Gentechnik Protest

„Das ist unser großes Ziel“, sagt Bio-Landwirt Dietmar Groß aus dem hessischen Mühlhausen bei Homberg-Efze, zugleich Sprecher des Bündnisses „Kein Genmais im Schwalm-Eder-Kreis“. Erste Selbstverpflichtungen von konventionell wirtschaftenden Landwirten aus der Region liegen ihm vor. In ihnen verzichten sie freiwillig auf den Anbau gentechnisch veränderter Organismen (GVO) und auf die Fütterung mit gentechnisch verändertem Sojaschrot. Dietmar Groß ist optimistisch, dass die Bereitschaft, sich der Bewegung anzuschließen, rasch steigt. Denn seit eineinhalb Jahren ist die Region ein ganzes Stück zusammengewachsen.

Im Dezember 2006 war nämlich ein Eintrag im Anbauregister aufgetaucht: Auf einem Acker in Niedermöllrich, Ortsteil von Wabern, wollte der US-Saatgutkonzern Monsanto GVO-Mais ausbringen. Das löste innerhalb der Bevölkerung Bestürzung aus. Dietmar Groß organisierte mit seinen Kollegen den Widerstand gegen diese Pläne, den die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck, die Naturschutzverbände, die Verbraucherzentrale und die Vereinigung Hessischer Direktvermarkter sofort unterstützten. Kurze Zeit später schlossen sich der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Bioverbandsorganisationen und die SPD des Schwalm-Eder-Kreises mit ihrem Landrat Frank-Martin Neupärtl an. Zu einer Demonstration Anfang Januar 2007 kamen 50 Gentechnik-Gegner; zwei Monate später waren es über 900. Die sofort gegründete Bürgerinitiative „Kein Genmais in Niedermöllrich und Umgebung“ entstand.

„Aufgrund des Drucks, der in der Region aufgebaut war, zog Monsanto den Antrag zunächst zurück. Der Konzern begründete das damit, dass sich der Eigentümer der Fläche bedroht fühle“, sagt Dietmar Groß. „Aber keiner von uns hat je Gewalt ins Kalkül gezogen. Unsere Gruppe hat immer zwischen dem Vorhaben von Monsanto auf der einen und dem Zusammenleben im Dorf auf der anderen Seite getrennt.“ Auch der Pfarrer suchte mehrfach das Gespräch zur Familie, auf deren Feld der Genmais angebaut werden sollte.

„Trotz des großen Zwischenerfolgs haben wir unsere Aufklärungsarbeit nicht eingestellt. Gemeinsam mit der Kirche organisieren wir weiter Veranstaltungen, um auf die ungeklärten Risiken der grünen Gentechnik hinzuweisen“, meint der Bio-Landwirt. „Mehr noch: Wir arbeiten inzwischen mit Bäckern und Metzgern in der Region daran, GVO-freie Lebensmittelerzeugung auf kurzem Weg zu organisieren.“

Die Genehmigung zum Anbau von Genmais bei Niedermöllrich hat unverändert ihre Gültigkeit. Allerdings wird es für Monsanto zusehends schwerer. Auf dem benachbarten Acker hat die Kirche Bantam-Mais, eine alte Gemüsemaissorte, angebaut. Bei der Aussaat von Genmais würde es zu Problemen mit dem vorgeschriebenen Nebeneinander von Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik aufgrund der Abstände kommen. Außerdem befindet sich ein ebenfalls benachbarter Landwirt im Rechtsstreit mit der Genehmigungsbehörde: Er baut für einen deutschen Lebensmittelhändler Gemüse an und sieht sich durch das Monsanto-Vorhaben in seiner Existenz gefährdet.

Carsten Kallenbach
Freies Journalistenbüro der Rhön