Erch Fried: zu guter Letzt
Als Kind wußte ich:
Jeder Schmetterling
den ich rette
Jede Schnecke
und jede Spinne
und jede Mücke
jeder Ohrwurm
und jeder Regenwurm
wird kommen und weinen
wenn ich begraben werde
Einmal von mir gerettet
muß keines mehr sterben
Alle werden sie kommen
zu meinem Begräbnis
Als ich dann groß wurde
erkannte ich:
Das ist Unsinn
Keines wird kommen
ich überlebe sie alle
Jetzt im Alter
frage ich: Wenn ich sie aber
rette bis ganz zuletzt
kommen doch vielleicht zwei oder drei?
* * *
Zum Original-Blogbeitrag von Maike geht es hier: Das große Krabbeln
Ich danke Euch sehr!


Kommentare (7)
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Wie aber sieht es mit den Motten aus, die ich nicht an meine Kleider lassen will und daher sehr bewusst töte?
Das Gedicht gefällt mir aber trotzdem wahnsinnig gut, weil es neben dem Leben auch etwas von der kindlichen Unschuld erzählt, mit der wir Dinge tun. Und der Achtlosigkeit im Erwachsenenalter. Und der Rückkehr der Weisheit, wenn wir uns im Angesicht des eigenen Todes wieder auf den Kern des Menschseins besinnen.
Über die Motten habe ich lange nachgedacht: Ich kann sie nicht töten. Deswegen vertreibe ich sie mit Zedernholz. Das hat ganz gut funktioniert.
Das Gedicht gefällt mir durchaus auch angesichts der Bilder, die durch die Worte entstehen.
Zu den Motten: Leider reicht Zedernholz bei mir nicht...
Danke für den Link zu ihr.
lieber Thomas,
magst Du ihr das Lied schicken (ich schaff es selber nicht, stell mich an, ihr über ihre Seite etwas zu senden, bin da bissl unbedarft) - ich grüß Sie und drück ihr von ganzem Herzen die Daumen, unbekannterweise
Manu
http://www.utopia.de/blog/mein-personlicher-standby-modus/kaefer-auf-m-blatt