Im November 1947, also vor 65 Jahren, hat Theo Gutberlet das heutige Unternehmen tegut... mit einem Startkapital bestehend aus einigen gebrauchten Nägeln, selbstgemachten Taschen aus Wehrmachtsrestbeständen und selbstgenähten Hemden aus Fallschirmseide gegründet. Begonnen hat alles mit zwei kleinen Tante-Emma-Läden in Fulda.

Alois Schwarzer, geboren am 4. Juli 1934, trat im April 1948 in das Unternehmen ein: „Als ich dazukam, gab es noch alles auf Lebensmittelmarken. Vieles war noch nicht fertigverpackt, sondern wurde lose verkauft. Wir, die „Stifte“ (heute bei tegut... „Lernende“ genannt), haben zum Beispiel Zucker, Mehl, Grieß, Sago* und Nudeln in Säcken in den Laden geschleppt und dann in die entsprechenden Schubladen eingefüllt. Für unsere Kunden haben wir dann alles mit der großen Waage abgewogen und sorgfältig verpackt. Damals gab es je eine Sorte Essig und Öl in großen Kanistern. Die wurden dann in die von den Kunden mitgebrachten Flaschen oder Gefäße abgefüllt.“

In Anbetracht der über 70 Sorten feinster Öle, angefangen beim Arganöl über Albaöl und verschiedenste Olivenöle bis hin zu Kürbiskern- und Walnussöl, welche heute im Regal bei tegut... stehen, ist das kaum vorstellbar. Essig gibt es heute in einer ebenso großen Vielfalt: alter, in Holzfässern gereifter Balsamico steht neben frischen Kräuteressenzen, Bio-Produkten, den hoch- wertigen und preisgünstigen tegut... Eigenmarken, den Markenartikeln und den Produkten zum „kleinsten Preis“. Bei dieser Auswahl ist für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel etwas dabei.

Alois Schwarzer weiter: „Die Milch wurde in 50-Liter-Kannen bei der Molkerei mit dem Transportrad abgeholt und dann den Kunden in die mitgebrachten Milchkannen abgefüllt. In dieser Zeit waren die Geschäfte sogar sonntags nur fuür den Milchverkauf von acht bis zehn Uhr geöffnet.“ Mittlerweile wird die Milch passgerecht in Halbliter- oder Litertüten angeliefert, zum Teil immer noch aus der Region. Verändert hat sich allerdings, dass es heute sogar Milch gibt, bei deren Herstellung Gentechnikfreiheit und ein fairer Handel garantiert werden.

Alois Schwarzer: „Es war im Grunde alles wieder da! Süße und saure Sahne, Dickmilch und Butter.“ Auf die Frage nach Joghurt schüttelt Herr Schwarzer den Kopf: „Den gab es damals nicht.“ Das mag man gar nicht glauben, wenn man heute die vielen verschiedenen Joghurt-Becher im Kühlregal zählt. Neben Natur- und Fruchtjoghurts in jeder Geschmacksrichtung, die lak- tosefreien, die Schaf- und Ziegenjoghurts und all jene mit verschiedenen Fettgehaltsstufen.

Gretel Germeshausen, geboren am 5. Februar 1938, kam 1953 als „erster Bürolehrling“ dazu, damals hieß tegut... noch „Theo Gutberlet Lebensmittel und Feinkost“. Sie berichtet aus dieser Zeit: „Die Läden waren ja klein! Mehr als 700 Artikel konnten gar nicht untergebracht werden. Aber das Wichtigste: Alles wieder da! Orangen zur Weihnachtszeit, Bananen, Datteln. Es gab Weine und Bier, Schokoladen-Puffreis und Pfefferminz-Bruchschokolade, Cremehütchen, Kokosflocken und Rumkugeln – alles lose –, die wurden dann hundertgrammweise verkauft. Beim Blick heute auf die Süßigkeiten-Regale bei tegut... scheint es uns, als wären seit damals täglich neue Produkte hinzugekommen. Nur so ist die unglaubliche Vielfalt zu erklären, die mittlerweile zur Auswahl steht und einzigartig im deutschen Handel ist.

Waldemar Herbig, geboren am 4. November 1930, kam 1958 in das Unternehmen. Seine Lehre als Kaufmann hat er 1947 in einem kleinen Tante-Emma-Laden in Petersberg (bei Fulda) begonnen. Er übernahm bei „Tegut“ – noch groß geschrieben und ohne die drei Punkte – den Einkauf von Obst und Gemüse. Dafür ist er damals täglich von Fulda nach Frankfurt in die Großmarkthalle gefahren. Seine Arbeitszeit begann morgens um 3 Uhr. Er erzählt: „Den kleinen Lieferwagen habe ich im Sommer mit Strohmatten isoliert und im Winter sogar einen kleinen Gasofen auf die Ladefläche gestellt. Die empfindliche Ware sollte auf dem weiten Weg bis Fulda ja keinen Schaden nehmen! Ich erinnere mich noch an die ersten Pampelmusen. Die wurden zu 5 Stück gekauft und dann an die Läden verteilt.“

Auf die Frage, was die Mitarbeiter der ersten Jahre empfinden, wenn sie an damals denken und jetzt einen tegut... Markt mit über 20 000 Produkten in den Regalen sehen, antwortet Waldemar Herbig: „Einmal nur vier Wochen mit den Grundnahrungsmitteln von damals auskommen. Was da gespart werden würde!“

Mit Gretel Germeshausen, Waldemar Herbig und Alois Schwarzer sprach Heidi Gebhardt, Autorin, Hanau.

*Sago bzw. Perlsago wird vor allem zum Andicken von Fruchtgrützen, Kaltschalen und Puddings verwendet.