ist Ökostrom in Deutschland gefragt. Ökostrom ist jedoch nicht gleich Ökostrom. Hinter manch grün klingendem Angebot stecken trotzdem Atom- oder Kohlekraftwerksbetreiber. Bei den Elektrizitätswerken Schönau (EWS) ist das anders. Sie sind aus der Anti-Atomkraft-Bewegung entstanden.
In Schönau ist alles anders. In den Dächern des kleinen Schwarzwaldstädtchens im Landkreis Lörrach spiegelt sich der Himmel – selbst auf dem Dach der evangelischen Kirche blitzen Solarzellen. Die Schönauer Bürger wollten nach der verheerenden Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im April 1986 ihre Energieversorgung selbst in die Hand nehmen. So gründeten sie mehrere Energie-Initiativen, im Jahr 1991 übernahmen sie das örtliche Stromnetz, seit 1999 sind die EWS bundesweit aktiv.
EWS-Geschäftsführerin Ursula Sladek ist eine „Stromrebellin“ der ersten Stunde. „Die EWS verfolgen einen politischen und einen ökologischen Ansatz mit ihrem Angebot“, sagt sie. Politisch sind die EWS, weil sie nach eigenen Angaben der einzige Ökostrom-Anbieter in Deutschland sind, der garantiert, dass seine Stromproduzenten „keinerlei Kapitalbeteiligungen von Atomkraftwerksbetreibern oder deren Tochterunternehmen haben“, sagt Ursula Sladek. Dies wird – ebenso wie die Angaben über Stromherkunft und Verwendung der Fördergelder – jährlich vom TÜV Nord zertifiziert. Der ökologische Ansatz der EWS ist: Mindestens zwei Drittel ihres Stroms müssen aus Neuanlagen stammen, also Kraftwerken, die nicht älter als sechs Jahre sind. „Das ist uns deshalb so wichtig, weil wir etwas für den Ausbau der erneuerbaren Energien tun wollen“, sagt Sladek. Wer hingegen Strom aus 25-Jahre-alten-Wasserkraftwerken als Ökostrom verkaufe, tue zwar rechtlich nichts Falsches, der bestehende Strom würde jedoch nur anders verteilt. „Die Ökostromproduktion steigt dadurch nicht an; es ist kein ökologischer Nutzen enthalten“, sagt Sladek. Der Strommix bei den Elektrizitätswerken Schönau setzt sich nahezu komplett aus erneuerbaren Energien zusammen.
Bundesweit beträgt der Anteil rund 17 Prozent, bei den EWS sind es 99,5 Prozent aus Wasserkraftwerken, davon 70 Prozent aus neuen Anlagen. 0,5 Prozent des EWS-Stroms stammt zudem aus Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, sprich: hocheffizienten Gaskraftwerken, die nicht nur Strom erzeugen, sondern auch die dabei entstehende Abwärme als Quelle für Heizenergie oder Prozesswärme nutzen. Die EWS haben nach eigenen Angaben die schärfsten Standards im Ökostrom-Bereich. Dazu gehören die Herkunft des Stromes, die Besitzverhältnisse ihrer Stromproduzenten und die Förderung neuer dezentraler umweltfreundlicher Stromerzeugungsanlagen über den „Sonnen-Cent“: Jeder EWS-Kunde wählt, ob er pro verbrauchter Kilowatt-Stunde einen halben, einen oder zwei Cent für die Förderung auf den Strompreis aufschlägt. Mit sauberem Strom sauberen Strom fördern. Eine saubere Sache!
Daniel Staffen-Quandt
Journalist, Würzburg.
Mehr Informationen über die Energiewerke Schönau (EWS)
gibt es unter www.ews-schoenau.de
Die EWS sind vielfach ausgezeichnet, ihr Ökostrom unabhängig empfohlen und „sehr gut“ getestet
Die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) wurden mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet – hier eine Auswahl: 1994 Deutscher Energiepreis, 1999 Nuclear Free Future Award, 2003 Europäischer Solarpreis, 2008 Social Entrepreneur, 2010 Querdenker®-Award, 2011 Goldman Enviromental Prize („Nobelpreis für Umweltschutz“ der USA). Empfohlen wird der Ökostrom der EWS u.a. vom BUND, Bund der Energieverbraucher, Deutsche Umwelthilfe, urgewald, die klima-allianz, Robin Wood und campact. Er ist „sehr gut“ getestet von ÖkoTest (4/2010) und von der Stiftung Warentest zweimal mit „gut“ benotet (10/2009).



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